Suicide Silence – Virtual World Tour 2020 am 09.07.2020 virtuell in Stuttgart

Dankeschön – we love you guys

Eventname: Virtual World Tour 2020

Headliner: Suicide Silence

Ort: Irgendwo in Kalifornien, USA (virtuell in Stuttgart)

Datum: 09.07.2020

Kosten: 9,00 €

Genre: Deathcore

Besucher: unbekannt

Link: http://www.beispiel-event.de

Setliste:

  1. Meltdown
  2. You Only Live Once
  3. Unanswered
  4. Disengage
  5. Sacred Words
  6. No Pity For A Coward
  7. Wake Up
  8. Skin Tight / Fans entschieden sich mit knappen 47% gegen Destruction Of A Statue
  9. Hold Me Up, Hold Me Down

19:00 Uhr und die Show kann beginnen. Wo wir in den letzten Jahren stets erst eine Anreise von mindestens 30 Minuten hatten, ist es heute für uns schon fast skurril auf der heimischen Couch zu sitzen und als Ticketvorlage ein Loginfenster zu nutzen. Aber was soll’s, denn spezielle Zeiten erfordern spezielle Lösungen. Heute steht für uns die US-amerikanische Deathcore-Truppe von Suicide Silence auf dem Programm. Nach einer sehr kurzen Werbeeinblendung und der Erklärung, wie man den Chat verwendet, geht das Geballer dann auch schon gleich los. Man kann wohl angeblich über den Chat Songs wählen, die dann bei passender Mehrheit auch gespielt werden sollen – coole Funktion und eine wirkliche Möglichkeit der Interaktion. Genau diese wird zusätzlich im Chat durch einen „Fragen?“-Button realisiert. Da die Band verspricht, den Chat selbst zu moderieren, frage ich mich, wie man live spielen will und zeitgleich im Chat aktiv sein möchte – wir werden es erfahren.

Suicide Silence – Virtual World Tour 2020

Eine Bunkertüre, samt Nuclear Blast Logo – die auch vom Videospiel Fallout stammen könnte – öffnet sich und startet einen Countdown. Im Chat merkt man schon, dass die Gäste des heutigen Abends sich total auf ein Konzert freuen. Der weltweite Konzertlockdown, der gerade stattfindet, ist für Musikjunkies wie uns einfach nur schwer zu ertragen. Doch da man merkt, dass man hiermit nicht alleine ist, fühlt sich das doch an, als wäre man in einer Menge von Gleichgesinnten, jedoch ohne deren Schweiß zu riechen.

Die vier Musiker um Sänger Herman „Eddie“ Hermida stehen in einer leeren Halle, die theoretisch überall auf der Welt sein könnte. Doch begrüßt man auf Deutsch und wünscht ein gutes deutsches Bier an die Geräte nach Hause. Mit einer minimalistisch angedeuteten Beleuchtung und den benötigten 1,5 Meter Mindestabstand starten die Amerikaner mit dem Track Meltdown genauso, wie sie es beim aktuellen Album Become The Hunter tun. Dem Chat scheint es zu gefallen, denn neben ein paar Metalhands sind Aufrufe zu einem Moshpit und Circle Pit vor den heimischen Geräten durchweg zu lesen.

Weiter geht es mit You Only Live Once – klar, was wäre das auch für ein Suicide Silence Konzert, ohne den Evergreen Track vom The Black Crown-Release (2012)?

Doch was ist das? Eine Unterbrechung? Werbung? Ernsthaft?

Ach nein, das ist ja überhaupt keine echte Werbung, denn alle Spots sind von den Bandmitgliedern selbst gemacht. Inhaltlich mit ordentlich Bullshit gespickt, zeigen die Herren, dass man sich selbst alles andere als ernst nimmt.

