Event: Reconstruction Tour
Bands: Pennywise, Propagandhi, Comeback Kid, The Iron Roses, Dead Pioneers
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 25.05.2025
Kosten: 51,35 € VVK, 55 € AK
Genre: Punk Rock, HC Punk, Melodic Hardcore
Besucher: ca. 2.000
Link: https://schlachthof-wiesbaden.de/
Von 1999 bis 2006 waren unter dem Banner der Deconstruction Tour namhafte Bands der Punk und Hardcore Szene unterwegs durch Europa. Mit einem leicht abgeänderten Namen hat der Veranstalter Destiny Tourbooking die Reconstruction Tour zurückgebracht. Pennywise, die schon damals in den frühen 2000er-Jahren mehrfach dabei waren, headlinen die diesjährige Sause. Ebenfalls mit dabei sind Propagandhi, die einen regelrechten Legendenstatus besitzen. Comeback Kid, The Iron Roses und Dead Pioneers runden das Bühnenprogramm ab und versprechen ein bunt gemischtes Konzerterlebnis.

Um alle Bands sehen zu können, habe ich mich schon früh am Schlachthof eingefunden, denn Dead Pioneers stehen bereits 17:30 Uhr auf der Bühne. Die Band um Frontmann Gregg Deal hat sich aus einer Erweiterung seiner Spoken Word Performancekunst gebildet. Themen wie Identität und Widerstand behandelt der Sänger, der dem Pyramid Lake Paiute Stamm angehört. Da viele Passagen gesprochen sind, ist die Musik der Pioneers nicht gerade zum easy listening geeignet. Dennoch halte ich das Konzept und die Thematik für äußerst interessant. Mit etwas Feinschliff könnte sich hier eine besondere Perle in der Szene entwickeln.

The Iron Roses sind im direkten Vergleich zum Opener um einiges eingängiger. Das soll keineswegs negativ klingen, denn der bunte Haufen um die beiden Fronter Nat Gray und Becky Fontaine spielt einen Gute-Laune-Punk, der dennoch mit ernsten Themen daherkommt. Der Schlachthof hat sich in der Zwischenzeit schon recht ordentlich gefüllt, obwohl es immer noch recht früh am Abend ist. Das liegt einerseits daran, dass das Konzert auf einen Sonntag fällt, andererseits an dem wirklich starken Line-Up. Den Roses fällt es jedenfalls nicht schwer, ihre Fans in Bewegung zu versetzen und werden nach jedem Song mit ordentlich Beifall gefeiert. Am Ende des halbstündigen Sets lassen es sich Becky und Nat nicht nehmen, inmitten ihrer Fans auf der Tanzfläche das Finale ihres Auftrittes zu feiern. Ich bin mir sicher, dass die Band auf dieser Tour ihre Fanbase erweitern wird!

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr steht nun ein Auftritt von Comeback Kid für mich an. Im Gegensatz zu dem Auftritt auf dem Eastercross Festival handelt es sich heute nicht um ein Anniversary Set zu Wake The Dead, stattdessen präsentieren die Kanadier ihren Fans ein Best-of-Set, das keine Wünsche offenlässt. Die Zahl der Gäste hat sich noch mal erhöht und langsam wird klar, dass es nicht mehr viele Tickets an der Abendkasse gegeben haben dürfte. Ebenfalls erhöht hat sich das Tempo. Comeback Kid sorgen für ordentlich Mosh-Action auf der Tanzfläche und so, wie Fans im Circle Pit umherrennen, sprintet Fronter Andrew Neufeld über die Bühne. Mit Hits wie False Idols Fall, Heavy Steps oder dem absoluten Festival-Mitgröl-Song G.M. Vincent And I begeistern CBK die Gäste im Schlachthof. Natürlich findet man Neufeld immer wieder am Wellenbrecher, um gemeinsam mit den Fans zu singen. Wake The Dead bildet, wie immer, das Finale dieses grandiosen, wenn auch viel zu kurzen Auftrittes.

Mit etwas weniger Tempo geht es bei Propagandhi zur Sache. Die Kanadier haben im Laufe ihrer langen Karriere immer mehr Einflüsse von Progressive Rock in den einstigen HC-Punk einfließen lassen. Sozialkritisch und politisch bleibt die Musik des Quartetts allemal, und schon beim Opener Failed Imagineer wird klar, dass sich viele Besucher auf die Kanadier gefreut haben. Neben einigen Klassikern präsentieren Propagandhi ihren Fans vor allem Stücke ihres neuen Albums At Peace, das Anfang des Monats erschien. Die Freude, endlich wieder auf Tour zu sein, sieht man den Musikern regelrecht an und das, obwohl Texte wie The Only Good Fascist Is A Very Dead Fascist wieder mehr Relevanz haben als zu Release. Mit Night Letters verabschieden sich Propagandhi von der Bühne.

Nach einer etwas längeren Umbaupause kommen wir nun zum Headliner des Abends. Pennywise starten etwas verspätet, doch direkt mit dem kraftvollen Opener ihres Debütalbums Wouldn’t It Be Nice. Direkt wird klar, die HC-Punk-Legende hat mächtig Spiellaune und die Marschrichtung geht klar vorwärts. Obwohl die Luft im Schlachthof schon zum Schneiden ist, geht das Publikum direkt mit und die Securitys haben allerhand zu tun. Auch wenn die Kalifornier schon einige Jahre keine neue Musik veröffentlicht haben, bleibt Pennywise genug Material, um das Set zu füllen. Immer wieder sorgt Fletcher mit auflockernden, witzigen Ansagen für einige Lacher. Same Old Story darf genauso wenig fehlen, wie die obligatorische Cover-Einlage. Dieses Mal entscheiden sich die Punker für ein Medley von NoFX-Stücken, was die tiefe Verbundenheit beider Bands unterstreicht. Ausrasten der Fans inklusive! Songs wie Fuck Authority, Society und Living For Today lassen Fanherzen höherschlagen, bevor Pennywise mit Stand By Me, dem Ben E. King Cover, zum vorläufigen Ende kommen und eine kurze Verschnaufpause einläuten.
Die Zugabe läuten Pennywise mit dem Song Pennywise aus dem Album Pennywise ein, bevor sie mit ihrem absoluten Kultsong Bro Hymn zum Ende ihres Sets kommen. Nicht nur laute Chöre ihrer Fans begleiten den Song, sondern auch Mitglieder aller Bands finden sich zum großen Finale auf der Bühne ein, was noch einmal die Einigkeit und Verbundenheit in der Szene unterstreicht.
Verschwitzt, müde, aber auch extrem glücklich und zufrieden trete ich meinen Heimweg an.

























