Vitja – Mistaken

“Bleibt umstritten“

Artist: Vitja

Herkunft: Deutschland

Album: Mistaken

Spiellänge: 33:46 Minuten

Genre: Metalcore, Experimental

Release: 28.09.2018

Label: Century Media

Link: https://www.facebook.com/vitjaband/

Bandmitglieder:

Gesang – David Beule
Gitarre – Vladimir Dontschenko
Bassgitarre – Mario Metzler
Schlagzeug – Daniel Pampuch

Tracklist:

1. Mistaken
2. Overdose (Ft. Andreas Dörner)
3. Friend’s Dont Lie
4. Down
5. Anxiety
6. Black And Blue
7. High On You
8. To The Moon
9. Sedamine
10. Filthy
11. Kings Of Nothing

Es gibt wohl viele Bands, die in ein gewisses Genre passen oder zumindest gewisse Klischees zu erfüllen wissen. Und ja, im Metalcore gibt es davon ziemlich viele, die es nicht immer schaffen sich von den typischen Elementen des Genres wegzubewegen und deshalb auch darin scheitern, sich selbst aus der Masse hervorzuheben.

Ein Gegenbeispiel dürfte eventuell die Gruppe Vitja darstellen. Bereits mit ihrem letzten Album Digital Love zeigte die deutsche Gruppe interessante Ansätze, Metalcore mit Experimental und Progressive Elementen zu verknüpften. Dabei präsentierte sie einen Sound, der nur manchmal zum überzeugen reichte, sich jedoch vor allem deutlich von anderen Künstlern hervorhebt. Dabei sind Konzertbesucher schon fast in zwei Lager gespalten: Entweder man liebt sie oder hass sie – Letzteres ist zumindest häufiger anzutreffen. Die Hauptkritikpunkte liegen dabei häufig in der gesanglichen Qualität sowie der (für manche) fehlenden Ernsthaftigkeit.

Am 28. September 2018 veröffentlichen Vitja nun ihr nächstes Album Mistaken. Der inzwischen dritte Longplayer ist dabei zwar nur knapp 35 Minuten lang, enthält aber doch die eine oder andere Überraschung. Doch wird es ausreichen, um die allgemeine Meinung zu Vitja zu ändern oder wird das Stimmungsbild nur bestätigt?

Der Opener präsentiert uns gleich den Titeltrack Mistaken, der nach den gewohnten Vitja klingt, wenn auch hier mit vielleicht etwas ungewöhnlich vielen Cleans gearbeitet wird und die Gruppe von der Tonalität durchaus etwas, man könnte sagen, frischer wirkt. Die eingebauten, instrumentalen Elemente untermauern den Gesang, stehen allerdings nicht im Vordergrund. Mistaken liefert insgesamt genug Energie, um den Zuhörer mitzureißen, ohne sofort in die Vollen zu gehen.

Overdose bringt den Zuhörern dann ein Vitja mit Andy Dörner, wohl eher bekannt als Sänger von Caliban – eine Tatsache, die an dem Song nicht unbemerkt vorbeizieht. Ob hier die beiden Stimmen gut harmonieren, darüber dürfte man sich wohl streiten – rau und mit einer gewissen Portion Düsternis kann man auf jeden Fall rechnen. So richtig hinterlässt der Song allerdings keine spezielle Note und spätens nach dem dritten Anhören wechselt man dann doch genervt weiter.

Überraschend kommt Friends Don’t Lie daher, der ein wenig untypisch für Vitja erscheint und an frühere Sonderlinge wie No Masters, No Slaves erinnert. Es ist ein Stil, der den Jungs gut steht und sie vom typischen Metalcore bzw. der Norm der Szene etwas hervorhebt – wenn auch hier ruhigere und langsamere Töne präsentiert werden. Je nach Präferenz dürfte der Song also unterschiedlich ankommen. Manchmal ist weniger aber mehr und Friends Don`t Lie zeigt dies absolut.

Down setzt diese ruhigere Ernsthaftigkeit fort und ja, man muss sich an einigen Stellen doch wundern, ob der starke Wechsel zu Cleans für Vitja nun vorteilhaft ist oder nicht – unverkennbar bleiben sie damit auf jeden Fall. Down hat dabei einen durchaus modernen Touch, der an der einen oder anderen Stelle an Bring Me The Horizon erinnert.

Black And Blue ist eine der vorherigen Singles, welche sich Zuhörer bereits vor Albumrelease anhören durften. Und man kann durchaus sagen, dass Vitja hier vielleicht einen ihrer interessantesten und stärksten Songs präsentieren. Die gewisse Portion Düsternis lässt auch während Black And Blue nicht locker, während die eingebauten Screams für die nötige Energie sorgen und dabei wunderbar mit den gegeben Vocals harmonieren.

Auch die nächsten zwei Songs High On You und To The Moon präsentieren sich im ähnlichen Stil, wodurch Vitja ganz klar einer Linie in ihrem neuen Album zu folgen scheinen. Die Songs bzw. diese Art von Stil steht der Band durchaus gut, wobei Mistaken dennoch ein wenig monoton daherkommt und droht, sich zu sehr zu wiederholen. Die Songs selbst bieten dabei mal mehr oder eben weniger Abwechslung.

Etwas fetziger wird es dann noch mal mit Filthy, in welchem Vitja zu eher härteren Tönen zurückkehren, dabei aber das eher langsamere Tempo beibehalten und sich vor allem durch Kontrolle und Struktur zum Ausdruck bringen, wobei die Stärken sich hier ganz klar in der instrumentalen Seite zeigen. Der letzte Song Kings Of Nothing schraubt dann die Screams zumindest nur etwas zurück und liefert einen würdigen Abschluss, auch wenn sich das Album insgesamt eher durch Kürze in der Würze auszeichnet.

Fazit: Vitja ist und bleibt eine Band, die doch eher etwas umstritten ist und definitiv bisher nicht alle Zuhörer von sich überzeugen konnte. Auch das neuste Album Mistaken wird diese Tatsache nicht unbedingt ändern können, auch wenn die durchaus vorhandenen Veränderungen im Stil positiv hervorzuheben sind. Fast vermisst man aber die Härte im Gesamtwerk, so sind es doch eher ruhigere Songs, die sich hier etwas zu sehr aneinanderreihen und ein wenig das Gefühl von Kreativitätslosigkeit zurücklassen.

Anspieltipps: Black and Blue, Friends Don't Lie, Filthy
Anabel S.
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