Suicide Silence – Virtual World Tour 2020

So gibt man den Fans die Möglichkeit im angeschlossenen Shop etwas zu bestellen, oder sich einfach an den Kurzfilmchen zu belustigen, ohne von der eigentlichen Show etwas zu verpassen. So macht man mal Werbung für ein sogenanntes Alex Websters Dictionary, ein Wörterbuch, welches alle coolen Wörter aus den Songtexten enthalten soll. Oder ein Meditationsvideo, bei dem Gitarrist Mark Hylmun zum tiefen Einatmen motiviert. Noch lustiger finden wir das Video, bei dem Chris Graza in seiner Küche eine Pizza mit Oreo Keksen, Haribos und ordentlich Pep (Peperoni) belegt, weil das besonders „healthy“ sein soll und direkt in die Muskeln geht – ahh ja…

Weiter folgen Unanswered, Disengage, Sacred Words und weitere Songs. Tontechnisch ist man besser, als bei so manchen Festivalauftritten der Herren, doch will der Funke nicht so überspringen, wie als wäre man vor Ort. Doch für 9 € Eintritt, ehh Zutritt, bekommt man mehr als nur ein Livestream. So bringt die Band nach neun Tracks Ausschnitte aus der Live Life Hard Dokumentation und startet in eine Q&A-Session, die manch andere Band umsonst gegeben hätte.

Suicide Silence – Virtual World Tour 2020

Da die Fragen direkt vom Publikum gestellt werden, freut man sich darüber, dass man erfährt, das sowohl Hamburg, Köln und Berlin zu den Lieblingsorten in Deutschland gehören und dass man eine Tour durch Deutschland plane, für die Zeit nach der Corona-Pandemie. Dass man einander anhand des Geruchs des Furzes erkennen könne und dass Mark Hylmun nicht mehr auf dem Rücken schläft, da er immer mit einem Kissen geschlagen wurde, wenn er schnarchend auf dem Rücken lag, gehört zu den Informationen, die man hier erfährt. Zusätzlich finde ich schön zu wissen, dass die Band die deutschen Wörter „Kaputtbumsen“, „Gute Laune“, „Öl (ausgesprochen wie „ehl“)“ und den Satz „Zieht euch alle Tüten über den Kopf und sterbt“ als liebsten Auswurf der deutschen Sprache im Kopf hat. Wer schon immer mal wissen wollte, dass Sänger Herman „Eddie“ Hermida mit Barbies gespielt hat und Basser Daniel Kenny einen T-Rex als Spielzeug hatte, der weiß nun auch, dass Alex Lopez der „Vibe Guy“ auf Parties ist, der jedoch absolut nichts am DJ Pult verloren hat, da er wohl jeden Song zu früh weiterklickt. Abschließend bekommt man noch mitgeteilt, dass die Bands Kraftwerk, Rammstein, Heaven Shall Burn, Caliban und Kreator zu den deutschen Favoriten der Jungs gehören.

Nach nun circa 90 Minuten ist der neun Tracks-Gig und die ungefähr gleichlange Q&A-Session der Virtual World Tour 2020 von Suicide Silence zu Ende. 

Suicide Silence – Virtual World Tour 2020

Auch wenn wir hier einen Ausnahmezustand haben, finde ich es echt ein wenig schade, dass man so wenige Songs gespielt hat. So fehlte für meinen Geschmack zum Beispiel Fuck Everything oder Two Steps und die am 1. Mai 2020 erschienene Single Overlord wurde auch nicht gespielt. Das Voting war zwar ein tolles Gimmick, jedoch aus meiner Sicht, hätte ich lieber einen Track mehr gehört, als einen eigentlich guten Livesong mit nur 2 % weniger Stimmen abzuwählen.

Suicide Silence – Virtual World Tour 2020

Schön finden wir, dass das Merchandise zu erschwinglichen 19,99 $ (umgerechnet aktuell 17,01 €) zzgl. Versandkosten zu haben ist.

Somit ist der Stream offline und wir treten die Heimreise auf unsere Couch an. Trotz toller Show leider nicht 100 % zufrieden mit der kurzen Performance. Da haben selbst Hämatom mehr Songs (und das sogar umsonst) gebracht. Aber trotzdem war das Gesamtkonzept nicht schlecht und die Q&A-Session und die „Fake“-Commercials unterhaltsam.

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