Callejon & Support am 3. März im Jugendhaus Hallschlag, Stuttgart

„Callejon & Support am 3. März im Jugendhaus Hallschlag, Stuttgart“

Event: Fandigo Tour

Headliner: Callejon

Vorband(s): Annisokay, Improvement

Ort: Jugendhaus Hallschlag, Stuttgart

Datum: 03.03.2018

Kosten: 29,90 Euro zzgl. Gebühren, ausverkauft

Genres: Metalcore, Post-Hardcore, Rock

Link: http://www.callejon.de/

Callejon – dieses Wort steht für alle, die spanisch sprechen, für „Sackgasse“. In der Metal bzw. Metalcore Szene bedeutet dies eins: Eine Band, deutsche, harte Texte und eine garantiert geniale Liveshow. Die Jungs aus Nordrhein-Westfalen konnten sich schon längst über die Jahre fest in der Konzertlandschaft Deutschlands etablieren. Ihr aktuelles Album Fandigo feierte nicht nur letztes Jahr seine Veröffentlichung, sondern konnte sich auch auf Platz 9 der deutschen Albumcharts breitmachen – eine Tatsache, auf die Callejon als deutschsprachige Metalcore Band durchaus stolz sein kann. Zu Recht feierten sie diesen Erfolg mit eigener Headliner Tour, nachdem sie letztes Jahr bereits als Support von Papa Roach zu sehen waren. Zusammen mit Annisokay und Improvement werden sie folgende Städte unsicher machen:

22.02.2018 Dresden, Beatpol
23.02.2018 Nürnberg, Hirsch
24.02.2018 Wien, Flex
28.02.2018 Hamburg, Knust
01.03.2018 Berlin, Lido
02.03.2018 München, Backstage
03.03.2018 Stuttgart, Juha Hallschlag
08.03.2018 Frankfurt, Zoom
09.03.2018 Zürich, Dynamo
10.03.2018 Köln, Live Music Hall

Dass Callejon in der deutschen Szene nicht weiter einer Vorstellung bedürfen, wird spätestens während der Ankunft am Jugendhaus Hallschlag in Stuttgart am 3. März klar, wenn sich vor dem eher klein wirkenden Gebäude eine recht lange Schlange zieht und trotz eisiger Kälte so manche Fans dennoch in T-Shirt und Shorts warten. Ja, so ist das eben mit den guten Konzerten, man muss sich auch manchmal einreihen. Der Einlass geht aber auch vorbei und das Jugendhaus, welches sonst eher mit Kindern und Jugendlichen sowie Workshops aller Art aufzufinden ist, zeigt sich von innen doch mit recht ansprechender Größe. Die Merchstände der Bands findet man hier verteilt vor. Ganz praktisch, da so nicht alle Besucher vor einem Stand herumlungern. Die Bühne strahlt direkt von Beginn an mit einem sehr interessanten Bild aus verschiedenen Lichtern. Da kommt also etwas auf die Zuschauer zu.

Als Opener des Abends beteten Improvement die Bühne. Die Schweizer haben sich dem Metalcore verschworen, wenn auch etwas härter mal und dann zwischendrin dennoch Cleans ausgepackt werden. Und genau bei den Cleans fängt dann aber auch das Problem an, denn so richtig will das live noch nicht überzeugen, während die Screams und Breakdowns hier sitzen wie bei wahren Könnern. Auch scheinen die Wechsel etwas unpassend, sodass man auch etwas aus den Songs herausgerissen wird. Dennoch muss man es Improvement lassen, dass sie wissen, wie man einen Abend gut eröffnet. Mit Ansagen zu Annisokay und auch Callejon bringen sie die Zuschauer in Vorfreude und lassen sie sich schon einmal warmspringen. Ein wenig dürfen die Schweizer da noch an ihren Songs feilen, doch sie könnten sich bei positiver Entwicklung durchaus einen Stammplatz erspielen.

Die zweite Band des Abends ist dann schon eher kein Newcomer mehr, sondern, wie ich es immer leicht schmunzelnd sage, „die ewige Vorband“: Die aus Leipzig/Halle stammenden Metalcore Band Annisokay gehört zu diesen Bands, die eben nur in ganz kleinen Locations oder aber wirklich nur als Support anzutreffen sind. Nicht weiter schlimm, wäre da nicht das Set immer so verdammt kurz. Aber man nimmt ja, was man kriegen kann. Annisokay jedenfalls scheint dies nichts auszumachen, die Texte singt das Publikum trotzdem mit und auch der Mosh Pit wird endlich eröffnet. Sänger Dave überzeugt wie immer aufs Neue im gemeinsamen Gegenspiel mit Christoph an den Vocals und das Wechselbad zwischen schnellen und eher ruhigen Parts hat das Duo ohne Probleme drauf. Zugegeben, die Cleans kommen hier nicht ganz so stark heraus, wie es sonst auf der Platte der Fall ist, aber das liegt wohl auch mehr an der Instrumentation, als an der eigentlichen Darbietung. Jedenfalls dürfen die Herren von Annisokay immer gerne wieder kommen – auch gerne mal mit einem längeren Set, denn so hat man das Gefühl, dass fast nur Zeit für Klassiker ist.

Und mit Callejon steht dann auch schon der Headliner des Abends auf der Bühne – auch diese Gruppe gehört zu Solchen, welche gerne als Support oder auf Festivals anzutreffen sind, wodurch man doch immer irgendwie ein, zwei Songs misst. Nun auf der eigenen Fandigo Headliner Tour ist das natürlich nicht der Fall und so liefern die Jungs ein Set, welches neue Songs wie Utopia und Hölle Stufe 4 beinhaltet, aber natürlich die Callejon Klassiker schlechthin wie Porn From Spain (sowohl Teil als auch Teil 2), Utopia aber auch Kind Im Nebel nicht ausgelassen werden. Gott sei Dank, sind diese doch die Songs, die das Publikum so richtig in Aufruhr bringen, auch wenn die neuste Platte mir persönlich bisher am Besten gefällt.

Denn Fandigo zeigt sich eine ganze Ecke ernster, in sich gekehrter und ja, schlägt auch einmal ruhigere Töne an, die aber zu harmonierend wiedergegeben werden, sodass man sich nicht daran stören kann. Callejon wissen sich live wunderbar sympathisch zu geben. Ob mit schwarzer Kriegsmalerei im Gesicht, in der Zugabe mit abgefahrener alienartiger Maske, die Scheinwerfer ins Publikum wirft oder aber in dem Moment, als ein Bandmitglied dann noch auf den Schultern eines Fans durch den Raum getragen wird – dieser Abend zeigt sich in allem mehr als spektakulär und bleibt definitiv im Gedächtnis. Und Callejon machen zwar gerne mal einen auf hart und trashig wie mit Porn From Spain, womit ein wenig ein gewisses Eskimo Callboy Feeling aufkommt, doch spätestens bei Kind Im Nebel schmelzt jeder dahin – einfach herrlich.

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