Corona-Pandemie: wir lassen Musiker, Bands und Veranstalter zu Wort kommen

Part 1: Serious Black, Deep Sun, Fire Rose, Thormesis & Pripjat

Das Coronavirus lässt die Welt seit einigen Wochen stillstehen, vielleicht nicht so ganz, aber zumindest in der Konzert- und Veranstaltungsbranche fast komplett. Wir haben in letzter Zeit viel geschrieben über die derzeitige Corona-Krise, haben von den Folgen für die gesamte Veranstaltungsbranche berichtet, haben euch über Konzertabsagen und Ersatztermine und Online-Geisterkonzerte auf dem Laufenden gehalten, haben versucht, einigen Veranstaltern und Live-Clubs aktiv mit Berichterstattungen zu helfen, und haben Tipps gegeben, wie ihr eure Lieblingsband oder eure bevorzugte Konzert-Location am besten in dieser schweren Zeit unterstützen könnt. Letztendlich sind die meisten von uns aber weder Musiker, noch Veranstalter oder Clubbesitzer, sondern nur ein paar Schreiberlinge, die den Metal leben und lieben. Deshalb wollen wir den Spieß nun einmal umdrehen und andere zu Wort kommen lassen, wir lassen Musiker, Bands und Veranstalter einmal selbst erzählen, wie sie die Corona-Krise erleben, wie sie die konzertfreie Zeit in der Quarantäne verbringen und wo der Schuh aktuell am meisten drückt.

Wir haben eine Menge Rückmeldungen bekommen, deshalb müssen wir in Etappen veröffentlichen, denn sonst würde es unübersichtlich. Hier die ersten Stimmen, weitere folgen in den nächsten Tagen:

Mario Lochert (Serious Black)

Also hier bei Serious Black läuft alles eigentlich sehr angespannt an, wir schauen natürlich Nachrichten, diskutieren über Entscheidungen … etc. Allerdings arbeiten wir auch weiter, zum Beispiel an neuen Songs, gerade wird ein Video gemacht, bei dem auch die Fans und Metalheads aufgerufen sind mitzumachen, …um das zu Hause Sitzen zu erleichtern. Wir hoffen natürlich, dass alles wieder in die gewohnten Bahnen zurückkommt, … und sich auch so wenig Leute als möglich infizieren.

Gruss, Mario (Serious Black)

Debora Lavagnolo (Deep Sun)

Für Deep Sun, wie auch bei vielen anderen Bands, sind leider auch viele Konzerte dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Gleich eine ganze Tour, welche wir mit Bonfire hätten machen dürfen, fällt ins Wasser. Alles ärgerliche Vorkommnisse, keine Frage! Aber was uns alle viel mehr mitnimmt, sind die weitergehenden wirtschaftlichen Folgen, welche noch gar nicht absehbar sind. Wir fühlen mit all denjenigen mit, welche mit Arbeitsstopp und somit fehlendem Einkommen betroffen sind. Und auf der anderen Seite mit den „Helden“, welche tagtäglich für unsere Gesundheit und Nahrungsmittelzufuhr kämpfen!! Auch dürfen wir uns glücklich schätzen, im eigenen persönlichen Umkreis (noch) nicht mit dem Virus konfrontiert gewesen zu sein, und hoffen inständig, dass durch die vielen Maßnahmen der verschiedenen Länder die Epidemie endlich eingedämmt werden kann.

Deep Sun sind ja aus der Schweiz und hier haben wir kein Ausgangsverbot, sondern die Weisung, dass sich nur noch Gruppen bis fünf Personen in einem Raum befinden dürfen und der 2 m Abstand muss gewährleistet sein. Somit sind wir in der Schweiz in der glücklichen Lage, doch noch nach draußen gehen zu können, in der Natur spazieren zu gehen, joggen, … etc., und wir als fünfköpfige Band dürfen uns auch noch nach wie vor zur Probe treffen – selbstverständlich mit genügendem Abstand und keine Handshakes mehr!

So haben wir auch beschlossen, am morgigen Freitag, 27.03.2020, um 21:00 Uhr, auf unserer Facebook-Seite ein Konzert von unserem Bandraum aus live auf Facebook zu streamen, um all den Zuhausegebliebenen die Zeit etwas zu verkürzen, mit ihnen zu rocken und aber auch, um all den Helfer/innen der Blaulichtorganisationen Danke zu sagen!! Unten stehend findest du den Newsletter dazu.


Allen da draußen wollen wir sagen: Haltet durch, haltet zusammen, gemeinsam schaffen wir das!!

