10 Years – (How To Live) AS GHOSTS

„Frischer Wind ohne krasse Veränderungen”

Artist: 10 Years

Herkunft: Tenessee, USA

Album: (how to live) AS GHOSTS

Genre: Alternative Rock, Progressive Metal, Hard Rock

Spiellänge: 40:43 Minuten

Release: 27.10.2017

Label: Mascot

link: https://de-de.facebook.com/10yearsmusic/

Bandmitglieder:

Gesang – Jesse Hasek
Gitarre – Ryan „Tater“ Johnson
Gitarre – Matt Wantland
Bass -Lewis „Big Lew“ Cosby
Drums – Brian Vodinh

Tracklist:

  1. The Messenger
  2. Novacaine
  3. Burnout
  4. Catacombs
  5. Ghosts
  6. Blood Red Sky
  7. Phantoms
  8. Vampires
  9. Halos
  10. Lucky You
  11. Insomnia

Dass dieses Album überhaupt zustande kam, war gar nicht so wahrscheinlich – Unstimmigkeiten herrschten wohl für einige Zeit zwischen den Jungs von 10 Years, welche sich aber am Ende dennoch zur neuen Platte (How To Live) AS GHOSTS zusammengefunden haben und dabei quasi zeigen, dass einige Hürden auch hilfreich sein können. Als Nachfolger von der 2015 veröffentlichten Platte From Birth To Burial zeigt ihr neues Album frischen Wind ohne krasse Veränderungen.

Der Opener The Messenger gaukelt gar nicht lange rum, sondern liefert eine Rockhymne, welche sich wunderbar zwischen Tempo und Gefühl, Metal und Rock zu bewegen weiß. Jesse konnte bisher stets als Sänger mit einer harmonischen Stimme überzeugen und dies wird sich auch auf der neuen Platte nicht ändern.  The Messenger scheint dabei fast schon zu einem der wichtigsten Songs des Albums zu gehören, nimmt er doch vor allem in der zweiten Hälfte noch einmal ordentlich an Fahrt auf, sodass man sich hier am liebsten in den nächsten Pit schmeißen würde, ohne dass es dem Song dabei an Gefühl mangelt. Ein wunderbarer Start!

Etwas mehr Freiheit zeigt auch schon der zweite Track Novacaine, der durchaus eine leichte Naivität, aber auch experimentelle Freude von 10 Years präsentiert. Selten erlebt man Musik, die so schön zwanglos und dennoch flüssig wirkt. Auch hier gelingt es den Jungs aus Tennessee sich nicht unbedingt musikalisch festzulegen, sondern durch unglaublichen Gesang mit rockiger Instrumentation auf Einzigartigkeit zu setzen.

Burnout nimmt zwar wieder etwas das Tempo zurück, zeigt sich jedoch vor allem textlich hervorragend und schwirrt schon nach einmal anhören im Kopf herum – die leicht verletzliche Stimme Haseks kommt hier besonders gut zur Geltung, da hier eben der Gesang eher im Vordergrund steht. 10 Years schaffen es hier zu berühren, nachdenklich zu machen, ohne eine reine Ballade abzuliefern. Auch die instrumentale Seite kann mit einem kleinen Solo überzeugen. Wohl der Ohrwurm der Platte schlechthin!

Catacombs schafft es zwar nicht sofort wie Burnout im Kopf zu bleiben, was den Text angeht, dennoch stellt man sich sofort darauf ein, diesen Song live zu erleben und kann eigentlich auch gar nicht während diesem still sitzen. Insbesondere die Parts vor dem Chorus verstehen es, eine ansteckende Steigerung zu liefern – leicht schleichend, fast wie die Ruhe vor dem Sturm, bewegt sich Catacombs auf einer kleinen Achterbahnfahrt zwischen Ausbruch und Innehalten. Die Liste der Favoriten des Albums ist definitiv jetzt schon zu lang!

