Eventname: Chronical Moshers Open Air 2025
Bands: Asagraum, Bewitcher, Boundless Chaos, Demonical, Destruction, Dostulata, Gates Of Ishtar, The Haunted, Hiraes, Incantation, Lucifer’s Child, Master, Onslaught, Saprobiontic, Sarcator, Skeletal Remains, Terror, Tsjuder, Varg, Venator
Ort: 08468 Hauptmannsgrün, Mühlteich
Kosten: Ausverkauft
Genres: Heavy Metal, Thrash Metal, Folk Death Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Brutal Death Metal, Blackened Thrash Metal, Black Metal, Hardcore
Wie jedes Jahr fiebere ich schon seit Wochen meinem persönlichen Auftakt zur Festivalsaison 2025 entgegen. Seit einigen Jahren ist das geliebte Chronical Moshers Open Air schon wenige Minuten nach Eröffnung des Vorverkaufs Sold Out, so auch dieses Mal. Das alleine zeigt schon die extreme Beliebtheit eines der wohl gemütlichsten Metalfestivals mindestens Ostdeutschlands. Da ich selbst seit einigen Jährchen kein Kfz mehr bewegen darf, fährt mich mein Paps die wenigen Kilometer samt meiner Ausrüstung an den Mühlteich im Heinsorfergrund und hilft mir auch noch eben beim Errichten der Folienvilla. Nachdem wir noch gemeinsam die erste Kanne Bier umgesetzt haben, bin ich auf meinen Zeltplatzabschnitt wieder alleine und richte mich weiter häuslich ein. Das Wetter ist absolut brauchbar für den Moment, und gegen frühen Nachmittag starte ich die Erkundung des Geländes. Bis am Abend die obligatorische Donnerstag-Bierwagenparty steigt, besuche ich reihum noch ein paar befreundete Reisegruppen auf den benachbarten Campgrounds und bleibe dort öfter aus getränketechnischen Gründen bei guten Gesprächen kleben. Am Abend kulminiert das Ganze mit besagter Sause am Bierwagen. Beschallung aus der Konserve, Gerstensaft aus der Region und herzliche Begrüßungen füllen die Stunden. Endlich wieder normale Leute! Ich bin endlich auch kopfmäßig angekommen.
Trotz meines beachtlichen Levels bin ich heil im Zelt gelandet und liege auch ordnungsgemäß in meiner Koje einsortiert. Bei Anbruch der Dämmerung erwache ich dennoch fröstelnd und stelle fest, dass mein Zelt von starken Windböen ordentlich durchgeschüttelt wird. Von diesem Lärm begleitet, ist an echten Schlaf nun nicht mehr zu denken und so döse ich noch ein paar Stunden vor mich hin. Dieses Jahr bleibt der Zeltsaunaeffekt am Morgen zwar aus, aber der Wasserkasper und ein kleines Hüngerchen treiben mich in frischen Klamotten gehüllt aus dem Zelt. Es ist früher Vormittag, als ich versuche, trotz des immer noch anhaltenden starken Windes meinen Gaskocher in Gang zu setzen, was allerdings misslingt. Ich könnte das Teil auch windgeschützt im Zelt betreiben, allerdings ist mir das Risiko zu groß, und so stapfe ich missmutig ob des Kaffeemangels über das Gelände auf der Jagd nach ein bisschen Lebenselixier und etwas Futter. Unterwegs treffe ich einen Kumpel von einem befreundeten Klub, der in diesem Jahr seine Herzdame sowie seine kleine Tochter mit dabei hat und wir lassen uns für ein paar Stunden in seinem Camp nieder und plauschen über die Götter und die Welt. Gegen zwei soll der Bändchencontainer öffnen, und da dann heut um drei auch der Startschuss fällt, begeben wir uns gemächlichen Schrittes gemeinsam in Richtung meiner eigenen Zeltbehausung, wo ich mich final rüste und mit Kamera und Schreibzeug bewaffne. Yeah, bald geht’s los, es schallmeit im Hintergrund schon der erste Soundcheck übers sich gerade öffnende Infield.

