Diabulus In Musica – Euphonic Entropy

Ein Balanceakt zwischen klassischen Einflüssen und leidenschaftlichem Symphonic Metal

Artist: Diabulus In Musica

Herkunft: Pamplona, Spanien

Album: Euphonic Entropy

Spiellänge: 56:26 Minuten

Genre: Symphonic Metal, Power Metal

Release: 14.02.2020

Label: Napalm Records

Link: https://www.facebook.com/diabulusinmusicaofficial/

Produktion: Diabulus In Musica (Eigenproduktion)

Bandmitglieder:

Gesang – Zuberoa Aznárez
Gitarre – Alexey Kolygin
Keyboard – Gorka Elso
Schlagzeug – David Carrica

Tracklist:

  1. A Lucid Chaos
  2. Race To Equilibrium
  3. Nuevo Rumbo
  4. The Misfit’s Swing
  5. In Quest Of Sense
  6. Otoi
  7. Blurred Dreams
  8. On The Edge
  9. Our Last Gloomy Dance
  10. One Step Higher
  11. Blind Muse
  12. In The Vortex

Die musikalische Laufbahn von Diabulus In Musica begann im Jahr 2010 mit ihrem Debütalbum Secrets, das sie über ihr damaliges Label Metal Blade Records veröffentlichten. Hierbei wirkten Mitglieder des London Philharmonic Orchestras, des RTVE-Orchesters, des spanischen Nationalchors und des Ensembles Nova Lux an der Aufnahme mit. Die Band erhielt Auszeichnungen, Nominierungen und lobende Kritiken von den Fachmedien für ihren ersten Longplayer. Sie arbeiteten zudem bereits mit Profis zusammen, wie zum Beispiel Produzent Sascha Paeth, unter anderem zählen auch Szenegrößen wie Mark Jansen (Epica), Ailyn (Sirenia) und Thomas Vikström (Therion) dazu. Bei Manowar, Tarja oder auch Theatre Of Tragedy traten sie als Supportband im Vorprogramm auf, aber auch als Headliner standen Diabulus In Musica schon mehrmals auf den Bühnenbrettern der größten Metalfestivals in Europa. Sie blicken auf insgesamt zehn bewegte Jahre Bandgeschichte zurück.

Seit dem letzten Werk Dirge For The Archons (2016) sind rund vier Jahre vergangen. In dieser Zeit fanden in der Band bedeutende Veränderungen statt. Sängerin Zuberoa Aznárez und ihr Ehemann, der Keyboarder Gorka Elso sind unter anderem zum zweiten Mal Eltern geworden, was ihr Leben gehörig auf den Kopf stellte. Am 14. Februar 2020 erschien dann endlich Euphonic Entropy als fünftes Studioalbum des Quartetts. Die Inspiration hierfür schöpfte die spanische Symphonic Metal Formationen aus ihrer eigenen Emotionswelt. Bei den 12 Kompositionen, die allesamt in Eigenproduktion entstanden sind, dreht sich alles um den Zustand von Ordnung und Chaos in der Welt. Nach Angaben der Band ist Euphonic Entropy das bisher härteste und gleichermaßen intimste Album, was sie je geschaffen haben. Sie wagen erneut einen Balanceakt zwischen klassischen Einflüssen und leidenschaftlichem Symphonic Metal.

Diabulus In Musica passen in keine feste Schublade. Ihr kraftvoller Mix aus Symphonic und Powermetal liegt irgendwo zwischen Nightwhish und Epica. Sängerin Zuberoa Aznárez hat eine hohe stimmliche Spannbreite – sie variiert von Operngesang ähnlich wie Tarja bis hin zur Metal-Röhre Christina Scabbia (Lacuna Coil). Unterstützt wird sie durch das starke Growling von Keyboarder Gorka Elso und Gitarrist Alexey Kolygin, der zusätzlich den Part als Backingvocal übernimmt. Drummer David Carrica verpasst dem Gesamtsound mit mächtigen Doublebasses und Blastbeats den letzten Schliff. Sie legen weitere Facetten ihres Könnens offen, bei dem sich das Album von einer völlig unerwarteten Seite zeigt.

