Event: Headbangers Open Air 2025
Bands: Tankard, Saber Tiger, Destructor, Traitor, Hellripper, Hammer King, Titan, Assassin, The Night Eternal, RAM, Graham Bonnet Band, Cyclone, Paragon, Toranaga, Surgical Strike, Strike Master, Screamer, Rezet, Wings Of Steel, Space Chaser, Blizzard Hunter, Tyranex, Catbreath, Demon, Burning Witches, Ross The Boss, Kingdom Of Madness, Witchkiller
Datum: 23.07. — 26.07.2025
Genres: Power Metal, Symphonic Metal, Heavy Metal, Hard Rock, Dark Metal, Thrash Metal, Speed Metal
Besucher: ca. 2.000
Ort: Brande-Hörnerkirchen
Veranstalter: Thomas Tegelhütter
Kosten: Festivalticket 85 € , Tagestickets: Donnerstag – Samstag jeweils 30,00 €, Warm Up 25 €
Link: https://www.headbangers-open-air.com/
Aus Brande-Hörnerkirchen berichten: Maren J., Kay L. und Jürgen F., Fotos: Kay L. und Jürgen F.
Über Nacht und am Vormittag ziehen ein paar Schauer über das Festivalgelände. Aber von schlechtem Wetter ist auch am Freitag keine Spur. Der Auftakt erfolgt heute bereits am späten Vormittag. Um 12 Uhr stehen Surgical Strike auf den Brettern.
Auch bei der Truppe aus dem Großraum Hannover handelt es sich um eine Combo aus den 90ern, die aber über einige Demoaufnahmen nicht hinausgekommen ist. 2014 erfolgte der Restart mit der EP V-II-XII. Mittlerweile haben die Herren zwei Longplayer veröffentlicht, die aktuelle Scheibe nennt sich 24/7 Hate. Zu hören gibt es Thrash Metal, der irgendwo zwischen US Thrash und den Teutonic Big Four unterwegs ist. Am frühen Vormittag wird den Metalheads gleich mal der Gehörgang freigepustet, sodass die Ohren gespitzt sind, für die Dinge, die noch kommen sollen.

Das sind Assassin aus NRW, bei denen mit Gitarrist Jürgen Scholz noch ein Zeitzeuge aus den frühen Jahren 1985 bis 1989 mit dabei ist. The Upcoming Terror und Interstellar Experience stehen heute auf dem Speiseplan und damit ein mehr als ungewöhnliches Set für die Old-School-Thrasher. Stücke wie Fight (To Stop The Tyranny), Forbidden Reality oder The Last Man bringen die Meute vor der Bühne bereits früh in Bewegung, und Sänger Ingo Bajonczak, eventuell noch von Bonded bekannt, ist eine Urgewalt auf zwei Beinen. Der Herr könnte auch ohne Mikrofon agieren, trotzdem wäre er im gesamten Infield zu hören. Die circa 50 Minuten Spielzeit sorgen für eine großartige Stimmung und später bei der Autogrammstunde für einen riesengroßen Andrang. Die Menschenmenge stellt selbst die Signing Session von Ross The Boss in den Schatten. Assassin haben den Nerv der Fans vollkommen getroffen und sind ein frühes Highlight am zweiten Festivaltag.

