To The Rats And Wolves – Anywhere For You / Farewell Tour 2020 am 17.01.2020 im Logo, Hamburg

In Hamburg sagt man Tschüss

Eventname: To The Rats And Wolves – Anywhere For You / Farewell Tour 2020

Headliner: To The Rats And Wolves

Vorbands: The Disaster Area, Empty Home

Ort: Logo, Hamburg

Datum: 17.01.2020

Kosten: ab 28,00 € VVK, sold out

Genre: Hardcore, Metalcore, Trancecore

Besucher: ca. 450 Besucher

Veranstalter: Contra Promotion GmbH

Links: https://the-official-to-the-rats-and-wolves-online-shop.myshopify.com/
https://de-de.facebook.com/totheratsandwolves/
https://thedisasterarea.de/
https://www.facebook.com/thedisasterarea/
https://www.emptyhome.de/
https://b-m.facebook.com/emptyhomeband/
https://www.contrapromotion.com/

Setlisten:

Empty Home:

  1. Lost
  2. Crown Bitter
  3. Dear Love
  4. Bloom
  5. Stray

The Disaster Area:

  1. Intro
  2. The Serpent
  3. Kingdom Come
  4. 0800-111-0-111
  5. Fade [Omega]
  6. Reborn [Alpha]
  7. Deathwish
  8. Glasshearts

To The Rats And Wolves:

  1. Cheap Love
  2. Friendz
  3. Blackout
  4. Cure
  5. Riot
  6. B.I.C.
  7. Kloppe Inner Schule
  8. Starting All Over
  9. Wild At Heart
  10. Kill The DJ
  11. Therapy
  12. Down

Zugabe:

  1. Young Used Wasted
  2. Suburban Romance
  3. Anywhere For You

Freitagabend und im Logo gibt es ein Abschiedskonzert einer Band. So was gibt es ja durchaus mal – auch im Logo. Meistens haben aber Bands auf Farewell Tour ca. 20 Alben abgeliefert und sind zwischen 60 und 70 Jahre alt. Heute ruft dazu eine Band aus dem Ruhrpott mit gerade mal acht Jahren Geschichte und drei Alben. Die Musiker sind alle noch jung – die 40 hat noch keiner der Herren erreicht.

Wie im Logo üblich, sind Einlass und Anfangszeit auf der Webpage und sonstigen Social Media perfekt kommuniziert. Bereits um kurz nach 19:00 Uhr ist der Laden gut gefüllt und der Andrang groß. Sold out wurde bereits im Vorfeld gemeldet.

Die Bühne ist vollgepackt mit diversen Materialien und so müssen die Drums der beiden Opener in die linke hintere Ecke. Pünktlich um 20:00 Uhr macht sich die erste Truppe auf die Bühne. Das ist mit Empty Home eine recht junge Band aus Dortmund, die im Hardcore zu Hause ist. Seit ca. 18 Monaten spielt das Line-Up zusammen. Eine EP mit fünf Songs wurde in Eigenregie bereits produziert. Die Musiker sind Mitte 20 und als Inspirationen werden Bands wie Parkway Drive, Comeback Kid oder Stick To Your Guns genannt. Los geht es mit Lost, gefolgt von Crown Bitter. Die Setlist beinhaltet vier der fünf EP Tracks. Mit Bloom wird aber auch ein neuer Titel performt. Der Stil erinnert an die typischen Hardcore/Metalcore Bands wie Stick To Your Guns oder Being As An Ocean. Melodischer Hardcore mit Metalcore Einflüssen. Bei fünf Tracks und einer knappen halben Stunde Spielzeit kann man sich natürlich kein wirkliches Urteil erlauben. Hier gilt es wohl den weiteren Weg der Jungs abzuwarten. Evtl. gibt es irgendwann ein Langeisen?

Nummer zwei des heutigen Abends sind The Disaster Area aus München. Die Truppe spielt schon seit Schulzeiten gemeinsam. Allerdings zunächst eher Rock. Seit zweieinhalb Jahren ist man nun im Metalcore unterwegs. Im Mai 2018 unterzeichnete man einen Contract bei Redfield Records. Zwei Longplayer sind bisher erschienen: 2016 Sell Your Soul (via Deafground Records, Noizgate Records) und 2018 Alpha // Omega (via Redfield Records). Das Line-Up sind Alexander Maidl (Gesang), Franz Apfelbeck (Gitarre), Alexander Kisslinger (Gitarre), Markus Schmidt (Bass) und Christopher Zillinger (Schlagzeug). Los geht es nach dem Intro mit The Serpent vom aktuellen Werk Alpha // Omega. Der Stil ist typischer Metalcore, Alexander shouted kräftig durch das Logo. Via Kingdom Come kommen die Herren zu einem Song Namens 0800-111-0-111. Wer diese Nummer wählt, landet bei der Telefonseelsorge und so kommt der Track auch rüber – düster und melancholisch. Es wird geschickt zwischen Shouts und Klargesang gewechselt. Das wäre mal ein Tipp zum Anhören.  Mir hat der Track außerordentlich gut gefallen. Sieben Songs lang ist die Setlist und nach ca. 40 Minuten verlassen die fünf Herren die Bühne. The Disaster Area werde ich auf jeden Fall mal im Auge behalten. Die Performance und Tracks machen neugierig. Die Truppe war übrigens auch mit den Eskimo Callboy im Dezember 2019 unterwegs.

