World War Me – World War Me

“My Chemical Talent!?“

Artist: World War Me

Herkunft: Chicago, USA

Album: World War Me

Spiellänge: 39:38 Minuten

Genre: Alternative Rock, Pop Rock, Pop Punk

Release: 06.10.2017

Label: SharpTone Records

Link: http://sharptonerecords.co/artist/world-war-me/

Bandmitglieder:

Gesang – Stephen Krypel
Gitarre – Charlie Harris
Bass – Sean Daly
Gitarre – Jonathan Watson
Schlagzeug – Joe Kus

Tracklist:

01. The Good Enough
02. Don´t hold Your Breath
03. Mr. Misery
04. Ache For Agony
05. Break A Leg
06. Escape
07. Fire And Flames
08. That´s So Yesterday
09. Warzone
10. Live With Ourselves
11. From The Fear
12. World War Me
13. Color Me Sick

Manchmal blickt man in die Vergangenheit zurück und fragt sich, wie man wohl vor der Digitalisierung stets zu neuer Musik gekommen ist. Man musste wohl oder übel stets CDs kaufen, neue Künstler ausprobieren und hatte dann auch eine entsprechende Sammlung bei sich zu Hause. Heutzutage reicht der Spotify Account oder auch YouTube, womit man so ziemlich jeglichen Künstler mit einem Klick zur Verfügung hat. Und Musiker gibt es wie Sand am Meer, egal in welchem Genre. Doch schaffen es Künstler dennoch individuell zu klingen und nicht, wie eine Band, die es bereits gab? Diese Frage stellt sich wohl oder übel auch bei dem Debütalbum der amerikanischen Band World War Me, welches auch nach der Band selbst benannt wurde. Die Amerikaner versuchen sich in einem der wohl modernsten Genres – und lassen dabei ein Gefühl von Zwiespalt zurück.

Der Opener des Albums, Good Enough, zeigt quasi direkt für alle Neulinge, womit man es denn hier zu tun hat – ein nettes Gitarrenintro, bevor schließlich typischer Pop Punk Gesang aus den Kopfhörern (oder auch Lautsprechern) ertönt. Die Stimme Krypels kratzt dabei überraschend stark, nach der ersten Strophe hat man sich daran aber soweit gewöhnt und eigentlich unterstützt diese zumindest bereis ab dem ersten Song einen gewissen Wiedererkennungswert. Good Enough hält sich zurück, was Härte oder Tempo angeht. Als Opener hätte man vielleicht eher einen Track erwartet, der etwas stärker zur Sache geht oder halt den Zuhörer so richtig vom Hocker holt – aber das kann ja noch kommen.

Der zweite Song, Don’t Hold Your Breath, zeigt sich von Beginn an um einiges verspielter und lockerer, auch wenn hier nicht unbedingt davongaloppiert wird. Der Song spielt vor allem ein wenig mehr mit der kratzigen Stimme des Frontmanns, welche fast ein wenig an Billy Talent erinnert – rein aus gesanglicher Perspektive natürlich. Die zweite Hälfte überrascht dann noch mit kurzen Effekten, welche jegliche Assoziation zur eben genannten Rock Gruppe wieder etwas zerstören – dafür kommt einem jetzt wieder stärker My Chemical Romance in den Sinn. Ein Gefühl, welches Mr. Misery nur weiter verstärkt. Es ist lediglich Krypel, der hier noch genügend Wiederkennungswert besitzt, dass man einen Unterschied klar machen kann. Mr. Misery überzeugt dabei weder von der Instrumentation, welche dann doch sehr stark den Vorgängern gleicht, noch textlich – „La Da da da“ ist als Hook aber auch einfach nicht genugtuend, egal bei welcher Band. Das ansteigende Tempo zum Ende hin wertet den Song zwar noch etwas auf, dennoch holen World War Me hiermit wohl eher niemanden ab.

Break A Leg Kid kann da schon wieder etwas mehr überzeugen – hier wird die raue Stimme Krypels besser genutzt und die Instrumentation scheint diese wie in einem Fluss zu unterstützen – insgesamt zeigen World War Me hier ein wenig mehr Stärken an den Gitarren, während der leicht dreckige, verspielte Charakter vorhanden bleibt. Noch schreit dieser nicht nach der Band selbst, sondern lediglich nach einigen, bereits zuvor gehörten Bands, doch ein ähnlicher Sound im selben Genre ist ja nun nicht wirklich von der Hand zu weisen. Für eine Debütplatte machen World War Me bis hierher also einen recht soliden Job.

