Under The Red Cloud Tour 2016 – Amorphis & Support am 17.04.2016 in der Matrix, Bochum

Eventname: Under The Red Cloud Tour 2016

Headliner: Amorphis

Vorbands: Poem, Textures

Ort:
Matrix, Bochum

Datum: 17.04.2016

Genre: Progressive Metal, Progressive Death Metal, Djent

Besucher: ca. 800 Besucher (ausverkauft)

Veranstalter: Killpop Events (https://www.facebook.com/Killpop-753579728094457/)

Link: https://www.facebook.com/events/989576531085675/

Setlisten:

  1. Passive Observer
  2. Fragments
  3. Desire
  4. Bound Insanity
  5. Remission Of Breath

  1. Drive
  2. Regenesis
  3. New Horizons
  4. Shaping A Single Grain Of Sand
  5. Illuminate The Trail
  6. Awake
  7. Timeless
  8. Singularity
  9. Laments Of An Icarus

  1. Under The Red Cloud
  2. Sacrifice
  3. Bad Blood
  4. Sky Is Mine
  5. The Wanderer
  6. On Rich And Poor
  7. Drowned Maid
  8. Dark Path
  9. The Four Wise Ones
  10. Silent Waters
  11. My Kantele
  12. Hopeless Days
  13. House Of Sleep
    Zugaben:
  14. Death Of A King
  15. Silver Bride
  16. The Smoke

Under The Red Cloud World Tour Plakat 2016
Jetzt hatte ich gerade in meinem letzten Konzertbericht darüber geschrieben, dass es immer ziemlich schwierig ist, Besucher anzulocken, wenn das Konzert nicht gerade freitags oder samstags stattfindet. Es gibt allerdings Bands, die sind die berühmte Ausnahme von dieser Regel, und zu diesen Bands gehört definitiv Amorphis aus Finnland. Als ich am frühen Sonntagabend an der Matrix eintreffe, ist der Parkplatz fast komplett belegt, der Einlass schon in vollem Gang und die Schlange vor den Türen zum Kellergewölbe beeindruckend lang. Die Matrix dürfte heute Abend mehr als ausverkauft sein, in der Röhre stehen die Menschen durchgehend von der ersten bis zur letzten Reihe dicht an dicht, wobei die letzte Reihe dieses Mal fast schon direkt an der hinteren Theke steht. Auch im Fotograben wird es heute Abend sehr voll, insgesamt tummeln wir uns mit zehn Personen in dem abgesperrten Bereich direkt vor der Bühne. Da wir nur jeweils während der ersten drei Songs fotografieren dürfen und danach den Fotograben verlassen müssen, bedeutet dass, das wir jedes Mal bis nach ganz hinten durchgehen müssen, denn im vorderen Bereich finden wir keinen Platz mehr. Berührungsängste darf man, während man sich seinen Weg durch die Massen bahnt, nicht haben 😀

Die meisten der Besucher sind definitiv für die Hauptband des Abends gekommen, und vor allem mit der ersten Band, Poem aus Griechenland, kann anscheinend kaum jemand etwas anfangen, mich zugegebenermaßen eingeschlossen. Und dabei gibt es die Band bereits seit dem Jahr 2006! Aber die vier Männer aus Athen wissen zum einen durch ihr persönliches Erscheinungsbild und die launigen Ansagen von Sänger/Gitarrist Giorgos Prokopiou Sympathiepunkte zu sammeln als auch durch ihr Spielvermögen zu beeindrucken. Dabei betont Giorgos, der im Übrigen ein wirklich toller Sänger ist, immer wieder, dass man sehr froh sei, bei dieser Tour dabei gewesen sein zu dürfen und wie viel Spaß man gehabt habe. Leider sei dies nun aber die letzte Show und man freue sich einerseits, so viele bekannte Gesichter gesehen zu haben und hoffe andererseits, dass man viele neue Fans dazugewinnen konnte. Mich haben sie definitiv überzeugt, denn die teilweise sehr wuchtigen, immer sehr progressiven und oft in den Djent abdriftenden Songs fräsen sich sofort durch die Gehörgänge ins Hirn. Das neue Album Skein Syndrome ist vor einem Monat erschienen, und natürlich nutzt man diese Show, um dieses zu promoten, d. h. alle Songs des heutigen Abends stammen von diesem zweiten Album von Poem. Für den letzten Song Remission Of Breath kommen dann sogar noch Mitglieder der Saitenfraktion von Textures auf die Bühne, was ich allerdings kaum mitbekomme, da ich zu diesem Zeitpunkt schon ganz hinten stehen muss und nicht mehr viel von dem sehe, was vorn auf der Bühne passiert.

