Astillane – Dreaming (EP)

Auf so ein Debüt können die Jungs stolz sein

Artist: Astillane

Herkunft: Münster, Deutschland

Album: Dreaming (EP)

Spiellänge: 21:19 Minuten

Genre: Melodic Hardcore, Metalcore, Post Hardcore

Release: 19.06.2020

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/Astillane

Bandmitglieder:

Gesang – Tilo Schachel
Gitarre – Andreas Metzner
Gitarre – Hannes Süper
Bassgitarre – Lukas Linß
Schlagzeug – Malte Pals

Tracklist:

  1. Dreaming
  2. Broken And Mended
  3. Breathing Under Water
  4. Ghosts
  5. Boston
  6. Two Worlds Collide

Zu manchen Städten in Nordrhein-Westfalen habe ich tatsächlich bestimmte Genres im Hinterkopf, die ich diesen Städten irgendwie immer noch automatisch zuordne. Die meisten dieser Verknüpfungen sind im Grunde schon längst überholt, aber nach Münster packe ich eigentlich immer noch eher Post Rock und Progressive Rock. Damit haben Astillane nix am Hut. Wobei, progressiv sind sie insofern, als sie sich nicht nur auf Metalcore, Post Hardcore oder Melodic Hardcore festlegen lassen wollen, sondern immer so ein wenig zwischen den Welten pendeln.

Seit 2018 ist die Band am Start und legt jetzt mit der EP Dreaming ihre erste Visitenkarte auf den Tisch. Die Texte hat Tilo geschrieben und dabei von dem erzählt, was das Leben wohl für jeden von uns bereithält. Mal watet man durch knietiefen Schlamm und weiß nicht, ob man da je wieder rauskommt. Dann packt man sich irgendwann an A… und Kragen, findet einen Weg zurück ans feste Ufer und ist dann rückblickend doch stolz, eine bestimmte Situation mithilfe der eigenen Fähigkeiten und der eigenen Stärke gemeistert zu haben. Dabei hat sich Tilo selbst auch gesangstechnisch einiges auf den Leib geschrieben.

Das darf er dann auch gleich beim ersten Track Dreaming beweisen. Der wartet neben einigen elektronischen Spielereien, die mich ein wenig an We Came As Romans denken lassen, auch mit den dazu passenden Clean Vocals auf. Ich bin mir allerdings nicht sicher, von wem die sind, denn es gibt auch immer wieder Stellen, an denen Clean Vocals und Shouts gemeinsam zu hören sind. Egal, sehr cooler Song, der im Alternative Metal genau so zu Hause ist, wie im Melodic Hardcore und der auch zeigt, dass Astillane definitiv wissen, wie Breakdowns gehen.

Broken And Mended packt dann erst mal die Metalcore-Keule aus, es dominieren die tiefer gestimmten Saiteninstrumente. Wenn der Song schneller als das hier vorgelegte Midtempo wäre, gäbe das sicherlich einen richtig geilen Circle Pit. Und wie eine Fortsetzung startet dann gleich Breathing Under Water im selben Klangkostüm. Der Song nimmt dann aber endlich mal Fahrt auf und kann mit einem sehr einprägsamen Chorus mit tollen Clean Vocals glänzen. Bemerkenswert finde ich, dass Astillane tatsächlich mit den elektronischen Spielereien genau das richtige Maß finden. Ich mag solche Effekte ja gern, aber es gibt sicherlich viele Hörer, die nur genervt abwinken. Brauchen sie hier nicht 🙂

Auch Ghosts kann bei mir mit seinem höheren Tempo und mit einem scheinbar mühelosen Spiel zwischen Melodie und Härte punkten. Dazu dann noch der sehr geile Breakdown, und auch der Drops ist gelutscht. Wenn die Jungs die Clean Vocals live genau so gut hinbekommen, wäre das bei Shows schon mal die halbe Miete, denn die haben in den Songs doch öfters mal fast so etwas wie eine tragende Rolle. Hatte ich weiter oben schon einmal den Bandnamen erwähnt, fällt mir bei Boston eigentlich auch nur sofort wieder We Came As Romans ein. Die müssen ja leider ohne die markanten Clean Vocals von Kyle Pavone (R.I.P.) auskommen, aber der wunderbare Sound der Amerikaner lebt hier wieder auf. Von „aufleben“ kann ich beim letzten Song Two Worlds Collide dann eher nicht mehr sprechen, der ist mir, abgesehen von dem sehr krassen Breakdown, dann schon ein wenig zu melodisch, fast schon poppig. Aber auch so was muss man als moderne Band wohl im Songrepertoire haben…

Hier gibt’s einen meiner Anspieltipps, nämlich Boston:

Astillane – Dreaming (EP)
Fazit
Allein mit diesen sechs Songs auf Dreaming haben die Jungs von Astillane schon mal gezeigt, wie variabel sie aufgestellt sind. Wenn sie da in Zukunft vielleicht die Grenzen noch mehr ausreizen und noch ein wenig mehr über den Tellerrand schauen, wird's dann sicherlich auch noch interessanter. Das Rad neu erfunden haben sie mit Dreaming nicht, können aber in dem großen Meer an ähnlichen Bands schon mal problemlos die Köpfe über Wasser halten. Wenn irgendwann endlich mal wieder Shows möglich sein werden, wird man mich in der ersten Reihe sehen - ich bin sehr gespannt, was die Jungs live abreißen!

Anspieltipps: Breathing Under Water, Ghosts und Boston
Heike L.
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