Hoflärm Backyard Session vom 13.08. – 14.08.2021

Das Stoner Spektakel im Westerwald erlebt dieses Jahr eine sensationelle zweitägige Backyard Session

Bands: The Vintage Caravan, Earth Ship, Giöbia, Splinter, My Sleeping Karma, Monkey3, Smokemaster, Phiasco, Thvnderkvlt, Bongbongbeerwizards

Ort: Obersalterberger Hof 1, 57577 Marienthal

Datum: 13.08. – 14.08.2020

Kosten: 60 Euro / Ausverkauft

Genre: Stoner Rock, Hard Rock, Heavy Rock, Heavy Metal, Retro Rock, Proto Metal, Doom Metal, Psychedelic Rock

Besucher: 300

Veranstalter: Heinzelmännchen Hofcafe

Link: https://www.facebook.com/events/783758249202911?ref=newsfeed

Genau ein Jahr nach der letzten Backyard Session in Marienthal kommt es dieses Wochenende (13.08. – 14.08.2021) erneut zur Backyard Ausgabe des kultigen Hoflärm Festivals. Dieses Jahr sind es sogar zwei Tage, also ein Tag mehr als im letzten Jahr. Dass die Fans heiß auf das Hoflärm Festival sind zeigen sie, indem der Veranstalter im VVK bereits nach 1 ½ Minuten Sold Out vermelden konnte, und das, obwohl das endgültige Line-Up noch nicht feststand. Und das Line-Up hat es dieses Jahr wirklich in sich.

Coronabedingt ist es ein 3G Festival, das heißt, dass die Fans Nachweise bringen müssen, ob sie getestet, geimpft oder genesen sind. Die Veranstalter können auch nur die 300 Leute reinlassen, obwohl das Areal doch wesentlich mehr Fans zulassen würde. Das soll dann im nächsten Jahr (wenn wir hoffentlich Corona hinter uns gelassen haben) passieren, wie mir Veranstalter Reiner Orfgen bestätigt.

Was dem Veranstalterteam um Caspar und Reiner Orfgen da in diesem Jahr unter Coronabedingungen gelungen ist auf die Beine zu stellen, davor kann man nur den Hut ziehen. Also Chapeau ihr Lieben.

Ich darf wieder für Time For Metal bei diesem geilen Festival auf den Höhen des Westerwaldes dabei sein. Das Hoflärm Backyard ist für mich in diesem Jahr das zweite Open Air. Da nimmt man natürlich solch ein Event noch intensiver wahr.

Erster Tag

Pünktlich mache ich mich mit meiner Frau auf die Socken. Wir wollen uns vor Beginn auf dem Hof noch mit Freunden treffen, die ebenfalls vom Rhein in den Westerwald unterwegs sind. Das Wetter spielt in diesem Jahr mit, wir werden zwei herrliche sommerliche Festivaltage haben.

Früh genug kommen wir auf dem Hof in Marienthal an. Es ist schon einiges vor dem Hof los. Einlass ist noch nicht. Wir vernehmen, dass es sich heute wohl verzögern wird. Als Pressevertreter kommen wird dann schnell rein. An der Bühne wird noch viel gearbeitet. Es ist wohl das Licht, was Probleme bereitet und zur Verzögerung beträgt. Ca. zwei Stunden nach dem offiziellen Festivalbeginn fangen wir dann hier an. Das ist zwar so nicht eingeplant, kann der guten Stimmung aller Beteiligten jedoch keinen Abbruch tun. So unterhalten wir uns noch nett mit Freunden und neuen und alten Bekannten.

Der Festivalground ist genau wie im letzten Jahr der Bereich hinter dem Hof. Das hat sich mittlerweile bewährt. Neu in diesem Jahr sind jedoch die Absperrungen durch Baugitter. Da haben sich wohl im letzten Jahr einige Leute über das offene Feld unter die Festivalbesucher gemogelt. Die Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem Festivalground sind wieder recht großzügig. Urige Stehtische aus Scheunentoren auf Pfählen (kennen wir bereits vom letzten Jahr) und große Baumstämme als Sitzgelegenheiten befinden sich vor der Bühne. Rainer Orfgen erzählt mir, dass diese extra zu diesem Zwecke mit Lkws angefahren wurden. Auch denke man hier nachhaltig. Diese Stämme werden anschließend verarbeitet und stellen dann Baumaterial für den weiteren Ausbau des Hofes dar. Auch hier ein Kompliment dazu von mir.

