Event: Ultima Ratio Tour 2025
Bands: Iotunn, Equilibrium, Soen, Dark Tranquillity
Datum: 05.10.2025
Genres: Prog Doom Metal, Melodic Death Metal, Symphonic Metal, Progressive Metal
Besucher: ca. 1000
Ort: Astra Kulturhaus, Berlin
Veranstalter: Decibel Touring
Kosten: 56,65 € VVK, Abendkasse 60 €
Der heutige Sonntag steht im Zeichen eines Konzerts im Astra Kulturhaus. Das Ultima Ratio Fest 2025 macht hier Station und beschert uns – so hoffen wir – einen angenehmen Musikabend. Mit den Öffis gelangen wir zum Veranstaltungsort am Westkreuz und können vor dem Einlass an den davor liegenden Buden noch günstige Speisen und Getränke erstehen. Aufgrund der Menge an Bands beginnt das Konzert bereits um 18:35 Uhr, sodass wir relativ frühzeitig Einlass haben. Ohne Probleme geht es an den Bühnenrand und somit dicht ans Geschehen. Natürlich freuen wir uns besonders auf Iotunn, die wir innerhalb kürzester Zeit bereits zum zweiten Mal mit ihrem neuen Sänger Morten Bering Bryld sehen. Dieser ist derzeit als Ersatz für Jón Aldará gesetzt und hat seine Sache bereits in Hamburg gut gemacht – auch wenn es anders ist. Neben uns steht eine junge Dame, mit der wir ins Gespräch kommen. Cathleen heißt sie, kommt aus Berlin und hat heute auch noch Geburtstag. Somit gibt es angeregte Unterhaltung und Fachgesimpel, da sie auch äußerst Metal-affin ist.

Pünktlich um 18:35 Uhr betreten die fünf Iotunn-Musiker die Bühne und legen mit Mistland los. Wie immer sind die Græs-Brüder kaum hinter ihren offenen Mähnen auszumachen. Immerhin ist Sänger Morten nicht ganz so unter der Kapuze versteckt wie sonst Jón, und auch Eskil am Bass bietet gute Momente. Drummer Björn ist hinter seiner Maschine kaum auszumachen. Aber was hier zählt, ist die atmosphärische Musik und die Komplexität der Songs. Da wir drei Songs im Graben bleiben dürfen, ist das ganze Set fotografierbar, denn es kommen nur drei Stücke zum Einsatz. Nach Mistland folgen The Kinship Elegiac und zum Schluss noch The Tower Of Cosmic Nihility. Es ist immer wieder ein Fest, die fünf aus Dänemark zu sehen, und so langsam weiß man auch, an welcher Stelle sich der Vorhang aus Locken hebt, um ein Gesicht zu erhaschen. Ich kann nur jedem raten, sich mal ein Konzert der Band anzusehen oder sich zumindest das Meisterwerk Kinship anzuhören. Leider verfliegt die halbe Stunde wie im Fluge, und nach den letzten Tönen bleibt nicht viel Zeit zum Umbau. Ein kurzes Hallo von und auf die Bühne, aber ich treffe die Jungs ja später noch im Foyer.
Der Umbau zu Equilibrium geht schnell, da auch hier ein knapper Zeitplan eingehalten werden muss. Equilibrium sind seit Juli 2025 nur noch zu viert unterwegs. Gitarrist Dominic „Dom“ Crey hat die Band verlassen. Trotzdem liefern die vier Jungs um Sänger Fabio „Favethesky“ Getto mächtig ab. Von Symphonic Metal ist nicht viel zu spüren – es ist eher eine Power-Metal-Schlacht. Sieben Songs stehen auf der Setlist, wobei mit Blut Im Auge ein deutschsprachiger Titel dabei ist, der vom zweiten Album stammt. Ansonsten wird auf die letzten beiden Alben gesetzt. Die auf der Bühne platzierten Stehtrommeln sind nach dem Intro des ersten Songs bis zum letzten Song als schmückendes Beiwerk zu sehen – erst bei Nexus werden sie von den beiden Gitarristen erneut malträtiert. Sänger Fabio ist ständig in Bewegung, von links nach rechts, hoch und runter. Er ist kaum zu erwischen – auch im Fotograben ist er unterwegs, um Fans zu begrüßen. Dazu gesellen sich viel Stroboskoplicht und Frontalbeleuchtung. Nach gut 40 Minuten ist der Auftritt dann Geschichte. Mich hat es inzwischen nach draußen ins Foyer geführt, wo ich die Jungs von Iotunn und Katrin Riedel vom Metal Hammer treffe. Da kommt gleich die Frage auf, wie ich denn den derzeitigen Ersatz für Jón Aldará finde. Als Jón-Fan ist das natürlich keine leicht zu beantwortende Frage. Morten macht seine Sache sicherlich gut, aber im Gegensatz zu Jón ist er nicht so emotional bei den Songs. Die Zeit im Gespräch vergeht wie im Fluge, und ich muss zurück, um bei Soen ein paar Bilder zu machen.