Ghosts ist wohl das Eheste, was man an einem Titeltrack hier bekommen wird. Ein Song (How To Live) wäre wohl ganz interessant gewesen, aber man kann auch nicht alles haben. Ghosts jedenfalls konzentriert sich auf Emotionen, ist aber wohl der „klassischste“ Song auf dem Album, wenn es zu Strukturen kommt. Nicht ganz so frei wie noch zuvor, bewegen sich 10 Years hier zwar wieder mit starkem Gesang durch die Strophen, dennoch hätte ein wenig mehr Ausbruch auch ganz gut getan. Blood Red Sky schafft es dann wieder, mit gesanglicher Freiheit und schwungvoller Melodie zu überzeugen. Es scheint den Jungs fast schon gut zu tun, sich nicht zu beschränken und mit ihren Gitarren in die Vollen zu gehen. Blood Red Sky liefert starke Gitarrenparts, die Lust machen durch die Welt zu ziehen, Freiheit zu genießen, auch wenn der Text von dem genauen Gegenteil handelt – vielleicht ist es genau die Befreiung von jeglichen Ketten, welche 10 Years hier zu übermitteln scheinen.

Vampires weiß schon mit seinem Beginn zu gefallen – bisher stürzten sich 10 Years fast schon in die einzelnen Songs. Vampires scheint sich Zeit nehmen zu wollen und geht auch leicht spielend durch die Strophen. Locker, leicht und (mal wieder) mit unglaublichen Vocals. Langsam frage ich mich doch, wieso dieses Album und auch 10 Years nicht eigentlich mehr in aller Munde sind – und wieso ich dieses Album erst jetzt finde. Vampires versteht es natürlich passend zum Titel eine kleine mystische Geschichte zu erzählen – der Soundtrack für den nächsten Vampirstreifen? Genug Energie liefert er auf jeden Fall.

Als persönlicher, tief gehender Favorit entwickelt sich auch Halos und wer das nicht beim ersten Anhören merkt: Einfach mal drauf achten, wie häufig man zu diesem Lied zurückgeht! Halos ist atmosphärisch unschlagbar und erinnert fast an alte Zeiten von Thirty Seconds To Mars – tiefe Klänge, mysterisch und tief gehend. Und Jesse Hasek kann gesanglich genau diese Atmosphären zum Leben erwecken. Und man könnte meinen, 10 Years hätten jetzt schon alle guten Songs verraten. Doch der vorletzte Song Lucky You zeigt sich noch einmal in ganz neuem Gewand, verzichtet man hier doch zunächst auf harte oder schnelle Töne.

Als Schlussbild liefert Insomnia noch einmal die Elemente, welche das gesamte Album besonders gemacht haben: Freiheit, Atmosphären und gesangliche Kreationen, die Gänsehaut hervorrufen. Zugegebenermaßen hätte auch Lucky You wunderbar, eventuell sogar besser als Schlusslicht funktioniert, doch nach 11 starken Tracks ist das eigentlich auch egal, welche Reihenfolge man sich hätte vorstellen können. Insomnia versteht es, 10 Years noch einmal ein wenig von allen Ecken zu präsentieren.

Fazit: Manchmal muss man Hürden gehen, um stärker hervorzukommen: Dies beweisen 10 Years mit ihrer neuen Platte (How To Live) AS GHOSTS auf wundervolle Art und Weise. Selten schien Rock zu atmosphärisch, so harmonisch. Irgendwo zwischen Muse und Thirty Seconds to Mars bewegen sich 10 Years durch ihre Strophen, verzaubern mit Gesang, welcher unter die Haut geht und abwechslungsreicher Instrumentation. Da kann man nur hoffen, dass es die Jungs schon bald auch mit einer Tour nach Deutschland zieht, da sich die Songs wohl live umso gewaltiger entfalten werden. Definitiv die wundervollste Entdeckung zu Beginn des Jahres und man muss wohl die TOP Alben 2017 Liste noch einmal überarbeiten.

Anspieltipps: Halos, Burnout, The Messenger
Anabel S.
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