Taste Of Anarchy 2016 am 29.10.2016 im Logo, Hamburg

“Taste Of Anarchy 2016 am 29.10.2016 im Logo, Hamburg!“

Eventname: Taste Of Anarchy 2016

Headliner: Nasty

Bands: Lionheart, Aversions Crown, Malevolence. Vitja, Sand, Fallbrawl

Ort: Logo, Hamburg

Datum: 29.10.2016

Kosten: 23 Euro

Genre: Hardcore

Besucher: 450 (ausverkauft)

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Ein Konzertabend, sieben Bands – und das ist im ausverkauften Logo in Hamburg. Das kann ja was werden. Zunächst aber schaffen wir es aus persönlichen Gründen nicht pünktlich zum Event. So verpassen wir die ersten drei Bands und kommen ins Logo als gerade Malevolence ihren Set beginnen.

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Die noch recht junge Band aus England kann mit ihrem Sound doch so einige Besucher begeistern. Die Hardcore Attitüde wird gelebt, das Mikro wird immer wieder in die ersten Reihen gehalten und einige Besucher drehen bereits jetzt durch und prügeln sich durch den noch relativ offenen Pit. Was an diesem „Beat Down so toll sein soll, entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Ich bin ein Freund des gepflegten Pogos, aber sich mit Absicht in die Fresse hauen oder ins Gesicht treten…das ist nicht meine Welt. Und gerade als Fotograf ohne Graben habe ich da einfach auch Sorge um mein sauteures Equipment. Die halbe Stunde geht dann doch recht zackig rum, denn Malevolence können mit ihrer Musik durchaus unterhalten. Gute Band, als Hardcore-Freund sollte man diese junge Kapelle aus Sheffield im Auge behalten.

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Bei Aversions Crown beruhigten sich dann die Gemüter im Publikum etwas. Die Band aus Brisbane, Australien, ist auch erst sei 2010 unterwegs. Der Sound ist etwas verschachtelter, auch werden andere und verschiedene Einflüsse in die Musik eingewoben, was so manchen prügelwütigen Fan vor der Bühne etwas ratlos dastehen lässt. Ich denke, vielen ist der Sound zu sperrig, ich empfinde es als nette Abwechslung, in Bezug auf die Band die schon abgeliefert hat und die beiden Bands, die noch kommen werden. Da heute auch der Tourabschluss ist, bekommen die Musiker selbstgebastelte Hüte aus Alufolie von den Roadies angereicht, die dann auch während des Sets getragen werden. Auch bei Aversions Crown vergeht die Zeit sehr zügig, die Band muss aber damit leben, auch die wenigsten Publikumsreaktionen zu bekommen.

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Der Schrecken war groß, als sich in diesem Sommer die Nachricht verbreitete, dass Lionheart sich auflösen werden. Und dies würde nun die Abschiedstour sein. Als ich die Band das erste Mal live gesehen hatte, war ich begeistert und die letzte Platte der Band aus Oakland Love Don’t Live Here lief bei mir rauf und runter. Als ich kurz vor dem Auftritt Sänger Rob Watson am Merchandisestand treffe, sagt er mir, dass er ziemlich müde und „tired“ sei. Aber wer weiß, es ist ja heutzutage auch wirklich keine Seltenheit mehr, eine Reunion zu machen, aus welchen Gründen auch immer. Als Lionheart dann die Bühne betreten, bricht im Publikum die Hölle los. Es wird gefeiert, gepogt, gestagedivt und geprügelt als ob es kein Morgen mehr gibt. Nach zwei Songs sind zwei Monitorboxen Schrott, ein Mikro ist und hin und ein Durchgepeitschter ist von der Bühne an eine an der Decke hängende Lichttraverse gesprungen, um sich dort festzuhalten und mutwillig zwei Scheinwerfer kaputt zu treten. Die Band nimmt das alles eher regungslos zur Kenntnis. Zur Feier des Abends tauschen Schlagzeuger Jay Scott und Sänger Rob Watson für den Song Love Don’t Live Here die Plätze. Und man kann sagen, dass beide ihre Aufgabe mit Bravour meistern. Ansonsten versuche ich halbwegs vernünftige Fotos zu machen, während ich darauf achte, dass mir kein Stagediver ins Objektiv springt oder mir ein Beatdown-Junkie aus dem Publikum die Füße oder andere Körperteile ins Gesicht rammt. An einem Abend wie diesem ist es auch eher unvorteilhaft, dass Getränke im Logo in Flaschen ausgeschenkt werden. Zahlreiche Scherben säumen den Boden. Viel Spaß all denen, die sich lang machen. Das Set von Lionheart verläuft ansonsten ohne besondere Vorkommnisse, und es ist irgendwie eine gewisse Art von Erleichterung zu spüren als das Konzert nach knapp 50 Minuten zu Ende ist. Hoffen wir einfach mal, dass wir die Musiker, in welcher Form auch immer, auch in Zukunft weiter begutachten können.

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Dann ist die Zeit reif für Nasty aus Belgien. Die Band kann man mittlerweile als Veteran der Szene sehen, stehen doch schon so einige große Konzerte und Tourneen in der Vita der Truppe. Aber so richtig springt der Funke heute nicht über. Vielleicht ist das Publikum nach dieser Energieleistung bei Lionheart platt, bzw. steht mit Nasty ja auch schon die siebte Band auf der Bühne, da gerät dann jeder Beatdown-/Hardcore-Fan auch mal an seine Grenzen. Auch Nasty leben das Hardcore Image und die damit einhergehenden Attitüden voll aus. Die Fans werden dazu aufgefordert, zu stagediven, zu pogen oder mitzusingen. Oder eben auch sich gegenseitig aufs Maul zu hauen. Das mittlerweile auch Damen in diesen Pits zu finden sind, ist ja grundsätzlich eine angenehme Sache. Kann aber auch in die Hose gehen, jedenfalls musste eine Dame mit flacher Atmung und gestützt aus dem vorderen Bereich gebracht werden. Naja, es wird ja keiner gezwungen, da mitzumachen. Der Auftritt plätschert dann auch so vor sich hin, ohne das weitere nennenswerte Ereignisse passieren.

Am Ende kann man sagen, dass es für wenig Geld eine Menge Bands zu sehen gab. Die Merchandise Preise waren wie immer eigentlich bei Hardcore Konzerten im unteren Bereich und viele Leibchen wechselten den Besitzer. Alles in allem ein netter Abend mit etwas zu hohem (gewollten!) Gewaltpotential.

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