Falconer – From A Dying Ember

Zum Abschied schließt sich der Kreis

Artist: Falconer

Herkunft: Mjölby, Schweden

Album: From A Dying Ember

Spiellänge: 46:17 Minuten

Genre: Folk / Power Metal

Release: 26.06.2020

Label: Metal Blade Records

Link: https://www.facebook.com/falconermetal/

Bandmitglieder:

Gesang – Mathias Blad
Gitarre – Stefan Weinerhall
Gitarre – Jimmy Hedlund
Bassgitarre – Magnus Linhardt
Schlagzeug – Karsten Larsson

Tracklist:

  1. Kings And Queens
  2. Desert Dreams
  3. Redeem And Repent
  4. Bland Sump Och Dy
  5. Fool´s Crusade
  6. Garnets And A Gilded Rose
  7. In Regal Attire
  8. Rejoice The Adorned
  9. Testify
  10. Thust The Dagger Deep
  11. Rapture

Die Geschichte von Falconer geht bis in das Jahr 1999 zurück. Damals, nach der Auflösung der legendären Viking Black Metal Pioniere Mithotyn, als Soloprojekt von Stefan Weinerhall gestartet, konnte er ziemlich rasch Mitstreiter für sich gewinnen, um seine musikalischen Visionen, die eine Symbiose aus nordischem Folk und geradlinigem Power Metal beinhaltete, zu verwirklichen. Ein wahrer Glücksgriff war der Einstieg von Mathias Blad als Sänger, der mit Ausnahme von 2002 bis 2005, als er durch Kristoffer Göbel ersetzt wurde, zum festen Line-Up der Band gehört und mit seiner einzigartigen Stimme der Hauptgrund war, warum die Veröffentlichungen von Falconer im Vergleich zu ähnlich klingenden Bands immer wieder herausstechen konnten. Das 2001 erschienene Debütalbum Falconer kassierte seinerseits verdientermaßen vielerorts Höchstpunktzahlen, und wurde in seiner musikalischen Genialität von den nachfolgenden sieben Alben nie wieder ganz erreicht. Nach dem 2014er Release Black Moon Rising wurde es still um die Band. Die sowieso schon rar gesäten Liveauftritte wurden komplett zurückgefahren. Weinerhall ließ sich für das Songwriting zur neuen Scheibe sehr viel Zeit, um „sicherzustellen, dass das geschriebene Material auch höchsten Ansprüchen genügte.“ So dauerte es lange sechs Jahre, bis nun mit From A Dying Ember das neunte und, wie sich kurz vor Veröffentlichung dieser Zeilen herausstellte, auch leider letzte Lebenszeichen von Falconer das Licht der Welt erblickt. Weinerhall erklärt, dass man freundschaftlich auseinandergehe, und begründet den Schritt u.a. damit, dass es an der Zeit ist, sich neuen, anderen musikalischen Horizonten zu öffnen, welche das auch immer sein mögen und bekräftigt zugleich, dass er all seine Kraft in das Songwriting für From A Dying Ember gesetzt hat, um der Band einen würdigen, verdienten Abschluss zu geben. Und das ist ihm, so viel sei vorweggenommen, mit dem neuen Album mehr als gelungen!

Mit King And Queens starten wir nun in die letzte Reise. Das Viking Metal lastige und sehr an Mithotyn erinnernde Einstiegsriff nimmt mich sofort gefangen. Dazu die typischen Harmonien aus der Feder des Komponisten und über allen thront bei dem im gediegenen Midtempo gehaltenen Song Mathias Blads Gesang, der wieder einmal über jeden Zweifel erhaben ist. Fertig ist der perfekte Opener!

Flotter und mehr die Power Metal Fraktion bedienend, geht es bei Desert Dreams zur Sache. Starke Melodie + starker Refrain = starker Song – was will man mehr? Redeem And Repent schlägt wieder in die eingeschlagene Kerbe des Openers ein, während das in schwedisch vorgetragene Bland Sump Och Dy ein reiner Folk-Song ist, der so auch auf dem 2011er Album Armod gepasst hätte. Auch das abwechslungsreiche, mit einem grandiosen Refrain ausgestattete, Fool´s Crusade kann durchaus überzeugen.

Einen Song wie Rejoice The Adorned gab es bisher von Falconer in dieser Art noch nicht zu hören. Denn hier haben wir es mit einer nur von Klavier und Streichern arrangierten gefühlvollen Ballade zu tun, in welcher Matthias Blad zielsicher sogar in die Höhen eines Morten Harket vordringt. Hier merkt man, dass Blad eben kein typischer Metalsänger ist, sondern eine klassische Gesangsausbildung genossen hat – und das hört man in jeder Silbe! Während im folklastigen Testify Eingängigkeit großgeschrieben wird, gibt es im leicht progressiv gehaltenen Thust The Dagger Deep sogar einen Dudelsack zu hören.

Doch wie heißt es immer so schön: Das Beste kommt zum Schluss! Was bekommt man, wenn Stefan Weinerhall zusammen mit seinem alten Mithotyn Mitstreiter Karl Beckmann monatelang einen Song ausbrütet: Na klar, einen bemerkenswerten Meilenstein namens Rapture. Feinster Viking Metal, der ruhig beginnt, sich langsam steigert und ab Minute 2:50 in einem absoluten Höhepunkt gipfelt. Denn wie aus dem Nichts und völlig unerwartet werden die Blastbeats ausgepackt und dazu eine durchgezogene Melodie gespielt, die meine Kinnlade bis zu den Kniekehlen absinken lässt. Ganz ehrlich: So was Großartiges habe ich seit dem Album Gathered Around The Oaken Table (Mithotyn, 1999) nicht mehr gehört. Der pure Wahnsinn und ein würdiger Abschluss eines Albums, welcher den musikalischen Kreis der Vergangenheit mit der Gegenwart und vielleicht sogar der Zukunft (wer weiß…) schließt!

Falconer – From A Dying Ember
Fazit
Falconer liefern mit From A Dying Ember ab, leider zum letzten Mal. Man merkt dem Album die Reife, den Feinschliff an, den es über die Jahre seiner Entwicklung bekommen hat. Bei keinem anderen Album der Band war die Nähe zu den Werken von Mithotyn näher als hier. Fans von Falconer müssen hier zugreifen, denn sie bekommen zum Abschied das beste Album der Schweden präsentiert. Aber auch Freunde der Frühwerke Weinerhalls sollten hier unbedingt mehr als ein Ohr riskieren. Bleibt zu hoffen, dass die Herren irgendwann wieder Spaß am Musizieren haben und uns, egal in welcher Zusammensetzung, wieder mit ihren Werken beglücken!

Anspieltipps: Kings And Queens, Desert Dreams und Rapture
Christian K.
9
Leser Bewertung3 Bewertungen
9.5
9
Punkte
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