Empire Of Giants im Interview über Detox-Smoothies, Video-Konferenz-Kniffel und natürlich ihre Musik

Post Hardcore trifft auf Rock

Artist: Empire Of Giants

Herkunft: Berlin, Deutschland

Genre: Postcore, Rock, Post-Hardcore

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/pg/EmpireofGiants/

Bandmitglieder:

Gesang – Kira
Guturaler Gesang und Backgroundgesang – Basti
Schlagzeug – Vincent
Bassgitarre und Backroundgesang – Lukas
Gitarre – Alex
Gitarre – David

Time For Metal/ Kai R.:
Hallo Empire Of Giants,
Ich hoffe, euch geht es gut?

Empire Of Giants:
Ja, vielen Dank. Wir sind alle wohlauf und gesund! (Sieht man mal von Kiras lädiertem Arm ab: Sie hat sich den Ellenbogen gebrochen, aber daran ist nicht Corona schuld.)

Time For Metal/ Kai R.:
Oh das klingt gut und zeitgleich nicht so gut! Ich wünsche ihr gute Besserung.
Damit man nicht gleich mit der Türe ins Haus fällt, erst mal was Lockeres: Glaubt ihr an Satan? ?

Empire Of Giants:
Nö, wir glauben wohl alle an etwas anderes, aber worauf wir uns sicher einigen können, ist der Bierpreis.

Time For Metal/ Kai R.:
Ihr habt uns via E-Mail kontaktiert und ich muss gestehen, dass ich euch vor der Kontaktaufnahme noch nicht kannte. Wäre es möglich, dass ihr euch einmal in ein paar Sätzen vorstellt? Was macht ihr? Wo kommt ihr her? Warum seid ihr erst jetzt bei uns aufgetaucht?

Empire Of Giants:
Nun, wir sind Empire Of Giants aus Berlin und bringen einen bunt gemixten musikalischen Blumenstrauß mit. Von brachialen Riffs mit durchdringenden Shouts unseres Sängers Basti bis hin zu weiten Klangflächen mit kraftvollem Clean-Gesang unserer Sängerin Kira ist für viele musikalische Geschmäcker was dabei. Welches Genre das jetzt genau ist, wissen wir auch nicht. Aber auf jeden Fall findet ihr uns im Metal-Regal. Dass ihr uns bislang nicht auf dem Schirm hattet, liegt wahrscheinlich daran, dass wir von einer medienwirksamen Welttournee noch weit entfernt sind, aber wir geben uns größte Mühe aufzufallen und besser spät als nie… (lachen)

Time For Metal/ Kai R.:
Mit eurer Musik verkauft ihr ein Genremix zwischen Rock, Metal und Core. Was sind eure Einflüsse? Wie kamt ihr zusammen?

Empire Of Giants:
In einem Review wurde das mal schön so beschrieben, dass wir versuchen, unseren eigenen Schrank zusammenzubauen und jeder bringt eine Schublade mit. Und so ist es tatsächlich auch ein bisschen gewesen. Wir kommen zum Teil aus sehr verschiedenen musikalischen Richtungen und all diese Einflüsse spiegeln sich auch in der Musik wieder (zumindest streben wir das an). Da ist zum Beispiel unser Shouter Basti, der schon immer im Metalcore seine musikalischen Wurzeln hat. Unser Bassist Lukas dagegen kommt eher aus dem Bluesrock. Auch Vincent (Schlagzeug) war vor Empire Of Giants mehr im Rock zu Hause. Und so versuchen wir aus all den Stilrichtungen, die wir mögen, die Elemente zusammenzubringen, die uns gefallen. Der musikalische Kopf des Ganzen ist jedoch David (Gitarre). Da du ja auch nach konkreten Einflüssen gefragt hast, kann man in seinem Fall ganz klar Muse nennen. Was gewaltige Klangflächen und das Experimentieren mit neuen Sounds angeht, setzen die auf jeden Fall Maßstäbe.

