Temple Of Evil – Apolytrosis

26.11.2021 - Black Metal - Folter Records - 51:26 Minuten

Warum es nach dem Debüt The 7th Awakening auf Zypern wieder ruhig wurde, weiß nur der Teufel. Temple Of Evil legten jedenfalls nach dem Start gleich mal eine sechsjährige Pause ein und brachten erst diesen November ihre zweite Scheibe auf den Markt. Damit wechselten sie aus der Eigenregie zum deutschen Schwarz Metal Label Folter Records, welches diverse europäische Genreperlen in seinen Reihen beherbergt. In über 50 Minuten dreschen sie in acht Songs einen sehr rohen, eher skandinavischen Black Metal zusammen. Exotisch bringt das Intro Katavasis die Männer aus Nicosia in Stellung. Neben den nordischen Wurzeln versuchen sie ihren Mittelmeer-Stil mit in die Tracks einzubinden. Dabei agieren sie nicht sonderlich herzlich, eher lassen melodischere Parts auf einen Bastard schließen, der nicht aus Oslo oder Stockholm stammt. Zypern gehört geografisch zu Asien, wird politisch und kulturell jedoch meist zu Europa gezählt und genau diese Faktoren tragen Temple Of Evil in ihre Black Metal Kunst. Apognosis lässt nicht gleich die Hüllen fallen und entblättert alle blanken Tatsachen, die sie auf dem gleichnamigen Langeisen zu bieten haben. Immer wieder wechselnde Atmosphären macht die Formation im Jahr 2021 stark. Parallelen zu Rotting Christ kann man ebenfalls nicht wegdiskutieren, die in dem bunten Blumenstrauß an Einflüssen ihren Teil zur dunklen Kunst der Tempelritter des Bösen beitragen. Schnelle Attacken werden in stampfende Headcrusher verwandelt, die den Hörer an die Wand drücken. Hungrig nach der seelenfressenden Messe zelebriert das Quartett sein ganz eigenes Manifest. Erst einmal losgetreten, bekommt man die langen Nummern Avtaparnisis, Epignosis oder Metousiosis gar nicht mehr eingefangen. Acht bis neun Minuten pro Sequenz sind für die Musiker aus Zypern gar kein Problem. Das Artwork spuckt zwar keine Überraschungen aus und liegt genre-like voll im Soll. Gen Ende schreitet der eigentliche Rauswerfer Apolytrosis mutig voran. Einziges Manko: Trotz der vielen bereits genannten Faktoren liegt Apolytrosis wie aus einem Guss auf dem Plattenteller. Liebhaber komplexer Platten werden in die Hände klatschen. Durch die sehr ähnlichen Abläufe schleicht jedoch auch schnell ein monotones Kopfnicken in die Hälse der Konsumenten, das nur bewusst durchbrochen werden kann. Die Midtempotiefen sorgen für diese Breaks, die zwingend erforderlich die Trance brechen, um den Fokus neu auf die kommenden Schlachten zu legen. Zu verspielt im eigenen Gewand verlieren Temple Of Evil dann leider ab und an den Zugriff, was die Leistung von Apolytrosis nur bedingt schmälert. Als Underground-Überraschung hätte das zweite Studioalbum auch deutlich schwächer ausfallen können, so bleibt ein solides Werk, welches weiter für die Arbeit des Quartettes spricht. Hoffentlich müssen wir nicht wieder sechs Jahre auf neues Material warten.

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Temple Of Evil – Apolytrosis
René W.
7.8
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