Coast Rock Festival 2019 am 28.09.2019 im Live Music Center Emden, Hinte

Ein spannendes Line-Up mit einem spielfreudigen Headliner

Festivalname: Coast Rock Festival 2019

Bands: Tankard, The Spirit, Master, The Idiots, Blood Fire Death, Disabuse, Blixxem, Modo, Blackdraft

Ort: Live Music Center Emden, Hinte

Datum: 28.09.2019

Kosten: 25,30 € VVK, 30,00 € Abendkasse

Genre: Death Metal, Thrash Metal, Heavy Metal, Metal

Veranstalter: S. Weddermann, Live-Music-Center und F. Kengels, Emder Event Service

Link: https://www.coastrock-festival.de/de/

Seit 2016 steigt in Ostfriesland das Coast Rock Festival. Die erste Auflage, noch unter freiem Himmel, wurde von einem schweren Unwetter heimgesucht, das kurz vor Ende an der Running Order genagt hat. Nach dem Debüt unter den Sternen ging es fix in das ansässige Live Music Center Emden, wo in diesem Jahr das dritte Mal die Türen für das Tagesfestival direkt an der Nordsee öffnen. Erstmals ist es zudem möglich, nach vorheriger Anmeldung und einer kleinen Gebühr von 5 Euro an der Halle zu zelten. Regnerisch, zwar nicht kalt aber doch recht klamm, hat von dieser neuen Möglichkeit unseres Wissens keiner gebrauch gemacht.

Den Anfang machen Blixxem. Die ersten eingekehrten Seelen begutachten die Emder Band, die als lokale Truppe den Anfang machen darf. Besser als noch vor ca zwei Jahren geht die Death Metal Kapelle zu Werke. Technisch gestärkt, könnte Sänger C aber mehr gucken lassen, trotzdem ein ganz engagierter Start in den langen Samstagabend. Ghosther darf man ruhig als speziell bezeichnen, zudem spielt der Sound den Deutschen nun wirklich nicht in die Karten. Daneben wirkt Frank am Bass ebenfalls nicht wirklich glücklich. Sängerin Jenny hat mit den Widrigkeiten noch am meisten zu kämpfen. Nichtsdestotrotz geben sie ihr Bestes.

Da Blackdraft die Reise nach Ostfriesland nicht antreten konnten, wird die Running Order am Anfang etwas gestreckt, um die Lücke zu schließen. Das Resultat: Ein lockerer Nachmittag, der den Ablauf eher positiv als negativ beflügelt. Disabuse dürfen zum Beispiel länger ran, das steigert das Publikum ungemein, das jedoch noch den Weg ins Innere der Halle finden muss. Viele Gäste haben den Weg nach Hinte erst gegen 15 bis 16 Uhr für sich entdeckt. Neben einem üppigen Bierstand punkten die Fischbrötchen und auch die Cocktails sind nicht zu verachten. Der Funke bei Disabuse möchte dennoch nur spärlich überspringen.

Das erste Highlight bildet Blood Fire Death. Am Anfang drehen die Musiker auf das Album Hammerheart ab. Die Bathory Tributeband aus Bruchsal, die seit 2010 ihr Unwesen treibt, weiß schnell zu begeistern. Mit dem über neun Minuten langen Epos Valhalla hauen sie erstmals einen raus. Die Stimmung steig und Ostfriesland beweist, das Metal auch in geselliger Runde einen hohen Partyfaktor abliefern kann. Egal, ob altes oder neueres Material – alles kling authentisch. Es dauert nicht lange, bis die Performance gehuldigt wird. Technisch wirklich gut umgesetzt, können alle Komponenten punkten. Sänger Marcel Mattner sagt, es gehe nicht um sie als Person, sondern rein um die Musik, die weiterleben muss. Genau da liegt ein sehr feines Detail, denn die Band lebt die Stücke ihrer Helden. Nebelwerfer zu Satan My Master verdunkeln die Atmosphäre. Marcel Mattner spaziert durch die Meute und bringt trotzdem die einzelnen Gesangsfarben auf den Punkt. Mit dem letzten Song The Lake hämmert ein spannendes Finale über die Köpfe des Publikums. Blood Fire Death werden ihrem Namen zu 100% gerecht und enttäusche Gesichter gib es daher keine.