Der Song Escape kann ein recht interessantes Feature mit Nicholas Matthews aufweisen – eine kleine Googlesuche hilft, so ist dieser doch Mitglied der Post-Hardcore Band Get Scared. World War Me erfinden jetzt Escape nur aufgrund des Features nicht neu, lediglich die Hook verzichtet nun auf die raue, dreckige Stimme Krypels und greift lieber auf Matthews zurück. Beide Sänger harmonieren auf recht gute Art und Weise, auch wenn man eventuell mehr daraus hätte machen können, was wohl nicht nur für diesen Song, sondern für das ganze Album spricht. World War Me riskieren nicht wirklich etwas innerhalb ihrer Songs, sie präsentieren ein recht fixes System mit jedem Song, welches zwar ganz nett ankommt und an die schwer vermissten My Chemical Romance erinnert, sich dabei aber nicht wirklich loslöst. Lediglich der Gesang scheint spielerisch in den ersten Songs, doch auch dieser Effekt schwindet nach einiger Zeit.

Als positive Überraschung zeigt sich That’s So Yesterday, welcher dann doch etwas mehr Spielraum für World War Me bietet, welchen die Band auch recht gut ausnutzt. So entsteht ein interessanter Wechsel zwischen eher ernsteren Passagen und schnellen Gitarrenriffs. Die Instrumentation zeigt sich allgemein besonders stark innerhalb dieses Songs, scheint weniger festgefahren und lebendiger als zuvor. Fast hat man das Gefüh,l der Song könnte sich über Jahre zu einer Pop Punk Hymne entwickeln – kleines Potenzial sieht bzw. hört man hier durchaus.

Auch der Titeltrack World War Me darf natürlich nicht fehlen, welcher zwar zwei Anläufe braucht, sich dann aber doch als recht stark und vor allem rockig beweist. Ein wenig hat man Sorge, dass Krypels Stimme an einigen Stellen dem Geplanten nicht standhalten kann. Ob dies Absicht ist oder nicht bleibt ein wenig unklar, jedoch dürfte das Kratzige an seiner Stimme nicht noch stärker werden. World War Me unterstützt seine Stimmnatur besonders gut durch die eher düsterere Grundhaltung und Instrumentation. Der Song scheint insgesamt düsterer.

Mit Color Me Sick ist man auch schon am Ende des Debütalbums angelangt – und World War Me kehren nach dem recht ernsten, düsteren Titeltrack zurück zu sanfteren Klängen mit Akustikgitarre und leider noch immer nicht sonderlich kreativen ‚La Da da‘ Passagen – es ist nur ein kleiner Aspekt, dennoch wirken diese wirklich störend, beweist die Gruppe doch, dass sie textlich eindeutig zu mehr fähig ist. Color Me Sick präsentiert dennoch eine schöne Pop Punk Ballade und rundet das Album auf gute Weise ab. Mit einer leicht traurigen, aber dennoch hoffnungsvollen Melancholie wird man als Zuhörer zurückgelassen.

Fazit: Diese Punktegebung fiel etwas schwer. World War Me betreten mit ihrem gleichnamigen Debütalbum ein Genregebiet, welches viel Nähe zwischen Bands zulässt und in welchem es umso wichtiger ist, einen eigenen Sound zu finden. World War Me ist dies nur teilweise gelungen, so erinnern sie doch sehr stark an Pop Punk Bands wie My Chemical Romance, während die Stimme am Mikro fast schon zu Billy Talent passen würde - my Chemical Talent also?! Ganz so einfach ist es nicht, schließlich zeigt sich die Gruppe doch mit recht interessanten Melodien, die mit trauriger, dennoch hoffnungsvoller Melancholie entzückt. Mit ein wenig mehr Fokussierung auf ihre Stärken könnten sich World War Me durchaus recht positiv in der Szene machen - und wer hätte nicht gerne eine Band, welche fortsetzt, was My Chemical Romance (leider) aufgegeben haben?

Anspieltipps: That's So Yesterday, Break A Leg Kid, World War Me
Anabel S.
7
Leser Bewertung0 Bewertungen
0
7
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast

Where To Listen: