Elvaron – Ghost Of A Blood Tie

“Diese Geschichte sollte man vielleicht nur lesen“

Artist: Elvaron

Herkunft: Nancy, Frankreich

Album: Ghost Of A Blood Tie

Spiellänge: 63:58 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 08.04.2016

Label: Fantai’Zic (Absilone/SED)

Link: https://www.facebook.com/elvaronprogpower

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Matthieu Morand
Bassgitarre und Backgroundgesang – Julien Skorka
Keyboard – Shuguang Li
Schlagzeug – Frédéric Renaut

Tracklist:

  1. The Journey Within
  2. Silent Windows
  3. A Price To Pay
  4. From A Brother To A Shadow
  5. No Town Of Mine
  6. Run Away In Fright
  7. Distant Shores
  8. The Man Who Wears My Face

Elvaron - Ghost Of A Blood Tie

 

Wenn man etwas zur Geschichte der Band Elvaron herausfinden möchte, sollte man ansatzweise die französische Sprache beherrschen, dann kann man entdecken, dass die Band im Jahr 1993 gegründet wurde und bislang vier Alben veröffentlicht hat. Dabei ist die Namensliste der ehemaligen Bandmitglieder länger als die, der aktuellen. Was dahintersteckt, habe ich mir in der sehr ausführlichen Biographie, die man auf der Homepage der Band lesen kann, allerdings nicht zu Gemüte geführt. Was mich ein wenig verwirrt, sind die Bands, die Elvaron auf ihrer facebook-Seite unter „Einflüsse“ nennt, da stehen nämlich unter anderem Iron Maiden, Overkill und Testament, aber Elvaron erklären das mit der Aggressivität, die die Musik dieser Bands mit einbringt. Wie auch immer erschien im April dieses Jahres das fünfte Album, das den Titel Ghost Of A Blood Tie trägt und die musikalische Umsetzung einer speziell für dieses Album geschriebenen Geschichte der Fantasy-Autorin Mélani Fazi ist.

Die Band Elvaron hat zwar einen Sänger, der erste Song The Journey Within ist allerdings ein Instrumentalstück, das mich weniger an Maiden, Overkill oder Testament sondern eher an Dream Theater denken lässt. Teilweise sehr verfrickelt und im nächsten Moment wieder so eingängig wie nur was. Bei diesem überwiegend im Uptempo gehaltenen Track kann man gleich mal die Nackenmuskeln trainieren, wobei die insbesondere mit Klavier und Keyboard gestalteten Passagen teilweise ziemlich nervtötend sind.

Auch das Keyboard zu Beginn des zweiten Songs Silent Windows nervt erst einmal, es klingt eher wie eine kaputte Zieharmonika als irgendwie melodisch. Und dann fängt Matthieu Morand an zu singen und erinnert mich mit seiner rauen, leicht knödelig klingenden Stimme sofort an einen deutschen Sänger, den ich noch nie mochte, nämlich Marius Müller-Westernhagen. Da hat der arme Matthieu jetzt aber einen schweren Stand. Noch schlimmer wird es dann, als Matthieu umschwenkt auf „Klargesang“, Julien Skorka mit einsteigt und beide zusammen singen. Da vergesse ich dann fast, den wieder sehr progressiven Instrumentalfrickeleien zu lauschen, die es hier auch zu hören gibt. Ein wenig muss ich dann bei dem sehr genialen Gitarrenspiel in Kombination mit dem Keyboard irgendwann neben Dream Theater auch an die ersten Werke der Schweizer Band Appearance Of Nothing denken, und mit ein bisschen gutem Willen könnte man auch den rauen Gesang von Matthieu mit dem von Pat Gerber vergleichen. Klingt doch gleich viel positiver 🙂

Es wird sicherlich einen tieferen Sinn haben, der Frauengesang bei A Price To Pay erschließt sich mir allerdings nicht und ist für mich auch verzichtbar, weil mit seinem opernhaften Charakter definitiv nicht meiner. Allerdings ist auch dieser Song ein tolles Uptempo-Stück mit einem sehr genialen Gitarrenspiel, immer wieder begleitet vom oder auch in Konkurrenz stehend zum Keyboard. Wenn Matthieu das auch live auf die Bühne kriegt, wovon ich jetzt einfach mal ausgehe, ziehe ich definitiv meinen Hut.

Auch die folgenden Tracks sind in ihren unterschiedlichen Tempobereichen und mit ihren teilweise sehr verfrickelten Instrumental- und auch Gesangspassagen eher was für richtige Fans des Genres. Zum nebenbei Hören eignen sie sich jedenfalls nicht. Auch nicht die Ballade Distant Shores, bei der es überwiegend nur den Gesang von Matthieu Morand und Klavier zu hören gibt.

Mit dem längsten Track des Albums, The Man Who Wears My Face, geht es dann zum großen Finale. Hier wird noch mal alles an progressiven Elementen aufgefahren, was man sich so vorstellen kann. Für mich klingt das aber eher wie das Aneinanderstückeln von verschiedenen Songfragmenten zu einem Großen, was aber kein großes Ganzes werden will.

Fazit: Normalerweise ist Progressive Metal, auch der etwas verfrickeltere, ja durchaus ein Genre, in dem ich mich wohl fühle, aber die Franzosen Elvaron schaffen es auch nach dem zigsten Hördurchlauf nicht, mich mit ihrem Album mitzunehmen und bei der Stange zu halten. Ich denke, es liegt daran, dass man einfach zu viel reingepackt hat und das ganze Album zu unruhig ist. Die Instrumentalfraktion, inklusive Matthieu und Julien, macht ihre Sache sicherlich gut, aber weder Matthieu noch Julien können wirklich gut singen. Es gibt sicherlich Hörer, die Alben wie dieses mögen, meins ist das nicht wirklich.

Anspieltipps: A Price To Pay und No Town Of Mine
Heike L.
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