Turock Open Air 2018 am 17./18.08.2018 auf dem Viehofer Platz, Essen

“Turock Open Air 2018 am 17./18.08.2018 auf dem Viehofer Platz, Essen“

Festivalname: Turock Open Air 2018

Bands:

Tag 1: Uncured, Motorowl, Watchout Stampede, Farmer Boys, Serum 114, Jasta, Slime

Tag 2: Misanthrope Monarch, Backfired Hate, Messerschmitt, Delirious, Gyze, Tribulation, Exhorder, Kataklysm

Ort: Viehofer Platz, Essen

Datum: 17./18.08.2018

Kosten: Eintritt frei

Genres: Punk Rock, Punk, Hard Rock, Doom Rock, Psychedelic Rock, Hardcore, Speed Metal, Thrash Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Black Metal, Heavy Metal, Power Metal, Symphonic Metal

Veranstalter: Turock (https://www.facebook.com/turock.openair/)

Links:

Tag 1 =  https://www.facebook.com/events/488541538226671/

Tag 2 = https://www.facebook.com/events/184650785539971/

 

 

Sowohl für mich persönlich als auch für Time for Metal ist das diesjährige Turock Open Air eine Premiere. Weder war ich jemals privat dort noch hat Time for Metal von diesem zweitägigen Festival schon mal berichtet. Das soll nun aber anders werden, also am 17.08. früher Feierabend gemacht und auf nach Essen. Einlass ist schon ab 14 Uhr, und die Staus auf den Autobahnen bilden sich im Ruhrgebiet ja anscheinend immer früher. Es geht aber alles glatt, ich finde sogar einen Parkplatz in der Nähe und bin superpünktlich vor Ort. Den Viehofer Platz kenne ich natürlich von meinen Besuchen der dort liegenden Locations (Café Nord, Don’t Panic und – last but not least – dem Turock), aber normalerweise ist der Platz frei und von allen Seiten zugänglich. Jetzt ist er komplett eingezäunt, es gibt zwei Zugänge, an denen Security steht und Personen- und Taschenkontrollen durchführt. Alles für die Sicherheit der Besucher, finde ich gut. Neben den diversen Getränkeständen finden sich auch Möglichkeiten, feste Nahrung zu erwerben. Besonders erwähnens- und lobenswert sind auch die Toiletten, bei denen es sich nämlich nicht um die allseits bekannten und unbeliebten Dixie-Klos handelt, sondern es gibt tatsächlich Toiletten mit Wasserspülung, die auch regelmäßig gereinigt werden, so dass sie auch am Ende der zwei langen Tage noch problemlos benutzbar sind. Ganz dickes Lob dafür!

 

Tag 1

Eröffnet wird Tag 1 des Turock Open Air von Uncured. Aus New York City kommen sie und bringen progressiven Death Metal mit. Die vier Jungs tun mir schon leid, denn es sind gerade mal ungefähr 50 Zuschauer auf dem Viehofer Platz. Davon stehen vielleicht 20 an der Bühne, der Rest hält erst einmal gebührenden Abstand. Nun ja, 15:00 Uhr an einem Freitag ist schon eine undankbare Zeit. Viele müssen noch arbeiten, die Staus werden auch immer länger. Gar so unbekannt scheint die im Jahr 2016 gegründete Band nicht zu sein, an mir ist sie bislang zugegebenermaßen vorbeigegangen. Was allerdings sofort auffällt, ist die große Ähnlichkeit der beiden Sänger/Gitarristen. Ich kann Zak und Rex eigentlich nur an der Farbe der Gitarren auseinanderhalten, das dürften tatsächlich Zwillinge sein. Das Progressive spielt in ihren Songs definitiv eine sehr große Rolle, die Tracks sind ziemlich lang, haben auch lange Instrumentalparts, manchmal klingt es allerdings eher holprig als progressiv. Der Auftritt heute ist der letzte ihrer gemeinsamen Tour mit Jasta, und den werden wir später ja auch noch sehen.

