Blue Öyster Cult – The Symbol Remains

Bleibt nur das Symbol übrig oder überzeugen BÖC nach fast 20 Jahren ohne neues Material auch musikalisch?

Artist: Blue Öyster Cult

Herkunft: Long Island, New York, Amerika

Album: The Symbol Remains

Spiellänge: 55:27 Minuten

Genre: Hard Rock, AOR

Release: 09.10.2020

Label: Frontiers Music s.r.l.

Link:  http://www.blueoystercult.com/

Bandmitglieder:

Gesang, Rhythmusgitarre, Tasteninstrumente – Eric Bloom
Gitarre, Gesang, Synthesizer – Donald „Buck Dharma“ Roeser
Tasteninstrumente, Gesang, Gitarre – Richie Castellano
Schlagzeug – Jules Radino
Bass – Danny Miranda

Tracklist:

  1. That Was Me
  2. Box In My Head
  3. Tainted Blood
  4. Nightmare Epiphany
  5. Edge Of The World
  6. The Machine
  7. Train True (Lenni’s Song)
  8. The Return Of St. Cecilia
  9. Stand And Fight
  10. Florida Man
  11. The Alchemist
  12. Secret Road
  13. There’s A Crime
  14. Fight

Bereits seit 1967 gibt es Blue Öyster Cult und die haben in den frühen Siebzigern, genauso wie viele Andere, ihre größten Erfolge gefeiert. Die Erfinder des Umlautes in der Rockmusik haben in ihrer frühen Phase mit Astronomy und Me 262 den Stil des psychedelisch angehauchten Westcoast-Rock zelebriert. Buck Dharma als Gitarrenhexer und Eric Bloom als Sänger gaben damals bereits den Ton an, auch wenn die Künste des verstorbenen Allen Lanier und der Bouchard Brüder nicht minder wichtig waren. Nach den ersten drei Alben erschien 1976 Agents Of Fortune und 1977 Spectres  mit denen der bis dato eingeschlagene Kurs verlassen wurde. Sie avancierten zu einer klassischen Hard Rock Band und schufen mit dem Song (Don’t Fear) The Reaper einen noch heute oft gespielten Klassiker. Bereits in der frühen Phase waren ihre Shows energiegeladen und nicht selten standen drei Gitarristen und ein Bassist vorne am Bühnenrand und feuerten ihre Heavy Klangsalven in die Menge. Ein eindrucksvolles Zeugnis davon ist die Livescheibe On Your Feet Or On Your Knees.

Nach 19 Jahren und dem letzten Studioalbum Curse Of The Hidden Mirror von 2001 wollen es die gereiften Herren noch mal wissen. Zwar gab es in den vergangenen Jahren diverse Liveauftritte und daraus resultierend auch Platten, die das 40-jährige und das 45-jährige Jubiläum feierten, aber ansonsten war neues Material der amerikanischen Hard Rock Legenden Mangelware. Der Grund dafür ist ganz einfach. Es gab kein Plattenlabel, das BÖC unter Vertrag nehmen wollte, um ein neues Album zu produzieren. Frontiers Music hat sich nun des Urgesteins angenommen und für das Veröffentlichen einer neuen Platte leichten Druck ausgeübt. Die liegt nun vor und beinhaltet 14 Songs, von denen einige bereits etwas betagter sind und andere neu geschrieben wurden. Back To The Roots oder doch neue Klänge? Wir werden sehen.