Kurz nach 18 Uhr geht es dann endlich los. Die Fans haben bereits einige Westerwälder Kaltschalen inne und so wurde das Warten nicht langweilig. Opener des Festivals und des heutigen Tages sind Bongbongbeerwizards. Man, was für ein Name und zugleich auch noch so prägend für die Mucke, die runtergeht wie Öl, nein wie Hansa Pils.

Das Dortmunder Trio kredenzt extrem entschleunigte Musik, wie das Doomer einfach so machen. So extrem entschleunigt, dass ich an Sleep denken muss. Diese Entschleunigung zelebrieren die sympathischen Jungs auf der Bühne und immer dabei ist der Griff zum Dortmunder Hansa Pils. Das haben sie wohl mitgebracht und lassen sich nicht beirren, denn hier ist heute Westerwaldbräu im Ausschank. Am nächsten Tag sehe ich sie dann doch, sich am Westerwaldbräu vergreifend, das Hansa Pils wird wohl alle sein. Das ist sehr geil, was das Trio hier so veranstaltet. Auf Sleep spreche ich sie anschließend an. Mir wird von ihnen bestätigt, dass diese Band ihnen nicht gänzlich unbekannt sei 😉 Auf das Genre ihrer Mucke angesprochen teilen sie mir mit, das sei Heavy Meditation Music. Klar, kann ich bestätigen 😉 Ein neues Album ist wohl auch in der Pipeline. Das alte Album Albong nehme ich natürlich mit. Bis das fertig ist, dauert es aber noch etwas, Doom ist ja schließlich langsame Mucke. Die Band will mich wissen lassen, wenn es fertig ist und mir ein Exemplar für ein Review zukommen lassen. Also seid gespannt!

Weiter geht es mit Smokemaster, den Kölner Psychedelic Rockern. Die sind erst als Ersatz für die ursprünglich geplanten Electric Circus ins Billing gerutscht, weil diese kurzfristig absagen mussten. Das geht da oben jetzt anders zur Sache. Das Quintett fällt optisch dadurch auf, dass alle, bis auf den Schlagzeuger Sonnenbrillen tragen. Die muss es irgendwo im Angebot gegeben haben, nur für den Schlagzeuger war halt keine mehr da. Ich muss mich korrigieren, denn auf der Bandseite trägt er eine Sonnenbrille. Diese scheint er heute vergessen zu haben. Smokemaster wissen mit ihrem an Keyboards/Orgel angereicherten Psychedelic Rock durchaus zu gefallen und bringen natürlich etwas mehr Bewegung daher. Einen Frevel begehen sie dann aus meiner Sicht. Sie verhunzen den eigentlich geilen Song House Of The Rising Sun (u.a. Eric Burdon And The Animals) als deutsches Cover mit dem Titel Haus Der Lust. Das ist eigentlich gar nicht nötig, denn die Jungs haben sehr geile eigene Songs im Repertoire. Ich verzeihe das mal, denn die Stimmung hier auf dem Platz ist richtig geil. Da hätte man ihnen auch noch andere Sachen verziehen.

Jetzt kommt eine ganz spezielle Nummer mit Thvnderkvlt. Hinter Thvnderkvlt steckt Thünderwolf von den Speed/Turbo Rockern Kvinna, der auch noch bei Visdom sein Unwesen treibt. Der Kvinna Drummer Jan Emmermann aka Thünderwolf hat hier als Thvnderkvlt sein Soloprojekt verwirklicht. 2020 wurde ein Crowdfunding für das Konzeptalbum Chronicles Of Asterius von Thvnderkvlt über Startnext ins Leben gerufen. In dieser großartigen Aktion ging es nicht nur darum, das Soloprojekt von Thvnderkvlt zu finanzieren, sondern auch gleichzeitig dem Hoflärm Open Air in Marienthal in der schwierigen Coronazeit weiterzuhelfen.

