Foreign – The Symphony Of The Wandering Jew Part II

Ein Konzeptalbum der anderen Art: So bringt Geschichte Spaß

Artist: Foreign

Herkunft: Besancon, Frankreich / Multinational

Album: The Symphony Of The Wandering Jew Part II

Spiellänge: 72:20 Minuten

Genre: Prog Metal Opera

Release: 04.12.2020

Label: Pride & Joy Music

Links: https://www.facebook.com/foreignrockoperafrance/

Bandmitglieder:

40 Musiker, inkl. Leo Margarit (Pain Of Salvation, Epysode), Mike Lepond (Symphony X, Silent Assassins), Zak Stevens (Circle II Circle, Savatage, TSO), Andy Kuntz (Vanden Plas), Tom S. Englund (Evergrey), Amanda Lehmann (Steve Hackett Band), Emma Elvaston (Beneath My Sins), Thierry Marquez (Born Again)…

Tracklist:

  1. Yerushalaïm (feat. Zak Stevens, Leo Margarit, Amanda Lehmann)
  2. Rise 1187 (feat. Zak Stevens, Amanda Lehmann)
  3. Mariner Of All Seas (feat. Amanda Lehmann)
  4. Holy Lands
  5. Eternity Part III
  6. Running Time (feat. Tom Englund, Emma Elvaston, Emmanuel Levy)
  7. The Fountain (feat. Emma Elvaston)
  8. Mysteries To Come (feat. Tom Englund, Emma Elvaston, Mike LePond, Emmanuel Levy, Leo Margarit)
  9. Secrets Of Art (feat. Andy Kuntz)
  10. Symphonic Caress (feat. Andy Kuntz, Mike LePond)
  11. Eternity Part IV (feat. Leo Margarit)
  12. Revolutions (feat. Fanny Deroy, Leo Margarit)
  13. Witness Of Changes (feat. Fanny Deroy)

Als ich mir das Album aus unserer Promo-Liste heraus gesucht habe, habe ich mich von „Prog, Rock & Metal-Oper“ blenden lassen. Genau so wenig habe ich auf „Part II“ geachtet. Aber nun gut. Immer offen für Neues, ein zweiter Teil mündet meist aus einem erfolgreichen Ersten.
Bevor ich die Musik anwerfe, versuche ich immer erst einmal, ein bisschen Background zu der jeweiligen Scheibe zu sammeln. Das ist hier gar nicht so einfach. Die Informationen sind erst spärlich, dann erschlagen sie einen. Ich versuche einmal, die zwölf Aktenordner in die üblichen zwei Absätze zu packen…

2020 – Promo Ivan Jacquin, Foreign

Foreign ist eigentlich der Franzose Ivan Jacquin (Psychanoïa, Amonya, Pulse Floyd Tribute). Wie im erfolgreichen ersten Teil, der mittlerweile von 2014 (!) ist, scharrte der Autor, Komponist, Sänger und Keyboarder insgesamt 40 internationale Musiker zusammen. Die bekanntesten hiervon werden Leo Margarit (Pain Of Salvation, Epysode) am Schlagzeug, Mike Lepond (Symphony X, Silent Assassins) am Bass, die Sänger Zak Stevens (Circle II Circle, Savatage, Trans-Siberian Orchestra), Andy Kuntz (Vanden Plas) und Tom Englund (Evergrey) sowie Amanda Lehmann (Steve Hackett Band) als Sängerin und Lead-Gitarristin sein.

