Die Ingolstädter Waves Like Walls im Interview über ein großes Hobby und die Co-Headliner-Tour mit Britney Spears

...und zu ihrem neuen Release

Artist: Waves Like Walls

Herkunft: Ingolstadt, Deutschland

Genre: Hardcore, Metalcore, Melodic Hardcore

Link: https://waveslikewalls.de/

Bandmitglieder:

Gesang – Michael Marketsmüller
Gitarre – Florian Raith
Gitarre – Michael Schramm
Bassgitarre – Florian Haunsperger
Schlagzeug – Tobias Ernst

Anlässlich des Releases ihres Albums hatte ich das Vergnügen mich mit der Band Waves Like Walls zu einem Interview zu treffen.

Time For Metal / Kai R.:
Hey Waves Like Walls, wie geht es euch?

Waves Like Walls:
Hey Kai, uns geht es super, danke der Nachfrage. Euch hoffentlich ebenso 😉

Time For Metal / Kai R.:
Ja klar doch. Wie immer gibt es bei mir zu Beginn eine eher lockere Frage – welches soziale Netzwerk nutzt ihr am häufigsten und warum?

Waves Like Walls:
Schätzungsweise inzwischen Instagram. Wenn man wirklich mit seinen Hörern und Unterstützern in Kontakt bleiben will, ist das inzwischen eine super Plattform. Wir können ohne viel Vorbereitung aktuelle News posten und sehen direkt, was die Leute dazu sagen.

Time For Metal / Kai R.:
2012 haben sich ein paar Jungs aus Ingolstadt zusammengetan, um sich mit Waves Like Walls einen Namen zu machen. Erzählt doch mal ein wenig aus der Anfangszeit. Wie kamt ihr zusammen und wie kam es zu eurer ersten EP Brain As A Weapon (2013)?

Waves Like Walls:
Vier der Gründungsmitglieder waren bereits zuvor in einer anderen Ingolstädter Band (Earth In Fall) aktiv. Wir hatten dann zunehmend andere Vorstellungen, wie wir weiterhin Musik machen wollten, und so war der Schritt einer Neugründung ganz natürlich. Nach sehr kurzer Zeit kam unser zweiter Gitarrist dazu und seitdem hatten wir nur einen Besetzungswechsel am Schlagzeug. Die erste EP war dann ein erster ernsthafter Versuch, unsere Ideen mal auf Platte zu bekommen. Im Nachhinein spiegelt die EP eher weniger wieder, was wir heute machen. Das liegt daran, dass wir wenig Ahnung hatten, wie wir als Einheit Songs schreiben sollen. Davon abgesehen mussten wir alle noch unfassbar viel lernen. Letztendlich ist die EP für uns eine schöne Erfahrung, von der wir viel gelernt haben, aber auch ein großer Teil an Erinnerung, die uns immer wieder zum Lachen bringt. 😉

Time For Metal / Kai R.:
Was steht hinter der Band? Produziert ihr alles selbst? Wer ist der Antreiber in eurer Gruppe?

Waves Like Walls:
Hinter der Band steht ein großes Hobby, in das wir alles stecken können, was uns im Alltag bewegt. Tatsächlich übernehmen wir alles, was sich realistisch selbst bewältigen lässt. Die Produktion läuft professionell über das Studio unseres Sängers (the-rat-studio.com), die Designs werden zu 100 % intern geregelt, das Merch bestellen wir selber und planen in Zukunft auch, selbst Produkte herzustellen. Dass die Songs komplett in Eigenregie entstehen, versteht sich von selbst. Einen klaren Antreiber gibt es nicht. Jeder hat seine Stärken und kann diese in der Band ausleben, gleichzeitig hat jeder in allen Angelegenheiten gleiches Stimmrecht. Das empfinden wir als fair und gleichzeitig produktiv.

Time For Metal / Kai R.:
Am 26.06.2020 kommt euer erstes Album auf den Markt. Unter dem selbst betitelten Albumnamen Waves Like Walls kann man euch auch auf Spotify und Co. finden. Wie steht ihr zu den digitalen Medien? Fluch oder Segen?