Boundless Chaos (Death Thrash Metal, Reichenbach/Vogtland in Sachsen, Deutschland)
Dass man den Opener auf dem Moshers auf jeden Fall gucken sollte, hat sich nun doch herumgesprochen, und daher nimmt es nicht wunder, dass der Bereich vor der Bühne mit mehr als nur ein paar Anstandsbesuchern gefüllt ist. Die Anwesenden werden allerdings von der vergleichsweise jungen Band mit einer viehisch fetten Show belohnt. Ich hatte bereits letztes Jahr das Vergnügen, die jungen Wilden als Opener bei Messiah erleben zu dürfen und seitdem drehte ihre 2024er-Debütscheibe Sinister Upheaval so manche Runde auf meinem Plattenteller. Was die nächsten 40 Minuten auf meine Trommelfelle eindrischt, ist ein absoluter Death-Thrash-Abriss, der so dermaßen oldschool ist, dass es beispielsweise Kreator in den Achtzigern nicht hätten besser machen können. Allerdings – und dafür könnt ihr meine Knochen gern ans nächste Kreuz nageln – muss denn so eine Antifa-mäßige Ansage zu Beginn wirklich sein? So richtig und wichtig dieses Anliegen auch sein mag, weder rechts noch links hat auf einem friedlichen Metalfestival was verloren.

Venator (Heavy Metal, Linz, Österreich)
Wir bleiben auf dem Oldschool-Sektor. Wisst ihr, wenn junge Typen mit 19 oder 20 Jahren beschließen, eine Band aufzumachen, um dem guten alten Eighties-Spirit zu huldigen und das auch Jahre später noch so derart formvollendet hinzubekommen, dann ziehe ich meinen Hut, denn im tiefsten Herzen bin ich ja trotz allem noch ein Anhänger der alten Schule geblieben. Und wenn ich um mich herum sehe, wie viele junge Metalheadz gemeinsam mit einer beachtlichen Zahl an Graubärten gemeinsam diese geile Kapelle aus unserem Nachbarland frenetisch abfeiern, wird’s wir regelrecht warm ums kleine Metalheart. Und wenn sich rein stilistisch so offensichtlich ältere Judas Priest mit Running Wild und einer ordentlichen Dosis Heavy Load paaren, kann dabei nur verdammt leckerer Stoff herauskommen. Ich glaube, hätte mir in dem Moment jemand die Ohren vom Schädel gehackt, ich hätte im Kreis gegrinst. Holt euch auf jeden Fall ne Platte von den Ösies, absolute Empfehlung!

Dostulata (Folk Death Metal, Weimar, Deutschland)
Was bekommt man, wenn man ein paar alte Apokalyptische Reiter nebst ein paar Jungs von Disaster K.F.W. in einen Barmixer stoppft und kräftig schüttelt? Richtig, Dostulata, die neuen alten Reiter der Apokalypse. Seid mal ehrlich, was der wahre Fan eigentlich von den Apokalyptischen Reitern wollte und immer noch möchte, war auf den ersten drei Alben gesagt. Und genau die Fahne von Soft & Stronger, Allegro Barbaro und All You Need Is Love hält das Quintett, das sich nach einem Titel des Reiter-Debüts benannt hat, meilenweit hoch. Ich kann euch sagen, nicht erst zu Reitermania hab ich ne dezente Träne im Knopfloch. Natürlich kommen nicht ausschließlich die guten alten Reitersongs zu Einsatz, auch ein Klassiker von Disaster K.F.W. steht mal auf der Setlist. Ziemlich fein, Material von gleich zwei Kultkapellen der Ostszene zu Gehör zu bekommen. Auf jeden Fall zelebrieren Dostulata heute Metalgeschichte und gewinnen damit für mich persönlich das Siegertreppchen des Tages. Well done, guys!

