Shining – X-Varg Utan Flock

“Der Kampf mit den Dämonen“

Artist: Shining

Herkunft: Halmstad, Schweden

Album: X – Varg Utan Flock

Spiellänge: 41:24 Minuten

Genre: Extreme Metal, Suicidal Black Metal, Rock’n’Roll

Release: 05.01.2018

Label: Season Of Mist

Link: https://www.facebook.com/shiningofficial/

Produktion: Sonic Train Studios von Andy La Rocque

Bandmitglieder:

Gesang – Niklas Kvarforth
Gitarre – Peter Huss
Bassgitarre – Marcus Hammarström

Line-Up auf diesem Album:

Gesang – Niklas Kvarforth
Gitarre – Peter Huss
Gitarre – Euge Valovirta
Bassgitarre – Marcus Hammarström
Schlagzeug – Jarle Byberg

Gastmusiker:

Andy La Rocque – Gitarrensolo bei „Jag Är Din Fiende“
Olli Ahvenlahti – Piano bei „Tolvtusenfyrtioett“

Tracklist:

  1. Svart Ostoppbar Eld
  2. Gyllene Portarnas Bro
  3. Jag Är Din Fiende
  4. Han Som Lurar Inom
  5. Tolvtusenfyrtioett
  6. Mot Aokigahara

 

Beim Euroblast 2016 standen Shining auf der Main Stage in der Essigfabrik in Köln, und die Männer haben mich mit ihrem Auftritt schlicht und ergreifend weggeblasen. So habe ich also nicht lange gezögert, mir dieses Album zum Review zu nehmen. Da wusste ich allerdings nicht, dass es zwei Bands gibt, die Shining heißen. Hätte ich dann noch Glück gehabt, wäre dies ein Album der Shining, die ich beim Euroblast gesehen habe. Ist es aber nicht, und so mache ich also Bekanntschaft mit dem sogenannten Suicidal Black Metal von Niklas Kvarforth und dem aktuellen Line-Up von Shining aus Schweden. Die anderen Shining kommen zwar auch aus Skandinavien, aber halt aus Norwegen. So kann ich aber auch nichts zu den vorangegangenen Alben dieser Band Shining sagen, sondern wirklich nur versuchen, das zu erfassen, was auf X – Varg Utan Flock, das bereits am 05.01. über Season Of Mist erschien, so passiert. Und das ist definitiv eine Menge.

Bei „Genre“ habe ich bewusst das Extreme Metal an die erste Stelle gesetzt, denn gleich mit Svart Ostoppbar Eld reizen Shining das bis zum Äußersten aus. Ein wahnwitziges Tempo legt der Song vor, ich muss unmittelbar an eine der schon lange nicht mehr fahrenden riesigen Dampflokomotiven denken, die über die Schienen rattert und dabei unbarmherzig Kilometer frisst. Der Spuk ist erst einmal nach ungefähr drei Minuten vorbei, erst wird ruhig, aber definitiv nicht beruhigend, denn der Erzähl-Gesang von Niklas verheißt nichts Gutes. Was er da von sich gibt, verstehe ich nicht, aber es klingt wie in den alten Exorzismus-Filmen, wenn der Teufel höchstpersönlich durch die Besessenen spricht.

Das sich ständig wiederholende Riff im folgenden Gyllene Portarnas Bro verheißt ebenfalls nichts Gutes, leicht hypnotisch kommt es daher. Die Wirkung macht Niklas allerdings mit seinem heiser klingenden Sprechgesang zunichte, der immer mal wieder von leicht wirrem Lachen oder anderen Nebengeräuschen unterbrochen wird. Fast schon in Richtung Doom schielt dieser Track, bevor er im letzten Drittel nahtlos in rasendes Black Metal-Geschreddere einsteigt.

Noch nicht mal sonderlich „extreme“ sondern eher progressiv – nämlich mit sehr viel Tempo- und Rhythmuswechseln – kommt Jag Är Din Fiende daher, und im Grunde würde ich das, was hier aus den Boxen kommt, fast schon als dreckigen Rock’n’Roll – gibt es eigentlich so etwas wie Black’n’Roll? – bezeichnen. Hier fängt allerdings mein Hirn schon langsam an, sich in neue Windungen zu legen, es ist definitiv nicht leicht, den Kreationen von Herrn Kvarforth über längere Zeit seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das liegt vielleicht auch ein wenig an der Länge der einzelnen Songs. Etwas leichter wird das aber wieder bei Han Som Lurar Inom, der eine Fortsetzung von Svart Ostoppbar Eld sein könnte. Die Dampflok hat wieder Fahrt aufgenommen, bevor nach ungefähr der Hälfte des Songs zum ersten Mal neue Kohlen geladen werden müssen. Hier gibt es dann sogar im letzten Teil eine akustische Gitarre zu hören, Entspannung ist aber nicht angesagt, im Hintergrund lauern die Dämonen. Und die nächste Schrecksekunde gibt es auch, denn ganz zum Schluss wird wieder nahtlos der rote Faden aufgenommen, mit dem der Song begann.

Nach diesem wilden Ritt warte ich dann auch bei dem kurzen Klavierstück Tolvtusenfyrtioett sekündlich darauf, dass das Black Metal-Gewitter losbricht, aber der Song bleibt tatsächlich relativ ruhig. Ruhe ist auch der erste Eindruck, den man vom längsten und gleichzeitig letzten Track Mot Aokigahara gewinnen könnte, schöne akustische Gitarre zum Einstieg, alles gut. Und neben dem hier mal sehr tiefen Sprechgesang von Niklas gibt es sogar Klargesang auf die Ohren. Dass es mit der Ruhe aber irgendwann vorbei ist, kündigt sich nach ungefähr vier Minuten langsam an. Hier gibt es dann sogar zwei Sätze in englischer Sprache, aber obwohl ich ja schon auf das Gewitter warte, dass sich am Horizont abzeichnet, bricht es tatsächlich mal wieder unverhofft über mich nieder und das Geschreddere setzt so abrupt ein, dass ich wieder auf dem falschen Fuß erwischt werde.

Es gibt tatsächlich zu einem meiner Anspieltipps ein Video, hier kommt Svart Ostoppbar Eld:

Fazit: Wie schon geschrieben, habe ich tatsächlich die beiden Bands Shining verwechselt, und brauchte mehrere Anläufe, bis ich überhaupt über den zweiten bzw. dritten Track hinauskam. Extreme Metal ist ja dafür gemacht, Grenzen, wenn es sie denn geben sollte, zu überschreiten und seine Empfindungen immer wieder neu auszuloten. Darum mag ich dieses Genre normalerweise sehr gern. Was Shining hier liefern, erschließt sich mir allerdings nicht. Abgesehen davon kann ich persönlich auch nicht sehr viel mit dem Gesangsstil von Niklas anfangen. Der dient sicherlich genau den Songs auf diesem Album, das objektiv betrachtet sicherlich seinen Stellenwert im Extreme Metal haben mag. Meins ist das allerdings nicht. Mit aller Objektivität, die mir möglich ist, gibt es trotzdem acht Punkte, denn für mich ist das hier schon eher Kunst, als irgendwelche Sperrmüllhaufen von Herrn Beuys.

Anspieltipps: Svart Ostoppbar Eld, Jag Är Din Fiende und Ham Som Lurar Inom
Heike L.
8
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