Twilight Force – Dawn Of The Dragonstar

Wappnet euch, auf dass ihr unserem kommenden Triptychon-Abenteuer gewachsen sein mögt

Artist: Twilight Force

Herkunft: Falun-Borlänge, Schweden

Album: Dawn Of The Dragonstar

Spiellänge: 45:21 Minuten

Genre: Symphonic Power Metal

Release: 16.08.2019

Label: Nuclear Blast

Links: www.facebook.com/twilightforce
www.instagram.com/twilight_force
http://www.officialknights.com/the-twilight-force

Produktion: Blackwald (Mastering, Mix, Arrangements, Sound Design, Producer), Lynd (Mix, Producer), Kerem Beyit (Cover Artwork)

Bandmitglieder:

Gesang – Allyon
Gitarre – Lynd
Gitarre – Aerendir
Bassgitarre – Born
Schlagzeug – De’Azsh
Keyboards – Blackwald

Tracklist:

  1. Dawn Of The Dragonstar
  2. Thundersword
  3. Long Live The King
  4. With The Light Of A Thousand Suns
  5. Winds Of Wisdom
  6. Queen Of Eternity
  7. Valley Of The Vale
  8. Hydra
  9. Night Of Winterlight
  10. Blade Of Immortal Steel

Bonustracks (nur auf Digibook und 2 LP)

  1. The Power Of The Ancient Force (Hanna Turi-Version)
  2. With The Light Of A Thousand Suns (Orchesterversion)
  3. Enchanted Dragon Of Wisdom (Demoversion 2007)
  4. Forest Of Destiny (Demoversion 2007)

Twilight Force stehen nicht nur für melodiegeschwängerten Symphonic Power Metal, vielmehr verkörpern, leben und verarbeiten die Skandinavier Fantasie und mittelalterliche Elemente in ihrer Musik. Demnach weitaus mehr als nur eine Attitüde. Twilight Force selbst sagen zu ihrem dritten Longplayer: Dawn Of The Dragonstar wird euch insgesamt zehn musikalische Reisen durch die Twilight Kingdoms bescheren, die euch Zeit und Raum durchqueren lassen und euch so die Erzählungen, Legenden und Prophezeiungen, die sich in der mystischen Welt von Twilight Force verbergen, näherbringen werden.“ Twilight Force versprechen uns Geschichten von Helden, Königinnen und Königen, magischen Artefakten, legendären Orten und historischen Monstern; all das verpackt in eine rasend schnelle, funkelnde Klanglandschaft, in der es von Lebhaftigkeit nur so wimmelt. Und weiter: „Schließt euch uns an, um erneut ein atemberaubendes Abenteuer zu erleben. Möge die Macht des Drachen euch leiten!“ So viel nun zur glorreichen Geschichte, der mystischen Botschaft und den Lyrics.

Dies beschreibt die eine Seite der Medaille, die andere legt Zeugnis über die Musik ab. Und da wir hier keine Buchrezension vornehmen, soll es zentral auch um die Adaption der vielsagenden Geschichten in die Musik gehen. Die beiden Vorgängeralben hatten im weiten Rund bislang schon mächtig Eindruck hinterlassen und für wahre Begeisterungsstürme gesorgt. So darf man gespannt sein, was Dawn Of The Dragonstar zu bieten hat.

Eine wesentliche Neuerung hatte sich zwischenzeitlich im Line-Up ergeben und bedarf deshalb der Erwähnung. Twilight Force haben sich einen neuen und ganz nebenbei recht namhaften Sänger in ihre Reihen geholt. Kein geringerer als Alessandro Conti alias Allyon wurde auserkoren die Geschichte des Albums zu erzählen. Der aus Italien stammende Alessandro Conti selbst lässt seine Stimmbänder gegenwärtig auch bei Lione/Conti und Trick Or Treat in Schwingung bringen. Letztlich darf seine Gegenwart am Mikrofon als Bereicherung für Twilight Force bezeichnet werden.