Bewitcher (Blackened Speed Metal, Portland/Oregon, USA)
Nun wird’s deutlich finsterer und verdammt schnell, die Amis von Bewitcher thrashen und krakeelen sich durch Songs über Hexen, Satan und vielerlei anderer Arten finsterer Gestalten. Sehr zu meiner Freude näher an klassischen Schwermetall angelehnt, denn an extremeren Metalvariationen. Fans von Hellripper, Midnight oder Bütcher erleben eine direkte Offenbarung, also ich ebenfalls. Ich geh ja in allem auf, was klare Reminiszenzen an motörhead’sches Schaffen aufweisen kann, was hier ganz eindeutig der Fall ist, Also heißt es Pommesgabel im Akkord schwingen und den Schädel kreisen lassen, auch wenn das seit einigen Jahren mangels Matte super uncool wirkt aber seit wann ist das wichtig und trve? Fakt ist doch, dass Matt Litton und seine beiden Mitstreiter eine absolut kultige Show voll messerscharfem Geballer abliefern und uns allen gewaltig die Knochen neu sortieren.

Incantation (Death Metal, Johnstown/Pennsylvania, USA)
Die nächste Kapelle des Tages ist zwar nicht minder finster, allerdings in weiten Teilen viel langsamer. Wir reden von den Death-Metal-Heroen Incantation, die über größere Strecken auch im Garden of Doom wildern. Los geht’s zunächst mit einem ausgiebigen Intro vom Band, bevor John McEntee, einziges verbliebenes Gründungsmitglied der Beschwörer, zusammen mit seinen drei Kollegen 50 Minuten lang Todesblei auf die Menge regnen lässt. Kurzzeitig scheint das Publikum etwas zu ermatten, aber Graubart McEntee feuert das Auditorium vermehrt zu Höchstleistungen an und es dauert nicht lang, und die Meute frisst ihm einmal mehr dankbar aus der Hand und zelebriert mit der Band zusammen lautstark den hereinbrechenden Abend. Die Setlist kann sich mehr als nur sehen beziehungsweise hören lassen, denn immerhin können die Amis aus 26 Jahren Bandgeschichte mit 14 Studioplatten und einigem mehr an parallelen Releases schöpfen, eigentlich ist der Slot zu eng bemessen für all den geilen Stoff. Die Band ist halt immer wieder eine Messe wert.

Skeletal Remains (Death Metal, Whittier/Kalifornien, USA)
Gleichfalls aus den Vereinigten Staaten, allerdings weit jünger, ist die nun folgende Band, die jedoch auch dem Todesmetall frönt. Ich selbst hab Skeletal Remains schon Ewigkeiten nicht mehr live erlebt, und auch die heimische Musiksammlung weist hier erschreckende Lücken auf. Die Show der Kalifornier sagt mir allerdings deutlich, dass dem zeitnah Abhilfe geschaffen werden sollte. Derart intensives Todesblei, gelegentlich mit winzig kleinen Thrash-Anleihen, sollte einem mehr als nur eine Anstandsscheibe im Plattenschrank wert sein. Gitarrist und Sänger Chris nebst seinen extrem talentierten Hired Guns puscht das Auditorium zu ein paar Circlepits. Auch wenn ich mich als kleiner kameratragender Mensch nicht mehr in sowas hineinwage, macht es immer Spaß, wenn es auf dem Platz etwas lebhafter wird, und letztendlich zehren die Bands ja zusätzlich davon. Was man dann auch wieder zu spüren bekommt. Im positiven Sinne, versteht sich. Feine Show, danke Jungs!