Die dritte Band des Tages ändert den musikalischen Style. Wings Of Steel werden gerne mit den jungen Queensrÿche verglichen. Der Ansatz greift zu kurz. Die Einflüsse sind vielfältiger und nicht nur auf progressiven US-Metal der Marke Queensrÿche oder Crimson Glory begrenzt. Der klassische Ansatz ist genauso zu finden, dazu gibt es Anleihen aus Hard- und Glam Rock. Insgesamt buddeln Wings Of Steel tief in den 80ern und 90ern und kleiden diese verschiedenen Einflüsse in ein neues Gewand. Das Duo Parker Halub (Gitarre) und Leo Unnermark (Gesang) spielte das Debütalbum Gates Of Twilight im Alleingang ein. Live erhalten die beiden Musiker entsprechende Unterstützung mit einer zweiten Gitarre, Drums und Bass. 2025 soll Winds Of Time folgen, wovon die Herren mit We Rise und dem Titeltrack Winds Of Time bereits Kostproben präsentieren. Ein Kritikpunkt dürfte der hohe Gesang von Unnermark sein, der nicht in jeden Gehörgang passt.
Heimspiel! Eine der Bands, die zu den Kapellen gehört, die die meisten Auftritte auf dem Headbangers Open Air absolviert haben, sind Paragon aus Hamburg. Wie sich die Anfänge gestaltet haben, dazu mehr im Interview mit Sänger Andreas Babuschkin und Bassist Jan Bünning. Heute geht es um 35 Jahre Paragon. Entsprechend haben die Herren eine spezielle Setlist aufbereitet, in der Stücke von der aktuellen LP Metalation fehlen. Wer die neueren Sachen hören möchte, wird am 12.09.2025 im Bahnhof Pauli in Hamburg bedient. Hier feiern Paragon gemeinsam mit Black Hawk ihr Dienstjubiläum. Eine weitere Besonderheit: Mit Bandgründer Martin Christian steht der Hauptsongschreiber von Paragon mit auf der Bühne. Christian war in den vergangenen Jahren nicht immer verfügbar, da die Musik keine Rechnungen bezahlt und er selbst noch bei den Kneipenterroristen aktiv ist.

Dass Christian ein absoluter Gewinn für Paragon, allen voran bei dem Old-School-Set, ist, steht außer Frage. Der Auftakt mit den Titeltracks aus den Jahren 1999 und 2003 macht von Anfang an die Richtung klar: The Legacy und Chalice Of Steel sind angesagt, es folgen mit Legions Of Metal und Law Of The Blade zwei weitere alte Haudegen aus der Jahrtausendwendezeit, die aufzeigen, warum oft behauptet wird, dass Paragon eine der am meisten unterbewerteten Bands sind. Eigentlich haben die Stücke alles für einen Klassiker. Der große Durchbruch blieb den Herren jedoch verwehrt, trotz gemeinsamer Touren mit Gamma Ray und Iron Savior.
Eine Nummer, die immer wieder hervorsticht, ist Across The Wastelands. Das Ding ist mittlerweile 23 Jahre alt, überzeugt heute aber noch genauso wie vor mehr als 20 Jahren. Selbst Into The Black von der Debüt-EP aus dem Jahr 1994 und Feel The Knife aus dem Jahr 1998 haben die Herren heute ausgegraben. Zum Ende folgen mit Impaler, Armies Of The Tyrant und Thunderstorm drei Must-Play-Nummern, die einfach zu einem Paragon-Konzert gehören. Die 60 Minuten Spielzeit nutzen die Protagonisten hervorragend. Einziges Manko: Paragon hätten einen späteren Slot verdient, was sich an der Reaktion der Fans zeigt. Klasse Gig! Wir blicken gleich voraus und freuen uns auf die Jubiläumsfeier am 12. September im Pauli Bahnhof in Hamburg.