2016 04 17 - Poem
2016 04 17 – Poem

Gerade erwähnt, schon schreiten sie nacheinander zum Intro auf die Bühne: Textures aus den Niederlanden, die es seit dem Jahr 2003 gibt, und die ebenfalls gerade ein neues Album veröffentlicht haben. Phenotype konnte bei mir 9,5/10 Punkte abgreifen, und ich freue mich sehr darauf, diese Band endlich einmal live zu erleben. Jetzt gibt es technisch höchst anspruchsvollen, teilweise richtig schön verfrickelten Progressive Metal mit deutlicher Schlagseite zum Djent auf die Ohren. Eingängig ist anders, aber es ist mächtig beeindruckend, den sechs Männern aus Tilburg mal direkt auf die Finger schauen zu können. Mit dem Fotografieren wird es sehr schwierig, denn die Saitenfraktion und Sänger Daniël de Jongh sind nur unterwegs, keiner steht mal länger als ein paar Sekunden auf seinem Platz, das nenne ich doch mal ein ordentliches Stageacting! Was mir ein wenig die Laune verdirbt ist der hörbar süffisante Kommentar von Sänger Daniël, als wir nach drei Songs den Fotograben verlassen müssen und ich noch höre, wie er hinter uns her ruft „Now good-bye to the press, and thanks for being here“. Leider, oder Gott sei Dank, habe ich ihn dabei nicht sehen können, aber den Spruch hätte er sich echt sparen können. Von meinem Platz ganz hinten im Saal kann ich dann allerdings zumindest weiterhin die sehr geile Musik genießen und einen Teil der wieder mal beeindruckenden Lichtshow sehen. Mit meinem Bewegungsdrang, der mich bei solch einer genialen Musik immer überfällt, bin ich allerdings so ziemlich die Einzige, und auch die Gesichter um mich herum zeugen nicht gerade von Zufriedenheit. Da bin ich wohl in ein Rudel von eingefleischten Amorphis-Fans geraten, die mit diesem zugegebenermaßen nicht ansatzweise so eingängigen Progressive Metal, wie ihn Amorphis zelebrieren, nicht sonderlich viel anfangen können. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch Textures eine klasse Show abliefern, wenn auch die Stimme von Daniël wohl mittlerweile ein wenig gelitten und er in den höheren Gesangspassagen doch einige Probleme hat. Beim nächsten Mal bin ich definitiv privat dabei und werde meinen Platz in der ersten Reihe freiwillig nicht verlassen! 🙂

2016 04 17 - Textures
2016 04 17 – Textures

Und dann wird die Bühne für den Hauptact des heutigen Abends bereitet. Nachdem Schlagzeuger Jan Rechberger und Keyboarder Santeri Kallio ihre Plätze eingenommen haben, kommt auch die Saitenfraktion nach vorn, um den Rahmen für Frontmann Tomi Joutsen zu bilden. Der kommt dann auch mit freiem Oberkörper und mit klatschnassen Haaren auf die Bühne, um vorn am Bühnenrand erst einmal ordentlich zu headbangen. Das finden die Fotografen im direkten Einzugsbereich nicht so witzig, ich war aber vorgewarnt, so dass meine Kamera und ich trocken bleiben. Tomi hat aber wohl Spaß an dieser Aktion gefunden, denn er wiederholt sie noch einige Male 😀 Los geht es nach der ersten Dusche für Fotografen und Fans erst einmal mit Under The Red Cloud dem Namensgeber des letzten Albums und der Tour. Natürlich merkt man auch den sechs Männern von Amorphis überhaupt und gar nicht an, dass dies die letzte Show einer doch recht langen Tour ist. Die sehr ausgewogene Setliste ist der lebendige Beweis dafür, dass die Finnen immer hart an sich arbeiten und dabei auch die eine oder andere Korrektur ihres Sounds vorgenommen haben. Heute Abend gibt es Zeitsprünge zwischen solch großartigen Alben wie Tales From The Thousand Lakes, Skyforger oder Circle, wobei das Hauptaugenmerk bei den Songs auf dem Namensgeber der Tour, dem Album Under The Red Cloud, liegt. Die immer sehr launigen Ansagen von Frontmann Tomi Joutsen leiten dabei sehr gelungen durch die Show. Mittlerweile ist die Luft in der Matrix zum Schneiden dick, eine Sauna wäre jetzt tatsächlich eine willkommene Abkühlung. Aber da müssen wir alle gemeinsam durch, denn dieses grandiose Erlebnis will sich natürlich niemand entgehen lassen. Amorphis, die es wirklich schon seit dem Jahr 1990 (!!) gibt, wissen nach wie vor, wie sie die Massen begeistern und die Luft noch weiter aufheizen können. Auch dieser Auftritt wird begleitet von einer wieder einmal tollen Lichtshow, die die Männer im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht setzt. Und erst, nachdem zu fortgeschrittener Stunde der letzte Ton von The Smoke verklungen ist, entlassen uns Amorphis aus ihrer farbenfrohen, skandinavischen Zauberwelt in den grauen Alltag.

2016 04 17 - Amorphis
2016 04 17 – Amorphis
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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