Nun wartet alles auf sechs Herren aus dem Ruhrgebiet. Trancecore spielen To The Rats And Wolves. Die bekannteste Band dieses Sub Genres dürften wohl die Eskimo Callboys sein. Gegen kurz vor 22.00 Uhr ist es dann soweit. Zunächst kommen Danny Güldener (Gitarre), Marc Dobruk (Gitarre), Stanislaw Czywil (Bass) und Simon Yildirim (Drums) auf die Bühne. Nach dem Intro stürmen schließlich die beiden Sänger Dixi Wu und Nico Sallach nach vorne und mit Cheap Love (dem Titeltrack des 2019er-Albums) geht es los und das Logo wackelt von der ersten Sekunde an gewaltig. Via Friendz (ebenfalls vom 2019er-Werk) geht es dann zu Blackout vom Erstling Neverland. Das Publikum dreht mächtig auf. Dixi und Nico kennen das Logo bereits bestens. In der ersten Ansage geht es um das „Tropfen von der Decke“. Überhaupt sind To The Rats And Wolves heute erstmals sold out in Hamburg. Es werden Anekdoten aus acht Jahren Bandgeschichte erzählt und ausprobiert, ob man den Laden nicht doch abreißen kann. Cure, Riot und B.I.C. sind die nächsten Tracks und – natürlich tropft es von der Decke. Die Truppe hat das Publikum absolut im Griff. Eine „Hinsetzen Einlage“ klappt nahezu vollständig. Auch das „Partner schultern“ (im Logo ein gewisses Problem bzgl. der Deckenhöhe) gelingt. Irgendwann ist der Bassist Stani im Publikum unterwegs und die Stimmung ist am Überkochen. Dann ist es Zeit für die Zugabe. Young Used Wasted – erschien eigentlich nur auf der gleichnamigen EP 2013 – und Suburban Romance – der erste Track auf dem Album Neverland, läuten das Konzertende ein. Nun ist es also soweit. Dixi und Nico bedanken sich bei vielen Menschen rund um die Band, natürlich auch beim Publikum für die letzten acht Jahre. Der letzte Song des vorletzten Konzerts (einen Tag später ist das letzte Konzert der aktuellen Bandgeschichte in Köln) wird mit Anywhere For You angestimmt. Stani macht noch den Crowd Surfer und anschließend verlassen die Herren unter tosenden Beifall und „Regen“ von der Decke die Bühne. Was für ein Abriss.

Nach dem Konzert sprechen Nico und meine Person über die Gründe für das Ende der Band. Nico führt vor allem die extrem hohe Belastung als primären Grund an. Acht Jahre lang haben die Herren quasi jede freie Minute in die Band gesteckt. Der gesamte Jahresurlaub, jedes Wochenende geht für die Musik drauf. Man kann es recht einfach beschreiben. Entweder du bist richtig groß – dann ist alles top – oder du bist richtig klein – dann ist alles easy. Ein paar Konzerte im Jahr im näheren Umkreis – that´s it. Aber alles dazwischen ist ein absoluter Knochenjob. Fünf Tage arbeiten. Dazu proben, Studio und am Wochenende auf Tour. Oft halt am Freitagvormittag los – wo auch immer hin – Freitagabend Gig eins- zusammenpacken, weiterfahren zum Samstagabend Termin. Aufbauen, Gig zwei – abbauen und über Nacht nach Hause fahren. Zwei Nächte im Neunsitzer – Sonntagmittag auspacken, ausruhen und Montag wieder auf der Matte beim Job stehen. Das machen dann irgendwann die Lebenspartner(in) nicht mehr mit. Wenn du dann noch eine Familie haben möchtest – dann ist das nicht mehr alles unter einen Hut zu bringen. Die Entscheidung zur Beendigung der Band haben übrigens alle sechs Herren gemeinsam getroffen. Der eine oder andere wird der Musik verbunden bleiben – in unterschiedlichen Formen. Also: Bevor man die müde Band auf der Bühne kritisiert – evtl. mal drüber nachdenken, ob das der Hauptjob ist – wirklich Leben von der Musik können die wenigsten Künstler. Auch der Merchandising Stand hilft – evtl. kann man ja mal wieder eine CD oder LP hören – und nicht Spotify und Co. Solche Dinge liegen neben T-Shirts auch an diesen Ständen bei den Konzerten.

Fazit: Schade um eine Band mit einer starken Liveperformance. Die sechs Herren aus dem Ruhrgebiet haben in das Thema To The Rats And Wolves sehr viel Herzblut reingesteckt und müssen es nun aufgeben – weil man nicht nur arbeiten und Musik machen möchte. Hier zeigt sich mal wieder, was für ein „Arschloch“ das professionelle Musikgeschäft ist. Der Weg nach oben ist mehr als nur schwer und weit.

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