Eternity’s End – The Fire Within

“Da steckt wirklich Feuer drin!“

Artist: Eternity’s End

Herkunft: Deutschland / International

Album: The Fire Within

Spiellänge: 56:02 Minuten

Genre: Progressive Power Metal, Neoclassical Power Metal

Release: 25.03.2016

Label: Power Prog Records

Link: https://www.facebook.com/EternitysEndMusic

Produktion: von Christian Muenzner und Per Nilsson (Produktion) sowie von Per Nilsson (Mix und Mastering)

Bandmitglieder:

Gesang – Ian Parry
Gitarre – Christian Muenzner
Bassgitarre – Linus Klausenitzer
Keyboard – Jimmy Pitts
Schlagzeug – Hannes Grossmann

Tracklist:

  1. The Fire Within
  2. Demonblade
  3. The Hourglass
  4. Eagle Divine
  5. White Lies
  6. Twilight Warrior
  7. Chains Of The Earth
  8. The Dark Tower
  9. Moonstruck
  10. The Fall Of The House Of Usher

Eternitys End - The Fire Within

 

Schon seit langem hatte Christian Muenzner die Vision, irgendwann einmal seine eigene Band zu gründen, um gemeinsam mit ähnlich gelagerten Metalheads seiner größten Passion, nämlich dem neoklassischen Power Metal, zu frönen. Zum Ende des Jahres 2013 ging er dann aktiv daran, diesen Traum wahr werden zu lassen und schrieb die ersten Songs. Die Instrumentalfraktion für die Band war beisammen, es ging auf die Suche nach einem Sänger. Anfang 2015 wurde man mit Ian Parry fündig, der, wie auch alle anderen Bandmitglieder und natürlich auch Christian Muenzner selbst, eine beeindruckende Referenzliste vorlegen kann. Am 25.03.2016 erscheint über Power Prog Records das Debütalbum dieser neuen Formation, und allein die Songtitel machen mich schon sehr neugierig auf das, was da kommen mag.

Wer bei „Neoclassical“ schon die Stirn runzelt, den kann ich gleich mal beruhigen. Es gibt zwar ein paar sehr feine Keyboard- und Gitarren-Einlagen, die in diese Richtung gehen, aber im Grunde gibt es von Eternity’s End feinsten Progressive Power Metal auf die Ohren. Und das sehr oft in Hochgeschwindigkeit, wie gleich beim ersten Track The Fire Within, der tatsächlich einige neoklassische Parts aufweist. Hier ist der Songname Programm, denn der Song hat wirklich Feuer unter’m Arsch! Wie man Instrumente in diesem Tempo spielen kann, wird sich mir nie erschließen, und jeder darf sich mal präsentieren, wobei sich Christian Muenzner natürlich einige Extra-Parts gönnt. Wer, wie ich das Glück hat, das Album Origins der amerikanischen Band Cypher Seer aus dem Jahr 2011 sein Eigen zu nennen, wird sich an dieses Meisterwerk erinnert fühlen. Nur die Stimme von Sänger Ian Parry ist eine andere, aber mit ihm hat Christian Muenzner eine richtig gute Wahl getroffen. Mich erinnert die Gesangsfarbe von Ian Parry ein wenig an Bob Catley (Magnum).

Nur unwesentlich langsamer kommt Demonblade daher. Mit Chören, die ein wenig an Hammerfall erinnern und einem Ian Parry, der beweist, dass er mit seiner Stimme mächtig hoch kommt, und das unfallfrei und ohne, dass es danach unangenehm in den Ohren fiept. Bei The Hourglass wird dann zum ersten Mal das Tempo im Chorus gedrosselt, da hat sich Christian Muenzner wohl gedacht, dass es mal Zeit für eine Veränderung wäre. Hier muss ich bei einigen Passagen an alte Werke von Symphony X denken. Auch bei Eagle Divine klingt es leicht nach der amerikanischen Progressive Metal-Band, und auch wenn deren Sänger Russell Allen doch eine überragende Stimme hat, steht Ian Parry ihm nicht wirklich viel nach, wenn auch in einer um eine Stufe höheren Tonlage.

