Teramaze – Sorella Minore

Die "Her Halo"-Saga geht weiter

Artist: Teramaze

Herkunft: Melbourne, Australien

Album: Sorella Minore

Spiellänge: 40:42 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 11.05.2021

Label: Wells Music

Link: https://www.facebook.com/teramaze

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre und Keyboard – Dean Wells
Gitarre und Keyboard – Chris Zoupa
Bassgitarre – Andrew Cameron
Schlagzeug – Nick Ross

Tracklist:

  1. Sorella Minore
  2. Stone
  3. Take Your Shot
  4. Between These Shadows

Als ich für dieses Review ein wenig in die Geschichte von Teramaze eintauchte, hat es mich fast vom Stuhl gehauen, zu lesen, dass Dean Wells die Band bereits im Jahr 1993 gegründet hat. Er ist mittlerweile der Einzige, der nach wie vor dabei ist, Teramaze nach der Pause von 2002 bis 2006 wiederbelebt hat und seit dem Album Are We Soldiers aus 2019 neben der Gitarre auch den Gesang übernommen hat. In meiner Musiksammlung finden sich nur drei Alben, aber insgesamt erstreckt sich die Diskografie von Teramaze neben einer EP, einer Demo und einem Split über insgesamt sieben Alben. Das letzte, I Wonder, erschien im vergangenen Jahr, aber mit dem nun vorliegenden achten Werk Sorella Minore knüpfen Teramaze an das großartige Her Halo aus 2015 an und erzählen die Geschichte der zwei Schwestern und des Protagonisten The Tyrant weiter.

Um das ein wenig lebhafter zu gestalten, haben sich Teramaze für den ersten Song, es ist der Titeltrack Sorella Minore, Verstärkung am Mikrofon geholt. Neben Dean Wells verleihen in diesem fast 26 Minuten (!!) langen Song noch Nathan Peachey (der auf dem Album Her Halo noch Sänger bei Teramaze war), Silvio Massaro (Vanishing Point) und Jennifer Borg (Divine Ascension) den Akteuren ihre Stimmen. Gesangstechnisch also schon mal alles tipptopp. So geht also, wie auch auf dem Cover der Vorhang auf und öffnet den Blick auf die Bühne mit seinen Hauptakteuren und ihrem Anteil an der Geschichte. Es gibt Monologe, Dialoge und Duette, und der Chorus „…She’s A Stranger To The Music From My Window, She’s Looking At The World From My Eyes…“ findet besonders zu Beginn sehr oft seinen Platz. Nach normalem Schema „Strophe – Prechorus – Chorus“, gehen Teramaze hier natürlich nicht vor und haben erfreulicherweise (für mich zumindest) den symphonischen Anteil, der dem Song gewiss auch ein wenig seine Dramatik verleiht, nicht allzu sehr in den Vordergrund gestellt. So gibt es durchaus Geigen, Cello, Klavier, aber speziell für die schönen Gitarrensoli von Dean Wells ist natürlich immer Zeit. Und der ganz eigene Klang, der Songs von Teramaze immer innewohnt, und für den die Instrumentenfraktion sorgt, ist auch hier vorhanden. Fast ein wenig dreigeteilt erscheint mir dieses Werk, das zum Schluss auch wieder auf den eingangs erwähnten Chorus zurückkehrt. Mit einem Crescendo nähert sich aber unaufhaltsam das Ende, und der Song klingt mit einem schönen Gitarrenspiel, einem letzten Chorus und langsam verklingenden Klaviertönen aus.

Nach diesem überwiegend recht getragen daherkommenden, epischen Song, geht es in der gleichen Stimmung weiter, Stone ist eine Ballade. Die beginnt sehr reduziert nur mit akustischer Gitarre und dem schönen Gesang von Dean, bevor sie sich im Chorus aufbaut und auch mit ein paar Geigen aufwartet, die sich aber sehr bedeckt halten. Das Gitarrensolo kann massiv die Stimmung unterstützen, die dieser Song von der ersten bis zur letzten Note ausstrahlt.

Mit Take Your Shot kommt dann auch tatsächlich noch ein Song, der ordentlich Tempo aufnimmt. Auch hier beherrschen Teramaze wieder perfekt den Spagat zwischen Melodie und Härte, warten auch mal mit verfremdeter Stimme und einem pulsierenden Keyboard auf, zeigen aber ganz deutlich ihre Trademarks.

Als dann Between These Shadows startet, denke ich nur „och nö, nicht noch ’ne Ballade“. Aber das ist tatsächlich eine, die bei mir schon einige Male gelaufen ist und bei deren Chorus ich eine echte Gänsehaut kriege. Dass Dean ein fantastischer Sänger ist, ist unbestritten, aber wie er hier mit seiner Stimme spielt, problemlos verschiedene Stimmlagen abdeckt und dabei von einer schönen Melodie in Szene gesetzt wird, ist schon überaus bemerkenswert.

Teramaze – Sorella Minore
Fazit
Ich muss ja gestehen, dass Konzeptalben oder Alben, die eine Geschichte erzählen wollen, bei mir Perlen vor die Säue sind. Es gibt nur ganz wenige Alben, bei denen ich der Geschichte tatsächlich folgen kann (so z. B. das Meisterwerk Mercy Falls von Seventh Wonder), und mir muss in erster Linie die Musik gefallen. So wird mir dann der Titeltrack tatsächlich recht lang. Trotzdem kann ich natürlich anerkennen, dass Teramaze hier schon was Großes geschaffen haben. Und wer ein nicht ganz so großer Kunstbanause ist wie ich, wird auch mit dem Track sicherlich seine Freude haben. Insgesamt beweisen die Männer aus Down Under aber mit Sorella Minore, dass sie nicht umsonst immer wieder als zur Speerspitze der australischen Progressive Rock-/Progressive Metal-Szene gehörend bezeichnet werden.

Anspieltipps: Take Your Shot und Between These Shadows
Heike L.
8
Leser Bewertung1 Bewertung
10
8
Punkte
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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