The Toy Dolls, New Model Arm + Support am 22.07.2017 im Zirkuszelt auf dem ZMF-Gelände

“New Model Army und The Toy Dolls – Double Feature“

Eventname: Zelt-Musik-Festival (ZMF), Freiburg

Bands: The Toy Dolls, New Model Arm, Snuff

Ort: Zirkuszelt auf dem ZMF-Gelände (Zelt-Musik-Festival, Mundenhofgelände, Mundenhoferstraße, 79111 Freiburg)

Datum: 22.07.2017

Kosten: 37,30 €

Genre: Punk, Post Punk, Punk Rock

Besucher: ca. 1.700

Veranstalter: ZMF (http://zmf.de/)

Muss das eigentlich sein? Dieser Regen? Jedes Jahr? Es ist unter den Freiburgen schon ein Sprichwort: „Ist ZMF, dann regnet es!“.
Regen ist ja in Ordnung, aber da es bereits die Nacht vorher Unwetter gegeben hat, schaut man doch öfter als sonst in Richtung Himmel und besorgt sich einen trockenen Platz, um vor dem Konzert gemütlich die Leute beobachten zu können. Und tatsächlich treibt ein Wolkenbruch die zahlreichen Besucher, die oft ja auch nur zum Essen, Trinken und Genießen auf das ZMF-Gelände kommen, ohne ein Konzertticket, ins gerade freie Fürstenberg Zelt.
Wohl dem, der wie der Autor, einmal mehr nach oben geschaut und einen tollen Platz ergattert hat. Punk steht heute auf dem Programm. Punk in allen Variationen. Von ernst und tiefgründig bis locker und lustig. Die Zuschauer sind noch durchzählbar, als die Briten Snuff, früher als ursprünglich geplant, bereits um 19 Uhr die Bühne betreten. Da stehen die meisten Fans noch draußen auf dem gerade abtrocknenden Platz herum.
Die Band wurde zwar 1986 gegründet, aber seither mehrmals aufgelöst. Sowohl ihre Besetzung als auch die prägenden musikalischen Einflüsse und die Instrumente wechseln immer mal wieder. So war ich über den Einsatz einer Posaune und einer Hammondorgel doch einigermaßen erstaunt. Auch dass der Gesang hauptsächlich vom Schlagzeuger Duncan Redmonds kommt, aber das passt gut und die Stimmung steigt rapide, zumal nun das „Volk“ regelrecht ins Zelt stürmt.
Auf die Minute, um 20:10 Uhr, schlägt eine Bombe ein: The Toy Dolls, ebenfalls aus England. Und sie brauchen die Zuschauer nicht erst anzulocken, die stehen von Anfang an vor dem gut gefüllten Zirkuszelt. Die Väter des Fun-Punks bewegen sich im Eiltempo über die Bühne und nutzen die recht große Fläche weitgehend aus. Der Einzige, der noch seit der Gründung von 1979 übrig ist, ist der 1962 (!) geborene Michael „Olga“ Algar und er treibt es am wildesten. Obwohl ihm der Bassist Tomma Goober kaum nachsteht. Der wiederum ist nimmer der Jüngste, was man ihm aber weder ansieht, noch anmerkt. Die beiden sind fast so viel in der Luft wie am Boden. Dort muss nur der Drummer bleiben … aber Moment mal: Das ist doch der … der Gleiche wie gerade eben bei Snuff. Hat er noch nicht genug? Scheint nicht der Fall zu sein, so wie er auf seine Werkzeuge eindrischt. Die Show der Jungs ist alleine schon sehenswert, dieses Gerenne, dieses Gespringe und diese Grimassen. Kein Wunder, dass auch Konfetti nicht fehlen dürfen. Pünktlich, wie sie angefangen haben, hören sie aber auch wieder auf.
Obwohl die Musik der New Model Army deutlich „ruhiger“ ist, ist das Publikum mit dem ersten Stück schon außer Rand und Band. Gut, die „Puppen“ haben schon gut vorgearbeitet, aber ich habe den Eindruck, dass das wieder ganz andere Fans sind, die jetzt in der ersten Reihe stehen. Natürlich kommt die Band auch aus England und natürlich ist sie auch schon uralt. 1980 gegründet, spielte die damalige Besetzung noch den politisch motivierten Punk. Inzwischen ist man etwas davon weg, hat sich musikalisch weiterentwickelt, der Sound klingt atmosphärischer, selbstbewusst und weniger aufpoliert. Das Publikum dankt es. Es sind treue Fans, wie man an der textsicheren Begleitung erkennen kann.
Es ist immer noch trocken und so steht einem Abschlussbier auf dem tollen Gelände nichts im Wege. Eines ist sicher: Das ZMF ist nicht umsonst schon zum 35. Mal ausgetragen worden, es gehört einfach zu Freiburg. Wie der Regen im Juni. Immer zur ZMF-Zeit. Ich werde weiter versuchen, jedes Jahr dabei zu sein.

 

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