Axxis und Vice am 14.09.2019 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

30 Years Of Axxis konzentriert sich auf die Anfangszeit ...

Event: 30 Years Of Axxis Tour 2019

Headliner: Axxis

Vorgruppe: Vice

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 14.09.2019

Genre: Hardrock, Melodic Rock, Heavy Rock, Melodic Metal, Rock, Party Rock

Besucher: 300-350

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/318848502164945/

Setlisten:

Vice:
01. I Hate Myself For Loving You (Joan Jett & The Blackhearts Cover)
02. Turn It Up
03. Hot Summer Night Party
04. Dirty Mind
05. License To Rock
06. Open Eyes
07. 3 Fingers Up
08. Shitty Shituation
09. Multiply Show
10. Made For Pleasure
11. Fuck U

Axxis:
01. Rolling Like Thunder
02. Little War
03. Brother Moon
04. Love Is Like An Ocean
05. Stay Don`t Leave Me
06. C`est La Vie
07. Save Me
08. Drum Solo
09. Trash In Tibet
10. Medley: Ships Are Sailing / Touch The Rainbow
11. Face To Face
12. Young Souls
13. Kings Made Of Steel
14. Little Look Back
15. Fire And Ice
16. Living In A World
17. Kingdom Of The Night

Irgendwann in der frühen Steinzeit, so um 1988, formierten sich Bernhard Weiss (Vocals), Walter Pietsch (Guitar), Werner Kleinhans (Bass) und Richard Michalski (Drums) und gründeten die Melodic Metal-Band Axxis. Gleich mit ihrem ersten Demo Tears Of The Trees kamen sie beim Major EMI Electrola unter und sorgten da für ziemlichen Wirbel, denn das 1989er Debütalbum Kingdom Of The Night verkaufte sich wie geschnitten Brot und ging weit über 100.000 Mal über die Theke der örtlichen Platten-Dealer. Die Band, dessen Erkennungsmerkmal die markante und hohe Stimme von Sänger Bernhard Weiss war, erreichte auf Anhieb einen nicht unbeachtlichen Bekanntheitsgrad in der deutschen Rockszene und wurde sogar für das bestverkaufte Debütalbum einer deutschen Rockband aller Zeiten ausgezeichnet. In den folgenden Jahren konnten die Dortmunder durchaus kommerziell an den Erfolg anschließen, doch immer wieder wurden auch Vorwürfe laut, dass sich die Ruhrpott-Jungs zu sehr dem Mainstream anbiedern würden.

30 Jahre später sind Axxis immer noch aktiv und immer noch ist es der solide Melodic Heavy Rock, mit der markanten Stimme von Bernhard Weiss, der überzeugt. Von den Original-Bandmitgliedern ist heute nur noch Frontmann Weiss dabei, doch sonst hat sich nicht wirklich viel geändert. Aktuell sind die Jungs auf der 30 Years Of Axxis-Jubiläumstour und nehmen die Fans mit auf eine Zeitreise durch die Bandgeschichte. Unterstützt werden sie dabei von den Happy Metallern Vice aus München.

Ich bin ein wenig überrascht, als ich gegen 19:15 Uhr an der Konzertfabrik Z7 ankomme, denn es ist überraschend wenig los. Das Konzert findet offenbar nur im Mini-Z7 statt, was dafür spricht, dass der Ticketvorverkauf nicht besonders gut gelaufen ist. Die Bands spielen heute zwar auf der normalen und großen Z7-Bühne, aber ein Teil der Konzert-Location wurde durch Trennwände abgeteilt, sodass auch bei wenigen Besuchern eine intime Konzertatmosphäre entstehen kann. Auf einem Samstagabend hätte ich durchaus mit mehr Besuchern gerechnet, aber der Grund für das geringe Interesse könnte sein, das Axxis heute seit 2011 zum insgesamt vierten Mal in Pratteln vorbeischauen.