Gerade sind The Spirit von Nuclear Blast zu AOP Records gewechselt und haben für 2020 neues Material angekündigt. Gut zweieinhalb Jahre nach der Eigenveröffentlichung drehen die Deutschen erneut auf. Die Band verfolgt weiter ihren Pfad zwischen melodischem Black und Death Metal. Im Rauch und Nebel verschleiert, versinken die Künstler in einem tiefen Smog. Technisch streifen sie die wilde Dissection Zeit und erzeugen skandinavische Atmosphären. Live haben sie ihre Vorzüge, kaltschnäuzig mit einer scharfen Klinge zwischen den Zähnen lassen sie nichts anbrennen und wollen neue Opfer finden. Cosmic Fear scheppert über den Hof, während das Emder Publikum immer weiter auftaut. Die Reihen stehen immer tiefer – ein gutes Feedback für MT, der nicht nur durch die Saiten seiner Gitarre pflügt, sondern auch gesanglich Nadelstiche setzt. Leichtes Knacken in den Monitoren soll der Performance nicht in die Parade fahren. Melodisch mit einem extrem bissigen Unterton geht mit Crowds Of Damnation die Sause zu schnell wieder vorbei.

The Idiots sind eine der ältesten deutschen Punkbands, die jedoch nicht nur links anzusiedeln ist, sondern auch metallische Klänge beherrscht. Es geht mehr ab, als ich persönlich gedacht habe. Der Song Plastik Generation wird vom Sänger Sir Hannes Schmidt dazu genutzt, um mit Plastiktüte überm Kopf den tiefgründigen Titel zu performen. Ansage: scheiß McDonalds und Co. Punkt. Kann man machen. Eigenwillig aber zielführend, die Männer aus Nordrhein-Westfalen. Punk Rock Queen spricht vor allem die Frauen an, die heiß darauf sind, auf die Bühne zu stürmen. Gleich zwei junge Damen tanzen hemmungslos auf den Brettern in Hinte. Gotteskrieger wird nachgelegt. Nucleare Waffen mögen The Idiots ebenfalls nicht. Im finalen Akt gibt es eine stattliche Bierdusche, die den Boden des Live Music Center Emden tief mit Gerstensaft tränkt.

Für die Todesblei Recken von Master fungiert diese Veranstaltung heute als Tour Opener, zudem hat der Mastermind Paul Speckmann persönlich Geburtstag, wenn das kein Grund zum Feiern gibt. Ein Abriss ist ohnehin garantiert, dafür steht der Amerikaner, der seit Jahren in Tschechien lebt, um den Todesblei über den Kontinent zu jagen. Auf dem von The Idiots rutschig gestalteten Boden ziehen die Anhänger kleine Circle Pit Kreise. Das Trio ist nicht das erste Mal in Ostfriesland. Mit im Schlepptau Alex Nejezchleba am Schlagzeug und Zdenek Pradlovsky an der Gitarre. Den Bass malträtiert natürlich wie gewohnt Paul selber. Kompromisslos mit feinen eher zufriedenen Konturen, hämmern Master die Salven in die ersten Reihen. Dadurch, dass sie bereits einen Tag eher angereist waren, wirken alle Protagonisten ausgeruht und überaus motiviert, vor ca. 200 Headbangern ihre Tracks aus der Anlage zu drücken. In Ostfriesland funktioniert nichts besser als Death Metal, was in diesem Augenblick noch mal unterstrichen wird.

Es wird nach Master noch eine Spur wilder – die Hessen Tankard stehen als Headliner auf dem Programm. The Morning After und der Klassiker der ersten Scheibe Zombie Attack, der 1986 die ganze Orgie erst ins Rollen gebracht hatte. Rules For Fuels springt da um ein paar Jahre in moderne, alkoholisch getränkte Thrash Metal Zeiten der Vollblut Musiker um Sänger Andreas „Gerre“ Geremia. Kaum passender der Evergreen Die With A Beer In Your Hand, der den Bann endgültig bricht. Mitte der Neunziger in der Thrash Metal Durststrecke, haben die Deutschen immer tapfer weitergemacht und wurden dafür spätestens in diesem Jahrzehnt belohnt. Die Fanschar kann immer noch erweitert werden und die Shows stehen für ein körperbetontes Fest mit Stücken wie Pay To Pray. Bei Metal To Metal geht es richtig rund und wird dem Ruf der Alcoholic Metal Gruppe absolut gerecht. Alle Kräfte raufbeschworen geht es in ein noch wilderes Finale, das noch lange nicht zu Ende ist. Trotz der Größe der Veranstaltung oder gerade deshalb zeigen die vier Künstler, was sie drauf haben. Wenn eine Band den Metal lebt, dann sind es die Hessen aus Frankfurt am Main, die bis zum letzten Takt wie Berserker über die Bühne sprinten. Ostfriesland liegt Tankard zu Füßen, die ohne Abstriche ihr Set in bester Manier, wie sie es immer tun, zum Besten geben.
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