The Amenta – Revelator

Industrieller Death Metal und eine logische Weiterentwicklung

Artist: The Amenta

Herkunft: Australien

Album: Revelator

Spiellänge: 45:39 Minuten

Genre: Industrial Death Metal

Release: 19.02.2012

Label: Debemur Morti Productions

Link: https://theamenta1.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Cain Cressal
Gitarre – Erik Miehs
Samples – Timothy Pope
Bassgitarre –Dan Quinlan
Schlagzeug –Diazonon

Tracklist:

  1. An Epoch Ellipsis
  2. Sere Money
  3. Silent Twin
  4. Psoriastasis
  5. Twined Towers
  6. Parasight Lost
  7. Wonderlost
  8. Overpast
  9. Parse Over

Down Under fand ich schon immer sehr interessant. Die tasmanischen Teufel von Psycroptic haben mir damals die Szene ein wenig näher gebracht und seitdem verfolge ich das Schaffen dort vor Ort, fernab vom Dschungelcamp. Die Australier von The Amenta gründeten sich bereits 1997. Damals griff man noch unter dem Namen Crucible Of Agony an. Nach drei Jahren legte man mit neuem Namen wieder los und ließ sich immer ein wenig Zeit, sodass vorher nur drei Alben herausgekommen sind. Das Letzte namens Flesh Is Heir erschien im Jahre 2013. Drummer Diazonon ist auch noch bei Psycroptic und trommelte live bei Pestilence und Gitarrist Erik spielte 1998 und 1999 bei Nifelheim, ebenfalls nur live. Also Erfahrung ist wohl genug vorhanden, kann man sagen. Die Musikrichtung von The Amenta ist aber eine ganz andere.

Aufgenommen und gemixt wurde das Material für Revelator von Gitarrist Erik Miehs, für das Mastering zeichnet sich Maor Applebaum (u. a. Faith No More, Sepultura) verantwortlich. Beim Cover-Artwork durfte der bekannte Künstler Metastazis (u. a. Morbid Angel, Behemoth) ran. Die Rahmenbedingungen stimmen also.

Nach kurzen, krachigen und undefinierbaren Klängen zu Beginn kommt ein feiner Baller Death Metal Part, danach wechselt man zu industriellen Klängen und dann wieder Gummi. Dann erklingt eine Art Cleangesang und man verliert sich in einen kalten, sterilen Moment. Die Vocals klingen clean, aber anders, als man es gewohnt ist. Screamig, düster, unterkühlt und im Song wechselt man zwischen Death Metal Härte und klinischer Elektronik hin und her. Am Ende erklingen noch cleane Gitarren, die mit industrieller Kälte einhergehen. Puh, starker Tobak. Meins ist es definitiv nicht, das steht mal fest und ich weiß schon nach dem ersten Song (An Epoch Ellipsis), dass ich so meine Schwierigkeiten mit diesem Album haben werde.

Sere Money bietet da aber einen Lichtblick für mich, denn die oben genannten Trademarks sind auch hier vorhanden, klingen aber meines Erachtens ein wenig strukturierter. Die eröffnende Hook packt dich an der Kehle und nimmt dich mit auf einen Abstieg in immer tiefere Ebenen des kathartischen Unbehagens, so die Aussage des Frontmanns, und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Das Riffing ist geil. Hier und da geht man ins Ambientische über und erinnert dann an Behemoth. Der groovige Part weckt bei mir Erinnerungen an Mantar, nur ohne so einen Druck zu erzeugen. Nee, der Song macht sogar mir Laune, obwohl natürlich auch hier die industrielle Schiene gefahren wird. Kommt gut aus den Boxen gekrochen. Strapping Young Lad meets Behemoth meets Mantar oder so ähnlich, sofern man auf Vergleiche abfährt. Hierzu gibt es ein ziemlich abgedrehtes Video. Die Transmutation von Leiden in tieferen Ebenen des Bewusstseins wird textlich und auch musikalisch sehr gut umgesetzt. Mit einen Groove beginnend, endet der Song in einer Kakofonie.

Sehr besinnlich, aber auch bedrohlich legt man bei Silent Twin los. Dieses zieht sich sehr hin und bietet einfach nur eine kalte Soundlandschaft an, mit cleanen und aggressiven Vocals. Teilweise wird auch geflüstert. Man erwartet immer irgendwie einen Ausbruch, aber der passiert einfach nicht.

Psoriastasis kommt daher auch mit einem sehr kalten Riffing zu Beginn und erinnert die Welt, dass die Band vom Prinzip her ein Death Metal Gerüst innehat. Ein wenig Black Metal hinzu und die Reise geht weiter. Die Aggressivität dieser Musikrichtungen rückt aber dann in den Hintergrund, nachdem einem ein kalter, industrieller Wind in Form eines drückenden Parts um die Ohren geflogen kommt. Der screamige Gesang klingt sehr drückend und zerstörend. Irgendwie schön krank.

Die Australier von The Amenta haben die sieben Jahre Pause mehr als genutzt und eine Weiterentwicklung vollzogen. Mittlerweile bieten sie eine derbe Mischung aus aggressivem Death Metal und apokalyptischen Industrialklängen. Als nicht gerade Fan dieser Richtung muss ich sagen, dass es die Mischung ausmacht. Mir gefällt zwar nicht alles, aber ich bin durchaus angetan von der Intensität des Songwritings.

The Amenta – Revelator
Fazit
Revelator hat eine wütende, kraftvolle, vernichtende und progressive Ausrichtung, dessen apokalyptisch vorgetragener Gesang quasi vorgebetet wird und die passende Instrumentierung und das Händchen für Hooks, die sehr zermürbend verwendet werden, einfach sitzen und eine gewisse cineastische Qualität verleihen. Einige Songs könnten locker als Soundtracks für apokalyptische Filme verwendet werden. Die Mischung der verschiedenen Elemente ist gut gelungen.

Anspieltipps: Sere Money und Twined Towers
Michael E.
7.5
Leser Bewertung5 Bewertungen
8.3
7.5
Punkte
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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