Der Abend beginnt um etwa 20:15 Uhr mit gut 15 Minuten Verspätung und der Band Vice. Viele Jüngere werden garantiert noch nie von den Bayern Vice gehört haben und ich muss ganz ehrlich zugeben, auch ich hatte die Band längst nicht mehr auf dem Schirm und sie als tot abgehakt und Ad acta gelegt. Die Band ging gegen Ende der 80er Jahre mit Gitarrist Jörg Hargesheimer aus den deutschen T.N.T. hervor und bestand des Weiteren aus Bassist Peter Juhre, Schlagwerker Roland Schmidt, Gitarrist Chris Limburg und Sänger Jan Ghiantinie. Das Debütalbum Made For Pleasure schlug 1988 ganz ordentlich ein und brachte den Jungs einen gewissen Bekanntheitsgrad ein, der bis heute noch nicht ganz vergessen ist. Mit dem bescheuertesten Rock-Album-Cover aller Zeiten, Fön-Frisur, Spandex-Hosen und jeder Menge grellbunter Farben brachten Vice den Glam Metal nach Bayern und entwickelten sich vor allem in der bayrischen Landeshauptstadt zu einer echten Szenegröße. Es folgten Konzerte in ganz Europa, Chart-Erfolge und die Etablierung des Begriffes Happy Metal. Nach über 20 Jahren Schaffenspause sind die alten Helden nun seit 2017 und dem Album Veni Vidi Vice zurück und wollen es offenbar noch einmal wissen. Aktuell wurde in diesem Jahr der Longplayer 3 Fingers Up rausgehauen. Von den Original-Bandmembern ist nur noch Gitarrist Chris „Yps“ Limburg übrig, der aktuell von Mario Michel (Vocals), Sebi Weininger (Bass) und Andy Eugster (Drums) unterstützt wird.

In den Konzertabend steigen die Bayern mit dem Joan Jett-Track I Hate Myself For Loving You ein und sorgen damit vom ersten Moment an für gute Laune. Turn It Up, Hot Summer Night Party (neue Version) und Dirty Mind stammen dann vom 2017er Album Veni Vidi Vice und schnell ist klar, dass die Band, die früher für Spaß, Party und gute Unterhaltung stand, sich nicht wesentlich verändert hat. Ich bin mit dem neueren Material überhaupt nicht vertraut, doch auch heute noch klingen Vice fröhlich und unbeschwert und transportieren die positiven Vibes der 80er und 90er Jahre in die Gegenwart und laden zum Feiern ein. Die Band, allen voran Frontmann Mario „Mitch“ Michel, ist ziemlich agil unterwegs und animiert die Besucher zum mitmachen und die lassen sich auch nicht lange bitten. Hier zeigt sich sehr gut, es braucht kein riesengroßes Publikum, um eine fröhliche Rock-Party zu feiern. Mit Hardrock und Metal hat das alles hier nicht wirklich viel zu tun und der charismatische Frontmann stellt auch selbst klar, dass man sich als Party-Rock-Band versteht. Auch das Backdrop „Vice … are you ready to party?“ sagt alles. Das alles ist nicht wirklich meins, aber die Songs gehen gut nach vorn und machen klar, das der älter gewordene Chris Limburg, der die Nummern auch alle geschrieben hat, und die ansonsten verjüngte Truppe den Spaß an der Party-Mucke nicht verloren haben. Auch Licence To Rock vom ganz aktuellen Album 3 Fingers Up und die 2017er Single Open Eyes sind Gute-Laune-Rocker, die vom Schweizer Publikum gut aufgenommen werden, obwohl die Nummern qualitativ nicht mit dem frühen Material mithalten können. Während des Titelsongs 3 Fingers Up streckt Mitch ständig die drei Finger zur Hallendecke und versucht das Publikum zum Mitmachen zu animieren, während die Band dazu mit einsteigt und applaudiert. Der Sound wird heute nicht mehr das ganz große Ding, aber als Opener, oder für Betriebsfeiern und Stadtfeste reicht es immer noch. Mit Shitty Shituation verliert man dann leider etwas den roten Faden, denn die Nummer geht fast ein Stück in Richtung New Metal und wartet mit einer Art Sprechgesang auf. Wie es die Nummer auf die Setlist geschafft hat, ist mir ein Rätsel, denn sie ist ein Stimmungskiller. Auch Multiply Show kann nun nicht mehr so richtig zünden, doch mit dem Oldie Made For Pleasure vom Debütalbum aus 1988, der für 3 Fingers Up neu eingespielt wurde, können die Bayern dann das Ruder noch einmal herumreißen. Offenbar hat man gemerkt, dass man die Stimmung nicht mehr weiter aufrecht erhalten kann, und hat darauf reagiert, denn Made For Pleasure stand eigentlich als letzter Song des Gigs auf der Setlist. Nun hat man ihn vorgezogen und tatsächlich steigt das Stimmungsbarometer noch einmal an, bevor dann zum Schluss das heftige Fuck U nur noch bedingt begeistern kann. Zehn Minuten nach der Show steht die Band dann am Merch-Stand für das Publikum zur Verfügung und immerhin sind die Jungs ein paar Minuten mit Autogrammen und Fotos beschäftigt.