Varg (Melodic Death/Black Metal, Coburg/Bayern, Deutschland)
Ich bin ehrlich, ich wollte bei Varg eigentlich nur ein paar Pflichtbilder schießen und dann den Gig ignorieren. Der Hintergrund ist, dass wir damals zwar die ersten beiden Alben abgefeiert hatten, aber ich selbst die Auftritte – rotschwarze Vollbemalung und eine extrem dümmliche Art und Weise – völlig neben der Spur fand, und die Truppe infolgedessen auch jahrelang ignoriert habe. Die letzte Platte hatte ich mir neulich mal bei irgendwem im Freundeskreis angehört, und fand sie irgendwie völlig anders aber völlig okay. Also rauf auf den Platz, paar Bilder gemacht wie geplant, aber dann bleibe ich tatsächlich hängen und bereue es absolut nicht. Die gesamte Band hat sich völlig verändert, ist irgendwie erwachsen geworden. Und mit dem Erwachsenwerden ist scheinbar auch eine gute Portion Professionalität und Qualität hinzugekommen. Hab zumindest die mir altbekannten Songs von damals richtig gern gefeiert und auch das restliche Material hat mir gut getaugt. Auch die kleine Tochter meines guten Kumpels und die Mama der Kleinen haben sichtlich Spaß mit den Wölfen. War mir eine heilsame Lehre, danke.

Terror (Hardcore, Thrash Metal/Crossover, Los Angeles/Kalifornien, USA)
Die Amis haben tierisch Stimmung gemacht und die Zahl der angetretenen Zuschauer war verdammt beachtlich, all das gebe ich gern ohne Probleme zu. Allerdings hab ich den Thrash-Anteil sehr vermisst. Denn für mein Dafürhalten lief on Stage ein purer Hardcore-Gig ab, und meiner Mutter einziger Sohn kann nun mal mit diesem Genre überhaupt nix anfangen. Allerdings hab ich allerhöchsten Respekt davor, wie Frontberserker Scott Vogel da eine geschlagene Stunde über die Bühne getobt ist. Junge, muss man dafür was nehmen, oder machst du das einfach so? Völlig unklar! Schicke Fotos sind da mit meiner Billocam eher nicht drin. Na, den Fans hat der Gig auf jeden Fall gut getaugt.

The Haunted (Göteborg, Schweden, Melodic Death Metal, Groove/Thrash Metal)
Wenn man von Melodic Death Metal spricht, kommt man um Kapellen aus dem schwedischen Göteborg nicht drumherum. Neben den Klassikern wie In Flames, Dark Tranquillity oder At The Gates, die mal stilprägend für ein ganzes Subgenre waren, frönen The Haunted zwar ebenfalls recht exzessiv der melodischen Spielart des Todesbleis, aber bei der Liveperformance heute sind die starken Einschläge extrem groovigen Thrash Metals definitiv überdeutlich zu überhören. Von reiner Göteborger Schule kann also keine Rede sein. Nichtsdestotrotz transportiert das Schweden-Quintett den alten Spirit sauber ins Hier und Heute und die groovende Thrash-Note im Gesamtmix empfinde ich keinesfalls als störend. Geschwafel, wie „die neuen At The Gates“ oder „dieses und jenes is aber doch bei Machine Head abgeguckt“ kann man also getrost ignorieren. The Haunted sind schlicht eine eigene ganz fantastische Band, die man sich gern öfter auf den Speiseplan setzen darf, von Platte wie auch live.

Saprobiontic (Brutal Death Metal, Dresden/Sachsen, Deutschland)
Im Death Metal ist es beinahe unabdingbar, extrem akkurat und akzentuiert zu spielen und trotzdem volle Härte zu transportieren. Und auch Saprobiontic machen bei all dem keine Ausnahme. Die absolut saubere Spieltechnik der Jungs hört man bis ins kleinste Detail. Hochkonzentriert und mit stoischem Blick meditieren sie förmlich in ihre Instrumente hinein, während sie mit rasiermesserscharfen Riffs jeden einzelnen Song pfeilschnell vorantreiben. Und würde man die Show mit geschlossenen Augen verfolgen, würde einem überhaupt nicht auffallen, dass sich niemand hinter dem Drumkit befindet, sedis vakante gewissermaßen. Der Job am Schlagwerk ist zwar bereits wieder vergeben, leider war der ausführende Schlagwerker für den Gig am Mühlteich nicht mobilisierbar. Daher wurden die Drumspuren Erzählungen von Freunden zufolge total sauber und straight eingeknüppelt und an diesem Mittag zusammen mit der restlichen live gezockten Instrumentarisierung kredenzt. Ist schon auch eine Leistung der besonderen Art, wie ich finde. Chapeau! Leider war vor der Bühne spürbar weniger los, als beim gestrigen Opener, die Campgrounds dürften die Dresdner allerdings schön wachgemacht haben.

