Wenn ich den Begriff „Zwischenmahlzeit“ bemühe, dann meist mit skeptischem Unterton. Doch Gotthard belehren mich eines Besseren: More Stereo Crush ist weit mehr als bloße Resteverwertung, auch wenn genau dieser Verdacht zunächst im Raum steht.
Seit über drei Jahrzehnten zählen die Eidgenossen zu den konstantesten Größen im europäischen Hard Rock. In der aktuellen Besetzung mit Nic Maeder (Gesang), Leo Leoni (Gitarre), Freddy Scherer (Gitarre), Marc Lynn (Bass) und Flavio Mezzodi (Drums) wirkt die Band eingespielt, routiniert und jederzeit Herr der Lage.

Das Material stammt größtenteils aus den Sessions des Vorgängers Stereo Crush aus dem Jahr 2025, was man dem Album durchaus anmerkt. Doch statt halbgaren Ausschuss zu servieren, liefern Gotthard solide bis starke Hard-Rock-Kost.
Der Opener Right Now geht direkt ins Ohr und steht exemplarisch für die Stärken der Band: klare Struktur, eingängiger Refrain, druckvolle Gitarren. Ride The Wave legt mit mehr Härte nach und erinnert stellenweise an frühere, bissigere Zeiten. Mit Liverpool gibt es ein kleines Highlight. Das Duett mit Krokus-Frontmann Marc Storace verleiht dem ohnehin starken Song zusätzliche Würze. Natürlich darf auch auf diesem Album die obligatorische Ballade nicht fehlen. Smiling In The Pouring Rain gehört dabei zu den stärkeren Momenten der jüngeren Bandgeschichte. Es ist mit hohem Wiedererkennungswert gefühlvoll, ohne ins Kitschige abzurutschen. Auf der rockigeren Seite überzeugt besonders Snafu, das mit AC/DC-artigen Riffs kokettiert, ohne zur bloßen Kopie zu verkommen. Noch stärker ist allerdings Don’t Miss The Call. Es ist ein mitreißender Mitsing-Track, der live für ordentlich Bewegung sorgen dürfte.
Kritikpunkte? Ja, die gibt es. Die Nähe zum Vorgänger ist unüberhörbar und nicht jeder Song erreicht das Niveau der großen Klassiker. Zudem stehen mit Burning Bridges (Radio Edit) und bekannten Tracks auch Wiederverwertungen im Raum.
Und dennoch: Die fünf neuen Songs haben genug Substanz, um das Release zu rechtfertigen. Mehr noch, denn stellenweise wirken sie sogar frischer als Teile des Hauptalbums.
Das Album erscheint digital im Download und Stream auf den üblichen Plattformen. Eine CD kommt im Jewel-Case und die Vinyl kommt in einer Dark Mint Vinyl auf das Abspielgerät.
Hier geht es für weitere Informationen zu Gotthard – More Stereo Crush in unserem Time For Metal Release-Kalender.



