”In my ears, it was flawless!”

Bands: Five Finger Death Punch, In Flames

Vorband: Of Mice & Men

Ort: Olympiahalle, München

Datum: 29.11.2017

Kosten: 45,90 – 68,90 € VVK

Genre: Modern Metal, Alternative Metal, Nu Metal, Metalcore

Besucher: ca. 10000

Veranstalter: PGM Promoters Group Munich Konzertagentur GmbH

Link: https://www.muenchenticket.de/guide/tickets/214ib/Five+Finger+Death+Punch+In+Flames.html

Manchmal stolpert man über Musik oder auch Bands, ohne einen wirklichen Bezug zur Szene oder zu den beteiligten Personen zu haben. So ist die Einstellung zur Band Five Finger Death Punch vielleicht eben davon abhängig, ob man zunächst mit der Musik, dem Image oder mit Frontmann Moody und dessen Presse in Berührung kommt. Gesagt wird vieles, aber manchmal, nein, eigentlich immer, ist es besser sich live von Tatsachen überzeugen so lassen. Gelegenheit gab es dazu am 29. November 2017 in der Olympiahalle in München, als die große Co Headliner Tour von Five Finger Death Punch und In Flames ihre Wege nach Deutschland fand. Zusammen mit der Metalcore Gruppe Of Mice & Men, die auch nicht weiter vorgestellt werden muss, verspricht bereits das Line Up einen interessanten Abend. Doch können diese drei Namen, das Versprechen einer Co Headliner Show und die Olympiahalle dieses Versprechen halten?

Der Einlass war mit 17:00 Uhr recht früh angekündigt – ganz eingehalten wird dies nicht, jedoch geht es für die Fans, welche bereits in recht ordentlicher Zahl am Eingang warten, nur wenig später auch endlich rein. Die Olympiahalle ist schon ein Ort für sich – so eine große Arena mit Kiosk Ständen, mehreren Ebenen und einer überzeugenden Bühne, die bereits beim Reinkommen das Of Mice & Men Banner hisst, wirkt einfach immer wieder beeindruckend, egal wie häufig man das Venue schon gesehen hat.

Als es dann um 19:00 Uhr pünktlich mit Of Mice & Men losgeht, zeigt sich die Halle jedoch noch recht leer, insbesondere was die Tribünen angeht. Aber: Was noch nicht ist, kann ja noch kommen! Die südkalifornischen Aufsteiger im Genre Metalcore lassen sich jedenfalls nicht davon beeindrucken und liefern ein kurzes Set, welches mit wohl allen bekannten Hits und den neusten Songs gefüllt ist von The Depths bis Warzone. Das Publikum, das die Band zu großen Teilen zum ersten Mal vor der Nase hat, wippt zufrieden mit dem Kopf mit, ein paar einzelne Mosh Pits sind auch hin und wieder zu sehen, die Action hält sich dabei jedoch noch in Grenzen. Besonders beeindruckend zeigt sich vor allem aber der Sound ab dem ersten Ton und da merkt man nun doch wieder die Unterschiede zwischen kleinen Club Shows und wirklich großen Venues – hier arbeiten Menschen, die wissen, was sie tun. Es liegt wohl an zwei geplanten Headlinern, dass Of Mice & Men ihr Set relativ kurz halten. Zum Aufwärmen jedoch perfekt und mit ihren letzten Single Releases hat die Gruppe bewiesen, dass sie im Genre Metalcore, der jedoch starke Einflüsse außerhalb des Core Genres einnimmt, nicht zu unterschätzen sind.

Kaum haben Of Mice & Men die Bühne verlassen, beginnt auch schon reges Treiben auf der Bühne, denn ein großer Umbau muss innerhalb kurzer Zeit geschehen. Dabei schützt ein Vorhang vor neugierigen Blicken, gleichzeitig ein Statement: Man gibt sich Mühe!

Nach ca. einer halben Stunde betreten nicht nur In Flames die Bühne, sondern in dieser Zeit hat sich die Olympiahalle gefühlsmäßig noch einmal um das Doppelte gefüllt und selbst die Tribünenränge zeigen sich stark besetzt. In Flames ist eine Band, die schon seit 1990 existiert und damit dann doch sogar einige Jahre älter ist, als so mancher Zuschauer (auch ich gehöre dazu). Macht aber nix, Musik ist ja zeitlos – aber sind das Menschen auch? Das aktuelle Album Battles musste ja so einiges an Kritik einstecken – so finden sich dort doch eindeutige Modern Metal Einflüsse, ja man könnte schon fast vom Mainstream reden, was als Melodic Death Metal Band natürlich erst mal gewagt werden muss. Geglückt meiner Meinung nach, denn In Flames haben sich selbst dabei nicht aufgegeben, lediglich weitere Einflüsse in ihre Musik eingebracht, was nach 27 Jahren Bandgeschichte auch durchaus zu gefallen weiß. Den Zuschauern scheint dies zum größten Teil auch egal zu sein, denn die Zustimmung ist von Anfang bis Ende gegeben, auch wenn Songs aus älteren Alben doch durchaus zu etwas mehr Bewegung in Form von Mosh und Circle Pits führen. Aber das lässt sich bei den harten Riffs halt auch besser machen.

