Cirith Ungol – Half Past Human (EP)

Vier True Metal Perlen aus den 70ern

Artist: Cirith Ungol

Herkunft: Ventura, Kalifornien, USA

Album: Half Past Human (EP)

Spiellänge: 21:47 Minuten

Genre: Heavy Metal

Release: 28.05.2021

Label: Metal Blade Records

Link: https://www.facebook.com/cirithungolofficial

Bandmitglieder:

Gesang – Tim Baker
Gitarre – Greg Lindstrom
Gitarre – Jim Barraza
Bassgitarre – Jarvis Leatherby
Schlagzeug – Robert Garven

Tracklist:

  1. Route 666
  2. Shelob’s Lair
  3. Brutish Manchild
  4. Half Past Human

Es war eines der gelungensten Comebacks der letzten Jahre: Nach geschlagenen 29 Jahren „Pause“ brachten die Amerikaner von Cirith Ungol ein neues Album auf den Markt. Forever Black (zum Review) wurde von Fans und Kritikern gefeiert und fand sich zu Recht auf den vorderen Plätzen diverser Jahresrankings wieder.

Gut ein Jahr nach der Reunion bringt die Band eine neue EP namens Half Past Human auf den Markt. Darauf befinden sich vier rare Songs aus den Siebzigern, die neu interpretiert wurden und bisher noch auf keiner Studio-Veröffentlichung zu finden sind. Für den Sound ist Produzent Armand John Anthony (Night Demon, Bewitcher) verantwortlich. Keine Cirith Ungol Veröffentlichung wäre komplett ohne Michael Moorcocks Antiheld Elric von Melniboné, der von Künstler Michael Whelan in Szene gesetzt wurde. Neben dem Bandnamen, der aus Tolkiens Der Herr der Ringe entliehen wurde, ist das Fantasy-Paket also wieder komplett.

Sorry, liebe andere Bandmitglieder von Cirith Ungol, das größte Phänomen ist und bleibt die Stimme von Tim Baker. Der damalige Roadie der Band singt mit mittlerweile 64 Jahren genauso krass wie mit Mitte 20. Nachzuhören im Opener Route 666. Nachdem sich das Motorrad im Intro des Songs seinen „Highway To Hell“ bahnt, rocken die Riffs von Greg Lindstrom und Jim Barraza ebenfalls wie die Hölle. Danach steigt die „Sirene“ auf unnachahmliche Art und Weise ins Geschehen ein und verkörpert Charisma und Wahnsinn in einer Person. Typisch rockiger Cirith Ungol Song mit vielen Tempowechseln und melodischen Gitarrensoli.

Shelob (dt. Kankra) ist der Name der Riesenspinne aus HdR, die am Pass von Cirith Ungol (dt. Pass der Spinne) lebte und auf die Protagonisten Frodo und Sam traf. Shelob’s Lair boxt mich richtig aus dem Sattel: Was für eine unfassbar starke Melodie, dazu packende Riffs und zeitweise mehrstimmiger Gesang. Fantasy-Thematik und klassischer Heavy Metal – ich bin dabei.

Genauso rockig wie im Opener geht es in Brutish Manchild zur Sache. Dazu erinnern mich die Drums von Robert Garven, die auf den Punkt gespielt sind, an ganz frühe Fates Warning. Alle jüngeren Bands, die sich für unglaublich „true“ halten, sollten bei den Amerikanern einen Kurs zum Thema True Metal belegen. Dieser Sound an der Schwelle vom Hardrock zum Heavy Metal und dazu die Stimme von Mr. Baker – Metalherz, was willst du mehr? Das geht auch ganz ohne Gepose à la Manowar.

Der Titelsong Half Past Human markiert mit 7:24 Minuten auch den längsten Song der EP. Die Akustikgitarren zu Beginn versprühen 70er-Jahre Priest-Vibes. Nicht nur aufgrund der Songlänge handelt es sich hierbei um den progressivsten Song des neuen-alten Materials. Nach der getragenen ersten Hälfte spielt sich die Instrumentalfraktion in einen wahren Rausch und fordert Frontmann Tim Baker noch einmal zur Höchstleistung auf.

Cirith Ungol – Half Past Human (EP)
Fazit
Hier wurde keine Resteverwertung betrieben, sondern gute Songs entstaubt und neu aufgelegt. Klassischer Heavy Metal mit viel Rock 'n' Roll und einer Prise Old School Black Metal. Für gute Musik ist man niemals zu alt und gute Musik altert nicht. Fans von Cirith Ungol werden sich das Teil eh ins Regal stellen und alle, die mit dem Namen immer noch nichts anfangen können – „Join The Legion“.

Anspieltipps: Shelob’s Lair und Half Past Human
Florian W.
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