Danach ist es dann an der Zeit für Axxis, die um kurz vor halb zehn die Bühne betreten und gleich mit dem 1990er Klassiker Rolling Like Thunder von Axxis II in ihr Set einsteigen. Die Stimmung ist gleich eine ganz andere und die Ruhrpöttler haben das heute überschaubare Publikum sofort im Griff. 30 Jahre Axxis, doch Bernhard Weiss (Vocals), Matthias Degener (Guitar), Rob Schomaker (Bass), Harry Oellers (Keyboard) und Dirk Brand (Drums) präsentieren sich zu Beginn nicht als alternde Band, sondern als gut aufeinander eingespielt und wie gerade frisch dem Jungbrunnen entsprungen. Mit Little War und Brother Moon geht es dann zu The Big Thrill und ins Jahr 1993, bevor dann mit Love Is Like An Ocean ein erster Song des Sensations-Debüts aus dem Hut gezaubert wird. Nach fast jedem Song hat Bernhard irgendwelche Anekdoten aus der 30-jährigen Bandgeschichte zu erzählen und so kriegt auch die EMI ihr Fett weg, mit der die Ruhrpöttler Ende der 80er so richtig durchstarteten. Mann kann von Bernhard Weiss menschlich halten, was man will, aber Fakt ist, er ist ein geborener Entertainer, der auf die Bühne gehört. Natürlich darf in diesem Reigen bunter Melodien auch Stay Don`t Leave Me nicht fehlen, der große Hit aus The Big Thrill. Spätestens jetzt ist auch der letzte Schweizer wach und grölt den Song mit. Auch wenn nur etwa 350 Leute vor der Bühne stehen, so ist die Stimmung ausgelassen und die Axxis-Fans sind in Feierlaune. Mit C`est La Vie ist man dann erstmals bei Matters Of Survival angekommen. Für viele ganz offenbar ein Moment zum Luft und Getränke holen, denn der Track ist definitiv eine der schwächeren Nummern im Set. Ich persönlich konnte mit dem ganzen Album nicht viel anfangen, disco-kompatible Songs mit Schlagertexten und einer etwas härteren Gitarre und einem Bernhard Weiss, der den Heldentenor spielt, doch Axxis kehrten sich schon immer einen Scheißdreck um den derzeitigen Zeitgeist und zogen ihr eigenes Ding durch. Mit Save Me ist man dann aber wieder in der Spur und das Z7-Publikum singt den Axxis II-Song lautstark mit. Die einfach gestrickten, eingängigen Hardrock-Nummern haben der Band seit jeher am besten zu Gesicht gestanden. Im Anschluss darf dann Dirk Brand, der Mann hinter der Schießbude, sein Können unter Beweis stellen und es bleibt definitiv kein Auge trocken. Der Mann ist ein musikalisches Chamäleon, der jeden Tag ein anderes Gesicht an den Tag legen kann. Er liefert immer wieder Live-Dance-Beats auf diversen Elektro-Festivals ab und steht, b. z. w. sitzt, gelegentlich mit Schlagerstars wie Jürgen Drews auf einer Bühne. Er ist gern gesehener Gast auf Drum-Festivals oder im Drum-Camp auf der Frankfurter Musikmesse. Zudem ist er passionierter Jazzer und sitzt, ganz im Gegenteil zu alldem, hinter seinem gigantischen Axxis-Drumset und drischt wie ein Derwisch auf seine Felle ein. Egal, was er tut, das Publikum ist begeistert, so auch heute im Z7. Über Trash In Tibet geht es dann direkt in das Medley Ships Are Sailing / Touch The Rainbow und man kommt so langsam in das Fahrwasser der großen Über-Hits. Die Hardcore-Fans in den ersten Reihen rasten nahezu aus und für viele gibt es jetzt kein Halten mehr. Mir reicht es jedoch langsam und ich ziehe mich in den Thekenbereich und zu einer gut gekühlten Gerstenkaltschale zurück. Natürlich folgen jetzt noch die ganz großen Hits wie Kings Made Of Steel, Fire And Ice, Living In A World und Kingdom Of The Night und auch noch ein paar andere Nummern, doch zeitlich gesehen geht man nicht mehr über Axxis II hinaus. Überhaupt bin ich überrascht, dass man im Laufe des Abends nie über Matters Of Survival hinaus ging, erwartet hatte ich eine Zeitreise durch alle Alben, von Kingdom Of The Night bis hin zum aktuellen Output Monster Hero, doch offenbar wissen die Herren sehr genau, das spätestens nach The Big Thrill die Luft raus war und dass die Fans eh nur das alte Zeug hören wollen. Gut so, denn so erlebte das Publikum ein tolles Konzert in einer klasse Location, an das man sich gerne zurückerinnert.

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