Time For Metal/ Kai R.:
Diesen Donnerstag habt ihr den Song Blinded mit einem Musikvideo unter das Volk gebracht. Erzählt doch mal etwas vom Drehtag.

Empire Of Giants:
Das Video zu Blinded haben wir komplett selbst in die Hand genommen. Alex hat dafür seine Gitarre beiseitegelegt und sich die Kamera geschnappt. Wir haben schon einige kleinere Videos selbst produziert, aber da Alex sich über die letzten Jahre auch einiges an Know-How auf diesem Gebiet erarbeitet hat, war es Zeit für ein richtiges Musikvideo. Mit einem Drehtag war das allerdings nicht getan, da wir sehr verschiedene Settings verwendet haben. Und wir nicht auf eine externe Crew angewiesen waren, konnten wir das aufteilen. Gedreht wurde alles im Proberaum. Den haben wir, so gut es ging, zum Filmstudio umgebaut.

 

Time For Metal/ Kai R.:
Die Coronakrise ist ja aktuell das Thema, über das alle reden. Dann wollen wir dem mal gleichtun mit der Frage: Wie steht ihr als Band die Krise durch und was macht ihr zum Zeitvertreib? (Eine spannende Idee für unsere Leser?)

Empire Of Giants:
Im Grunde wie alle anderen auch: Wir nutzen alle möglichen Kommunikationswege, um zum Beispiel an neuen Songs zu arbeiten. Das war sowieso geplant, aber wir hätten das natürlich lieber gemeinsam im Proberaum getan. Aber man arrangiert sich dann doch recht schnell mit so einer Situation. Ansonsten versuchen wir natürlich unseren Humor nicht zu verlieren und erproben uns ein wenig an verschiedenen Social-Media-Bespaßungen. Können wir was empfehlen? Vielleicht eine Partie Video-Konferenz-Kniffel. Das hat bei uns zumindest für viel Freude und Geschrei gesorgt.

Time For Metal/ Kai R.:
Eine klare und vor allem weibliche Stimme im Metalcore ist echt eher selten. Unser Kollege Andreas F. hat in seiner Kolumne Die (Un)Wahrheiten über Frauen im Heavy Metal mit allerhand Klischees reinen Tisch gemacht. Wie sieht es eure Sängerin Kira? Wie ist die Metalszene aus ihrer Sicht?

Empire Of Giants/ Kira:
Ich und wir erleben die Metalszene in Bezug auf unsere Musik häufig sehr zwiegespalten. Da gibt es ein Lager, das ganz klar sagt, dass sie Frauengesang im Metal nicht mögen und auch nicht wollen. Die andere Hälfte sieht das dagegen als Bereicherung. Ich habe den Artikel von Euch gelesen und ich kann das eine oder andere Klischee leider bestätigen. So wird zum Beispiel gern angenommen, ich wäre zum Merch verkaufen mitgekommen, während meine Bandjungs automatisch als Musiker betrachtet werden. Wenn die Leute mich dann später auf der Bühne sehen, sind sie häufig ziemlich baff. Auch Sprüche bleiben manchmal nicht aus, so wie „Aha, habt ihr euch ne Frau als Eyecandy in die Band geholt“. Oder dass ich doch bestimmt mit einem aus der Band zusammen bin. So was kann ich gar nicht ernst nehmen, das ist mir egal. Aber das zeigt schon ganz gut, dass noch nicht in allen Köpfen angekommen ist, dass es eigentlich keinen Unterschied macht, ob da nun eine Frau singt, Gitarre oder Schlagzeug spielt oder ob das eben ein Mann macht. Zumindest habe ich aber das Gefühl, dass mit den nachfolgenden Metalgenerationen ein anderes Selbstverständnis für Frauen im Metal heranwächst. Der Großteil unseres Musikumfeldes ist glücklicherweise tolerant, und da ist das überhaupt kein Thema.

Time For Metal/ Kai R.:
Noch etwas vielleicht sogar Witziges.. Auf eurer Presse-Seite (echt super, dass ihr so etwas habt) habt ihr neben eurem Technikdokument sogar eines fürs Catering. Ist da mal etwas vorgefallen? Und wer ist der Vegetarier, der doch auch Fleisch isst, wenn nichts anderes verfügbar?