Von den alten Recken geht es zu den Newcomern und Hoffnungsträgern. The Night Eternal sind seit einigen Jahren in aller Munde und haben völlig verdient den Sprung zu Metal Blade Records geschafft. Die Truppe aus dem Ruhrpott hat etwas, was kaum eine der jungen Bands nachweisen kann. Grob wird der Style mit dunklem Heavy Metal beschrieben. Aber The Night Eternal haben sowas wie einen Signatur-Sound. Das, was zum Beispiel eine Band wie Helloween liefert mit einem Kai Hansen an den Saiten. Du hörst ein Stück und weißt, das sind Helloween oder eben The Night Eternal. Hier wäre nochmals eine Lanze für das Essener Undergroundlabel Dying Victims Productions in den Boden zu rammen. Die erste EP von The Night Eternal wurde 2019 über die Perlensuchfabrik veröffentlicht und zeigt an dem Beispiel auf, wie wichtig kleine Labels heute sind. Zwei volle Longplayer folgten bei Van Records, nun geht es zu einem renommierten Label, das The Night Eternal hoffentlich die Tür weit über die Landesgrenzen öffnen wird.
Neue Stücke gibt es heute noch nicht, aber in der aktuellen Zeit ist The Prince Of Darkness hervorzuheben, was heute selbstverständlich Ozzy gewidmet wird. In circa einer Stunde Spielzeit gibt es die bekannten Nummern wie Run With The Wolves, Between The Worlds oder Moonlit Cross auf die Ohren. Sänger Ricardo Baum springt wie ein Irrwisch über die Bühne und die Folgen rund um das linke Auge vom Rock Hard Festival Anfang Juni sind so weit gut verheilt. Als Fazit bleibt die Feststellung, dass The Night Eternal Bühnen wie auf dem Headbangers Open Air entwachsen. Es wäre keine Überraschung, wenn die Truppe in zwei oder drei Jahren ganz andere Festivals und Bühnen bespielt.

In der Zwischenzeit ist auch der Autogrammstand angelaufen, und die ersten vier Bands waren zum Meet & Greet da. Mega freundlich die Japaner von Saber Tiger, aber auch Assassin haben gezogen. Letztere haben sich mit Whiskey und Zigarre ausgestattet und signieren, was das Zeug hält. Da war eine lange Menschenreihe, die aber tapfer abgearbeitet wird, während schon Wings Of Steel am Autogrammstand eintrudeln. Schnell einen zweiten Platz aufgebaut, damit alle zu ihrem Recht kommen und keine Zeit verloren geht. Der Beginn von Rezet überschneidet sich mit den Mädels von den Burning Witches, die bereitwillig auf den Bänken Platz nehmen. Auch da steht Mitte August mit Inquisition eine neue Platte an, die aber noch nicht mit dabei ist. Natürlich wollen gerade die Herren ein Bild mit Sängerin Laura Guldenmond oder Gitarristin Larissa Ernst.
Nun aber zu Rezet. Die Schleswig-Holsteiner mausern sich zu einer ernstzunehmenden Thrash-Metal-Macht, wie auch auf dem diesjährigen Headbangers Open Air. Aber zunächst legen sie mit Children Of The Grave ein hervorragendes Black-Sabbath-Cover hin. Es folgen die eigenen Stücke, die vom letzten selbstbetitelten Longplayer und den Vorgängerwerken stammen. Und als letzten Song gibt es ein weiteres Mal Black Sabbath, das ebenfalls zu Ehren von Ozzy angestimmt wird. Paranoid lässt noch einmal alles bangen und feiern. Der in Schleswig gegründete Vierer reißt hier ordentlich ab, was sich an der Menge vor der Bühne deutlich ablesen lässt. Sänger Richard „Ricky“ Wagner hat die Meute wie seine Gitarre fest im Griff und legt einen erfolgreichen Auftritt auf die Bretter in Brande-Hörnerkirchen. Das Quartett zeigt Potenzial für eine weitere Entwicklung, sodass größere Bühnen als auf dem Headbangers Open Air in Reichweite scheinen.
Bevor die Japaner von Saber Tiger anstehen, haben sich The Night Eternal zum Meet & Greet eingefunden. Leider haben die Herren keine aktuelle Platte eingepackt, sodass mitgebrachte Hardware oder Autogrammkarten signiert werden. Gerade Sänger Ricardo Baum wird dabei gern abgelichtet – der Herr ist einfach ein Beau und sehr aufgeschlossen.