Asagraum (Black Metal, Niederlande)
Ich habe immer großen Respekt vor Ladys, die sich in der nicht ganz einfachen Metalszene behaupten. Umso erstaunter bin ich trotzdem, als mit der nächsten Band eine rein weiblich besetzte Gruppe die Bühne entert. Auch noch Black Metal, wie auch der Dümmste sofort erkennen müsste. Wow, das verspricht interessant zu werden. Die vier Damen sind allesamt schon mal was fürs Auge. Es mag sicher oberflächlich klingen, besonders wenn ein Mann das schreibt, aber ich werf gern mal ne Mark ins Phrasenschwein. Diese vier finsteren Priesterinnen zeigen aber umgehed, welche Kräfte und Energien in ihnen verborgen liegen, denn mit fiesen Klängen heizen sie dem beständig anwachsenden Auditorium gewaltig ein. Song um Song zerschneidet die klirrend kalte Stimme der Sängerin die Luft, begleitet von fiesen, schnellen Gitarrenriffs. Dazu blasten sich harte Drums und schwere Bassläufe mit einer Energie durch den Nachmittag, die einen stumm vor Stauen verharren lassen. Übrigens mag die Sängerin nicht die Spitzenklasse einer Onielar erreichen, allerdings kommt sie der DNS-Fronterin verdammt nahe; und ein oder zweimal verfällt die Gute gar in Klargesang und da enthüllt sich hinter den meist hasserfüllten Vocals eine wundervolle Altstimme. Beinahe ein bisschen magisch. Eine kleine Frage hätte ich da: Warum habt ihr zwischen den Songs immer so lange Pausen gehabt, das war ziemlich irritierend.

Sarcator (Blackened Speed Metal, Trollhätan, Schweden)
Mit der nächsten Combo bleibt es massivst schwarz angehaucht. Das schwedische Speed-Kommando Sarcator gibt uns die nächste Dreiviertelstunde die Ehre einer Headbang-Audienz. Mit bösartiger Manier und gut gelaunt feuern sie mit schweren Geschützen Songs ihrer drei Langspielplatten ins Publikum. Die vier jungen Wilden zelebrieren ihre Attacken in feinstem Oldschool-Style, da ist alles dabei, was einem passionierten Kuttenträger ne feuchte Buxe beschert. Das rummst und knallt in einem fort, die Riffs ziehen einem unvorbereitet den nietenbewehrten Lederhandschuh durch die Visage, und ehe du es dir versiehst, steckst du schaftstiefeltief im morastigen Metalklischee-Acker. Ist alles irgendwie genauso geil wie gestern Bewitcher. Black Thrasher aller Länder, vereinigt euch! Bitte mehr aus diesem Genre, liebe chronisch moshenden Booker!

