Convictive / Krähenfeld – Konvergenz (Split)

Ein Meisterwerk des Black Metal

Artists: Convictive und Krähenfeld

Herkunft: Duisburg und Krefeld, Deutschland

Album: Konvergenz

Spiellänge: 46:16 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 02.04.2021

Label: Eigenproduktion

Links: https://www.facebook.com/Convictive
https://www.facebook.com/Kraehenfeld

Bandmitglieder:

Convictive:
Gesang – Jay
Gitarre – Phill
Gitarre – Phil
Bassgitarre – Ben
Schlagzeug – Marius

Krähenfeld:
Gesang – Yannik
Gitarre – Sebastian
Gitarre – Timo
Bassgitarre – Ben
Schlagzeug – Marius

Tracklist:

  1. Convictive – Rauschen
  2. Convictive – Palingenese
  3. Convictive – Katharsis
  4. Convictive – Animus
  5. Krähenfeld – 103-90-2
  6. Krähenfeld – Endlich
  7. Krähenfeld – X84.9
  8. Krähenfeld – Ewig

Wenn man in Nordrhein-Westfalen gern mal Black Metal Shows besucht, hat man früher oder später das Glück, Convictive und/oder Krähenfeld live zu erleben. Beide haben natürlich auch schon außerhalb von NRW gespielt, aber rund um ihre Heimatstädte habe ich vor Corona regelmäßig Shows von mindestens einer der beiden Bands besucht. Dass die beiden Bands sehr viel gemeinsam haben, sieht man auch daran, dass Ben neben seinem Posten am Bass bei Convictive auch die im Jahr 2019 neu zu besetzende Position bei Krähenfeld übernommen hat. Fast wie im Gegenzug ist Marius als Drummer von Krähenfeld im gleichen Jahr auch bei Convictive eingestiegen. Gemeinsam haben beide Bands auch, dass sie im Jahr 2012 gegründet wurden. Allerdings waren Convictive etwas fleißiger, was Veröffentlichungen anbetrifft. Bei ihrer Demo Blutnacht aus 2015, der EP Öffnung aus 2016 und dem Debütalbum Schemen stand noch Jalina am Mikrofon, danach hat Jay übernommen. Krähenfeld kommen bislang nur auf ihr Album Vergänglich aus dem Jahr 2018, das mit einer wunderbaren Releaseshow in Krefeld gefeiert wurde. Aber es war wohl tatsächlich nur eine Frage der Zeit, dass beide Bands ein Split-Album produzieren. Das ist jetzt geschehen, und Konvergenz wird am 02.04. veröffentlicht.

Die ersten vier Titel gehören Convictive. Ich kenne Jay ja schon als grandiose Shouterin und Growlerin von ihrer Band Savior Of Death, die im Melodic Death Metal unterwegs ist. Aber was sie hier an stetigen Wechseln zwischen abgrundtiefen Growls und ultrafiesen Screams abliefert, kann ich nur als Quantensprung bezeichnen. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass sie auch noch für die Lyrics verantwortlich zeichnet. Die erschließen sich mir zugegebenermaßen weder beim ersten noch beim zweiten Durchlesen in Gänze, sind aber durchweg sehr düster, um nicht zu sagen dystopisch. Das tut dem Hörvergnügen gleich des ersten Songs Rauschen aber überhaupt keinen Abbruch. Der startet tatsächlich mit so etwas wie einem Rauschen, bevor sich der tiefschwarze Zug langsam in Bewegung setzt. Die Riffs klingen teilweise wie eine unheilvoll dröhnende Glocke, die den letzten Tag einläutet. Überwiegend im Midtempo gehalten, wird der Song aber vom erbarmungslosen Schlagzeugspiel von Marius vorwärtsgetrieben und kann auch mit einem großartigen Gitarrensolo aufwarten. Es wird nicht das Letzte sein. Für den zweiten Song Palingenese haben sich Convictive Verstärkung geholt. Patrick, der mit seiner Band Call Of Charon im Deathcore unterwegs ist, steigt zum Ende hin in einen Dialog mit Jay ein. Vorher gibt es aber eine schöne, ruhige, von der Rhythmusgitarre getragene Bridge, in die sich wunderbar die Leadgitarre einschleicht, um dann wieder in ein Gitarrensolo überzugehen. Beim längsten Song von Convictive, dem siebeneinhalb Minuten langen Katharsis, wird das Tempo auch mal angezogen, und Convictive bauen fast so etwas wie eine Wall Of Sound auf. Hier leitet das Gitarrensolo sehr schön den erneuten Temporückgang ein, bevor sich nach einer kurzen, ruhigen Bridge erneut noch einmal die Leadgitarre neben dem Gesang von Jay präsentieren darf. Die Riffs der Rhythmusgitarre erinnern mich tatsächlich ein ganz klein wenig an die großartigen Ghost Brigade. Fast schon progressiv kommt Animus daher, da sind nicht nur Tempo-, sondern auch Rhythmussprünge angesagt. Und wieder bin ich hin und her gerissen zwischen dem großartigen Gesang von Jay und dem brillanten Gitarrenspiel. Hier sind aber auch Ben und Marius extremst gefordert, und machen diesen Song zu dem Meisterwerk, der er ist.

