Alcatrazz – V

Mit dem Strick am Hals zu besseren Leistungen genötigt

Artist: Alcatrazz

Herkunft: Los Angeles, Kalifornien, USA

Album: V

Spiellänge: 62:55 Minuten

Genre: Hard Rock, Heavy Metal, Progressive Rock

Release: 15.10.2021

Label: Silver Lining Music /WMG

Link: https://www.facebook.com/Alcatrazzband/

Bandmitglieder:

Gesang – Doogie White
Gitarre – Joe Stump
Bassgitarre – Gary Shea
Keyboard – Jimmy Waldo
Schlagzeug – Mark Benquec

Tracklist:

  1. Guardian Angel
  2. Nightwatch
  3. Sword Of Deliverance
  4. Turn Of The Wheel
  5. Blackheart
  6. Grace Of God
  7. Return To Nevermore
  8. Target
  9. Maybe Tomorrow
  10. House Of Lies
  11. Alice’s Eyes
  12. Dark Day For My Soul

Wer dachte, dass Born Innocent das Kapitel Alcatrazz endgültig zugeschlagen hat, der hat die Rechnung ohne V gemacht. Schließlich sind alle guten Dinge drei, sry, natürlich fünf. Zwischen Dangerous Games und dem letzten Album Born Innocent lagen nur 34 Jahre. Warum hat Gary Shea die Formation noch mal in Stellung gebracht? War ihm etwa im Corona-Jahr zu langweilig? In einer Pandemie kommt man auf die witzigsten Ideen. Die Dachböden in Deutschland glänzen, die Abfalldeponien wurden vollgebombt mit Sperrmüll, jeder hat Zeit für Dinge, die sonst einfach liegenbleiben. Die Wiederbelebung von Alcatrazz in diesen Kontext zu setzen klingt zwar frech, das Gegenteil müssen jedoch nicht wir, sondern die Amerikaner beweisen. Nach dem, sagen wir mal, durchwachsenen Comeback, gibt es 14 Monate nach dem letzten Studioalbum wieder was Neues. Spulen wir zurück: 34 Jahre im Duell mit 14 Monaten – puh, wer zieht jetzt bitte den Kürzeren? Eindeutig V – Hauptsache, der Mix aus Hard Rock, Heavy Metal und progressivem Rock zieht in diesem Herbst mehr Leute vom Hocker als letzten Sommer.

Hoppla, Guardian Angel will im Alleingang den alten Staub von dreieinhalb Jahrzehnten abschütteln! Deutlich agiler als noch vor ein paar Wochen drehen Gary und Joe die Äxte hoch. Gesanglich macht Doogie White einen großen Sprung nach vorne. Schon der Opener macht mehr Freude als die gesamte letzte Veröffentlichung. Nightwatch knüpft spielend leicht am Opener an. Packende Gitarrenmelodien werden vom Druck des Basses getragen. Im flinken Takt von Mark Benquec werden nicht nur Refrains verpulvert, die ganzen Lyrics haben Hand und Fuß. Der Hörspaß dreht weiter auf. Alcatrazz laufen wahrhaftig warm, wer hätte das noch gedacht? Es wird immer unheimlicher: Sword Of Deliverance lässt nicht nur nichts anbrennen, er kann selber bei dem bereits guten Start noch punkten. Die Midtempo Moves gelingen spielend, der Refrain geht tief und berührt den fleißigen Kopfschüttler. Ein Bastard aus Saxon, Running Wild und typischen US-Amerikanischem Heavy Metal der späten 80er schießt das Quartett motiviert wie helle Blitze aus den dunklen Herbstwolken gen Erde. Wie beim Artwork bereits symbolisiert, sprengen Alcatrazz die lästigen Ketten. Zu schnell sollte man nicht loben. Die Ballade Turn Of The Wheel kann man machen, muss man aber nicht. Nach dem Knick in der Formkurve geht es direkt zu einem der Höhepunkte, die eine gute Hard Rock Platte braucht. Blackheart – coole Backvocals beleben das Geschäft. Doogie White greift den Moment auf und bringt seine warmen Gesangsfarben in die richtige Position. Wunderbar, was die halb erneuerte Truppe im zweiten Versuch auf die Beine stellt. Für den Sprung an die Spitze fehlt es noch an Konstanz – das gilt nicht nur für die Ballade, auch in den einzelnen Nummern könnte der Spannungsbogen fester sitzen. Im Vergleich zu Album Born Innocent nur kleine Details, die noch verfeinert für mehr gute Laune sorgen. Nach dem Motto: Totgeglaubte leben länger, schieben Alcatrazz kurz vor Halloween den stinkenden Grabstein zur Seite und heben die muffigen Kadaver aus der Gruft, um endlich wieder ihrem Ruf gerecht zu werden.

Alcatrazz – V
Fazit
Welcome Back Alcatrazz. Von den Toten auferstanden. Der Preis könnte in diesem Jahr tatsächlich in die Hände der Amerikaner aus Los Angeles fallen. Manchmal kommt es anders und manchmal als man denkt. Meine Sprüche in diesen wenigen Sätzen dürften jedes Phrasenschwein in wenigen Minuten um diverse Euro füllen. Es bleibt dabei - der Thron bleibt in weiter Ferne, dafür gut sichtbar und zumindest theoretisch greifbar. Mit V hat der 1983 gegründete Act die Daseinsberechtigung zurückgewonnen. Das Schaffen wurde rehabilitiert, mal sehen, was Alcatrazz in den nächsten Jahren noch auf die Beine stellen können.

Anspieltipps: Nightwatch und Grace Of God
René W.
7.8
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