Hiraes (Melodic Death Metal, Hannover/Niedersachsen)
Ein weiteres Mal haben die Chronical Moshers eine Band aufs Billing gehievt, bei der die hochgeschätzte Britta Görtz ihre unglaublichen Vocal-Skills zum Einsatz bringt. Wo diese Dame ein Mikro in die Hand nimmt, veredelt sie die Musik jeder Kapelle. Das war seinerzeit bei Cripper so, bis vor nicht allzu langer Zeit bei Critical Mess ebenso, und mit Spannung erwarten wir bereits Album Nummer drei von Hiraes, welche uns heute beehren. Das Material von den ersten beiden Alben weiß aber schon jetzt eine wunderbare Setlist zu füllen, sodass Britta und ihre vier Mitstreiter ganz locker den Beweis antreten können, warum Melo Death aus Deutschland keinesfalls ignoriert werden darf. Neben feinsten Headbangern überraschen die Songs auch des Öfteren mit ruhigeren getragenen Parts, die aber meist – wie sollte es anders sein – letztendlich wieder in Brittas wunderbaren gesanglichen Wahnsinn kulminieren. Auch die Saitenfraktion agiert schön ambivalent von harmonischen Klängen über knackiges Geschredder hin zu virtuoser Raserei. Vermutlich wird auch die kommende Platte 2026 wie eine Bombe einschlagen, und ich hoffe sehr, dass es Hiraes auf Promotour wieder in unsere Gegend verschlägt, denn diese Band ist mit Sicherheit auch Clubatmosphäre wert. Übrigens nehmen sich die Bandmitglieder, entgegen ihrer Ankündigung, noch Zeit für die Fans, bevor sie zum nächsten Auftrittstermin abreisen.

Master (Death Thrash Metal, Mähren/Tschechei)
Wie oft ich den Lemmy des Death Metal schon live erleben durfte, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber allein zusammen mit Master erreichen meine Views in meiner persönlichen Vita einen höheren zweistelligen Bereich. Speckmetal geht halt einfach immer. Und seit der liebe Enni (Rest in Power) Paule und meine Wenigkeit uns auf dem WMD damals einander vorgestellt haben, weiß ich auch definitiv, was für ein feiner Kerl dieser Typ ist. Und dass er ganz fantastische harte Mucke zurechtschneidert, is ja nun echt kein Geheimnis, denke ich? Und seine Performance am Bass sucht ihresgleichen. Ich liebe dieses schnelle, knackige Picking einfach über alles. Sollte das nicht der richtige Fachausdruck sein, verzeiht. Bin nur Fan, kein Profi. Seine beiden Mitstreiter sind natürlich auch einsame Spitze. Es ist vermutlich nicht einfach, aus dem Schatten einer Legende herauszustechen, deshalb einfach noch mal ein fettes Extra-Danke an Alex und Peter.

Demonical (Death Metal, Avesta/Dalarna, Schweden)
Das diesjährige Moshers weist einen auffällig hohen Schwedenanteil auf, aber dankbarerweise sind nicht Möbelbausätze, Lakritze und Skåne-Schnaps unsere liebsten Exportgüter aus dem länglichsten Land Skandinaviens, sondern feinster musikalischer Stahl. Bei dem Death-Metal-Quintett Demonical isses natürlich auch herrlich intensiv. Eine Dreiviertelstunde geben die Mannen um Schreihals Charlie Fryksell richtig Gas. Für geschlagene 45 Minuten geht es auf der Moshers-Stage sehr laut und schön schnell zur Sache. Beinahe durchgehend regieren die Blastbeats, Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich gerade im Death Metal die Bands im internationalen Vergleich zu Werke gehen. Besonders der skandinavische Teil dieses Subgenres strotzt vor Variantenreichtum. Das Einzige, was mich hier tatsächlich ein ganz klein wenig gestört hat, war dieses nervige Geräusch, das von der ersten Sekunde wie ein weißes Rauschen über allem lag. War das Absicht oder technischer Fehler?