Waves Like Walls:
Jede Entwicklung bringt Fluch und Segen mit sich. Es ist jedem selbst überlassen, wie viel man in das Trauern und Meckern über diese Dinge steckt. Wir sind alle noch mit CD-/Schallplattenkäufen, Kassettenrekordern und Dorfdisco aufgewachsen. Aber die Reichweite, die wir heute erreichen können, ist einfach unglaublich. Wenn wir aus sämtlichen Ecken des Planeten Reaktionen auf unsere Musik bekommen, fühlt sich das super an. In unserem Fall ist die Musik definitiv eine Mischung aus Kommunikation nach außen und Ausdruck dessen, was uns selbst bewegt. Somit ist jeder Zugang zu potenziellen Hörern ein Plus für uns. Der Fluch für uns wäre also eher, diese Medien nicht nutzen zu können 😉.

Time For Metal / Kai R.:
Beschreibt eure Musik doch mal so, dass jemand, der absolut keine Ahnung vom Genre hat, etwas damit anfangen kann.

Waves Like Walls:
Wir sind laut, aggressiv und ehrlich. Jenseits von Genre-Definitionen sind wir einfach ein großes Ganzes, das aus unserem gesammelten musikalischen Hintergrund entsteht. Das reicht von Oldschool-Hardcore, Metallica, Tony Hawk’s Pro Skater Soundtrack bis zu allem, was heute neu in der härteren Musik passiert. Wir haben das große Glück, dass bisher niemand enttäuscht ist, wenn wir einfach machen, worauf wir Lust haben. Da wir jetzt einen roten Faden für unsere Musik gefunden haben, sollte das aber auch in Zukunft kein Problem sein.

Time For Metal / Kai R.:
Gibt es hinter eurer Debütplatte ein tieferes Konzept?

Waves Like Walls:
Direkte Antwort: Nein. Die Songs sind ohne vorausgehendes Konzept entstanden, abgesehen davon, dass alle Songs Dinge behandeln, die uns die letzten Jahre beschäftigt haben. Aber das ist eher eine Beobachtung im Nachhinein, daher auch der Titel. Die Musik ist einfach das, was wir mit Waves Like Walls machen möchten, und die Texte sind das, was direkt aus uns rauskommt. Die Entscheidung zum selbst betitelten Album kam auch dadurch zustande, dass wir nur erzwungenermaßen einen Konzept-Titel gefunden hätten. Ein „tieferes Konzept“ trifft es da wahrscheinlich nicht.

Time For Metal / Kai R.:
Warum habe ich eigentlich bisher noch nichts von euch gehört?

Waves Like Walls:
Weil wir uns gut versteckt haben 😉. In den letzten Jahren haben wir immer wieder private Pausen einlegen müssen, waren oft dabei, uns selbst neu zu erfinden, und hatten Schwierigkeiten, uns definitiv auf so etwas wie ein komplettes Album festzulegen. Sobald wir ein paar Songs fertig hatten, waren schon die nächsten im Anmarsch, die uns einfach noch besser gefielen. Wir haben uns entschieden, wählerisch zu bleiben und das Album erst zu veröffentlichen, wenn wir zu 100 % hinter dem Material stehen können. Manche der Songs stammen aus Ideen, die fünf Jahre alt sind. Außerdem konnten wir aus organisatorischen Gründen in der Vergangenheit nur selten mehr als eine Show am Stück spielen, die Werktage waren meistens tabu. Auch das ändert sich nun endlich.

Time For Metal / Kai R.:
Corona ist ja allgegenwärtig und von eurer Bühnenpräsenz können sich eure Fans ja aktuell nicht überzeugen lassen. Zum Beispiel hat Matt Heafy (Trivium) zum Release des neuen Albums einen Twitch-Stream gemacht. Habt ihr zum Albumrelease auch Pläne?

