SDI – 80s Metal Band

Tolle, messerscharfe Gitarrenriffs mit einem Gesang, der – wenn man nett sein will – als kultig-kauzig im Sinne des gezockten 80er-Speed-Metals beschrieben werden kann

Artist: SDI

Herkunft: Deutschland

Album: 80s Metal Band

Spiellänge: 44:50 Minuten

Genre: Speed Metal, Thrash Metal

Release: 31.01.2020

Label: MDD Records

Links: https://www.facebook.com/sdimetal

Produktion: Mix von Føni Goedereis, Mastering von Peter „Pluto“ Neuber (Primordial, Blood Red Throne, Manos)

Bandmitglieder:

Gesang, Bass – Reinhard Kruse
Gitarre – Daniel Haverkamp
Drums – Christoph Olbrich

Tracklist:

1. 80s Metal Band
2. Freeride
3. Porno
4. Action
5. Trash
6. Sneaky War
7. (Let The) Ball Run
8. Here And Now
9. Back Against The Wall
10. I Hate You
11. Dead And Gone
12. She Said

Wenn man von einer Band keine Ahnung hat – und das wäre ziemlich normal bei einer Band, die immer Underground war und über drei Jahrzehnte nichts aufgenommen hat – dann kann der Beipack-Zettel schon mal helfen: „31 Jahre nach ihrem letzten regulären Longplayer Mistreated melden sich die deutschen Speed-Metal-Veteranen von SDI mit einem neuen Album zurück! Bereits seit 2013 verdichteten sich mit etlichen Konzerten und Festivalauftritten die wiederaufgenommenen Aktivitäten der Band und so stand man unter anderem beim Keep It True, dem True Trash Fest in Japan sowie dem tschechischen Obscene Extreme sowie etlichen Shows und Touren quer durch Europa seit 2017 wieder verstärkt auf der Bühne. Im Jahr 2019 verschlug es das Trio dann endlich wieder in diverse Studios, in denen man 12 neue Tracks aufnahm, welche in bester Old-School-Manier die Bandbreite der Band von Speedkrachern bis Metal-Hymnen widerspiegeln. Um gleich mit der Erwartung aufzuräumen, hier irgendwie das Rad neu erfunden zu haben, wird schon beim Albumtitel klar, was Sache ist – und so steht dieses Album ganz im Zeichen der 80er, bzw. dem Stil, welchem die Band bereits in den 80ern frönte!“

So viel also zum Hintergrund der Band. Jetzt aber zur Musik auf dem neuen Album: Die zeichnet sich durch eine krasse Unbekümmertheit aus, man hört sofort, hier zocken drei Kumpels, einfach, weil sie Bock drauf haben. Instrumental brettert das sehr oft fröhlich, frisch und frei nach vorn und macht auf jeden Fall viel Spaß (man höre dazu zum Beispiel die wirklich guten Up-Tempo-Songs Action, Trash und I Hate You).

Jedoch wird die Musik von SDI auf 80s Metal Band hauptsächlich von einem weiteren Element bestimmt – man muss leider sagen: in Mitleidenschaft gezogen. Und zwar ist das der grausige Gesang, der einem des Öfteren die Zehennägel hochklappen lässt. Klar, es gibt unzählige Metalbands, insbesondere im Thrash Metal und auch im Speed Metal, die technisch nicht sauber singen können und das mit Energie und Leidenschaft wettmachen. Aber so brüchig und schief wie auf diesem Album ist bei allem vermeintlichen Kultstatus der Band dann doch etwas zu viel. Beispielhaft kann das auf dem Opener und Titeltrack nachgehört werden: Der eigentlich gute Song wird durch den „Gesang“ zu keinem Hörvergnügen und man hat eher das Gefühl, einer Schülerband beim Proben zuzuhören.

SDI – 80s Metal Band
Fazit
SDI haben mit 80s Metal Band ein Album veröffentlicht, das großes Potenzial zeigt – die Gitarren, Drums und der Bass haben Wumms und reißen mehrmals mit. Zudem versprühen die Songs eine Unbekümmertheit und Frische, dass man sofort das Gefühl hat: Hier ist eine Truppe unterwegs, die richtig Spaß am Zocken hat. Man höre sich nur an, was auf Trash, Action oder She Said abgefackelt wird! Dazu ist der Sound allererste Sahne: klar, druckvoll, differenziert, besser geht’s nicht. Wenn da nur nicht dieser „Gesang“ wäre. Vokalist Reinhard Kruse übertreibt es entweder völlig mit seiner „Wir-sind-Kult-80er-Metal-Band-Attitüde“ und pfeift bewusst auf jegliche Kritik. Oder er und seine Kollegen haben wirklich was auf den Ohren. Das ist beim Großteil der sonst guten Songs einfach nur schief, brüchig und schlecht. Dabei geht es ja auch, ohne dass es einen graust, und zwar immer, wenn das Gaspedal durchgedrückt wird und vor allem vom Sänger nicht verlangt wird, eine lang gezogene Melodie zu singen. Am besten einfach nur Brüllen und Schreien, dann wäre das Ganze deutlich besser.

Anspieltipps: Trash, Action, I Hate You und She Said
Tobias K.
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