YouRock Open Air am 21.09.2019 auf dem Tafelberg in Emmendingen

Der Tafelberg bebt zum dritten Mal

Event: YouRock Open Air 2019

Bands: Stallion, Nachtschatten, Total Annihilation, Blindfall, Broken Compass, S.A.D., Skabooom, Sydra

Ort: Tafelberg Emmendingen, Im Hausgrün 29, 79312 Emmendingen

Datum: 21.09.2019 (15:00 – 24:00 Uhr)

Kosten: Eintritt frei! Spenden erwünscht!

Besucher: ca. 700

Genre: Heavy Metal, Speed Metal, Hard Rock, Melodic Death Metal, Thrash Metal, Death Metal, Alternative Rock, Crossover, Metalcore, Melodic Hardcore, Punkrock, Skatepunk, Ska Punk, Oldschool Heavy Metal

Veranstalter: YouRock Emmendingen https://www.facebook.com/yourockem/

Link: https://www.facebook.com/yourockem/


Nachdem man bereits in den Jahren 2015/2017 mit Bands wie z.B. The Privateer, Pessimist, Comaniac, Path Of Sorrow, Unredd, Circus Of Fools oder Fearce begeistern konnte, geht das YouRock Open Air an diesem Wochenende nun in die dritte Runde. Das kleine aber feine Festival findet am Samstag auf dem Emmendinger Tafelberg statt, einer Naturarena, die einst eine Mülldeponie war. Das Amphitheater des Tafelbergs am Rande des Emmendinger Gewerbegebietes bietet eine erstklassige Kulisse, Platz für mehrere tausend Zuschauer und eine tolle Sicht, nicht nur auf die Bühne, sondern vom künstlichen Gipfel auch auf die nahen Schwarzwaldberge und den Kaiserstuhl. Eine Gruppe junger Leute aus der Region, die sonst regelmäßig Rock & Metal Konzerte im Jugendzentrum auf die Beine stellt, organisiert mit Unterstützung von Kersten Müller vom Jugendzentrum Emmendingen und dem Leiter der Emmendinger Jugendarbeit Muhammet Yilmaz das Metalevent. Mit dem Festival möchte man sich nach außen öffnen und die Möglichkeit geben, die Szene kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. 2015 ging für die jungen Leute, die alle ehrenamtlich tätig sind, mit der Umsetzung des YouRock Festivals erstmals ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Seitdem findet das Event im Zwei-Jahres-Rhythmus statt und zieht jedes Mal mehr langhaarige Bombenleger in die große Kreisstadt an der Elz.

Eigentlich hatte ich heute ein anderes Event beim Metalspeck Festival in Kehl mit u.a. Angelcrypt und Ektomorf, doch da mein Auto momentan seinen eigenen Kopf hat, musste ich das kurzfristig absagen. Dadurch bietet sich nun jedoch die Möglichkeit, bei der dritten Ausgabe des YouRock Open Airs in Emmendingen vorbeizuschauen, welches für mich auch ohne Auto zu erreichen ist. Gegen 14:30 Uhr erreiche ich die Naturarena Tafelberg im Emmendinger Gewerbegebiet, und es verspricht ein herrlicher Spätsommertag zu werden. Insgesamt acht Bands werden heute für einen abwechslungsreichen Stilmix aus Metal, Alternative Rock, Punk und Ska sorgen. Das Open Air kostet, wie schon bei den ersten beiden Ausgaben, keinen Eintritt, jedoch wird um Spenden gebeten, damit man auch in Zukunft weiterhin Konzerte organisieren kann.