Empire Of Giants:
Derjenige möchte wohl lieber unerkannt bleiben. (lachen) Nein, im Ernst: Wir waren selbst überrascht, dass auch bei Bands in unserer Größe häufig danach gefragt wird. Also haben wir einfach mal so ein Dokument erstellt. Da wir uns ja aber grundsätzlich schon darüber freuen, wenn überhaupt Catering angeboten wird, lehnen wir die Bockwurst mit Brötchen dann auch nicht ab, wenn es mal keine Chia-Grünkern-Artischocken-Bratlinge mit Detox-Smoothie gibt.

Ein zweiter Grund dafür ist aber auch, dass wir es selbst als Veranstalter – z.B. des Polar Festivals – sehr schätzen, wenn alle wichtigen Infos über eine Band direkt griffbereit sind. Und das Essen ist natürlich immer ein wichtiger Faktor für die Stimmung im Backstage.

Time For Metal/ Kai R.:
Die Band aus dem Nichts, Heaven Shall Burn, hat unter anderem mit ihrem Track My Heart And The Ocean mit der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd zusammengearbeitet. Wie steht ihr zu solchen Themen?

Empire Of Giants:
Sehr positiv. Wir finden es gut, wenn Bands ihre Präsenz im öffentlichen Leben dazu nutzen auf die Arbeit von Organisationen aufmerksam zu machen, die versuchen, gegen Ungerechtigkeiten anzukämpfen und die Welt für uns alle ein kleines bisschen besser zu machen. Für uns haben Bands da klar Vorbildfunktion und wenn Heaven Shall Burn sagt: „Eure Arbeit finden wir gut, die möchten wir unterstützen“, dann ist das eine tolle Sache.

Wir finden das im Übrigen auch und konnten im Rahmen unseres Polar Festivals tatsächlich auch schon mit Sea Shepherd zusammenarbeiten. Auch wenn die Bühne, die wir dafür bislang bieten können, deutlich kleiner ist, möchten wir trotzdem gern ein Bewusstsein dafür schaffen.

Time For Metal/ Kai R.:
Darf aus eurer Sicht Musik eine politische Meinung verbreiten oder ist das für euch eine Sache, die nicht zusammengehört?

Empire Of Giants:
Auf jeden Fall darf Musik eine politische Meinung verbreiten, solange diese natürlich im Einklang mit unseren Grund- und Menschenrechten steht. Wir selbst tun dies zwar nicht explizit in unseren Songs, aber wir sind der Meinung, dass natürlich jeder – aber ganz besonders Leute, die öffentlich auftreten – einen politischen Standpunkt haben sollten. Daher haben wir als Band natürlich auch eine klare politische Haltung, auch wenn diese nicht aus jeder Textzeile winkt.

Time For Metal/ Kai R.:
Wo seht ihr euch in fünf Jahren? Habt ihr Pläne? Ziele? Träume?

Empire Of Giants:
Fünf Jahre, zehn Jahre, wir sind nicht so die Freunde solcher Gedankenexperimente. Dass das Leben am Ende doch nicht planbar ist, sehen wir ja alle gerade. Aber natürlich haben wir Träume und die möchten wir natürlich auch gern erreichen. Auf dem Weg dahin steht im Herbst eine Tour an. Wir hoffen natürlich inständig, dass bis dahin wieder die Möglichkeit besteht, diese auch umzusetzen. Und dann ist der nächste Schritt natürlich das zweite Studioalbum, an dem wir auch bereits arbeiten. Aber wie heißt es so schön, gut Ding will Weile haben.

Time For Metal/ Kai R.:
Vielen Dank für die Zeit und natürlich wünsche ich euch #stayhealthy,
Kai

Weitere Beiträge
Leise War Gestern – Der Time For Metal Podcast: Saltatio Mortis (Lasterbalk & Alea) im Interview