Coheed and Cambria + Support am 14.06.2017 in der Essigfabrik, Köln

“Und am Ende wurde doch noch alles gut

Eventname: „Neverender GAIBS IV“

Künstler: Coheed & Cambria (USA)

Vorbands: Dinosaur Pile-Up (UK)

Ort: Essigfabrik, Köln

Datum: 14.06.2017

Kosten: 30,00 € zzgl. Gebühren

Genre: Progressive Rock, Experimental Rock, Grunge, Alternative

Veranstalter: Prime Entertainment

Linkhttps://www.facebook.com/events/1475287382505278/

Setlists:

01. Eleven (Intro)
02. Bird & Planes
03. Arizona Waiting
04. Red & Purple
05. Might As Well
06. Anxiety Trip
07. Traynor
08. 11:11

01. Keeping the Blade (Intro)
02. Always and Never
03. Welcome Home
04. Ten Speed (Of God’s Blood and Burial)
05. Crossing the Frame
06. Apollo I: The Writing Writer
07. Once Upon Your Dead Body
08. Wake Up
09. The Suffering
10. The Lying Lies & Dirty Secrets of Miss Erica Court
11. The Willing Well I: Fuel for the Feeding End
12. The Willing Well II: From Fear Through the Eyes of Madness
13. The Willing Well III: Apollo II: The Telling Truth
14. The Willing Well IV: The Final Cut

Zugabe

15. Island
16. In Keeping Secrets of Silent Earth: 3

Coheed and Cambria Tour 2017

Besser spät als nie, denken sich die Fans vor der Essigfabrik, als der Tourbus von Coheed & Cambria 30 Min. vor offiziellem Einlass endlich auf den Platz fährt. Die Band hatte vorher bei Facebook gemeldet, dass ihr Bus erneut einen Schaden hätte und man sich irgendwo auf der Autobahn vor Köln befände. Alles nicht so schlimm, denn das Wetter spielt mit und man kann sich wahlweise in der Deutzer Abendsonne aufhalten und an seinem Urlaubsteint arbeiten oder ohne zu frieren im Schatten auf dem Asphalt Platz nehmen.

Coheed & Cambria @ Essigfabrik Köln, 14.06.2017

Coheed & Cambria @ Essigfabrik Köln, 14.06.2017

Heute Abend präsentieren also die Jungs um Lockenkopf Claudio Sanchez ihr Album Good Apollo I’m Burning Star IV Volume One: From Fear Through The Eyes Of Madness in Gänze plus ein paar Klassiker als Zugabe. Vorab konnten sich Intensivfans auch mit Premiumtickets eindecken, die es den Inhabern ermöglichten, dem Soundcheck beizuwohnen, ein Photo mit der Band zu ergattern und weitere Goodies beinhalteten. Der Soundcheck fällt heute dann aufgrund der Verspätung etwas knapper aus und man kann nur hoffen, dass die Gold- und Silber-Ticketinhaber, die lautstark rasch von den Securities zum Einlass beordert werden ihre Belohnungen alle abstauben konnten.

Mit ca. 20 Minuten Verspätung geht es dann auch für’s normale Fußvolk auf’s Gelände, vorerst aber nur in den Außenbereich, da das erwähnte Premiumprogramm noch in der Halle läuft. Die Crew scheint aber alles in Windeseile aufgebaut zu haben, denn um 20:30 Uhr startet dann der musikalische Teil des Abends mit den britischen Dinosaur Pile-Up, deren Name durch einen King Kong-Film inspiriert wurde. Das Trio aus Leeds besteht bereits seit 10 Jahren und kann drei Alben und ein paar EPs vorweisen. Bis dato war mir die Band gänzlich unbekannt, im Publikum entdecke ich aber Gäste, die die Songs der Jungs zu kennen scheinen. Wenn ich mich nicht verhört habe, erklingt sogar zu Beginn kurz das Riff von Weezers Say It Ain’t So. Stilistisch geht es in Richtung Alternative Rock mit deutlichem 90er Grunge-Einschlag und manchmal fühle ich mich an Sponge, Pavement oder die frühen Foo Fighters erinnert.

Dinosaur Pile-Up @ Essigfabrik, Köln
14.06.2017

Sänger und Gitarrist Matt Bigland liefert dann auch die passende Optik mit Kurt Cobain-Gedächtnisfrisur, hinter der er sich gerne während des Gigs versteckt. Die Band erhält ein wenig mehr als Achtungsapplaus für ihre Darbietung, wenngleich die Interaktion vom und mit dem Publikum generell recht gering ausfällt. Nach einer guten halben Stunde ist es dann auch schon vorbei und die Bühne wird schnell für den Headliner freigeräumt. Behilflich dabei ist ein Herr mittleren Alters mit Brille in weißem Hemd und schwarzer Krawatte, der sowohl aufbaut und auch die Instrumente checkt. Es wirkt ein wenig so, als hätten Coheed & Cambria ihren Abiball-Limousinenfahrer dazu verpflichtet, sich um’s Equipment zu kümmern – wäre da nicht die Tätowierung auf der Hand des Herrn. Jener wird die gesamte Show über mit Kopfhörern geschmückt alles überwachen und Gitarrist Travis Stever dann und wann anfeuern oder einfach nur brüderlich piesacken. Ein wenig wirkt er wie das inoffizielle fünfte Mitglied oder ein Vater.