Auffallend ist der fehlende rote Faden, was aber an den zeitlichen Abfolgen der Komposition liegen mag. So vereinen sich u.a. eine jazzige Rockabilly Nummer mit schnörkellosen Rocksongs, wenigen Hard Rock Perlen, poppigen Klängen und auch mal einem Heavy Metal Riff. Das ist dem Umstand geschuldet, dass sich die drei Songschreiber in ihrem Kämmerlein hingesetzt haben, und ohne Zutun der anderen Songs kreiert und aufgenommen haben. Das wurde dann ins Studio zu Richie Castellano geschickt, der das nur noch abgemischt hat. Das Ergebnis ist also auch dem Umstand geschuldet, das Corona ein direktes Treffen der Musiker verhinderte. Dadurch kommt der Hörer aber in den Genuss – oder auch in die Bedrouille mit den Songs. Bereits der Opener That Was Me geht aber voll ins Ohr und der „Böse Jungs“ Text macht den Einsteiger interessant. Das dachten sich Eric und Buck wohl auch und haben den als Single veröffentlicht. Danach wird es mit Box In My Head fast schon poppig, bevor die Powerballade Tainted Love das schnell vergessen macht. Der Ausflug mit jazziger Gitarre in Nightmare Epiphany ist zweifelsfrei gewöhnungsbedürftig, aber der Chorus ist typisch Blue Öyster und erinnert leicht an The Reaper.

Die Mitsingnummer Egde Of The World und das darauffolgende The Machine sind Tracks, die sich gut auf einer großen Bühne machen. Das könnte guten Stadionrock abgeben, leider dürften die Herren die großen Arenen nicht mehr füllen. Es gibt auch mal wieder einen Song, der dann etwas anders gestrickt ist. Train True ist so einer. Das, was da gespielt wird, ist Rock ’n‘ Roll mit Mundharmonika und interessantem Schlagzeugspiel. Einige Sequenzen erinnern unweigerlich an frühe Songs. Ebenso kann man bei The Return Of St. Cecilia einen Ausflug in die erfolgreichen Alben der Siebziger annehmen. Buck Dharma dürfte hier maßgeblich die treibende Kraft gewesen sein, denn sein Spiel erinnert stark an Songs von Tyranny And Mutation. Stand And Fight ist ein düsterer Song, der deutliche Metalzüge aufweist – aber das macht ihn noch lange nicht zwingend gut. Dann wird es sommerlich leicht und flockig. Florida Man erinnert so gar nicht an die Hard Rock Fähigkeiten der Band, sondern ist eher so locker aus der Hüfte geschossen. Das hätte auch von einem Chris Rea stammen können. Nun folgt mit The Alchemist ein Track, der all das vereint, was man mit Blue Öyster Cult verbindet und wird zu meinem Highlight der Platte. Eine klassische Hard Rock Nummer mit einer tollen Hookline, mächtigen Gitarren und einer super Melodie. Davon ein paar Songs mehr, dann wäre The Symbol Remains, neben Whoosh von Deep Purple, mein Top Favorit des Jahres. Das anschließende Sacred Road kann da nicht mehr mithalten und wird zu einem netten, normalen Rocksong. Die leichten psychedelischen Orgelklänge im Refrain retten noch was, aber ansonsten… Auch das folgende There‘ s A Crime kann nicht überzeugen. Letzter Song Fight ist dann noch mal ein typisches BÖC Stück, das einen guten Eindruck hinterlässt. Das soll ja auch eine Aufgabe eines letzten Tracks sein.

Blue Öyster Cult – The Symbol Remains
Fazit
Solides Album, das ruhig kürzer gefasst hätte werden können. Der ganz große Wurf ist nicht gelungen, aber es ist ein atmosphärisch dichtes Album, das mit einigen richtig guten Songs aufwartet und zeigt, dass die Herren ihr Handwerk noch immer verstehen. Vielseitig, überraschend und mutig gehen sie hier vor. Es gibt auch ein, zwei Ohrwürmer - leider aber auch poppige Varianten, die dann für Stirnrunzeln sorgen. Handwerklich ist es eh solide Kost und wer die Jungs mag, der kann sich hier nach einer kurzen Zeit der Orientierung wiederfinden. Ich mag gute 70 % der Scheibe. Das ist mehr als bei einigen anderen Bands.

Anspieltipps: That Was Me, Tainted Blood und The Alchemist
Kay L.
8.5
Leser Bewertung1 Bewertung
4.9
8.5
Punkte
Podcast
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