Herman Frank – Fight The Fear

Das vierte Album der echten Band Herman Frank

Artist: Herman Frank

Herkunft: Deutschland

Album: Fight The Fear

Spiellänge: 64:33 Minuten

Genre: Hardrock, Heavy Metal, Melodic Metal, Power Metal

Release: 08.02.2019

Label: AFM Records

Link: http://www.hermanfrank.com/de/home.htm

Bandmitglieder:

Gesang – Rick Altzi (Masterplan, At Vance)
Gitarre – Herman Frank (ex-Accept, ex-Victory, ex-Sinner, ex-Hazzard, ex-Moon Dog)
Gitarre – Heiko Schröder
Bass – Michael Müller (Jaded Heart)
Schlagzeug – Andrè Hilgers (ex-Rage)

Tracklist:
01. Until The End
02. Fear
03. Terror
04. Sinners
05. Hatred
06. Hail & Row
07. Hitman
08. Stay Down
09. Rock You
10. Don`t Cross The Line
11. Are You Ready
12. Wings Of Destiny
13. Lost In Heaven

Da behauptet das Label AFM-Records in seinen Infos doch glatt, Herman Frank vorzustellen, das wäre, wie Bier in die Kneipe zu tragen. Aber es gibt eben auch Menschen, die den klassischen Metal nicht schon in den 80ern mit der Muttermilch aufgezogen haben. Herman Frank ist vielen sicherlich als Gitarrist bekannter Größen wie Accept oder Victory ein Begriff und gehört zu den Urgesteinen im Metalgenre, aber auch mit der nach ihm benannten Band Herman Frank veröffentlichte der geborene Erlanger mit Fight The Fear am 09.02.2019 bereits das vierte Album. Jedoch handelt es sich dabei nicht um das Soloprojekt des Gitarristen (auch wenn es als solches begonnen hat), sondern um eine echte Band, wie er immer wieder betont. Die Allstar Truppe setzt sich zusammen aus eben Gitarrist Herman Frank (ex-Accept, ex-Victory), Masterplan und At Vance Stimme Rick Altzi, Bassist Michael Müller (Jaded Heart), Schlagwerker Andrè Hilgers (ex-Rage) und last but not least Neumitglied und Gitarrist Heiko Schröder, wobei Viersaiter Michael Müller vor einigen Tagen verkündete, dass er die Band aus terminlichen Gründen verlassen wird.

Wo Herman Frank drauf steht, da ist auch Herman Frank drin, denn am Gesamtrezept hat sich nicht viel geändert, was sicherlich daran liegt, dass die Band in dieser Zusammensetzung schon eine ganze Weile besteht. Aber stilistisch kann die Band auch ihre Wurzeln nicht leugnen, so blicken immer mal Accept, oder eben auch Victory durch, und durch die sehr prägnante Stimme von Rick Altzi wird man auch immer wieder an Masterplan erinnert.

Mit Until The End startet man verhältnismäßig düster in das Album. Jedoch gibt man sich dabei nicht mit den üblichen Metalklischees zufrieden, sondern es geht um das wegschauen bei der drohenden Zerstörung des Planeten durch die Menschheit und darum, wie wir uns selbst zugrunde richten, indem wir uns den Lebensraum nehmen. Man macht das, was man am besten kann, nämlich klassischen, bretternden Heavy Metal und geht dabei recht fett an die Angelegenheit heran. Schnell, drückend und sehr eingängig! Dabei ist die Nummer bis ins letzte Detail ausgereizt und man hört die jahrelange Erfahrung aller Protagonisten heraus. Die Messlatte wird gleich zu Beginn recht hoch gelegt.

Mit der ersten Videoveröffentlichung Fear und dem schwer Accept-lastigen Terror geht es ganz ähnlich düster weiter, wobei vor allem Letzterer ein ganz besonderes Kaliber ist. Härter, schneller, bissiger. Lange Gitarrenparts mit unheilvollem Unterton und einem coolen Groove. Die Rhythmusfraktion spielt schnell und punktgenau, jedoch zeigt sich hier besonders, dass die Gesangsmelodien nicht immer mit den Gitarrenmelodien und den teils sehr ausgiebigen Soli mithalten können.

Sinners gibt ordentlich Gas, jedoch kann die erste Singleauskopplung nicht wirklich überzeugen. Der flotte Track ist nicht wirklich schlechter als der Rest des Albums, jedoch fehlt das gewisse i-Tüpfelchen, was ich von einem Berufsmusiker wie Herman Frank einfach erwarte. Man meddelt sich halt so, ohne ein gewisses Risiko, durch den Track. Dass es trotzdem interessant klingt, hat man dem Organ von Rick Altzi zu verdanken. Die raue Stimme passt aber ganz sicher nicht nur zufällig, vielmehr wurde dieser Song mit ihm und für ihn geschrieben.

Auch Hatred ist ein ordentlicher Stampfer, obwohl man hier etwas vom Gas geht, und sticht aus allen anderen Kompositionen heraus. Durch Tempovariationen wird das Album vielseitiger und interessanter und zeigt sehr schön die Stärken aller Beteiligten auf. Besonders ist der Track aber wegen seines politischen Textes hervorzuheben, der weltverbesserisch dazu aufruft, dem allgegenwärtigen Hass in unserem Alltag etwas entgegenzusetzen. Normalerweise bin ich der Meinung, dass man solch politische Geschichten aus Songs raushalten sollte, aber es ist die richtige Message zur richtigen Zeit. Aber auch wenn man den Text außen vor lässt, setzt sich die Nummer mit seinem Refrain sofort in den Gehirnwindungen fest und lässt nicht stillstehen.