Saber Tiger bestechen zunächst durch ihre Mischung aus alt und jung. Gitarrist und Gründer Akihito Kinoshita hat die sechzig Lenze wohl schon überschritten, ähnlich wie Sänger Yasuharu Tanaka. Und dann ist da Hibiki am Bass, vielleicht zwanzig Jahre jung. Das Line-Up passt, und so liefern die fünf eine fette Mischung aus klassischem Heavy Metal mit progressiven Elementen. Das kommt gut an, und die Japaner lassen sich von der Stimmung im Publikum anstecken. Ich kenne nicht einen Song, aber das macht nichts. Das Material gefällt gut, und so lassen wir den Auftritt sich selbst befeuern. Eine spätere Recherche ergibt, dass Saber Tiger einen immensen Memberwechsel hatten. Es sind sage und schreibe 13 Schlagzeuger, 12 Bassisten und 10 Sänger gewechselt worden.
Inzwischen haben Rezet ihr Meet & Greet abgeschlossen, und wir erwarten Demon zur Autogrammstunde. Die ist selbstverständlich gut besucht, und es wird – bis alle Fans ihre Autogramm- und Fotowünsche erfüllt bekommen – geschrieben und posiert. Es ist eine Besonderheit beim Headbangers Open Air, dass alle Bands für ihre Fans verfügbar sind und die Wünsche, auch wenn es über die geplante Zeit hinausgeht, erfüllen. Nach Demon können wir den Autogrammstand schließen.

Bevor die NWoBHM-Veteranen den Headliner-Slot übernehmen, sind die Schweizer Damen von Burning Witches auf der Bühne. Das Outfit sitzt, und die Damen fangen rasant mit Unleash The Beast von The Dark Tower an. Mit Wings Of Steel geht es weiter. Das kommt zunächst alles gut an. Die Gitarristinnen geben alles, und auch Bassistin Jeannine Grob zaubert für die Fotomeute. Ab dem dritten Song lässt allerdings die Euphorie etwas nach. Irgendwie sind die Nummern sehr ähnlich – technisch gut gemacht, aber auf Dauer dann etwas eintönig. Aber das stört eigentlich niemanden, und es folgt mit The Spell Of The Skull eine Kostprobe vom neuen Longplayer. Es gibt viel Beifall, was sicherlich auch an den Damen selbst liegt.
Der Tagesabschluss obliegt einer Band, die bereits mehrfach in Brande-Hörnerkirchen war. Dave Hill und Demon sind bezüglich der NWoBHM eine sichere Bank. Wenn die Truppe dann noch ihren Smash-Hit Night Of The Demon zum Anfang rausholt, dann sind die Fans von der ersten Sekunde dabei. Hill nutzt den übergroßen Dämonenhut nicht mehr. Der Sänger ist mittlerweile 79 Jahre alt und immer noch bestens bei Stimme.

Über Hurricane geht es zu Sign Of The Madman, den Hill heute natürlich Ozzy widmet. The Plague, Nowhere To Run und die Mitsinghyme Remembrance Day (A Song for Peace) sorgen für ausgelassene Stimmung im Infield. Hill erläutert, dass Remembrance Day (A Song For Peace) auf dem Rock Hard Festival vor einiger Zeit ausgebuddelt wurde, da Fans mehrfach nach dem Stück fragten. Dass die Nummer aber so gut beim Publikum ankommt, überraschte ihn selbst.
Natürlich gibt es auch The Spell oder Liar, einer der ersten Demon-Tracks überhaupt. In Richtung Ende des Sets folgt der Must-Play-Titel Don’t Break The Circle, der die Fans nochmals ordentlich aus der Reserve lockt. Der Schlusspunkt nennt sich One Helluva Night und Demon, heute mit Ersatz am Bass, da Paul „Fasker“ Johnson auf einer Familienfeier weilt, werden von der Crowd kräftig abgefeiert. Der Herr am Bass ist sonst für die Burning Witches tätig und macht seine Sache so weit gut.
Gegen 0:30 Uhr ist der musikalische Teil des zweiten Festivaltages Geschichte. Wie am Vortag, so auch heute: perfektes Festivalwetter, grandiose Bands wie Demon, The Night Eternal oder Paragon und ausgelassene Stimmung in Brande-Hörnerkirchen. Auch die Autogrammstunden laufen wie geplant. Neben Assassin sind es die Headliner wie Burning Witches und Demon, die ordentlich zu tun haben.
Hier kommt ihr zu den Berichten vom Mittwoch und Donnerstag und Samstag.

















































