Gates Of Ishtar (Melodic Death Metal, Luleå/Norrbotten, Schweden)
Die Jungs gehören zu den Bands, von denen man bis zum Booking nicht genau wusste, dass die noch beziehungsweise wieder existieren. Seit 2015 tun sie es aber scheinbar. Allerdings sind die Jungs nicht besonders releasefreudig, da kann das schon mal passieren, dass man die Kapelle nach wie vor für tot hält. Die Platten der späten Neunziger find ich ja bestenfalls ok, eher Melo-Death-Durchschnittsware. Aber auf der Bühne sind die Jungs verdammt stark und spielfreudig. Die Songs werden echt tight gezockt und extrem energiegeladen präsentiert. Eine wichtige Säule der Kapelle scheint zudem Shouter Mikael Sandsorf zu sein, den manch einer vielleicht von der Melodeath-Combo The Duskfall auf gleichem Posten kennt. Seine gute Laune überträgt sich nicht nur auf seine Bandkollegen, sondern auch sichtbar auf die Zuschauer, welche die Schweden massivst abfeiern. Viele lassen Köpfe kreisen und Pommesgabeln fliegen, in der zweiten Hälfte entsteht gar ein kleiner Circlepit. Nach dem Gig treffe ich die höchst sympathischen Jungs noch kurz am Bandmerchzelt und kann ehrlichen Herzens zum mehr als nur gelungenen Auftritt gratulieren.

Lucifer’s Child (Black Metal, Athen, Griechenland)
Wenn Black Metal aus Griechenland kommt, hat er nicht nur einen Exotenbonus, sondern ist bekanntlich auch ziemlich gut gemacht. Südländische Schwarzwurzelschäler verpacken das Böse trotz allem auf eine gewisse fröhliche Art. So kommt es auch überhaupt nicht merkwürdig rüber, dass Frontfiesling Marios Dupont die ganze Zeit entspannt ins Auditorium grinst, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, die Augen wie ein Irrer aufzureißen und antichristliche Texte zu kreischen. Übrigens haben die Helenen nicht nur ihren Bandnamen aus einem Mercyful Fate-Song kleptomaniert, auch die Bühnendeko und der starke Einsatz von Patchouli und Weihrauch gemahnt stark an King Diamond, einem der Großväter okkulten Schwermetalls. Doch wo Altmeister Kim Bendix sich noch an schwarzer Magie und dem lavey’schen Satanismus orientiert, propagieren die Kinder des Teufels eher Daddys reine Lehre, bildlich gesprochen. Trotz alledem hört sich das Ganze viel entspannter an, als der meiste grim’n’frosbiten-Kram aus dem hohen Norden, dem ich allerdings mittlerweile auch immer mehr abgewinnen kann. Is schon nicht schlecht, so ein bisschen sonniges Schwarzmetall.

Tsjuder (Black Metal, Oslo, Norwegen)
Wo die Vorgängerband noch diesen völlig anders gearteten südländischen Black Metal zelebrierte, kehren wir nun in das Mutterland des klassischen BM zurück. Nordische Kälte beherrscht für eine knappe Stunde das Infield und die Band haut den Zuschauern ein frostiges Brett erster Kajüte vor den Latz. Ich hab keine feste Meinung dazu, wie echter Black Metal zu klingen hat, da ich mich genreübergreifend mittlerweile von Trueness-Gelaber ein wenig distanziere. Allerdings kann ich die Aussage des Gitarristen damals im Metal Hammer gut nachvollziehen: „Heutzutage haben viele vergessen, dass Black Metal nichts mit synthetisch produzierter Scheiße zu tun hat, der keine schwarze Seele innewohnt, die sich dafür aber gut verkauft. Black Metal funktioniert nicht ohne das raue Soundgewand und den kalten Frost auf den Saiten, daran wird sich nie etwas ändern.“ Was wir hier auf der Bühne erleben, beweist, dass die Band nach wie vor hinter einer solchen Ansage steht, und auch tut, was sie predigt. Tsjuder kloppen ihr beeindruckendes Set Song für Song fies, aber konzentriert herunter und wie bei einer Black-Metal-Formation dieses Kalibers nicht anders zu erwarten, gibt es auch weder Zugabe noch freundliche Verabschiedung. Nhaarrr!

