Twin Serpent – True Norwegian Blackgrass

08.05.2026 - Garage Rock, Punk, Rock – Svart Records – 37:06 Minuten

Am 08.05.2026 ist das Album True Norwegian Blackgrass der aus Trondheim (Norwegen) stammenden Twin Serpent über das finnische Label Svart Records erschienen. Es ist dort neben der CD-Version auch in mehreren Vinyl-Varianten erhältlich: als limitiertes Pink/Green-Vinyl mit nur 50 Exemplaren, Transparent Red sowie klassisch in Schwarz.

Schon der Albumtitel True Norwegian Blackgrass weckt sofort gewisse Erwartungen. Doch wer bei Twin Serpent an klassisches Black-Metal-Geballer, Blastbeats oder frostige Satanismus-Klischees denkt, wird schnell feststellen, dass die Norweger ihren ganz eigenen Begriff von „Blackness“ haben. Statt kompromissloser Raserei serviert die Band auf ihrem zweiten Album einen schrägen, herrlich unangepassten Mix aus Folk Punk, Country, Garage Rock, Cowpunk, düsterem Americana und einer subtilen, schwarzmetallischen Atmosphäre, die eher in den Vibes als in der tatsächlichen musikalischen Härte steckt.

Das Quartett um Timo Silvola an Gesang, Banjo und Gitarre, Hanna Fauske an Gesang und Bass, Tony Gonzalez an Gitarre sowie Viktor Kristensen am Schlagzeug erschafft dabei einen Sound, der gleichzeitig chaotisch, mitreißend und erstaunlich stimmig wirkt.

Zwischen Scheune, Geisterbahn und Punkrock-Keller

Bereits der Opener Space Heater macht klar, dass hier keine gewöhnliche Folk-Punk-Platte läuft. Dicke Gitarrenriffs treffen auf rumpeligen Rock’n’Roll, während sich die beiden Stimmen von Hanna Fauske und Timo Silvola gegenseitig antreiben, anfeuern und manchmal beinahe chaotisch umkreisen. Der Sound wirkt rau, schmutzig und bewusst ungeschliffen, als hätte man eine Countryband zusammen mit einer Crust-Punk-Kapelle in eine verlassene Scheune gesperrt.

Überhaupt lebt True Norwegian Blackgrass davon, dass Twin Serpent keinerlei Interesse daran haben, sich an Genregrenzen zu halten. Songs wie Ærlig Talt oder Hundromshelvete springen wild zwischen Punk-Energie, Bluegrass-Grooves und kaputtem Garagenrock hin und her. Dabei klingt die Band manchmal wie eine völlig enthemmte Mischung aus Tom Waits, Nick Cave und einer durchzechten Cowpunk-Version.

Besonders stark wird das Album immer dann, wenn es seine düsteren Untertöne hervorholt. Radiophobia entwickelt mit reduziertem Tempo und seiner entrückten Atmosphäre eine bedrückende Intensität, während Kipu Kivi mit verstörenden Folk-Motiven und gespenstischer Stimmung regelrecht unter die Haut geht. Hier blitzt tatsächlich jene nordische Schwärze auf, die dem Albumtitel seinen Namen gibt – allerdings eher als Gefühl denn als musikalische Stilkopie.

Laut, schräg und voller Ideen

Trotz aller stilistischen Eskapaden funktioniert das Album erstaunlich gut als Ganzes. Twin Serpent schaffen es, aus den vielen unterschiedlichen Einflüssen einen eigenen Charakter zu formen. Mal dominieren rumpelige Beats und hektische Punk-Attitüde, mal schleichen sich melancholische Country-Melodien oder psychedelische Americana-Vibes ein.

Mit Freak Flag liefert die Band zudem einen ihrer stärksten und direktesten Songs ab. Der Track verbindet Cowpunk-Energie mit dreckigem Rock’n’Roll und transportiert gleichzeitig eine klare Haltung gegen gesellschaftliche Ausgrenzung und starre Normen. Gerade diese Mischung aus Humor, Wut, Außenseitercharme und emotionaler Ehrlichkeit zieht sich durch das gesamte Album.

Eine Unberechenbarkeit macht den Reiz der Platte aus. Twin Serpent klingen niemals geschniegelt oder kalkuliert. Stattdessen wirkt alles spontan, wild und angenehm eigenwillig.

Hier! gibt es weitere Informationen zu Twin Serpent – True Norwegian Blackgrass in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Twin Serpent – True Norwegian Blackgrass
Fazit zu True Norwegian Blackgrass
Mit ihrem zweiten Album beweisen Twin Serpent, dass Folk Punk auch 2026 noch überraschen kann. True Norwegian Blackgrass ist laut, seltsam, manchmal wunderschön und gelegentlich komplett durchgedreht. Die Band verbindet Country, Punk, Folk, düsteren Rock’n’Roll und eine unterschwellige Black-Metal-Ästhetik zu einem Sound, der sich kaum mit anderen Bands vergleichen lässt. Ein Album, sicher nicht für jeden Geschmack, aber genau deshalb so spannend.

Anspieltipps: Space Heater, Ærlig Talt und Freak Flag
Juergen S.
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