Artist: Árstíðir Lífsins

Herkunft: Island, Deutschland

Album: Aldafǫðr Ok Munka Dróttinn

Genre: Pagan Black Metal

Label: Van Records

Link: http://www.facebook.com/pages/%C3%81rst%C3%AD%C3%B0ir-l%C3%ADfsins/164340620245051

Bandmitglieder:

Gesang, Schlagzeug, Bratsche, Cello, – Arni
Gitarre, Bass, Piano, Vibraphon, Gesang – Stefan
Gesang – Marsel

Arstioir Lifsins - Aldafoor Ok Munka Drottinn

Time For Metal / Gordon E.:

Hallo Árstíðir Lífsins ,

nachdem mein Kollege Dominik die Ehre hatte, euch nach dem Erscheinen eurer EP Þættir úr sögu norðrs zu interviewen (nachzulesen hier: https://time-for-metal.eu/stefan-d-ueber-seine-band-arstidir-lifsins-und-die-ep-thaettir-ur-soegu-nordrs/), habe ich diesmal die Ehre, die Feder zu führen. Daran, dass sowohl Dominik als auch ich viel von euren Veröffentlichung halten, zeigt, dass ihr es schafft, Hörer über die üblichen Genregrenzen hinaus zu begeistern. Was ist die Intention hinter diesem Mammutprojekt, das es in der Form nur ein einziges Mal auf der Welt gibt?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Hallo Gordon! Die Intention, eine eher tiefergehende Verbindung zwischen altnordischer Literatur, Kultur und Kunst und eben Metal-Musik mit einem starken Anteil (skandinavischer) Folklore und Klassik zu erschaffen, kam ganz natürlich. Als ich im Herbst 2008 mit Árni anfing, die ersten Songs für unser Debut zu schreiben, studierte ich für ein Jahr in Reykjavík und wollte gerne den Inhalt meines Studiums (MA in „Medieval Icelandic Studies“) mit – in unseren Augen – passender Musik zusammen bringen. Dass sich so etwas nicht in 3-Minuten Songs zwängen lässt, war uns natürlich bereits von Anfang an klar. In der Hinsicht hat sich also bis heute nichts geändert.

Time For Metal / Gordon E.:

Ich kann es wirklich nicht abschätzen, wie viel Zeit ihr in die Musik investiert, laut dem Interview mit Dominik finanziert euch Ván Records anfallende Kosten. Ist es für euch wichtig, eine gewisse Hörerzahl zu erreichen? Oder wärt ihr auch damit zufrieden, wenn es nur ein Dutzend Hörer geben würde?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Wir machen unsere Musik zuvorderst für uns selbst. Natürlich sind wir sehr froh, dass nicht nur Ván Records uns über die Jahre mit voller Hingabe unterstützt, sondern auch, dass sich der Käuferkreis ständig vermehrt hat. Einen wirklichen Einfluss auf unsere Musik hat diese Entwicklung aber nicht. Alle in der Band sind Musiker und Künstler, die während der Kompositionsprozesse nur sehr wenig auf äußere Einflüsse achten.

Time For Metal / Gordon E.:

Derart komplexe Musik aufzunehmen, erfordert, wie angesprochen, sicher viel Kraft. Hört ihr eure Musik auch privat oder fangt ihr nach dem Abschluss einer Veröffentlichung direkt mit den Vorbereitungen für neues Material an?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Es ist wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Einerseits sind wir tatsächlich immer dabei, uns mit anstehenden Veröffentlichungen zu beschäftigen (was natürlich auch das Layout usw. mit einschließt), jedoch hören wir auch gerne (und viel) unsere eigene Musik. Dass diese nicht nur auf Árstíðir lífsins beschränkt ist, macht diesen Umstand umso angenehmer.

Time For Metal / Gordon E.:

Mir liegt leider nur die Promoversion des Albums Aldafǫðr Ok Munka Dróttinn vor. Die Texte sind, wie gewohnt, auf Isländisch gehalten, was für mich einen sehr großen Reiz ausmacht. Liegen die Texte in der Kaufversion auch auf Deutsch oder Englisch bei?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Es freut mich sehr, dass dir die isländischen Texte trotz der Sprachbarriere so gefallen. Ja, wie bei allen bisherigen Alben sind die Texte auf dem neuen Album komplett ins Englische übersetzt worden.