Chronicles Of Asterius ist ein Konzeptalbum, welches über Asterius, einen alten Helden handelt, der sein Recht beansprucht, den himmlischen Thron wiederzugewinnen. Das ist natürlich schon eine kleine Sensation, dieses Soloprojekt des Drummers Jan Emmermann hier live zu sehen. Extra für diese Band hat er sich mit befreundeten Musikern (u.a. Kvinna, Visdom und Vvlva) zusammengeschlossen. Musikalisch wird ein starkes Stück  Rock / Heavy Metal mit einem leichten progressiven Touch serviert, bei denen die beteiligten Musiker sichtlich Spaß an der Liveperfomance haben.

Wir nähern uns den Höhepunkten des Abends. Viel an Zeit eingeholt hat man nicht, daher ist es auch bereits dunkel. Direkt aus Berlin eingeflogen kommt das mächtige Earth Ship! Bei Earth Ship fühlt man die Macht des allmächtigen Riffs, welches den Zuhörer in Mark und Bein erfasst. Dreckiger Sludge in all seinen Facetten ist angesagt. Süffige, Laut/Leise-Dynamik, wie bei den großen Vorbildern von Kylesa oder Crowbar, mit denen man bereits gemeinsam getourt ist. Morbide Melodien sind zu vernehmen. Das passt alles sehr gut hier auf den Hoflärm, das macht dem Namen alle Ehre. Das Berliner Trio Earth Ship besteht aus Ehepaar Jan (Gitarre, Gesang) und Sabine Oberg (Bass), begleitet von Drummer Andru Giant, der sich den beiden 2019 angeschlossen hat.

Jan und Sabine Olberg haben mit Grin übrigens noch ein weiteres Sludge / Stoner Projekt am Start. Vielleicht sieht man sie ja im nächsten Jahr hier dann mit Grin!? Live habe ich die beiden mit Grin noch nicht gesehen, das wird aber mal Zeit. Am Merchstand kann ich mir dann noch das neueste Album von Grin auf Vinyl zulegen. Die anderen Earth Ship / Grin Alben besitze ich bereits. Den Berlinern gefällt es hier so gut, dass sie einfach übers Wochenende komplett hierbleiben. Am nächsten Tag sieht man sie als Zuschauer vor der Bühne und sie haben dabei genauso viel Spaß wie bei ihrem Gig auf der Bühne. Also Caspar, nächste Jahr Grin wäre doch was, oder!?

 

Abgeschlossen wird der Abend von den Schweizern Monkey3. Die Psychedelic Space Rocker habe ich zuletzt auf dem Desertfest Berlin 2019 gesehen. Dort waren sie die dritte Band eines langen Festivaltages und sorgten dafür, dass sich die Halle (Arena Kreuzberg) massiv füllte. Hier auf dem Hoflärm sind sie der Topact des Tages und auch hier ist es vor der Bühne jetzt massiv voll (ohne Coronabedingungen wären wohl noch wesentlich mehr hier heute Abend bei diesem Line-Up). Die Schweizer Combo begeistert mit ihren lang ausgedehnten Soundreisen bereits seit 2001 die Fans, so auch heute. Lustig ist übrigens, dass die Musiker in den Anfängen lange nach einem passenden Sänger suchten, aber nie jemand passenden fanden. Also blieb man bei der Instrumentalmusik. Am Bass hat man inzwischen einen Besetzungswechsel vorgenommen. Auf der Leinwand hinter den Musikern spielen sich psychedelische Episoden ab. Und klar, die Dampfer werden auch benutzt, sodass die Musiker teilweise schön eingehüllt in den von ihnen erzeugten Dampfwolken stehen. Das ist ja schließlich ein Markenzeichen der Band. Dies trägt noch weiter zu dieser ganz besonders Atmosphäre bei und stellt den gelungenen Abschluss des Tages/der Nacht dar. Die Band hat übrigens ihren eigenen Tonmischer dabei, der die Band lautstark anfeuert. Ansonsten mischt hier Falko Schneider (Bassist der instrumental Stoner Sarkh) wieder vorzüglich ab. Am Merchstand stehen einige Leute, die gerne von der Band ihre Sachen signiert haben möchten. Der Mercher sorgt dafür, dass die Band kurz nach dem Gig direkt da ist und bereitwillig den Fans alles signiert. Tolle Aktion, die Leute nicht mehr allzu lange warten zu lassen, denn wir nähern uns bereits auf halb zwei in der Nacht. Eigentlich sollte der heutige Tag ja bereits um 23:45 Uhr beendet sein. Für meine Frau und mich steht noch eine einstündige Fahrt nach Hause an. Außer Fuchs und Hase trifft man im Westerwald jedoch niemanden sonst auf der Straße und so kommen wir gut ohne Verkehrsbehinderungen durch.