Mit White Lies überraschen mich Eternity’s End dann mächtig, denn mit Power Metal ist hier eigentlich nicht mehr viel. Ich würde es mal als Melodic Rock im Stile von House Of Lords, Fair Warning oder auch Magnum bezeichnen. Allein die teilweise eingestreuten neoklassischen Töne vom Keyboard gibt es bei denen nicht. Aber dieser kleine Ausflug in andere melodische Gefilde zur Mitte des Albums wird mit Twilight Warrior gleich wieder vergessen gemacht. Christian Muenzner schreddert auf seiner Streitaxt, will sagen Gitarre, das man wahrscheinlich eine Zeitlupe bräuchte, um die einzelnen Griffe noch erkennen zu können. Auch Jimmy Pitts am Keyboard hat sich wahrscheinlich noch ein paar zusätzliche Arme zugelegt, so flirren die Töne aus den Boxen an mir vorbei. Und jetzt möchte ich auch endlich mal Linus Klausenitzer und Hannes Grossmann erwähnen, die natürlich ebenfalls Hochleistungssport an ihren Instrumenten betreiben, sonst wäre diese Gesamtleistung der Band ja überhaupt nicht möglich. Hören kann man den Song übrigens hier. Bei Chains Of The Earth sind es diese immer wieder eingestreuten, ziemlich kurzen, aber dafür umso prägnanteren Gitarrenspielereien, die die Würze dieses Songs ausmachen. Und dann gibt es da diese Stelle, wo alle Instrumente aussetzen und nur diese schönen Keyboardklänge zu hören sind. Gänsehaut! Ian Parry singt sich in meiner persönlichen Favoritenliste der besten Sänger mit diesem Song auch glatt auf das nächsthöhere Treppchen, der Mann ist einfach unbeschreiblich gut.

Wer, wie ich, beim Titel des folgenden Songs The Dark Tower zunächst mal an das gleichnamige Werk des amerikanischen Schriftstellers Stephen King denkt, hebe bitte mal die Hand. Ah ja, sind doch einige 😀 Und vielleicht hat Christian Muenzner beim Schreiben des Songs auch an dieses Werk gedacht, denn dieser längste Track des Albums könnte durchaus als Soundtrack für eine eventuelle Verfilmung dienen. Noch nicht ganz Doom, aber sehr langsam, wie Lava, die sich unaufhaltsam einen Berg hinunterwälzt, so wälzen sich die Töne aus den Boxen. Fast schon theatralisch kommt dem Gesang von Ian Parry hier die unbestreitbare Hauptrolle zu, wobei er natürlich von der Instrumentalfraktion famos eingerahmt wird. Ganz großes Kino!

Nach dem längsten kommt der kürzeste Track des Albums. Moonstruck schickt noch mal den Shinkansen, einen der japanischen Hochgeschwindigkeitszüge, auf die Strecke. Aber genauso, wie in Japan bereits noch schnellere Züge getestet werden, gibt es dann mit dem leider schon letzten Track The Fall Of The House Of Usher noch mal eine Rundum-Vollversorgung für alle, die, wie ich, genau diese Songs lieben. Und um es zum Ende noch mal allen zu beweisen, spielen die Männer von Eternity’s End hier auch noch mal richtig schön mit verschiedenen Geschwindigkeiten und halten damit den Hörspaß wirklich bis zum letzten Ton aufrecht.

Fazit: Ich bin beim Begriff "neoclassical" auch erst mal ein wenig skeptisch, denn es kann auch irgendwann mal zu viel werden. Aber wie schon geschrieben, die paar sehr schönen Spielereien, die es in dieser Richtung auf diesem Album zu hören gibt, sind hier wirklich das Salz in der Suppe. Ansonsten ist das ein sehr geniales Album mit überwiegend Hochgeschwindigkeitssongs, das bei mir sofort gezündet hat, und das wahrscheinlich auch beim zigsten Hören nicht langweilig wird. Da wusste jeder genau, was er zu tun hat, angefangen vom Songwriting bis hin zum sehr farbenprächtigen Cover.

Anspieltipps: The Fire Within, Chains Of The Earth, The Dark Tower und The Fall Of The House Of Usher
Heike L.
9.8
Leserwertung6 Bewertungen
8.1
9.8
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