Time For Metal / Gordon E.:

Ich denke, dass es den einen oder anderen unentschlossenen Hörer gibt, der bisher aufgrund der Sprachbarriere davon abgesehen hat, die neueste CD zu erwerben. Worum geht es auf Aldafǫðr Ok Munka Dróttinn?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Unser neues Album beinhaltet auf der einen Seite eine Fortführung der Familiengeschichte, welche auf allen bisherigen Alben erzählt worden ist. Jedoch ist diese fiktive Geschichte auf Aldafǫðr ok munka dróttinn ganz konkret auf einen sehr wichtigen Aspekt der isländischen Geschichte projeziert worden: die Christianisierung um 999/1000 und die damit zusammenhängenden gesellschaftlichen und politischen Veränderungen. Grub handelt das Album von zwei jungen Brüdern, die den Mordbrand vom Ende des zweiten Albums überleben, aber in zwei kulturell und religiös unterschiedlichen Umgebungen aufwachsen. Durch die Christianisierung verschlechtert sich im Verlauf des Albums der Bezug der beiden zueinander und endet in einem katastrophalen gegenseitigen Brudermord.

Time For Metal / Gordon E.:

Mein absolutes Highlight, über die aktuelle Veröffentlichung hinaus, ist das Lied Tími er kominn at kveða fyrir þér. Wie kam die Idee zustande, vollständig auf Gitarren zu verzichten und den Fokus auf den sehr eindrucksvollen Chorus zu legen?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Oh, es freut mich sehr zu lesen, dass du besonders diesen Titel magst! Der Text ist das komplette altnordische Gedicht Hákonarmál, welches (aus heidnischer Sicht) den Tod des christlichen Königs Hákon góði Haraldsson besingt. Aufgrund der rhythmischen Grundlage durch die skaldische Strophenform haben wir uns dazu entschieden, dieses Lied ohne jegliche Metal-Instrumentierung zu schreiben und aufzunehmen. Wir hatten bisher auf jedem Album einen solchen Song.

Time For Metal / Gordon E.:

Könnt ihr euch vorstellen, mehr Lieder in diesem Stil zu schreiben? Dominik fragte nach eventuellen Liveplänen. Diese lagen zu dem Zeitpunkt noch in weiter Ferne, wurden aber nicht gänzlich ausgeschlossen. Gibt es bei diesem Thema Bewegung?

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Ja, solche Lieder werden wir mit Sicherheit auch in Zukunft schreiben. Live-Pläne sind vorerst aber nicht vorgesehen. Ich bin vor kurzem nach Aberdeen/Schottland gezogen, was Proben nun noch schwieriger macht. Immerhin leben wir mittlerweile in drei verschiedenen Ländern mit einigen See-und Luftmeilen dazwischen.

Time For Metal / Gordon E.:

Kommen wir zur letzten Frage, die, wie üblich, wenn ich ein Interview führe, von euch selbst gestellt und beantwortet werden kann: Gibt es eine Frage, die euch noch nicht gestellt wurde und die ihr gerne beantworten möchtet? Wenn ja, fühlt euch frei, dies jetzt zu tun. Von meiner Seite aus danke ich euch für eure Zeit und weiterhin viel Erfolg mit Árstíðir Lífsins!

Árstíðir Lífsins / Stefán:

Na, eine Frage nach einer Frage! So etwas ist mir tatsächlich noch nicht untergekommen. Ich wurde bisher wenig nach dem Ablauf unserer Aufnahmen gefragt. Diese laufen für gewöhnlich wie folgt ab: Ich komponiere zusammen mit Árni die Grundzüge eines neuen Albums und fliege danach nach Reykjavík, um mit ihm das Schlagzeug und weitere Instrumente aufzunehmen. Danach treffen er, ich und Marsél uns entweder in Deutschland oder auf Island und nehmen dort alle Gesänge auf. Erst zum Schluss werden die klassischen Instrumente, sowie Effekte und Keyboards hinzugefügt. Das Mixing und Mastering dauert für gewöhnlich dann noch eine ganze Weile, da sich natürlich bis zum Ende eine ganze Menge Material angesammelt hat (O-Ton Markus Stock/Studio E: „Ihr habt bei mir fast den Track-Rekord von Eluveitie gebrochen!“).

Vielen Dank für das Interview!

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