Uncured @ Turock Open Air 2018 08 17

Die einzige Band des heutigen Tages, die ich schon mal live erleben durfte, kommt jetzt auf die Bühne. Motorowl haben ihr neues Album Atlas dabei, das gerade vor ungefähr einem Monat veröffentlicht wurde und das zweite nach dem Debüt OM Generator ist. Es bleibt weiter progressiv, um nicht zu sagen psychedelisch, und man darf auch gern noch Doom Rock hinzufügen. Bei der Länge der Songs muss man sich wohl ganz genau überlegen, womit man die Setliste bestückt. Trotzdem verpasst es Sänger/Gitarrist Max natürlich nicht, darauf hinzuweisen, dass Keyboarder Daniel heute Geburtstag hat. Das wird von den Zuschauern dann auch prompt mit einem Geburtstagsständchen gewürdigt, bevor es dann auch schon zügig weitergehen muss. Irgendwie ist Motorowl wohl doch die Zeit davongelaufen, die Setliste muss umgestellt werden, den letzten Song widmet Max mit einem speziellen „Dankeschön“ dem heute ebenfalls anwesenden Dan Swanö.

Motorowl @ Turock Open Air 2018 08 17

Dass die Jungs von Watchout Stampede nicht aus der Gegend kommen, hört man sofort während der Begrüßung. Der Bremer Slang ist unverkennbar, aber als „steife Hanseaten“ präsentieren sie sich nicht, im Gegenteil. Wie Shouter Andreas sofort klarstellt, sind sie heute für den Spaß zuständig, und den hat man nicht nur während seiner immer wieder witzigen Dialoge mit Sänger/Gitarrist Dennis. Mit schöner Regelmäßigkeit hauen Watchout Stampede neue Silberlinge raus, der letzte mit dem Namen SVTVNIC erschien vergangenes Jahr und wird natürlich in der Setliste entsprechend bedacht. Da Watchout Stampede eines meiner Lieblingsgenres vertreten, nämlich Metalcore bzw. Post Hardcore, bleibe ich nach dem Verlassen des Fotograbens gern noch dabei und freue mich, dass sich der Viehofer Platz mittlerweile doch schon gut gefüllt hat. Die Gelegenheit lässt sich Andreas nicht entgehen, nach einem kurzen Schlagabtausch mit Dennis über gutes Bier – Krombacher gehört nach Meinung von Andreas nicht dazu, aber man müsse ja nehmen, was man hier kriegt 😀 – geht es dann für den letzten Song mit Bier in den Graben zum Abfeiern mit den Fans. Sehr kurzweilige Show!

Watchout Stampede @ Turock Open Air 2018 08 17

Es ist nicht der erste Auftritt der Farmer Boys nach der relativ langen kreativen Auszeit, und man sieht den Männern an, dass sie sich freuen, wieder auf der Bühne zu stehen. Derzeit arbeitet man fleißig am neuen Album, für den 24.08. ist die Veröffentlichung der Single Revolt vorgesehen, und die wird heute natürlich auch präsentiert. Ansonsten sind die 45 Minuten Spielzeit, die für die Farmer Boys angesetzt sind, überwiegend gefüllt mit älterem Songmaterial, und die doch zahlreich anwesenden Fans erweisen sich natürlich als textsicher. Etwas irritiert bin ich persönlich über den Auftritt von Sänger Matthias, der zum einen mit seinem Outfit auch gut auf einen Campingplatz gepasst hätte und sich auch nicht wirklich engagiert zeigt, und der mich auch stimmlich nicht überzeugen kann. Da ist Gitarrist Alex nicht nur gesanglich meiner Meinung nach wesentlich besser aufgestellt. Nach dieser Show bin ich auf jeden Fall sehr gespannt auf das anstehende Album, das werde ich mir dann zu Gemüte führen.

