Anciients & Black Wizard am 29. März im Jungle Club, Köln

“Kanadischer Doom & Stoner“

Bands: Anciients, Black Wizard

Ort: Jungle Club, Köln

Datum: 29. März 2018

Kosten: 20€ im Vorverkauf/Abendkasse

Genre: Stoner, Doom, Sludge, Progressive Metal

Besucher: ca. 50 Besucher

Veranstalter: CFBM

Link: Jungle Club

An diesem Gründonnerstagabend finden sich die ersten Gäste schon verhältnismäßig früh am Jungle Club in Köln ein. Kein Wunder, der Veranstalter hat ja auch 50 Liter Freibier für die ersten Gäste versprochen. Das Ganze sorgt dafür, dass vor Ort eine sehr familiäre Atmosphäre herrscht. Der Jungle ist ein Venue von kleiner bis mittlerer Größe und bietet sich daher optimal als Ersatz zum dahingeschiedenen Underground an – die geographische Lage tut dazu ihr übriges. Bedauernswert ist am heutigen Abend, dass sich nach den ersten 20 bis 30 früh erschienen Gästen nicht mehr viele Zuschauer dazugesellen. Zum Ende hin haben sich etwa 50 Zuschauer eingefunden, die ganz entspannt im Halbkreis um die leicht erhöhte Bühne stehen. Das sorgt zwar für eine entspannte Atmosphäre, lässt allerdings die Frage im Raum stehen, ob Aufwand und Nutzen in irgendeinem Verhältnis stehen. Schließlich haben Black Wizard und Anciients den weiten Weg aus Kanada auf sich genommen.

Black Wizard

Mit leichter Verspätung stehen Black Wizard gegen 20:30 Uhr auf den Brettern und verdeutlichen schnell, dass die eben gestellte Frage nach dem Aufwand nicht immer ganz sachlich zu beantworten ist. Die vier Kanadier spielen ihr Material von der ersten bis zur letzten Minute mit tiefster Hingabe und Passion und alleine das rechtfertigt für sie spürbar jeden Aufwand. Im Zusammenspiel mit einem passablen Sound, präziser Ausführung an den Instrumenten und jeder Menge Groove in der Musik macht das auch den Zuschauern sichtlich Freude. Vor Allem Songs wie Feast Or Famine von der neusten Platte Livin‘ Oblivion haben es in sich. Die etwas schnellere, thrashige Attitüde ist eine willkommene Abwechslung zum trägen Stoner-Gerüst der Band – eine optimale Mischung für die erste Band des Abends. Da lässt sich auch die gewöhnungsbedürfte Aufstellung aus Vocals/Gitarre links, Bass in der Mitte und Vocals/Gitarre rechts einigermaßen verkraften. Black Wizard sind jedem Thrash-Fan genauso zu empfehlen wie dem eingefleischten Stone-Head – sehr überzeugende 45 Minuten.

Anciients

Anciients nehmen im Anschluss das Stoner-Gerüst von Black Wizard und tauschen die Thrash-Elemente gegen eine ordentliche Portion Progressive. Ja, die Parallelen zu Mastodon sind gar nicht so weit hergeholt, allerdings sind die Einflüsse der Band nicht ganz so bunt gesät wie bei den Jungs aus Georgia. Was bleibt sind die verhältnismäßig effektbeladenen Gitarrensounds, keine Scheu vor cleanen Parts und Vocals die irgendwo zwischen melancholischem Gesang und gutturalen Abschnitten pendeln. Anciients schaffen es am heutigen Abend den schmalen Grat zwischen anspruchsvoll und zugänglich genau zu treffen. Das Publikum zahlt es mit intensivem Headbanging zurück. Kenner der Band und Musik-Nerds finden an den technischen Parts der Songs ihre Freude, alle anderen erfreuen sich an den eingängigen Refrains und den kräftigen Riffs. Vor Allem Sänger und Gitarrist Kenneth „Kenny“ Paul Cook legt eine beeindruckende Performance hin – bewundernswert wie er ausgefeilte Gitarren-Leads und verschiedenste Vocal-Facetten miteinander vereinbart. Getreu dem Motto „Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist“ist der Gig nach 45 Minuten Black Wizard und gut einer Stunde Anciients schon vorbei.

Anciients

Auch wenn die Resonanz in Form der Zuschauerzahl eher überschaubar geblieben ist, war es für alle Beteiligten ein rundum gelungener Abend. Die Band hatte, obwohl es bereits das vorletzte Konzert einer langen Europa-Tour war, sichtlich Spaß und bedankte sich noch ein ums andere Mal beim Veranstalter, der übrigens während des gesamten Konzerts in vorderster Front dabei war. Egal, ob man als Zuschauer mehr oder weniger zufällig, als Fan der Bands oder wegen des Freibiers im Jungle war, die Performance von Black Wizard und Anciients sollten wirklich jeden restlos überzeugt haben.

 

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