Bestialis – Ritus (EP)

Legt die Messlatte schon mal sehr hoch auf

Artist: Bestialis

Herkunft: Münster, Deutschland

Album: Ritus (EP)

Spiellänge: 16:42 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 13.11.2020

Label: Vendetta Records

Link: https://www.facebook.com/bestialisofficial

Bandmitglieder:

Gesang, Backgroundgesang und Percussion – Lastaurus
Gitarre, Bassgitarre, Percussion und Backgroundgesang – Absorber
Schlagzeug und Samples – Bestialis (mit Hilfe von O Grego)

Tracklist:

  1. Incensio (Prelude)
  2. Re-Incantation
  3. Ur-Veneration
  4. Non-Domestication: Fall Of Gilgamesh

Nachdem Lastaurus und Absorber schon seit über 20 Jahren als Musiker aktiv und auch beide Teil des Culthe Kollektivs (Culthe Fest, Münster) sind, war es vielleicht tatsächlich mal fällig, gemeinsam ein Album einzuspielen. Wie auch beim Culthe Fest liegen die Wurzeln der Musik von Bestialis dabei im traditionellen Black Metal, aber sowohl die Line-Ups des Culthe Fests als auch die Songs von Bestialis zeigen, wie facettenreich der Black Metal ist. Das kann man allein schon auf der ersten EP Ritus hören, die am 13.11.2020 über Vendetta Records veröffentlicht wurde. Das Full Length-Album ist auch schon in Arbeit, da freue ich mich, so viel darf ich schon verraten, nach dem Hörgenuss von Ritus schon sehr drauf.

Der Opener Incensio (Prelude) führt zunächst einmal an ein Lagerfeuer – das knisternde Holz im Hintergrund und das langsame, repetitive Spiel der akustischen Gitarren tragen den Song fast ganz allein. Nur für knapp 30 Sekunden steigen auch Bass und Schlagzeug ein, bevor sie sich wieder zurückziehen und den akustischen Gitarren den Platz am Feuer lassen. Dann stürmt auch schon Re-Incantation aus dem Unterholz und startet so, wie ich Black Metal liebe. Uptempo, Blastbeats, knurrender Gesang, zu Beginn noch wunderbar begleitet von schönen Clean Vocals. Aber hier wird nicht stumpf durchgeprügelt, es ist Zeit für die erste Bridge (mit einem großartigen Bassspiel), bevor es in ein vor großartigen Riffs nur so strotzendes Midtempo übergeht. Bereits hier kann man auch schon die klasse Produktion bewundern, dank der man jeden einzelnen Schlag auf die Drums und jedes Zupfen an den Saiten klar und deutlich heraushört. Dazu darf man O Grego auf die Schulter klopfen, der alles gemixt und gemastert hat.

Etwas düsterer und in vergleichsweise verhaltenem Tempo kommt dann Ur-Veneration an den Start. Aber auch bei dem längsten Song der EP haben sich Bestialis einiges einfallen lassen, um die Abwechslung hochzuhalten. Auf die Idee, den pumpenden Bass mit akustischen Gitarren zu kombinieren und das Ganze mit verschiedenen verfremdeten Gesangsparts zu garnieren, die wie wild durch den Raum wabern, muss man erst mal kommen. Auch mit verschiedenen, wohldurchdachten Tempowechseln kann Ur-Veneration punkten.

Bei den ersten Tönen von Non-Domestication: Fall Of Gilgamesh fällt mir dann sofort einer meiner Favoriten im Black Metal ein, nämlich die aus dem Nahen Osten stammende Band Melechesh. Leicht orientalisch klingt es bei diesem zunächst im Midtempo gehaltenen Track aus den Kopfhörern. Aber genauso rasant, wie die Finger von Melechesh-Frontmann Ashmedi über die Saiten flitzen können, führt auch dieser Song mit facettenreichen Riffs durch die persische Mythologie. Dabei könnte man fast die Bassgitarre und das Schlagzeug aus den Augen – oder sagt man hier „aus den Ohren“? – verlieren, aber natürlich nur fast. Dass der Song die EP akustisch ausklingen lässt, wundert mich dann auch nicht mehr.

Auf der Bandcamp-Seite von Bestialis (https://bestialis.bandcamp.com) kann man sich die EP anhören und dann natürlich auch gern zulegen. Auch auf YouTube ist die komplette EP zu hören:

Bestialis – Ritus (EP)
Fazit
Da haben wirklich alle, die an dieser EP beteiligt waren, in diesen ungewöhnlichen Zeiten ein großartiges Werk erschaffen. Wie schon geschrieben, bin ich sehr auf das Full Length-Album gespannt, aber allein mit diesen Songs bewegen sich Bestialis auf einem sehr hohen Level. Da brauchen sie zu einigen etablierten Bands gar nicht mehr so hoch aufzuschauen.

Anspieltipps: Alles, wobei Re-Incantation mein Favorit ist
Heike L.
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