Die beginnen um 20:20 Uhr mit Sincere vom letzten Album Memorial. Ich sehe die multinationale Band zum ersten Mal und bin ob ihrer Live-Präsenz gänzlich unbeleckt. Vom ursprünglichen Line-Up ist nur noch Martin Lopez an den Drums dabei. Nun ja – es war 2004 auch nur eine Zwei-Mann-Kapelle, die sich seither mehrfach verändert hat. Die ersten Alben weisen teilweise noch Opeth-ähnliche Strukturen auf, allerdings ist der gesamte Stil eher als Alternative- oder Progressive-Metal zu betrachten. Somit ist der Einsatz von Keyboards, bedient von Gitarrist Lars Åhlund, auch notwendig, um diesen Sound auf die Bühne zu bringen. Die meisten Tracks stammen vom letzten Album und werden gefeiert. Mir gefällt das ebenfalls recht gut, und so können mich Songs wie Antagonist, Unbreakable und Lotus überzeugen. Sänger Joel Ekelöf überbrückt mit passenden Ansagen, und auch eine schwarze Flagge kommt zum Einsatz. Ich beschließe, mir eine Platte der Band zu holen, und werde am Merch-Stand fündig. Schön wäre eine persönliche Begegnung mit den Musikern, aber das scheint heute nicht möglich zu sein. Bis zum Beginn von Dark Tranquillity bleibt noch etwas Zeit, und so bleibe ich noch ein wenig im Foyer und widme mich einem Kaltgetränk sowie der erfolgreichen Jagd nach einem Hardticket für die Sammlung.
Auch Mikael Stanne ist dieses Jahr bereits auf meinem Programm gewesen, trotzdem sehe ich den sympathischen Sänger und seine „dunkle Ruhe“ immer wieder gern. Natürlich dauert hier der Umbau etwas länger, da nun die gesamte Bühne vom Überflüssigen befreit wird. Da es bereits das zwölfte Ultima Ratio Fest-Event dieses Jahres ist, ist die Setlist kein Geheimnis mehr. Es stehen 15 Songs darauf, und von der aktuellen Platte sind nur zwei Tracks vertreten. Aber das ist nicht weiter schlimm – gefühlt waren Dark Tranquillity erst gestern auf der Endtime Signals Tour. Auf dieser Tour widmet sich die Band vor allem den beiden Werken The Gallery von 1995 und dem zehn Jahre später erschienenen Character. Natürlich fehlt jüngeres Material nicht, das wird jedoch erst gegen Ende des Sets ausgepackt.

Wie dem auch sei – Dark Tranquillity wissen um ihr Können und liefern souverän ab. Mikael Stanne ist dabei der Unterhalter, Entertainer und Sunnyboy, der das Publikum fordert, lockt, animiert und sich anschließend für die Aufmerksamkeit bedankt. Er scheint immer eine megagute Laune zu haben und verbreitet das so, als wenn es gerade dieses Publikum besonders verdient hat. Das ist authentisch, sympathisch und professionell. Seine Mannen lassen sich davon anstecken und liefern ebenfalls ab. Dass sie dieses Programm bereits so lange spielen, merkt man ihnen nicht an, und so kommt das Berliner Publikum genau in den Genuss, den zuvor schon Tausende in anderen Städten erleben durften. Lethe oder The Dividing Line, das in den letzten 29 Jahren gar nicht live gespielt wurde, rücken damit ebenfalls in den Fokus. Auch für die Band ist es sicherlich spannend, so alte Songs noch einmal zu spielen – und das natürlich nicht mehr wie zur Entstehungszeit. Insgesamt ergibt sich eine gute Mischung, die begeistert aufgenommen wird, wobei ich nicht sagen könnte, welche Epoche dabei die Nase vorn hat. Natürlich haben Dark Tranquillity den längsten Slot, und so endet dieser nach gut 100 Minuten unter tosendem Beifall. Durch die Kombination der Bands insgesamt ein wirklich lohnendes Event in einer feinen Location.