Doch worum geht es in dieser als Trilogie ausgelegten Rockoper? Hintergrund und Anlass ist Jean d’Ormessons Buch Histoire du Juif Errant (Geschichte des wandernden Juden). Die Geschichte daraus wird hier in ein musikalisches Epos umgesetzt. Alles beginnt mit Ahasver, einem einfachen Schuster, der Jesus Christus beim Kreuzgang ein Glas Wasser verweigerte und daraufhin zur Unsterblichkeit verflucht wurde. Während Teil eins seine Geschichte vom Jahr 33 bis 1100 abdeckt, hören wir hier die weitere globale Entwicklung bis zur Industriellen Revolution und lässt auf dem Weg dorthin die Wikinger, Christopher Kolumbus und seine historischen Irrtümer, Franz I. und seine Träume von der Alchemie, Nostradamus‘ Prophezeiungen, Shakespeares Mysterien und Mozarts Genie hinter sich. Das vorläufige Ende beginnt mit den zahlreichen Revolutionen im Jahr 1789 in Frankreich sowie dem Beginn des 19. Jahrhunderts und der Industrialisierung.

So wie die verschiedenen Zeiten und Orte, so unterschiedlich ist natürlich auch die Musik. Fast 2000 Jahre Zeitgeschichte musikalisch darzustellen, ist schon schwierig genug. Hierbei wird natürlich auch auf die Entwicklung der Musik eingegangen. Dies erklärt auch eine Instrumentalisierung mit so exotischen Instrumenten wie Oboe, Harfe, Hurdy Gurdy, Cello, Duduk oder Hackbrett. Ich beginne mal mit dem Titel Rise 1187. Mittelalterliche Klänge wie auf einem MPS oder in dem Wackinger Village auf dem W:O:A. Mit knarzenden Seilen eines Großseglers beginnt Mariner Of All Seas. Zusammen mit dem folgendem Holy Lands kommt die Geschichte ohne eine Gitarre, ein Bass oder ein Schlagzeug aus. Über zehn Minuten ruhige, klassische Klänge. Metal ist anders… Running Time – endlich ein schnellerer Song, bei dem Autor Ivan Jacquin seine Liebe zu Pink Floyd in vielen Riffs nicht verhehlen kann. Auch bei The Fountain sind Anleihen bei The Wall genommen worden. Danach nähert sich das Tempo dem, was versprochen wurde. Mysteries To Come mit prägenden Keyboard-Einlagen ist ein runder Song, der die Wende endgültig einleitet. Eternity Part IV ist ein instrumentaler Song, der in Richtung Österreich zielt. Rhythmus, Instrumentalisierung und Takt sind unmissverständlich. Revolutions ist, wie der Name schon vermuten lässt, der Französischen Revolution zuzuschreiben. Fanny Deroys Sopran geht im Duett gegen metallisches Gegrowle. Ein Midtempo-Song, der nun im Symphonic-Metal-Genre angekommen ist.

Ein melodiöses Konzeptalbum, ohne auf Chartplatzierungen zu schielen. Über 70 Minuten lang lässt es trotz allem keine Langeweile aufkommen. Flüssig ohne Längen. Eine alltagstaugliche Scheibe, die auch bei Besuch von der Schwiegermutter funktioniert.

Gemischt und gemastert ist das Album von Markus Teske, den man von Vanden Plas, Red Circuit, Mob Rules und anderen kennt. Erhältlich wird die CD im Jewel Case mit 24-seitigem Booklet sein. Hierin sind die Songtexte und Zeichnungen der Mitwirkenden in ihren Rollen. Weiterhin ist das Album natürlich als Download und Stream auf den bekannten Kanälen zu haben. Ein Erscheinungstermin für den abschließenden dritten Teil wurde natürlich nicht bekannt gegeben. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder fast sieben Jahre werden.

Foreign – The Symphony Of The Wandering Jew Part II
Fazit
Der wandernde Jude ist eine Rockoper, die deutlich weniger überfrachtet ist als viele andere zeitgenössische, symphonische Veröffentlichungen. Traditionelle orientalische, mittelalterliche, Rock-, Metal- und Folk-Elemente, einige keltische und jazzige Rhythmen und klassische Musik lassen hier eine musikalische Zeitreise durch die Geschichte entstehen, die immer zur entsprechenden Zeit und dem Thema passt. Symphonisch wohldosiert werden Fans von Avantasia, Ayreon oder Dream Theater hier ihre helle Freude dran haben.

Anspieltipps: Symphonic Caress, Mysteries To Come und Revolutions
Norbert C.
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