Liebe Grüße
Debora (Deep Sun)

Phillip Meier (Fire Rose)

Vielen Dank für die Anfrage 🙂 Uns geht es soweit allen gut – mal davon abgesehen, dass auch bei uns, wie bei allen anderen auch, die Gigs ausfallen. Was dann schon etwas mehr schmerzt, ist, dass wir für bereits gebuchte Open Airs in 2021 nun um ein Jahr nach hinten geschoben werden, weil nun die Bands von 2020 erst im 2021 berücksichtigt werden. Aber was solls – auch das ist nur fair vom Veranstalter.

Das gute an der Konzertflaute ist, dass wir uns volle Kanne auf das Songwriting für unsere neue Scheibe konzentrieren können. Die Aufnahmen sind für Anfang 2021 geplant.

Onlinegigs sind bei uns bis jetzt nicht geplant.

Liebe Grüße aus Balkonien und bleibt ebenfalls gesund!

Philipp c/o Fire Rose

Konstantin Krüger (Thormesis)

Hi! Uns bei Thormesis betrifft Corona, aktuell zumindest, noch nicht. Aber die Clubs und viele Freunde, die ihren Job in der Branche haben, trifft es hart. Deswegen spenden wir ab sofort den gesamten Erlös der Merchveräufe in unserem Shop an Clubs in denen wir in den letzten Jahren zu Gange waren. Ansonsten versuchen wir, die Zeit für uns zu nutzen und arbeiten bereits an den Aufnahmen zu unserem neuen Album. Alles wirkt erst mal entschleunigt und nichts, was selbstverständlich war, ist es noch. Ich denke, das wird uns alle erden. Wir hoffen dann im Juni wieder live spielen zu können. Bleibt gesund!

LG
Konsy / Travos (Thormesis)

Eugen ‚Dude‘ Lyubavskyy (Pripjat)

Danke der Nachfrage. Natürlich sind auch wir von dem Weltgeschehen unmittelbar betroffen. Wir treffen uns nicht und proben auch nicht. Auch wurden zunächst alle Konzerte in nächster Zeit abgesagt. Wenn du mich fragst, wird es bis zum Herbst auch keine Konzerte geben, was mich natürlich besonders in Hinblick auf die schönen Festivals, die wir gespielt hätten, besonders traurig macht. Aktuell sehe ich aber einfach keine wissenschaftliche Lücke, die es uns ermöglichen würde, in einigen Monaten mit Tausenden Menschen auf engsten Raum zu feiern. Auch treffen wir uns nicht zum Proben und haben auch einen Livestream aus dem Proberaum abgesagt, da einige von uns mit Menschen zusammen wohnen, die zur Risikogruppe gehören.

Uns geht es allen ganz gut – wir halten uns an die Ausgangsbeschränkungen und haben die Lage akzeptiert. Jetzt ist die Zeit, das Überleben der Gefährdeten zu sichern, nichts ist wichtiger. Aber natürlich machen wir uns schon einen Kopf darum, wie es danach weitergehen soll. Glücklicherweise leben wir nicht von der Band und kommen entsprechend finanziell über die Runden – jeder auf seine Weise. Wie viele Clubs und Festivals diese Situation allerdings überstehen werden, ist fraglich. Unser Soundman Jan, der sonst auch Veranstaltungstechniker ist, kommt gerade so zurecht. Er hat aktuell keinen Job. Und so wie ihm geht es gerade Millionen, vielleicht mittlerweile Milliarden Menschen auf der Welt. Hier in Deutschland sind wir noch sehr privilegiert und werden mit einem blauen Auge davon kommen. Sorgen mache ich mir um meine Freundin und Familie in der Ukraine. Dort gibt es keine Staatshilfen…dort wird nicht einmal getestet. Irgendwann geht das Sterben dort los und dann wird es schlimm. Sehr schlimm.

Zu Pripjat: Vor Kurzem hat Bobo ein Playthrough von sich live gestreamt, zusammen mit unseren Freunden von bleibtzuhause.tv – von denen wird noch mehr tolles Zeug kommen. Also schön supporten!

Wir werden demnächst einige Videos hochladen, in denen wir über unsere Einflüsse sprechen und uns vielleicht auch etwas selbst interviewen. Ich habe schon damit angefangen, mir die Zeit kurzweilig zu vertreiben:

Es ist eine ganz gute Zeit zum üben, nachdenken, reflektieren und neu bewerten. Ich hoffe sehr, dass wir durch diese Krise näher zusammenrücken statt umgekehrt. Ich hoffe, dass Populisten sich in diesen Zeiten als die unfähigen Arschlöcher selbst entlarven, die sie sind. Wie Jan Böhmermann sehr treffend gesagt hat: „Jetzt kommt es nicht darauf an, welche Menschen wir sein wollen, sondern welche Menschen wir sind.“

Passt alle auf euch auf. Helft und bittet um Hilfe. Beides haben wir in den vergangenen Jahren ein stückweit verlernt. Jetzt lernen wir es eben neu.

Cheers aus Kölle, Eugen (Pripjat)

 

Fortsetzung folgt!!!

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