Waves Like Walls:
Die Neuerungen, die durch diese Krise entstehen, sind wirklich kreativ und beeindruckend. Wir nutzen die Zeit auf jeden Fall, um uns zu vorzubereiten, damit wir zu dem Zeitpunkt, ab dem wir wieder auf die Bühne dürfen, 110 % startklar sind. Natürlich wollen wir in der Zwischenzeit mit unserem Publikum in Kontakt bleiben. In welcher Form das geschieht, wird sich wahrscheinlich spontan zeigen, aber es wird definitiv einiges an kreativem Material auf unseren Social-Media-Kanälen geben!

Time For Metal / Kai R.:
Was sind eure Pläne? Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Waves Like Walls:
Wenn es nach uns geht: Co-Headliner-Tour mit Britney Spears. Realistisch gesehen konzentrieren wir uns darauf, unser Ding durchzuziehen, mindestens 100 % aus uns herauszuholen, und der Rest ergibt sich von selbst. Wenn den Leuten gefällt, was sie hören, werden wir unsere freie Zeit damit verbringen, unsere Musik so laut und so weit wie möglich zu verbreiten. Natürlich würden wir in fünf Jahren gerne größere Bühnen bespielen, mehr Leute erreichen und somit noch mehr Möglichkeiten haben, unsere Vision durchzuziehen. Aber das ist kein Entweder/Oder-Szenario. Wir ziehen unser Ding durch und wenn es ankommt, umso besser.

Time For Metal / Kai R.:
Was macht für euch eine gute Metalband aus?

Waves Like Walls:
Eine Metalband wirkt meist dann „gut“, wenn sie als Einheit auftritt, für etwas steht und das auch verlässlich zu 100 % durchzieht. Der Metalfaktor ist mit Sicherheit eine gewisse Entschlossenheit, musikalische Härte und eine Szene, die hinter der Musik steht wie keine andere. Eine Metalband kann also nur „gut“ sein, wenn es Leute gibt, die auch hinter der Band stehen.

Time For Metal / Kai R.:
Abschließend habe ich (ähnlich wie mit der „Einleitungsfrage“) ein Ritual. Ich überlasse euch die Bühne, um uns eine Frage zu stellen. Was wolltet ihr schon immer mal von einem Metal Magazin, wie Time For Metal es ist, wissen?

Waves Like Walls:
Na dann go: Ihr redet regelmäßig mit einer unfassbaren Menge an Künstlern und habt bestimmt einiges schon wahnsinnig oft gehört. Was fehlt euch denn aktuell? Gibt es etwas, das ihr schon so oft gehört habt, dass es euch nicht mehr interessiert? Und was würdet ihr euch denn zur Abwechslung einmal wünschen?

Time For Metal / Kai R.:
Ja, aus meiner Sicht ist aktuell zu wenig Mut auf dem Markt. Heute kostet es kein Geld, um Musik zu produzieren (oder relativ wenig). Da sollte man denken, dass es einfach ist, ruhig mal experimentell zu sein. Doch für die meisten Bands, die ich hier auf dem Tisch für eine Rezension habe, ist es eher genau anders. Man eifert den „großen“ Ikonen nach und versucht sich mit „Einheitsbrei“ und Produktionen, die „glattgebügelt“ sind, bei den Fans der besagten Ikonen einzuschmeicheln. Ich denke das ähnlich wie ihr – eine gute Band steht für sich selbst und für ihre Einflüsse. Ich persönlich bin ehrlich ein wenig gelangweilt davon, dass es so viel Musik gibt, die ohne Probleme im Spotify-„Mix der Woche“ einfach hintereinandergereiht werden kann, ohne dass erkennbar ist, dass es sich um verschiedene Bands mit eigenen individuellen Personen handelt, die sich darin bewegen. Also fasse ich zusammen – ich wünsche mir mehr Genremixes, mehr Mut, wenn es um eigene Ideen geht und ja, weniger Verbissenheit hinter dem Faktor, der sich „Ruhm“ nennt.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

Bleibt gesund!
Gruß Kai

Waves Like Walls:
Euch ebenfalls vielen Dank. Gerne wieder!
Gruß, Waves Like Walls!

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