Blues Pills – Holy Moly!

Das dritte Album, so sagt man, entscheidet, ob eine Band es schafft oder nicht. Gilt dies auch bei Holy Moly!?

Artist: Blues Pills

Herkunft: Örebro, Schweden

Album: Holy Moly!

Spiellänge: 41:30 Minuten

Genre: Rock, Blues Rock

Release: 21.08.2020

Label: Nuclear Blast

Link: https://bluespills.eu/

Bandmitglieder:

Gesang – Elin Larsson
Gitarre – Zack Anderson
Bassgitarre – Kristoffer Schander
Schlagzeug – André Kvarnström

Tracklist:

  1. Proud Woman
  2. Low Road
  3. Dreaming My Life Away
  4. California
  5. Rhythm In The Blood
  6. Dust
  7. Kiss My Past Goodbye
  8. Wish I’d Now
  9. Bye Bye Birdie
  10. Song From A Mourning Dove
  11. Longest Lasting Friend

Gefühlt ist es erst höchstens zwei Jahre her, dass Blues Pills ihr Erfolgsalbum Lady In Gold veröffentlicht haben. Aber dem ist mitnichten so, denn seitdem sind bereits vier Jahre ins Land gezogen. Und nun, mit etwas Verzögerung, kommt das dritte reguläre Album der schwedisch/amerikanischen Band um Frontfrau Elin Larsson in die Läden. Nach der erfolgreichen Tour zum letzten Album ist es ruhiger um die Band geworden, was unter anderem auch am Tourstress lag. Des Weiteren haben Blues Pills einen Line-Up Wechsel durchgemacht. Gitarrenvirtuose Dorian Sorriaux hat die vier verlassen und Bassist Zack Anderson hat den Viersaiter gegen die Sechssaitige ausgetauscht. Am Bass steht jetzt Kristoffer Schander und der macht seinen Job gut. Das gesamte Album bietet wieder einen bunten Mix aus Soul, psychedelischen Momenten, Blues, Hard Rock und viel Seele. Allerdings ist die Gesamttendenz etwas härter und kraftvoller ausgefallen, was auch an den zu überwindenden Umständen liegen mag. Trotzdem bietet Holy Moly! (heißt so viel wie heiliger Bimbam) tolle, ausdrucksstarke Tracks und eine zu Höchstform auflaufende gereifte Sängerin.

Bereits der Opener Proud Woman bietet gute Riffkost und wurde bereits als Single ausgekoppelt. Elin singt mit viel Rock in der Stimme, und trotzdem kann man eine gute Menge an Soul raushören. Inhaltlich gibt’s ein Statement, das bereits für viel Diskussionsstoff sorgte. Gerade Frauenhasser haben sich bei diesem Titel angegriffen gefühlt und haben ihrem Ärger in den sozialen Medien freien Lauf gelassen. Textlich dürfte hier viel Autobiografisches zugrunde liegen. Der Track bietet eingängige Hooks, die sich schnell festsetzen. Schon mal ein guter Einstieg. Dieser Stil setzt sich dann in den folgenden Tracks fort. Sei es Low Road, oder Dreaming My Life Away, die treibende Phalanx von Bass und Drums lässt die Songs vorangehen. Dazu gesellt sich das nicht ganz so selbstverliebte Gitarrenspiel von Zack, und das Ganze macht die Songs einfach kraftvoller und klarer. Ab und an klingen die noch von früheren Songs bekannten psychedelischen Spielereien an, sie sind aber nicht mehr so präsent. Mit California kommt eine Halbballade um die Ecke, bei der stimmlich die Nähe zu der Soul Diva Aretha Franklin oder auch zu Janis Joplin deutlich wird. Gefühlvolle, fast zarte Passagen wechseln sich mit markerschütternden Schreien ab und zeigen das Potenzial von Elin auf. Auch in der zweiten Ballade Wish I’d Know zeigt Frau Larsson ihre sentimentale Seite. Der leichte Gitarrenklang im Hintergrund macht deutlich, dass hier der Frontfrau der Raum gegeben wird, den sie benötigt und auch voll ausnutzt.

Die gesamte Platte glänzt durch viele wechselnde Momente, die sich zu einem passenden Ganzen zusammenfügen. Bei Rhythm In The Blood wird das geliefert, was der Titel aussagt. Viel Rhythm und dafür sorgt Zack mit einigen guten Licks. Der Vintage Rock Pfad steht den Blues Pills einfach gut. Das folgende Dust ist dann sehr bluesig und zeigt die Vielseitigkeit der Band auf, ohne dass hier ein Stilbruch zu bemerken ist. Das passt einfach zusammen. Die nicht ganz so ernste Seite zeigen sie dann mit Bye Bye Birdy, einem Track, der einem kleinen gelben Stoffvogel gewidmet wurde, der die ganze Zeit auf dem Mischpult die Aufnahmen begleitete. Der Song geht musikalisch voll in die Hard Rock Schiene und erinnert an die früheren Werke. Sehr gelungen. Mit den Songs From A Mourning Dove, inklusive eines beeindruckenden Gitarrensolos, und Longest Lasting Friend, einem Song, in dem Elin ihre immer wiederkehrenden Depressionen beschreibt, endet die dritte Platte von Blues Pills.

Blues Pills – Holy Moly!
Fazit
Wenn also das dritte Album über den Werdegang einer Band entscheiden soll, dann steht Blues Pills noch Großes bevor. Aus der ständig tourenden und live überaus präsenten Band ist eine ernsthafte Truppe geworden, die ihren Line-Up Wechsel genutzt hat, um daraus stärker als zuvor herauszugehen. Mit dieser Truppe wurde ein reifes und ausdrucksstarkes Album kreiert, das viel Beachtung erfahren dürfte. Das hat zwar etwas gedauert, aber das Ergebnis ist als außerordentlich gelungen zu werten. Abwechslungsreich, genreübergreifend und sauber produziert dürfte dies ein weiterer Meilenstein auf dem Weg nach ganz weit oben sein. Hoffentlich geht das in einem moderaten Tempo vonstatten, sodass sich die Band nicht aufreibt und Frontfrau Elin ihre Dämonen unter Kontrolle halten kann.

Anspieltipps: California, By Bye Birdy und Proud Woman
Kay L.
9.5
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9.5
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