Das Set, welches mit Drained beginnt, geht dabei von der aktuellen Platte bis ins Jahr 1996 zurück, womit sich wohl wahrlich keiner beschweren kann. Drained wird dabei auch noch komplett vor einem In Flames Tuch gespielt, bevor dieses dann bei Before I Fall fällt – mit der eingesetzten Lichtershow ein gigantischer Moment, den In Flames für ca. 80 Minuten aufrechterhalten können. Dabei ist die Band vor allem spaßig aufgelegt, scherzt über fast schlafende Five Finger Death Punch Fans in der ersten Reihe, und auch als plötzlich der komplette Sound der Olympiahalle ausfällt, nehmen sie es mit Humor, dass die Zuschauer für eine halbe Minute nichts hören:”In my ears, it was flawless!” Ja, ein kleiner Ausfall hilft manchmal auch, um das Konzert besonders zu machen. Auch die stetige Filmerei wird adressiert, was bei einer Band, die noch Konzerte gegeben hat komplett ohne Handys, umso mehr nach einem klaren Statement wirkt. Das mehr als starke Set, welches leider fast zu kurz ausfällt, endet passend mit The End. Man braucht eigentlich nur einen Song, um zu merken, wieso In Flames so eine große Band sind und selbst der leichte Stilwechsel der aktuellen Platte wird an dieser Tatsache nichts ändern: Live eine Wucht, persönlich menschlich und musikalisch einfach ausgezeichnet!

Und dann bleiben nur noch Five Finger Death Punch, die ich an diesem Abend das erste Mal live sehen werde. Was die Band rund um Frontmann Moody angeht, hört man schnell so einiges, was vor allem am erwähnten Frontmann liegt – manchmal ist es aber besser, wenn man unvoreingenommen auf Musik zugeht. Denn schon allein das Bühnenbild mit einem riesigen Totenschädel und zwei großen Baseballschlägern kann sich sehen lassen. Was die Musik der Gruppe angeht, ist der Sound von ebenso ausgezeichneter Qualität, wie es auch schon bei den vorherigen Bands des Abends der Fall war. Five Finger Death Punch präsentiert einen Metal, der sich doch aus der Masse hervorhebt und unverkennbar ist – und auch gar nicht so trashig, wie man es beim Namen oder dem Bühnenoutfit vielleicht meinen könnte. Insbesondere Songs wie The Wrong Side Of Heaven oder auch Remember Everything, welche beide in der Akustikversion gespielt werden, berühren auf eine Weise, die man der Gruppe auf dem ersten Blick nicht zutrauen würde. Songs wie Got Your Six und auch Burn Motherfucker Burn sorgen dann wiederum für nötige Energie und das Publikum rastet aus. Auch ein gemeinsames Feature mit Of Mice & Men kommt recht überraschend, funktioniert aber wunderbar und es ist schön zu sehen, dass sich hier wohl zwei Gruppen gut verstehen. Moody und die Band selbst zeigen sich dabei in bester Laune: So werden Fans auf die Bühne geholt, Baseballschläger verschenkt, Umarmungen verteilt und als dann auch noch ein kleines Mädchen im 5FDP Merchandise mit Moody zusammen auf die Bühne kommt, scheint der in der Presse beschriebene betrunkene, wütende Moody ganz weit weg zu sein. Glück gehabt bei einer schlechten Liveband oder einfach eine Band, die mehr Kritik bekommt als berechtigt? Genau lässt sich das nicht sagen. Five Finger Death Punch liefern aber 100% ab und hier kann man wohl sehr schwer unzufrieden nach Hause gehen.

Insgesamt lässt sich nur noch sagen, dass hier eine Show auf einen wartet, welche wahrlich sehenswert ist und alle drei Bands nicht nur 100 % abliefern, sondern dabei auch vor allem menschlich und sympathisch auftreten, trotz großer Bühne nah an den Fans sind und man durchaus die Verbindung zu all den Jahren Band Geschichte förmlich spüren kann. Auch das Konzept einer Co Headliner Show bewährt sich und kann gerne in anderen Konstellationen wiederholt werden.

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