Winterfylleth – The Reckoning Dawn

Fesselnde Melange aus Raserei und erhabenen Melodiebögen

Artist: Winterfylleth

Herkunft: Manchester, England

Album: The Reckoning Dawn

Spiellänge: 57:02 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 08.05.2020

Label: Candlelight Records

Link: https://www.facebook.com/Winterfylleth/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Christopher Naughton
Gitarre, Backing Vocals – Dan Capp
Bassgitarre, Backing Vocals – Nick Wallwork
Gesang, Keyboard – Mark Deeks
Schlagzeug – Simon Lucas

Tracklist:

  1. Misdeeds Of Faith
  2. A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4)
  3. Absolved In Fire
  4. The Reckoning Dawn
  5. A Greatness Undone
  6. Betwixt Two Crowns
  7. Yielding The March Law
  8. In Darkness Begotten

Die 2007 gegründeten Winterfylleth können in ihrer 13-jährigen Geschichte schon auf eine beachtliche Diskografie zurückblicken. In regelmäßigen Abständen veröffentlichten die fleißigen Briten mittlerweile sechs Full Length Alben und konnten über die Jahre hinweg ihren eigenen Musikstil immer weiter verfeinern. Ihre Mischung aus rasant gespieltem Black Metal, gespickt mit dezent eingesetzten Folk Anleihen und veredelt mit epischen Melodien, konnte mich bereits seit den Anfangstagen der Band begeistern – mein persönlicher Favorit ist hierbei The Threnody Of Triumph aus dem Jahre 2012. 2018 wagten Winterfylleth ein kleines „Experiment“ und brachten mit The Hallowing Of Heirdom ein reines Acoustic Folk Album heraus, welches überaus positive Kritiken verbuchen konnte, einigen Fans jedoch, aufgrund fehlender Härte, etwas sauer aufgestoßen ist. Mit The Reckoning Dawn steht nun das siebte Album der Männer aus Manchester vor der Tür und es stellt sich die Frage, ob sie hiermit die Die Hard Fans wieder zurück ins Boot holen können.

Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Frage ist mit einem eindrucksvollen „Ja“ zu beantworten! Mit Misdeeds Of Faith gehen sie sofort in die Vollen. Mit voll durchgetretenem Gaspedal wird hier Black Metal in Reinkultur geboten, welcher im weiteren Verlauf des Songs auch mal das Tempo drosselt und mit einem teuflisch guten Schlussakkord einen starken Beginn in das knapp 60 Minuten lange Hörerlebnis darstellt. In eine ähnliche Kerbe schlägt A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4). Auch hier wird durch variable Tempowechsel der, über weite Teile eher unspektakuläre, Song sehr abwechslungsreich gestaltet, bis ein überraschend gesetzter Break den Schlusspart samt erhabener Melodie und Chören einleitet. Genau diese Variabilität und die – im positiven Sinne – Unberechenbarkeit der einzelnen Songs ist eine der großen Stärken der fünf Briten.

Auch in puncto Sound lassen Winterfylleth nichts anbrennen. Zum wiederholten Male kehrten sie beim legendären Chris Fielding in seinen Foel Studios in Wales ein, der ihnen einen transparenten und dennoch fetten Mix verpasste, der alle Instrumente gleichberechtigt klingen lässt und auch Christopher Naughtons aggressives Gekreische bestens ins Soundgewand eingebettet hat.

Absolved In Fire startet mit akustischen Gitarren und im Verbund mit der einsetzenden Violine wird eine bedrohliche, förmlich angsteinflößende, Atmosphäre erzeugt, der man sich nicht entziehen kann. Der an den zehn Minuten kratzende Titel glänzt im weiteren Verlauf mit den für Winterfylleth so typischen Melodieläufen und stellt somit einen der Höhepunkte auf The Reckoning Dawn dar.

Aggressiv, melodisch und abwechslungsreich – genau diese Attribute treffen auch auf den Titeltrack und das darauffolgende A Greatness Undone zu, welche in ihrer Faszination dem grandiosen Absolved In Fire in nichts nachstehen. Vor allem The Reckoning Dawn kann mit seinem herausragenden Solo im Mittelpart auf ganzer Linie überzeugen. Nach dem kurzen Instrumental Betwixt Two Crowns kommt das überwiegend in Schallgeschwindigkeit angesiedelte Yielding The March Law, das durch unterschiedliche Gitarrenleads begeistert und durch einen Akustikpart in der Mitte des Songs für die nötige Auflockerung sorgen kann. Das abschließende In Darkness Begotten fällt nach starkem Beginn gegen Ende doch etwas unspektakulär aus und sorgt dadurch aber für höchstens leichte Abzüge in der B-Note.

Winterfylleth – The Reckoning Dawn
Fazit
Winterfylleth finden nach dem etwas schwächelnden The Dark Hereafter und dem Akustik-Album The Hallowing Of Heirdom mit ihrem neusten Output The Reckoning Dawn wieder zu alter Stärke zurück. Wie eh und je verstehen sie es, ungemein fesselnde Songs zu komponieren, welche durch ihren Abwechslungsreichtum in Verbindung mit exzellenten Melodien, zu überzeugen wissen. Allen Musikliebhabern, die im Black Metal Genre zu Hause sind und auch Melodien etwas abgewinnen können, sei dieses Album wärmstens ans Herz gelegt.

Anspieltipps: Absolved In Fire, The Reckoning Dawn und A Greatness Undone
Christian K.
8.5
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7.6
8.5
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