Den Anfang machen dann gegen 15:00 Uhr die noch jungen Sydra aus dem Raum Freiburg. Die Band ist noch nicht lange aktiv und somit noch heiß darauf, allen Anwesenden mit ihrem Mix aus Heavy Metal und Thrash ordentlich einzuheizen. Der Opener solch eines Festivals hat es ja bekanntlich immer schwer, insbesondere, wenn man zu solch früher Nachmittagsstunde auf der Bühne steht. Das Publikum ist noch sehr überschaubar und besteht aus Sydra Fans, Mitgliedern der anderen Bands und einigen Familien mit Kindern, die es sich auf den sonnigen Rängen des Amphitheaters bequem gemacht haben. Auffällig ist jedoch, dass viele der Anwesenden Sydra Shirts tragen, sodass schon gescherzt wird, ob am Eingang vielleicht jemand steht und die Bandshirts verschenkt und zudem noch jedem ein Bier in die Hand drückt, wenn das Shirt sofort angezogen wird. Die jungen Wilden nehmen die Herausforderung an und geben dann auf der Bühne auch alles und lassen den Tafelberg ein erstes Mal erbeben. Auch wenn den Jungs natürlich noch die Routine fehlt, so könnten sie mit ihren Sound, der immer mal wieder an Bands wie Metallica, Slayer und Overkill erinnert, zu einem späteren Zeitpunkt des Tages durchaus begeistern. So aber muss man vor einer Handvoll Leute spielen, kann aber durchaus eine positive Visitenkarte hinterlassen.

Setlist Sydra:
01. Intro
02. Face To Face
03. No Remorse
04. The Reapers Embrace
05. The Silenced
06. S.D.I.
07. Soaked
08. War

Der Umbau für die nächste Band geht innerhalb von 15 Minuten über die Bühne, sodass gerade mal Zeit bleibt, sich an der YouRock Getränkeinsel mit flüssiger, oder am Essenspavillon des deutsch-türkischen Elternvereins mit fester Nahrung zu versorgen. Laut wird es dann wieder mit S.A.D. aus Lahr im nördlichen Schwarzwald, die mit US-orientiertem Oldschool Punkrock das immer noch spärlich anwesende Publikum auf Betriebstemperatur bringen. Die vierköpfige Band ist bereits seit über 15 Jahren aktiv und geht gleich wesentlich routinierter zur Sache. Nun ist Punk nicht ganz meine Baustelle, doch das Crescendo aus stakkatoartigem Beat und harten Punk-Riffs geht durchaus ins Bein. Jedoch geht es bei der vierköpfigen Band nicht immer straight nach vorn, zwischendurch nimmt man durchaus auch mal den Fuß vom Gas und es wird fast sanft und melodisch. Erstmals entsteht etwas Bewegung vor der Bühne, doch für die ganz große Action ist es heute Nachmittag in der prallen Sonne vor der Bühne definitiv zu warm, sodass es sich viele noch mit Sonnenschirm und Sonnencreme auf den grasbewachsenen Hängen bequem machen.

Setlist S.A.D.:
01. Rats
02. Time To Go
03. Smashing
04. SK8
05. Spend My
06. Other Times
07. Alone
08. Apologies
09. I Don`t Mind
10. This Place
11. Screeching

Mit der nächsten Band kommen für ein Hartwurst-Festival eher ungewöhnliche Klänge und mit Trompete und Posaune szeneuntypische Instrumente auf die Bühne des Tafelberges. Die ebenfalls noch jungen Skabooom kommen aus dem Raum Emmendingen/Freiamt und zelebrieren, wie es der Bandname schon vermuten lässt, Skapunk mit deutschen Texten. Die Band hatte im Vorfeld etwas Pech und so muss Posaunist Tobias Bühler wegen eines Autounfalls den Auftritt seiner Kollegen vor der Bühne in seinem Rollstuhl verfolgen und wird von seinem erst 16-jährigen Cousin Manuel Bühler vertreten. Die Band um Frontmann Benjamin Bühler versprüht von Beginn an gute Laune und so zieht es nun immer mehr Leute vor die Bühne und erstmals wird vereinzelt auch wild getanzt. Gerade die Band, die aus dem restlichen Line-Up mit Bläsern und deutschen Texten dermaßen heraussticht, macht erstmals heute richtig Halligalli. Auffällig ist neben der Musik auch, dass der Gitarrist heute extrem durstig ist, denn mehrfach verabschiedet er sich von der Bühne und lässt sich vom außer Kraft gesetzten Kollegen vor der Bühne mit Flüssigem versorgen. Leider ist der Weg zurück auf die Bühne nicht ganz so leicht und so liegt er beim letzten Saufsong plötzlich vor den Füßen seiner Kollegen auf der Bühne, doch in Freiamt ist man schlagfertig und so wird der Unfall als gekonnter Stunt verkauft, für den er natürlich gut bezahlt wird. Na dann, hau weg die Kacke!