Farmer Boys @ Turock Open Air 2018 08 17

Ich denke mal, zu Beginn der Show von Serum 114 kriegen die vielen Security-Leute doch graue Haare, denn Sänger/Gitarrist Esche stürmt die Bühne mit einem brennenden Bengalo in der Hand. Aber natürlich geht alles gut. Nach einem Blick auf das selbstgemachte Banner, das einige Fans in der ersten Reihe mitgebracht haben, und das den Jungs auf der Bühne ein breites Grinsen entlockt, geht es dann auch los mit dem gradlinigen Punk Rock, für den Serum 114 bekannt sind und für den die Fans sie lieben. Da wird nicht groß drumherum geredet, die Texte zeigen klare Kante und stoßen sicherlich so manchen vor den Kopf. Damit können Serum 114 aber gut leben und verfahren wohl so wie ich nach dem Motto „lieber einen Freund verlieren, als auf einen guten Spruch zu verzichten“. Die knappe Stunde Stagetime geht zu Ende mit einem Cover des Rage Against The Machine-Klassikers Killing In The Name, da ist gemeinsames lautstarkes Absingen angesagt, und sogar ich kann endlich mal einstimmen! 😀

Serum 114 @ Turock Open Air 2018 08 17

Auch den Frontmann der Band Hatebreed, der solo als Jasta unterwegs ist und jetzt gut gelaunt die Bühne entert, habe ich noch nie live erlebt. Gerade auf großer Europatour unterwegs, von der Jasta auch gern erzählt, machen er und seine Männer heute Halt in Essen. Die Fans sind bereit, die Show geht los, der Pit auch. Es gibt kein Halten mehr bei der sehr energiegeladenen Show und den Hardcore-Songs der zwei Alben, die Jasta bislang veröffentlicht hat. Aber es ist nicht so, dass Jasta die komplette Stagetime allein bestreitet, er hat auch hochkarätige Gäste dabei, die jetzt nacheinander dazu stoßen. Zunächst einmal gibt es Verstärkung am Mikrofon, und niemand Geringeres als Howard Jones (ex-Killswitch Engage, Light The Torch) stürmt die Bühne und genießt sichtlich den Beifall, der aufbrandet. Ich komme mir jetzt zugegebenermaßen ein wenig wie ein Teenie vor, der plötzlich seinen Schwarm sehen darf, und auch hier und heute zeigt Howard Jones, dass er ein richtig guter Shouter ist. Aber nicht nur gesangstechnisch gibt es Verstärkung, auch bei den Saiteninstrumenten ist noch was zu machen. Zunächst stößt Dino Cazares (Fear Factory) zu der Truppe auf der Bühne dazu, später dann, der hatte sich vor der Show schon kurz blicken lassen, auch Kirk Windstein (Crowbar). So ackern sich also alle gemeinsam durch die Setliste, auf die es auch verschiedene Fear Factory-Songs geschafft haben. Das wird von einigen im Nachhinein ein wenig kritisch kommentiert, aber nichtsdestotrotz kriegt man von Jasta eine coole Show geliefert, und die Anwesenden verausgaben sich im Pit sowohl zu den Jasta– als auch den Fear Factory-Songs.

Jasta @ Turock Open Air 2018 08 17

Und dann kommt tatsächlich auch schon der Headliner des ersten Tages, nämlich die Punk-Urgesteine Slime aus Hamburg. Hätte sich die Band nicht zwischenzeitlich schon einmal aufgelöst, wäre sie tatsächlich seit fast 40 (in Worten: vierzig!!!) Jahren am Start, denn das Gründungsjahr war 1979. In die Jahre gekommen sind aber nur die fünf Bandmitglieder, die Songs haben nach wie vor nichts von ihrer Aktualität verloren. Darauf weist Sänger Dirk in seinen Ansagen zu Songs wie Alle gegen Alle, Sie wollen wieder schießen dürfen, Schweineherbst oder Wir geben nicht nach immer wieder hin. Vom letzten Album gibt es unter anderem den Titelsong Hier und Jetzt, den man fast schon als Ballade bezeichnen kann. Das hat aber nichts mit Altersmüdigkeit zu tun, Slime spielen immer noch Punk und nehmen weiter kein Blatt vor den Mund. Die Show bringt noch einmal alle in Wallung, es wird gepogt und gemosht, auch Crowdsurfer finden wieder ihren Weg in den Graben.

