The Young Gods: neues Video „Tear Up The Red Sky“

The Young Gods haben ein neues Video für Tear Up The Red Sky gedreht.

“Sleep my angel, my child, see how the city spreads.”
Unter Franz Treichlers Flügeln entfalten sich riesige, atemberaubende Panoramas wie wunderschöne Traumlandschaften, die man kurz vor dem Einschlafen vor dem inneren Auge sieht. Ein schwereloser Traum, der irgendwie beruhigend ist, aber auch düster in der Dunkelheit versteckt liegt. Eine Rückkehr in bekanntes Land, dessen Topographie sich mit der Zeit und fortschreitendem Alter geändert hat. Drei Menschen in der Matrix von Data Mirage Tangram, dem neuen Album der Young Gods. Acht Jahre ohne Studioalbum. Die Götter stehen wohl in der Gunst der Ewigkeit. Es wurde Zeit, dass sie dem gefeierten Everybody Knows einen Nachfolger lieferten und das Zeitalter des künstlerischen Durcheinanders – so sagt es Treichler mit eigenen Worten – , welches auf den Abgang von Al Comet und die Wiederbesetzung mit dem ursprünglichen Gott, Cesare Pizzi, folgte. Die darauffolgende Tour, auf welcher sich die Band auf ihre ersten beiden Alben konzentrierte, hätte in einem Stillstand enden können. Stattdessen aber brachte dem Trio die Rückkehr zu seinen Wurzeln eine Brise frische Luft: Rock- und Electro-Avantgardisten sind schliesslich nicht bekannt dafür, zurückzuschauen. Die dreißig Jahre andauernde, ununterbrochene Aktivität, gefeiert mit der Publikation eines 800-seitigen Buches 2017, hat den Willen der Götter gestärkt, und daraus entstand ein weiteres Kapitel in ihrer beeindruckenden Geschichte. Data Mirage Tangram kam in einem Keller inmitten von Menschen zur Welt. Franz Treichler (Gesang, Gitarre, Electronics), Cesare Pizzi (Sampling, Electronics) und Bernard Trontin (Schlagzeug, Perkussion) wurden vom Cully Jazz Festival eingeladen, auf der Bühne des THBBC Weinkellers ein offenes Labor aufzubauen – für die Dauer des ganzen Festivals. «Das war der Moment, an dem die neuen Songs erstmals in Erscheinung traten», sagt Treichler. «Wir wussten nicht, wohin es gehen würde. Bernard brachte einen alten Sampler, den er über seinem Schlagzeug installierte, Cesare einen Laptop, ich eine Gitarre, einen Bass, einen Laptop… alles, was ich zur Hand hatte. Das Publikum kam und ging. Wir fühlten uns nicht verpflichtet, ein fertiges Produkt präsentieren zu müssen. Es war äußerst stimulierend.» Am Ende dieser Residenz existierten die sieben Tracks des Albums bereits in den Körpern und den Köpfen des Trios. Ihre Kanten mussten noch in Form gebracht werden, die Strukturen verfeinert. Die Band baute die Songs in ihr Live-Repertoire ein, und danach nahmen sich die Young Gods drei Jahre Zeit dafür, ihnen die finale Struktur zu geben. Dies geschah in Franz Treichlers Studio, gemischt wurden sie schließlich am Pult des englischen Produzenten Alan Moulder (Nine Inch Nails, Editors, Foals). «Zum ersten Mal überhaupt machten wir ein Album, das gänzlich in Kollektivarbeit entstand», sagt der Genfer Pionier erfreut. Das Resultat darf als ein wichtiges Album von The Young Gods wahrgenommen werden, als eine Ergänzung zu den zahlreichen gemeinsamen Erfahrungen der Band, quasi als ihre gemeinsame DNA. Jeder Track existiert für sich selbst, dennoch kreieren sie gemeinsam ein kohärentes Ganzes, eine verbundene Reise in sieben einzigartigen Schritten. «Das Tangram im Titel bezieht sich auf japanische Puzzles, die aus sieben Stücken bestehen, welche ein Rechteck oder diverse Silhouetten von Tieren oder Charakteren ergeben können», sagt der Sänger. In einer digitalen Welt, welche die Götter wie Visionäre erkunden, atmet die Musik wellenförmig mit den Schwingungen der Gitarre, die wieder ins Zentrum gerückt wurde. Entre en matière flüstert ein eindringliches Mantra, Tear Up The Red Sky orchestriert ein kosmisches Bombardement göttlichen Zorns. Figure sans nom markiert eine Rückkehr zum Acid Groove und den Doors-Einflüssen, welche die Band in ihren Anfängen auszeichneten, während Moon Above ein brach liegendes Feld pflügt und es mit nicht identifizierbaren Soundobjekten zerstampft. Die elf faszinierenden Minuten von All My Skin Standing lassen einen zu seinen Sinnen zurückkehren, bevor die Explosion aus weißem Rauschen und verzerrten Gitarren eintritt. You Gave Me A Name bietet einen Hauch frische Luft, wie eine Blase, die einen umhüllt. Am Ende lässt uns Everythem sanft und still die Augen schließen. Wie würdest du die Geschichte der Young Gods zusammenfassen? «Eine lange Straße», sagt Franz Treichler. Eine Straße, die sich bis zum Horizont und seinen Luftspiegelungen hin entfaltet und erstreckt.

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