Und dann beginnt der Reigen. Der Titeltrack Dawn Of The Dragonstar wird mit den Worten: „May the power of the dragon guide us“ eingeleitet und fortan wird mächtig aufs Gaspedal gedrückt. Genretypisch geht diese Nummer gleich von Beginn an mächtig vorwärts. Das Arrangement erinnert mich an diverse Songs des ersten Keeper Of The Seven Keys Albums, wenngleich bei Twilight Force über den gesamten Song hinweg sehr dominante Keyboards und digitale Streicher für den opulenten Gesamteindruck sorgen. Und das alles wird durch die grandios vorgetragenen Vocals absolut stimmig abgerundet. In jeder Silbe kommt die Präzision zum Tragen, die Melodien gehen sofort ins Ohr und bleiben hängen. Alessandro Conti meistert die hohen und tiefen Töne quasi im Vorbeigehen. Und instrumentell ist die ganze Sache vollkommen durchdacht und detailverliebt. Hier wird rein gar nichts dem Zufall überlassen. Das setzt sich in Thundersword auf gleichbleibendem Niveau fort, mehr kann ich hierzu eigentlich nicht sagen. Vielleicht nur, dass die Herren an den Gitarren erneut schwindelerregende Arbeit abliefern. Abermals ein melodischer Ohrenschmaus.

Schon beinahe märchenhafte Klänge leiten Long Live The King ein. Der symphonische Moment rückt dezent in den Hintergrund und das mittelalterliche Flair tritt sehr deutlich hervor. Der Refrain wird mit orchestralen Chören mehrstimmig begleitet. Anfangs wirkt eben der Refrain ein wenig abstrakt, gliedert sich im Verlaufe des Songs aber durchweg harmonisch ein. Instrumentell wird mehr experimentiert, technische Synthigimmicks und akzentuiert eingesetzte Streicherelemente peppen die Nummer schlussendlich auf. Der Mystik und den epischen Klängen frönt With The Light Of A Thousand Suns. Noch mehr Chöre, noch mehr Bombast, noch mehr des symphonischen Treibens. So, oder so ähnlich ließe sich dieser Track wohl beschreiben. Eine Metal-Operette sozusagen. Ein wenig Orient in gekonnt gezupften Gitarren unterbricht das Arrangement vielsagend. Twilight Force packen wirklich alles in ihre Songs. Seien es Bläser, Streicher oder monumental eingesetzte Trommeln. Winds Of Wisdom beinhaltet diese reichhaltige Palette an Instrumenten und vereint sich dennoch harmonisch mit den Grundstrukturen eines Power Metal Arrangements.

Mit Queen Of Eternity wird es wieder eher zünftiger, oder besser gesagt: dezent weniger orchestral. Selbstredend melodisch und nach wie vor im Symphonic Power Metal verharrend, ist hier mehr Druck drin. Ganz ohne die Chöre kommt auch diese Nummer nicht aus, letztlich gehört dies aber zum Konzept des Albums. Gleiches gilt für Valley Of The Vale, technisch durchaus versiert, schleicht sich mit dieser Nummer dann doch langsam ein wenig der Hang zum bewährten Songwriting des Albums ein. Daran ändert auch Hydra im Wesentlichen leider nichts. Wie gesagt, musikalisch darf man den Skandinaviern in keiner Weise ihre Qualitäten absprechen, unter der Huldigung der Botschaft hingegen leidet gegen Ende hin das Überraschungsmoment. Das Niveau fällt ein wenig ab und die Songs werden voraussehbarer. Für den Genreliebhaber und eingefleischten Fan von Twilight Force jedoch wird genau diese Tatsache dann zum Qualitätsmerkmal avancieren. Night Of Winterlight als auch Blade Of Immortal Steel stimmen in die über das ganze Album hinweg vorhandene Atmosphäre mit ein, wenngleich letztere Nummer nochmals mit viel Melodie und ruhigeren Passagen zu überzeugen weiß.

Das Album wird ab 16.08.2019 via Nuclear Blast als Jewelcase-CD, Digibook, auf Vinyl sowie in digitaler Form angeboten werden. Sowohl die Vinyl- als auch die nur begrenzt verfügbare Digibook-Edition wird der Gefolgschaft einige Bonustracks bieten. Einer davon ist eine erlesene Coverversion des allseits beliebten Songs The Power Of The Ancient Force (2014), interpretiert von der begabten Singer-Songwriterin Hanna Turi.

Twilight Force – Dawn Of The Dragonstar
Fazit
Dawn Of The Dragonstar wird ein „must have“ für Genreliebhaber und Twilight Force Anhänger werden. Schon deshalb, weil dieses Album eine Steigerung zum 2016er-Album Heroes Of Mighty Magic darstellt. Was für die einen für Entzückung sorgt, kann für andere jedoch einsilbig und zu überzogen wirken. Das darf zum Glück dann jeder für sich selbst entscheiden. Musikalisch gesehen ist das hohe Kunst, und auch bei Twilight Force darf man ob ihrer weiteren Entwicklung gespannt sein.

Anspieltipps: Dawn Of The Dragonstar, Thundersword und Blade Of Immortal Steel
Peter H.
8.5
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8.5
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