Slime @ Turock Open Air 2018 08 17

 

Tag 2

Auch das Line-Up von Tag 2 hält für ich die eine oder andere Überraschung bereit, denn ich habe tatsächlich bislang nur eine der Bands schon mal live erlebt. Eine dieser – überaus positiven – Überraschungen gibt es dann gleich zum Start mit Misanthrope Monarch. Die haben das Glück, dass auch schon um diese Uhrzeit, es ist 14:00 Uhr, mehr Besucher den Weg auf den Viehofer Platz gefunden haben, als es gestern bei Uncured um 15:00 Uhr der Fall war. Wie ich es schon in unserem Instagram-Post direkt nach dem Auftritt geschrieben habe, geht es direkt in gestrecktem Galopp los, und die Jungs präsentieren eine ordentliche Ladung Death Metal, bei der aber auch das Melodische nicht zu kurz kommt. Mit Sebastian haben Misanthrope Monarch einen richtig geilen Shouter am Start, der von der Instrumentenfraktion die nötige Unterstützung kriegt.

Misanthrope Monarch @ Turock Open Air 2018 08 18

Mit Backfired Hate aus Heiligenhaus geht die Tempojagd weiter. Über die am Straßenrand stehenden Blitzer wird nur müde gelächelt, Death Metal mit einer gehörigen Portion Thrash Metal ist angesagt. Bereits seit zehn Jahren gibt es die Band, aber wenn ich es richtig gesehen habe, ist man bislang über eine EP und das Debütalbum A New Beginning noch nicht hinausgekommen. Nicht ohne Stolz verkündet Sänger Sebastian aber, dass man ja auch zwei Songs zum Soundtrack für den Horrorfilm Scars Of Xavier beigesteuert habe. Einen der Tracks, nämlich Disruption, zu dem Backfired Hate auch ein Video gedreht haben, gibt es heute live auf die Ohren. Die vierzigminütige Spielzeit, die ihnen heute zur Verfügung steht, wissen die Jungs auf jeden Fall zu nutzen und dürften den einen oder anderen Fan dazugewonnen haben.

Backfired Hate @ Turock Open Air 2018 08 18

Hatte ich jetzt schon zwei Mal das Tempo erwähnt, mit dem es in den zweiten Tag des Turock Open Air gegangen ist, kann ich das bei Messerschmitt gleich weiterführen. Die kredenzen uns jetzt nämlich relativ unaufgeregt puren Speed Metal. Da darf dann im Publikum natürlich einer nicht fehlen, und der wird auch von Sänger/Gitarrist Maik besonders angesprochen und als „der beste Mann“ geehrt. Jörg, den ich zum einen als sehr netten Kollegen des Online-Magazins thepit.de kennen- und schätzen gelernt habe, und der auf seinem Label FTWCTP Records das Messerschmitt-Album No Dread To Kill in der Vinylausgabe aufgelegt hat. Gerade frisch operiert steht er mit einem komplett bandagierten Arm im Publikum und sieht schon fast verlegen ob der Lobesworte aus 😀 Hat er sich verdient, aber weiter mit Messerschmitt. Die zocken sich mit der Routine, die sie nach acht Jahren Bandbestehen haben, durch ihr Set und unterziehen die Nackenmuskeln vieler der Anwesenden einem absoluten Härtetest.