Der schleppende Midtempo Rocker Hail & Row besticht durch sehr gefühlvollen Gesang des Herrn Altzi und coole, nahezu perfekte Basslines. Der zurückhaltende Rhythmus und die dominanten, aggressiven Drums von Hilgers ergeben den perfekten Groove. Wer auch langsamere Songs mag, kommt hier voll auf seine Kosten, denn der Gesang und das Gitarrensolo kommen sehr viel besser zur Geltung. Das fast 6-minütige Stück Edelmetall erinnert an die Glanzzeiten von Victory, oder könnte auch als pure Accept Nummer inklusive Gangshouts durchgehen. Auch ein bisschen Cry Of The Sirens (Arabia, 1989) von Vengeance könnte hier Pate gestanden haben.

In Hitman und Stay Down kommen dann vor allem die zum Mitsingen anregenden Parts zum Tragen. Das stampfende Hitman, der härtere Song von beiden, erinnert erneut an den früheren, großen Brötchengeber von Herman Frank. Das Gitarrensolo steht im Mittelpunkt, der Rest wirkt etwas so, als wäre es um das Solo herumkonstruiert worden. Das können Profis durchaus besser. Stay Down kommt dagegen im groovigen Midtempo Bereich und sehr melodiös daher, wobei der Singalong Refrain ein Highlight ist. Trotz allem, zwei sehr starke Songs, die auf die Bühne gehören und das Publikum ausrasten lassen.

Rock You ist ein Phänomen, denn es gibt nichts Greifbares, was den Song besonders hervorstechen lässt. Weder die Melodie, noch der Text, und trotzdem transportiert die Nummer mit all ihrer Energie und im Zaum gehaltener Wut ein Feeling, bei dem man mitgehen muss.

Bei Don’t Cross The Line tritt man wieder ordentlich auf’s Gaspedal, aber es verhält sich ähnlich, wie schon zuvor bei Hitman. Ein grandioses Solo, was sicherlich zuerst entstanden ist, während der Rest dann drumherum konstruiert wurde und sich dann letztendlich nicht so richtig zu einem Ganzen zusammenfügt. Viele Bands wären froh über solch einen Song, aber bei Urgesteinen der Musikgeschichte liegt die Messlatte eben doch ein Stückchen höher.

Are You Ready wirkt zunächst wie ein Fremdkörper auf dem gesamten Album, weil es mit seinen Chören gar nicht so recht auf ein Metalalbum passen will und doch ist es gerade dieser Song, der einem im Gedächtnis bleibt. Hier ist Mr. Frank dann doch endlich mal ein Risiko eingegangen und zeigt, dass er doch nicht völlig im gradlinigen Metalsumpf feststeckt.

Bei dem 6-minütigen Wings Of Destiny übertreibt man es dann aber mit dem Mitsingfaktor. Bei dem Versuch, das chromatische Gitarrenspiel in den Song einzupassen, ist man gehörig am Ziel vorbeigeschossen.

In der abschließenden Ballade Lost In Heaven zeigt man dann aber wieder alle Stärken der Band. Laut Plattenfirma bringen die Hardrocker mit diesem Song sogar Edelstahl zum Schmelzen, was ich aber so nicht unterschreiben würde, denn es handelt sich nicht um eine der typischen Herz-Schmerz-Balladen, die vor Liebe und Melancholie triefen. Der Song glänzt mit einer kraftvollen Basis und Melodie und nur die sanfteren Töne von Rick Altzi machen den Track zur Ballade. Man wird nicht mit einer Schnulze im eigentlichen Sinn aus dem Album geworfen, sondern mit einer stilvollen Powerballade hinaus geleitet. Mutig, den Song ans Ende zu stellen, aber es passt als besonderer Abschluss.

Co-Produziert und gemixt wurde das Album von Arne Neurand (Guano Apes, Revolverheld, Subway To Sally). Das Mastering stammt von Robin Schmidt (Callejon, Beatsteaks, Placebo). Für Cover und Artwork zeichnet sich Kai Swilus von Buntmetall (Saxon, Motörhead, Annihilator) verantwortlich.

Herman Frank – Fight The Fear
Fazit
Das Album besteht aus schnellen, harten Metalsongs und etwas sanfteren Gegenpolen, und sollte alle Fans von klassischem Heavy Metal und alle Anhänger von Accept, U.D.O., Masterplan, Rage und Victory voll und ganz zufriedenstellen. Auch Saitenhexer und solche, die es einmal werden wollen, sollten hier getrost mal ein Ohr riskieren. Ansonsten kann es durchaus sein, dass man ein paar Durchläufe mehr braucht, bis die Songs so richtig zünden und ihr ganzes Potenzial entwickeln. Herman Frank ist ein guter Gitarrist, der hier sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellt, aber kein herausragender Komponist. Die Gitarrensoli stehen hier klar im Mittelpunkt des Geschehens, ohne jedoch als selbstverliebtes Gitarrengefrickel eines Egomanen zu wirken. Allerdings sollten die Kompositionen etwas mehr auf die Gesangslinien von Altzi abgestimmt werden. All das soll aber die amtlichen Songs nicht schmälern. Die Produktion ist erstklassig und die Songs knallen druckvoll aus den Boxen. Doublebass Attacken, grandiose Soli und groovende Midtempo Nummern machen es schwer, Beine und Kopf ruhig zu halten. Unterm Strich, ein solides Album, das Gefahr läuft, in der Flut an Veröffentlichungen unterzugehen. Etwas Mut zum Risiko wäre der Weg gewesen.

Anspieltipps: Hail & Row, Hatred und Lost In Heaven
Andreas F.
7.5
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7.5
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