Onlaught (Thrash Metal, Bristol, UK/England)
Wir befinden uns mittlerweile auf der Zielgeraden, und mein Old-School-Herz hämmert auf Anschlag, denn das kommende Classic-Thrash-Doppelpack ist gleichsam Grund zur doppelten Freude. Die ersten beiden Platten von Onslaugt landen schon seit Jahren öfter auf dem Plattenteller und von den restlichen Scheiben erreichen meine Ohren zumindest einige Songs in unregelmäßigen Abständen. Doch leider durfte ich die Tommys noch nie live erleben, freue ich mich schon seit einer geraumen Weile auf den heutigen Gig. Allerdings muss ich zugeben, dass die Show dieser an sich legendären Band, obwohl immer noch sehr sehr gut, nicht meinen hohen Erwartungen gerecht werden kann. Die Mucke thrasht auch live wie Sau, gar keine Frage. Aber dass der Sänger nen Teleprompter braucht, wirkt schon extrem schräg, finde ich. Zugegeben, ich hab selbst aus gesundheitlichen Gründen, öfter starke kognitive Probleme und sollte das der Grund sein, möchte ich nicht gemeckert haben. Aber erstens hat der Sänger bisschen viel gelabert, anstelle ordentlich vom Leder zu ziehen, und dann war da noch der Kollege ganz rechts außen, den ich bis jetzt noch nicht namentlich identifizieren konnte. Der hat relativ wenig gemacht und laut einem befreundeten Sänger mit eines der kostspieligsten Mikrofone vor sich gehabt, aber es kaum genutzt. Da hab ich echt Fragen? Ein echter Thrash-Metal-Tiger, dem man aber schon den einen oder anderen Zahn gezogen hat. Spaß hat’s trotzdem irgendwie gemacht,

Destrution (Thrash Metal, Weil am Rhein, Deutschland/Baden-Württemberg)
Auf dem finalen Slot stand eigentlich ursprünglich das Grindcore-Kommado Cattle Decapitation. Als Grund für das Wegbrechen der kompletten Europatour hat die Band nur sehr kurzfristig aufgetretene gesundheitliche Probleme im CD-Camp genannt. An dieser Stelle auch von mir gute Besserung im Namen von TFM.
Die Chronical Moshers wären aber nicht sie selbst, wenn sie nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hätten, derart kurzfristig würdigen Ersatz zu organisieren. Und so konnte bereits einen Tag nach der Absage einer der Big Four of German Thrash Metal als Ersatz bekannt gegeben werden: Die mächtigen Destruction! Und zum krönenden Festivalabschluss war das dann ja auch absolut großartig. Gut, zugegeben, Schmier und seine Band mag jetzt nicht jeder, aber zum einen muss man der Band zugutehalten, dass sie über all die Jahrzehnte verhältnismäßig konstant abgeliefert hat und auch Jungthrasher heute noch zu überzeugen wissen. Und ich kenn eigentlich keinen Altfan, der der Kapelle weggelaufen ist. Und das will schon ne Menge heißen. Das Infield war beinahe bis zur Fressmeile ganz am anderen Ende des Infields gefüllt, mehr Publikum als jede andere Band auf dem Festival hatte. Neben dem aktuellen Material hab ich mich auch über den einen oder anderen Klassiker mächtig freuen dürfen. War auf jeden Fall eine wundervolle letzte Stunde auf dem Chronical Moshers 2025.
Jetzt bleibt mir nur, tausendfach Danke zu sagen. Für die wieder einmal erstklassige Orga, die ungezählten aufgefrischten Freundschaften, die bereits über so viele Jahre bestehen, die zahlreichen, oft echt überragenden Shows, die uns geboten wurden. Das alles organisiert und umgesetzt von wahnsinnig kreativen und engagierten Menschen, egal ob an der rockenden Front oder teilweise ganz im Verborgenen. Eines ist so sicher, wie der Papst katholisch ist: Wir sehen uns im kommenden Jahr wieder, egal wie das Billing aussieht. Denn ihr seid die Headliner; Verneigungen und Liebe gehen raus!











