Messerschmitt @ Turock Open Air 2018 08 18

Das Intro von Delirious lässt mich ein wenig verwundert aufhorchen und auch die Ohrstöpsel rausziehen, ob ich da richtig höre. Tatsächlich, es ist San Francisco von Scott McKenzie, das da eingespielt wird. Das hätte ich jetzt von einer Band, die sich dem Thrash Metal verschrieben hat, nicht erwartet, aber die Aufmerksamkeit haben sie dadurch schon mal auf ihrer Seite. Fast schon seit 20 (in Worten: zwanzig!!) Jahren gibt es die Band aus Hamm, die auch schon auf Auftritte beim RockHard Festival und sogar beim W:O:A verweisen kann und die Bühnen auch schon mit Bands wie Desaster, Testament und Fear Factory geteilt hat. Trotzdem merkt man natürlich auch den Jungs an, dass sie heute einen Höllenspaß auf der Bühne haben. Dabei werden sie auch von Rauchsäulen eingerahmt, die heute zum ersten Mal gen Himmel schießen. War schon das Intro was Besonderes, gibt es auch als Outro einen Oldie, nämlich California Dreamin‘ von The Mamas & The Papas. Es war anno 1966, als dieser Song veröffentlicht wurde…

Delirious @ Turock Open Air 2018 08 18

Hatte ich eingangs zu Tag 2 geschrieben, dass hier die eine oder andere Überraschung ansteht, komme ich mit Gyze zu meiner persönlichen Überraschung Nummer zwei. Ok, für mich ist es schon eine Seltenheit, eine japanische Band auf der Bühne zu sehen. Wenn die aber mit nur drei Mann ein dermaßenes Feuerwerk an grandiosem Melodic Death Metal abbrennen, das mich immer wieder an die ganz alten Sachen von Children Of Bodom denken lässt, dann habe ich bislang echt was verpasst. Seit fast zehn Jahren gibt es Gyze schon, dementsprechend groß ist auch der Pulk an Fans, die jetzt vor der Bühne stehen und begeistert den Auftritt verfolgen. Band und Fans stacheln sich immer wieder gegenseitig an, und Gyze können mit drei Alben im Rücken auch die letzte Show ihrer Europatournee zum Erfolg führen. Ich bin mir sicher, dass sie nicht nur mich als neuen Fan gewonnen haben.

Gyze @ Turock Open Air 2018 08 18

Überraschung Nummer drei steht für mich an: Mein lieber Kollege bei Time for Metal hatte mir Tribulation mit ihrem ziemlich Black Metal-lastigen Death Metal ja schon wärmstens empfohlen, aber manchmal bin ich beratungsresistent 😀 Heute also das Aha-Erlebnis, als die vier Männer nacheinander die Bühne betreten, wobei man bei Jonathan fast schon von Einschweben sprechen kann. Was der Mann für eine, teilweise an Ausdruckstanz oder auch Ballett erinnernde, Show liefert, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Da nehmen sich Sänger/Bassist Johannes und Gitarrist Adam dann wie selbstverständlich ein wenig zurück. Sänger Johannes beeindruckt allerdings allein schon durch seine Stimme, Adam kann mit intensiven Blicken punkten. Natürlich wird auch das aktuelle Album Down Below, das im Januar dieses Jahres erschien und auch in den deutschen Charts zumindest die Top40 entern konnte, in der Setliste bedacht. Mit ihrer beeindruckenden Diskografie im Rücken haben Tribulation aber wohl auch auf den ausgedehnten Tourneen, die sie in diesem Jahr schon absolviert haben, keine Probleme gehabt, alte Fans zufriedenzustellen und neue Fans dazuzugewinnen. Heute wird dem definitiv so sein!