Setlist Skabooom:
01. Intro
02. Es Köönt Nit Besser Sei
03. Alle Andere
04. Bühnen Dieser Wääält
05. Glück Kotze (Im Strahl)
06. Was Solln Wir Sagen
07. Falafel
08. Trübe Gedanken
09. Scheiß Egal
10. Süüüffee

Mit Broken Compass aus Freiburg wird es dann wieder deutlich härter, denn die fünfköpfige Band serviert emotionsgeladenen und kraftvollen Metalcore. Die Band aus Freiburger Studenten ist seit 2013 aktiv und hat nach diversen Besetzungswechseln zurück in die Spur gefunden. Das typische Metaloutfit und die Bandshirts sind heute im Kleiderschrank geblieben, die Jungs sehen aus, als kämen sie gerade vom nahe gelegenen Baggersee, um hier abzuliefern. Mittlerweile hat sich das Gelände gut gefüllt und es dürften etwa 400-450 Leute vor Ort sein, was schon wesentlich mehr ist, als vor zwei Jahren, wo das YouRock leider total verregnet war. Mit Broken Compass herrscht auf der Bühne ordentlich Bewegung, denn die Jungs sind ziemlich agil unterwegs, aber auch vor der Bühne bilden sich nun die ersten Circle Pits des noch frühen Tages. Von einigen Erwachsenen höre ich so nebenbei, „Boah, was ist das, nicht mein Ding!“, dagegen befinden sich auffällig viele Kinder vor der Bühne und zappeln wild herum. Die nächste Generation Metalheads steht in den Startlöchern, wobei die Eltern leider nur wenig vom kostenlos zur Verfügung stehenden Gehörschutz für die Kleinen Gebrauch machen.

Setlist Broken Compass:
01. Point
02. Defaced
03. Faceless
04. Entierty
05. Magnifier
06. Glimpse
07. Mountains
08. Endless Blues
09. Matches
10. Cold Air

Die nächste Band macht dann erneut deutlich, wie breit gefächert das Programm des YouRock ist, denn Blindfall aus Teningen präsentieren eine energiegeladene Mixtur aus Alternative Rock, Crossover und Metal. Die spanisch-südbadische Kombo wurde bereits 2005 in der andalusischen Metropole Granada gegründet und residiert seit einigen Jahren in dem kleinen Emmendinger Vorort. Vielen hier ist die Band schon aus dem Vorprogramm von Limp Bizkit her bekannt, wo die Teninger um Fronterin Inga Roser die Hauptakteure aus Jacksonville/USA beim Emmendinger I Em Music Festival ganz klar an die Wand spielten. Dementsprechend ist das Interesse des Publikums recht groß und es soll nicht enttäuscht werden. Die Show ist pure Energie und die Songs mit der Powerstimme von Inga Roser dargeboten, lassen nicht lange stillstehen. Mit Blindfall legt Gitarrist Rick Matthis, der zuvor schon mit ordentlich Durst und einer nicht ganz freiwilligen Stunteinlage bei Skabooom für Aufsehen und einige Lacher sorgte, seinen zweiten Auftritt des Tages ab. Nach gut 60 Minuten wird die Band unter großem Applaus verabschiedet und nicht unverdient werden Zugaberufe laut, doch der enge Zeitrahmen lässt diese nicht zu.

Setlist Blindfall:
01. A New Day
02. Other Lives
03. Wake Up
04. Dying Beauty
05. You`ve Got Time
06. What We`ve Got
07. You Got Me
08. Alive
09. So What
10. Ending

Für viele Headbanger fängt das eigentliche Festival aber erst mit Einbruch der Dunkelheit und dem Auftritt von Total Annihilation aus Basel an. Mittlerweile dürften so an die 700 Gäste auf dem Tafelberg eingetroffen sein, und schon während der Umbaupause wird es relativ voll vor der Bühne. Sicherlich hat man heute mit mehr Besuchern gerechnet, doch der Termin ist wieder einmal nicht ganz glücklich gewählt, denn zeitgleich findet gerade das Metalspeck Festival in Kehl mit u.a. Angelcrypt und Ektomorf statt und in Lörrach zieht das Metal Cafe mit Sweeping Death, Endlevel und Call Of The Sirens wohl auch eine ganze Reihe Leute. Nichtsdestotrotz gibt es mit den Schweizern und ihrem facettenreichen Thrash Metal nun ordentlich auf die Fresse. Der Sound erinnert immer wieder an die großen Legenden des Genres wie z.B. Destruction, Kreator oder Exodus, wobei man hier nicht einfach kopiert, sondern das Ganze mit einer Prise Death Metal zu einem bösartigen Gemisch vermengt, das die Fans hier ausrasten lässt. Gleich zu Beginn gibt es ein klares Statement gegen Rassismus und dann gibt es nur noch auf die Zwölf. Fronter Daniel Altwegg legt all seinen Hass in die Stimme und holt das Letzte aus den Fans heraus. Die Lasershow passt zwar sehr gut zum Auftritt, ansonsten lässt das Licht aber nun ein wenig zu wünschen übrig.