Auch die Texte von Krähenfeld sind von einer tiefen Traurigkeit durchzogen, musikalisch bewegen sie sich aber auch gern mal in höheren Tempobereichen. Und auch Krähenfeld steuern vier Songs bei, zwei davon sind aber eher so etwas wie instrumentale Interludes, bzw. 103-90-2 ein instrumentales Intro. Man könnte auch Soundcollage sagen, man hört in der Ferne vorbeifahrende Autos und Züge, und auch das Tatütata eines Einsatzfahrzeuges, das sich entfernt. Unterlegt ist das Ganze mit düster wabernden Keyboardklängen. Dann zucke ich ein wenig zusammen, denn wie aus dem Nichts ist da der Gesang von Yannik, und Endlich ist gestartet. Der Song wartet gleich mal mit knapp neun Minuten auf, aber etwas anderes bin ich von Krähenfeld auch nicht gewohnt. Sehr voluminös die Stimme von Yannik, sie pendelt zwischen Growls und einer etwas höheren Tonlage, in der er streckenweise die Verzweiflung und Traurigkeit mit jedem einzelnen Buchstaben auszuspucken scheint. Wenn Songs so um die zehn Minuten lang sind, gibt es natürlich sehr viele instrumentale Passagen, in denen sich die Instrumentenfraktion die Aufmerksamkeit erspielen darf, die ihr sicherlich gebührt. Bei Endlich gibt es aber auch das Gastspiel von Katharina. Die spricht in der ersten ruhigen Phase von Endlich sehr berührende Worte, die man während des folgenden ruhigen Parts auf sich wirken lassen kann, bevor Krähenfeld das Tempo wieder anziehen. Wunderbar auch das Twin Guitar-Spiel, das sich dann splittet in zwei großartige Soli der Lead- und der Rhythmusgitarre, um zum finalen gemeinsamen Spiel anzutreten. Dazu die letzten Sätze von Yannik „Ich will nicht, ich will nicht mehr“, das ist Gänsehaut pur! Das „Interlude“ X84.9 kommt auch ein wenig dystopisch daher, es klingt streckenweise wie die Maschinen in den Terminator-Filmen. Irgendwo aus dem Nirgendwo hört man verfremdete Kinder- und Frauenstimmen, unterlegt ist das Ganze mit wabernden, bedrohlich klingenden Gitarrenklängen. Und dann ist mit Ewig auch schon der letzte Song auf Konvergenz erreicht. Mit der für Krähenfeld fast schon üblichen Länge von ungefähr elf Minuten wartet er auf und ist, ähnlich wie der letzte Song von Convictive, fast schon ein wenig progressiv. Mit regelmäßigen Wechseln zwischen Mid- und Uptempo kommt er nämlich daher, und auf meinem Zettel stehen hauptsächlich Worte wie „schönes Gitarrenspiel“, „Twin Guitar“ oder „schönes Solo“. Dabei erinnert mich das Intro ein wenig an die wunderbaren Imperium Dekadenz. Großartig auch die Bridge, bei der zunächst eine Gitarre das Riff weiterspielt, bevor sich Bass und Schlagzeug dazugesellen und ganz zum Schluss wieder die zweite Gitarre einsteigt.

Veredelt wurde der Klang dieser acht Songs auch von bewährten Händen. Convictive haben sich beim Mix auf Christoph Jordan und beim Mastering auf die Kombi Christoph Jordan und Dan Swanö verlassen. Krähenfeld haben den Mix in die Hände von Klaus Schwerdt gelegt, beim Mastering durfte auch hier Dan Swanö ran.

Da melden sich Convictive und Krähenfeld aber definitiv mit einem Paukenschlag zurück! Leider gibt es von Krähenfeld zu keinem der Songs eine Hörprobe, darum hier das von Convictive zum Song Rauschen. Aber das komplette Album steht ja in den Startlöchern.

Convictive / Krähenfeld – Konvergenz (Split)
Fazit
Tja, was soll ich zu diesem Meisterwerk sagen? Da haben sich zwei Bands gesucht und gefunden, die zusammenpassen, wie A… auf Eimer. Die beiden beweisen auf jeden Fall mal wieder, dass die musikalische Qualität im Underground sich vor der von bereits etablierten Bands in keiner Weise verstecken muss. Im Gegenteil sollten die vielleicht ab und zu mal ein Ohr in Richtung Underground halten und sich von der Kreativität dieser Bands inspirieren lassen.

Anspieltipps: Rauschen, Animus, Endlich und Ewig
Heike L.
9.5
Leser Bewertung15 Bewertungen
5.3
9.5
Punkte
Podcast
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