Tribulation @ Turock Open Air 2018 08 18

Die Geschichte von Exhorder ist eine sehr wechselhafte. Wären da nicht die vielen Bandauflösungen und Pausen gewesen, könnte man nach der Gründung im Jahr 1985 tatsächlich schon auf über 30 Jahre Bandgeschichte zurückblicken, so sind es, wenn ich Wikipedia glauben darf, „nur“ 12 aktive Jahre. Im vergangenen Jahr wurde ein neuer Versuch gestartet, und wenn man die Männer heute so auf der Bühne sieht, kann man es nicht glauben, was da für Aufs und Abs hinter ihnen liegen. Von den Gründungsmitgliedern sind nur noch Sänger Kyle – was für eine Power hat dieser Mann! – und Gitarrist Vinnie übriggeblieben. Aber dass Gitarrist Marzi, Bassist Jason und Drummer Sasha tatsächlich erst seit dem vergangenen Jahr dabei sind, hätte ich dieser kompakten Masse, die da jetzt die Thrash Metal-Salven von der Bühne feuert, nicht gegeben. Neue Songs kann man noch nicht anbieten, aber mit den beiden Klassikern Slaughter In The Vatican aus 1990 und The Law aus 1992, die wohl in keiner Thrash Metal-Sammlung fehlen dürfen, können die Männer immer noch bestens unterhalten. Mittlerweile ist natürlich kaum noch ein Durchkommen auf dem Viehofer Platz, und ich bin froh, dass ich vom Rand der Menschenmassen ab und zu mal einen Blick auf die Bühne werfen kann. Thrash Metal ist eigentlich eher nicht so meins, aber was Exhorder da abliefern, ist eine amtliche Packung nicht nur für die Ohren!

Exhorder @ Turock Open Air 2018 08 18

Definitiv auch was fürs Auge liefern immer wieder Kataklysm. Das ist dann auch die einzige Band des heutigen Tages, die ich schon einmal live erleben durfte. Auch heute ist die Bühne zunächst einmal in rotes Licht getaucht, und die Nebelschwaden wabern, während die vier Männer nacheinander die Bühne betreten und zunächst mal die Pommesgabel zeigen. Sänger Maurizio ist offensichtlich sehr gut gelaunt und auch sehr erzählfreudig. So schwärmt er denn auch von den vielen Shows, die man bereits im der Bühne gegenüber liegenden Turock spielen durfte und von den durchzechten Nächten, die den Shows folgten. Dem schließt sich gleich ein besonderer Dank an Peter (Chef des Turock) an, der dieses Festival wieder einmal mit seinem Team hervorragend organisiert und durchgeführt hat. Dies wäre, so Maurizio, im wahrsten Sinne des Wortes ein „Festival von einem Fan für die Fans“. Aber es wird natürlich nicht nur geredet, wie immer eingerahmt von der Saitenfraktion, die sich mal wieder überwiegend headbangend durch die Songs spielt, und mit Drummer Oli im Rücken geht es los mit den Blastbeat-getränkten Songs, für die Katakylsm bekannt sind. Das von Maurizio geforderte Chaos bricht sich Bahn, die Masse tobt, und die Ordner haben mit den fast schon gruppenweise anrauschenden Crowdsurfern alle Hände voll zu tun. Gerade im Juni erschien das neue Album Meditations, das natürlich mindestens mit den Songs Narcissist und Guillotine in der Setliste bedacht werden MUSS. So komme ich dann auch live in den Genuss von zweien meiner Lieblingstracks von diesem Album. Aber bei den grandiosen Werken von Kataklysm irgendwelche Lieblingssongs rauszupicken, ist ja nahezu unmöglich, die Kanadier liefern ja mehr oder weniger durchgängig ab. Dabei hat Maurizio aber die wogenden Massen tatsächlich gut im Blick. So sieht er auch das Kind in der zweiten Reihe und bittet den Vater, doch mal allen zu zeigen, wie musikalische Früherziehung geht. So wird der Junge also hochgehoben, und wir können alle sehen, wie der kleine Fratz mit den neonfarbigen Schallschutz-Kopfhörern auf den Ohren gleich mal die Pommesgabel zeigt 😀 Wir könnten froh sein, sagt Maurizio, dass wir in einem Land leben, wo das so möglich ist. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer: wieder mal eine grandiose Show und ein toller Abschluss dieser zwei Tage!

Kataklysm @ Turock Open Air 2018 08 18
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