Axel Rudi Pell – Sign Of The Times

Ein passendes Geburtstagsgeschenk

Artist: Axel Rudi Pell

Herkunft: Bochum, Deutschland

Album: Sign Of The Times

Spiellänge: 54:50 Minuten

Genre: Hard Rock

Release: 08.05.2020

Label: Steamhamer/SPV

Link: https://www.axel-rudi-pell.de/

Bandmitglieder:

Gitarre – Axel Rudi Pell
Gesang – Johnny Gioeli
Bassgitarre – Volker Krawczak
Schlagzeug – Bobby Rondinelli
Keyboards – Ferdy Doernberg

Tracklist:

  1. The Black Serenade
  2. Gunfire
  3. Bad Reputation
  4. Sign Of The Times
  5. The End Of The Line
  6. As Blind As A Fool Can Be
  7. Wings Of The Storm
  8. Waiting For Your Call
  9. Living In A Dream
  10. Into The Fire

Im Mai, und nicht Ende April, wie im Vorfeld angekündigt, kommt das neue und inzwischen 16. Studioalbum von Axel Rudi Pell in die Läden, sofern die denn geöffnet haben. Gerade hat er noch sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert, nun legt ein Werk vor, das sich ganz deutlich an dem Hard Rock der Achtziger orientiert. Damit macht er sich zu seinem anstehenden 60. Geburtstag ein feines Geschenk. Das Personalkarussell hat sich auch noch nicht weiter gedreht und so sind seit den letzten vier Alben die üblichen Verdächtigen dabei. Der Opener ist ein reines kurzes instrumentales Intro, das aber hier vernachlässigt werden kann, obwohl es gut gemacht ist. Dann wird mit Gunfire der eigentliche Opener der Scheibe abgeliefert. Der Double Bass Hammer geht direkt in die Vollen und beschert uns eine volle Packung anständigen, schnell gespielten Hard Rock. Auffällig ist die Nähe zu den Größen der Siebziger – hier sei Deep Purple genannt. Der schnelle Track mit den deutlichen Hammondorgel-Sequenzen von Ferdy Doernberg und auch das gesamte Rhythmusgefüge erinnert schon sehr stark an die Urgesteine. Johnny Gioeli liefert auf den Punkt ab und auch Axel packt ein sauberes Solo darauf. Dadurch ist das einer der besten Opener seit Langem.

Weiter geht das muntere Spiel. Bad Reputation, mit einer eingängigen schönen Melodie und Titeltrack Sign Of The Times, der sehr episch aus den Boxen schallt, lassen die Band in einem guten Licht dastehen. Gerade Letzteres ist in einem doch typischen Axel Rudi Pell Stil und mit knapp über sieben Minuten das längste Stück auf der Scheibe. Bestechend ist Gioeli, der mit seiner ausdrucksstarken Stimme hier für ein gutes Feeling sorgt. Das wieder etwas schnellere The End Of The Line liefert erneut einen guten Chorus und gefällt auf der ganzen Linie. Auch hier ist die Nähe zu den achtziger Jahre Classic Rock Bands nicht von der Hand zu weisen. Das schadet aber nicht, sondern ist gefällig und passt zu der Band, die daraus ja auch keinen Hehl macht. Es folgt eine waschechte Ballade, die die bisher ansonsten flotte Geschwindigkeit der Scheibe deutlich runterfährt. As Blind As A Fool Can heißt das Stück und ist wie gemacht für Sänger Johnny und Gitarrist Axel. Beide wechseln sich in der Führungsrolle ab und lassen den Song dadurch harmonisch wirken. Das dürfte auf der nächsten The Ballads Compilation von ihm zu finden sein. Schön gemacht.

Sieht man diesen Song so als Mitte der Scheibe an, folgen nun Tracks, die ein wenig abweichen. Bei Wings Of The Storm wird man an die Coverdale/Hughes Ära erinnert. Wieder sorgt das Keyboard von Ferdy für die aufkommenden Erinnerungsfetzen. Dazu gibts den passenden Rhythmus von Bobby Rondinelli und Volker Krawczak und fertig ist ein Stück, das auf Burn oder Stormbringer gepasst hätte. Bevor das überraschende Reggae Intro von Living In A Dream erklingt, kommt mit Waiting For Your Call noch ein Stück, bei dem (mal wieder muss man sagen) Johnny Gioeli mehr als nur überzeugen kann. Er ist auf Platte und auf der Bühne das Aushängeschild der Truppe und liefert eine der besten Sangesleistungen auf diesem Longplayer ab. Das abschließende Into The Fire ist nochmals stark episch angehaucht, ohne schwülstig zu wirken, und wird auch nicht ausufernd in die Länge gezogen. Guter Abschluss einer insgesamt starken Scheibe.

Axel Rudi Pell – Sign Of The Times
Fazit
Mit seinem 16. Album zeigt Axel Rudi Pell, dass noch lange nicht Schluss ist. Gekonntes Songwriting, das gerade Johnny Gioeli zugutekommt und ein sich zurücknehmen von zu viel Gitarrensoli, sind der Qualität dienlich. Die deutlichen Verneigungen vor den Größen des Hard Rock der Achtziger und Siebziger ist zu spüren und zeigt auf, wo die musikalischen Wurzeln liegen. Das ist nicht weiter schlimm, haben diese doch ein beachtliches Vermächtnis hinterlassen, dem immer wieder gedacht werden darf. Einen großen Qualitätsverlust konnte ich auf der gesamten Scheibe nicht feststellen. Was mir etwas fehlt, sind Ecken und Kanten. Die gesamte Platte erscheint wie eine gleichmäßige Sinuskurve mit ein oder zwei Peaks und ist daher mehr im Mainstream angesiedelt. Trotzdem eine reife Leistung.

Anspieltipps: Gunfire, Into The Fire und Wings Of The Storm
Kay L.
8.5
Leser Bewertung7 Bewertungen
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