Das Instrumental A Lucid Chaos eröffnet das Album mit sphärischem Bombastsound. Danach geht Race To Equilibrium gleich in die Vollen. Die flotte Midtempo Nummer startet im eingängigen Nightwhish Style. Harsche Growls und ein dramatisch werdender Chor unterbrechen den symphonischen Sound. Das treibt den Spannungsbogen nach oben, bis dieser wieder in die harmonische Richtung zurücksteuert. Die wilde Fahrt sorgt für reichlich Abwechslung. Am Ende zieht das Tempo noch mal an, auch hinter der Schießbude geht es rasant zu. Ballernde Doublebasses zimmern ordentlich rein. Nuevo Rumbo setzt sogleich mit schroffen Riffs und massiven Breakdowns fort. Zuberoas Gesang wechselt in der Intonation zwischen Tarja und Christina Scabbia. Eine kurze Sequenz von Hammondsounds sorgt für einen weiteren Kontrast. Dann kommt die Überraschung – Diabulus In Musica beweisen bei Misfit’s Swing, dass sie auch eine Swing-Nummer draufhaben. Diese setzen sie sehr gekonnt um, jedermanns Geschmack dürfte dies allerdings nicht treffen. Also mein Fall ist das schon mal so gar nicht. In Quest Of Sense kehrt wieder in die Symphonic Schiene zurück, umgeben von Doublebasse-Geballer und Breakdowns. Otoi kommt mit klassischen Flötenklängen um die Ecke und wird in baskischer Sprache gesungen. Ein rasanter Wechsel zwischen Wehmut und flottem Midtempo halten das Gehör ordentlich auf Trab. Sanfte Streicher lassen die Reise danach ausklingen. Bei Blurred Dreams schweifen meine Gedanken dann ab, ein eher durchgängiger Track, der mich nicht so flasht. Ich zappe mich schnell zu On The Edge vor. Drumgeballer und dynamisches Riffing bringt die Hörwindungen wieder auf Kurs. Our Last Gloomy Dance hat jetzt etwas von „Metal-Walzer“, die Rhythmik zieht einen irgendwie in den Bann und der Nacken wippt automatisch im Takt mit. Diese abwechslungsreiche Nummer hat es in sich und fördert das gesamte Spektrum, das die vier Symphonic Metaller zu bieten haben, ans Licht. Es ist das Highlight dieser Scheibe und beinhaltet zudem die anspruchsvollste Komposition. One Step Higher läuft wieder nebenher, beeindruckt nicht wirklich. Das ändert sich auch bei Blind Muse nur unwesentlich, trotz steigender Dynamik. In The Vortex holt mich dann wieder aus dem Standby-Modus. Die schwermütige Ballade setzt zum Abschluss auf klassische Opernmusik. In diesem Vierminüter entfalten sich noch einmal weitere Facetten. Eine kurze Passage erinnert mich irgendwie an den Soundtrack von Fluch Der Karibik – danach ist die Reise zu Ende.

Euphonic Entropy hat kleinere Schwächen und Durststrecken – vom Songwriting und den Kompositionen her kann man sich allerdings nicht über mangelndes Talent beschweren. Diabulus In Musica liefern eine sehr anspruchsvolle Qualität ab.

Verfügbare Formate: Digital Album, FLAC, CD

Diabulus In Musica – Euphonic Entropy
Fazit
Das Songwriting und die Kompositionen von Euphonic Entropy bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie bei Dirge For The Archons (2016), sogar noch um einige Facetten erweitert. Das Album macht dennoch einen etwas schwächeren Gesamteindruck, reicht nicht ganz an den Vorgänger heran. Härter ist der Sound nicht geworden, eher konstant gehalten. Symphonic Fans kommen trotzdem wieder voll auf ihre Kosten. Allerdings hätte man auf die Swing-Nummer gut und gerne verzichten können. Es war mutig sie einzubauen und gesanglich wie auch musikalisch absolut einwandfrei, passte aber so gar nicht zum übrigen Konzept.

Anspieltipps: Nuevo Rumbo, Race To Equilibrium, Otoi und Our Last Gloomy Dance
Sandra R.
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7.8
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