Coheed & Cambria @ Essigfabrik, Köln
14.06.2017

Um 21:30 Uhr taucht der Licht-Techniker die Bühne dann in blaues Licht und das Intro Keeping The Blade erklingt. Claudio marschiert bewaffnet mit seiner Akustik-Gitarre auf die Bühne und die Halle feiert. Dass irgendwas im Rahmen der Verspätung dann aber doch schieflaufen musste, war beinahe abzusehen. Im Photograben dachte ich mir, dass die Monitorboxen vlt. einfach nicht laut genug sind, aber scheinbar ist Claudio auch in der gesamten Halle kaum zu hören bzw. wird von Knacken begleitet. Unbeirrt zieht er aber die erste Nummer durch, bis dann die gesamte Band dazustößt.

Coheed & Cambria @ Essigfabrik, Köln
14.06.2017

Nachdem die Probleme bei Welcome Home immer noch nicht gelöst werden konnten, bricht die Band den Song ab, Claudio erhält fix ein neues Mikro und sie wiederholen die Nummer. Dem Publikum ist es egal, denn wenn man einen der besten Songs der Band direkt 1,5 Mal hören kann, wieso dann beschweren? Bedingt gefrustet, aber gelassen und professionell zieht die Band ihre Show ab dann weiter durch und heizt der Halle ordentlich ein. Der Frontmann bindet dann zur Set-Mitte auch seine Mähne nach hinten, die mittlerweile ordentlich Wärme spenden sollte. Das Publikum beklatscht frenetisch jeden Song, bewahrt aber Anstand und Sitte. Klar, Crowdsurfer hätte ich nicht zwingend erwartet, ein wenig mehr als wippende Füße sollte das Album der Jungs aus New York doch aber bewirken können, denke ich mir.

Coheed & Cambria @ Essigfabrik, Köln
14.06.2017

Claudio, Travis und Zach sind ganz Vollprofis an ihren Saiteninstrumenten wie auch am Mikro und die Chorgesänge sind brilliant und sauber umgesetzt. Drummer Joshua Eppard mit seiner auffälligen roten Brille verkörpert gefühlt die gesamte Spielfreude der Band, indem er unablässig Grimassen schneidet und wild an seinem Drumkit rumhüpft. Es ist schon extrem unterhaltsam, ihm dabei zuzusehen, wie er auf seine Becken drischt, die nebenbei erwähnt eine ungewöhnlich schräge, nach vorne kippende Position besitzen und ich fühle mich in Sachen Spielfreude an die begeisterte Mimik von Keli, Drummer von Agent Fresco erinnert.

Coheed & Cambria @ Essigfabrik, Köln
14.06.2017

Das Publikum beweist lautstark Textsicherheit während der gesamten Show, die in einem großen Solo-Finale gipfelt. Zuerst darf Gitarrist Travis ran, der aus einem Talkbox-Teil heraus in ein wildes Gitarrensolo wechselt und dann von Claudio abgelöst wird, der am Bühnenrand zeigt, dass er die Doubleneck-Gitarre nicht allein aus Show-Gründen um den Hals trägt.

Coheed & Cambria @ Essigfabrik, Köln
14.06.2017

Nun folgt Zach am Bass, der erst alleine, dann unterstützt durch einen Beat von Joshua den Basshals rauf und runter flitzt. Im Jazz basierten Call and Response-Prinzip geht es nun zwischen den Beiden hin und her, bis Joshua alleine die Halle wild die Felle und Bleche traktierend unterhalten darf. Das Publikum zollt den Vollblutmusikern höchsten Respekt und man kann die Band noch zur Zugabe überreden. Jene fällt heute einen Song kürzer aus, vmtl. bedingt durch die Verspätung und die Wiederholung des dritten Songs. Auch Ansagen sind heute Mangelware bzw. nicht vorhanden. Mit Island vom aktuellen Album und dem Titeltrack des 2003er Klassikers In Keeping Secrets of Silent Earth: 3 verabschiedet sich die Band nach gut 1,5 Stunden von der Bühne.

Wenngleich die Support-Band heute etwas deplatziert wirkte, hat die nahezu ausverkaufte Essigfabrik heute einen runden und ereignisreichen Abend erleben dürfen. Claudio & Co. haben gezeigt, dass sie auch unter widrigen Bedingungen nicht nur versiert performen, sondern dabei auch die Spielfreude nicht vermissen lassen. Schön war’s.

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