Setlist Total Annihilation:
01. Intro
02. Brainless Pigs
03. Silent Warfare
04. Black Blood
05. Reborn In Flesh
06. Solace For The Weak
07. Dead Souls
08. Day Z
09. T.W.S.
10. Social Distortion

Nachtschatten treten völlig in Nebel gehüllt und mit den Worten „Wir sind Rammstein! Gut, Rammstein machen Feuer, wir nur Nebel, aber ansonsten …“ auf die Bühne. Der düstere Melodic Death Metal mit Industrial-Einschlag der Karlsruher hat dann mit Rammstein mal so gar nichts gemein, abgesehen vielleicht ein klein wenig vom Image her und den deutschen Texten. Vielmehr erinnert man mehr oder weniger deutlich an Akrea. Von der Show ist nicht allzu viel zu sehen, denn immer wieder wird nebeltechnisch ordentlich nachgelegt und das Geschehen auf der Bühne verschwindet in der dichten Nebelwand. Die deutschen Texte sind gewöhnungsbedürftig und klingen auch nicht immer ganz rund, aber all das tut der Stimmung nichts an, die Fans feiern die Süddeutschen und vor der Bühne wird wild gebangt. Der Sound passt allerdings und rein musikalisch gesehen machen die Karlsruher Nachtschattengewächse durchaus Spaß, das Rhythmusfundament und die knallharten Gitarrenriffs können voll und ganz überzeugen. Dennoch leert sich das Gelände während des Auftritts langsam etwas, denn die Familien samt Nachwuchs ziehen sich so nach und nach zurück.

Setlist Nachtschatten:
01. Intro
02. Takt Der Maschinen
03. Feuersturm
04. Morgendämmerung
05. Verspiegelte Gläser
06. Blitzschlag
07. Krone Der Schöpfung
08. Zeichen Des Untergangs
09. Leuchtfeuer
10. Dunkle Sonne

Da das Beste bekanntlich immer zum Schluss kommt, wartet das Publikum nun auf die Pferdeflüsterer vom Bodensee. Stallion gehören zu den heißesten Newcomern der Szene und beschallen den nächtlichen Tafelberg mit ihrer herrlich erfrischenden Mixtur aus so ziemlich allen leckeren Zutaten, die die metallischen 80er-Jahre zu bieten hatten. Traditioneller Edelstahl trifft hier auf Speed Metal und wird mit einer Prise Thrash und Sleaze garniert. Auch optisch fühlt man sich bei den wilden Mähnen und den Spandex-Hosen gleich in die glorreichen 80er zurückversetzt. Frontmann und Sänger Paul Ehrenhardt, der tags zuvor Geburtstag hatte, ist gut drauf und lässt nichts unversucht, um die Metalheads mitzureißen. Das ist jedoch überhaupt nicht nötig, denn Stallion aus Weingarten sind ein würdiger Headliner und sorgen für fliegende Fäuste und wehende Mähnen im Pferdestall. Bis gegen Mitternacht galoppiert das Quintett von einem metallischen Ohrwurm in den nächsten und sorgt für ein grandioses Finale beim diesjährigen YouRock Festival. Stallion sind immer eine Reise wert!

Setlist Stallion:
01. Rise And Ride
02. Down And Out
03. Wild Stallions
04. Right One
05. Kill Fascists
06. Stigmatized
07. Killing Time
08. Underground Society
09. Watch Out
10. Shadow Run
11. Devil Never Sleeps
12. From The Dead
13. Kill Fascists
14. Canadian Steele

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