Das Programm wurde komplett durchgezogen und gut, dass keine der Bands ihre Setliste kürzen musste.

Zweiter Tag

Spätes Frühstück und wir machen uns wieder auf den Weg in freudiger Erwartung des zweiten Tages, der pünktlich um 15:00 Uhr beginnt. Auf dem Parkplatz angekommen hören wir bereits die ersten Klänge der Band Stew, die schon mit ihrem Gig begonnen hat. Auf dem Weg zum Festivalground begegnen wir Freunden, die uns begrüßen und anmerken, dass sich das aber schon mal sehr geil anhört. In der Tat hören sich Stew recht geil an. In der Mittagszeit ist es vor der Bühne noch recht überschaubar. Ich treffe Reiner Orfgen, dem die Band auch sehr gut gefällt und es schade findet, dass da jetzt nicht mehr Leute vor der Bühne sind und der Band zuhören. Das tut dem Trio in der Performance jedoch keinen Abbruch. Bei Stew handelt es sich nicht um die gleichnamige Hamburger Band, sondern um das schwedische Hardrock Power Trio Stew aus Lindesberg. Die hauen hier zur späten Mittagszeit mal so richtig rein. Power ohne Ende. Mucke so zwischen Hendrix und Rory Gallagher, da kann ich nur mit der Zunge schnalzen. Gerade drei Jahre existiert die Band. Ihr bisher einziges Album People (erschienen im Oktober 2019 als CD auf Ripple Music) muss ich mir unbedingt mitnehmen. Die drei Jungs schwirren den ganzen Tag noch auf dem Festivalgelände herum und hören sich die anderen Bands an. Ich habe die Möglichkeit, mich mit ihnen noch nett zu unterhalten. Ich frage sie, ob das Gerücht stimmt, dass in Schweden jeder Musiker in mehreren Bands spielt. Sie lachen und sagen mir, dass alle drei nur bei Stew spielen. Aber in der Szene in Göteborg sei das wohl so, dass manche Musiker in zwei, drei oder mehreren Bands spielen würden.

Zurück aus Schweden kommen wir wieder nach Köln. Kölner Bands haben hier ja fast Tradition. Phiasco, Stoner Rock mit Seventies Einflüssen sind jetzt dran. Die können den Staffelstab von Stew direkt aufnehmen und legen mit ihrer Art des (Stoner) Rocks richtig los. Sogar so fulminant, dass ein Amp kaputtgeht. Nicht schlimm, die Crew hier auf dem Hoflärm wechselt den Amp schnell aus und es geht weiter. Das sind ziemlich lustige Vögel da oben aus der Karnevalshochburg. Phiasco treiben mit ihrem selbst erfundenen „alternativeless cockrock“ (in der freien Übersetzung der Kölner so etwas wie versteinerter Altherrenschwanz) die Stimmung mächtig an. Sie standen ja eigentlich bereits letztes Jahr auf der aktuellen Besetzungsliste des regulären Festivals und können das heute nachholen. Dass sie sich selbst nicht so ganz ernst nehmen, zeigt die tolle Show auf der Bühne. Zwischen den Songs werden Witzen und Sprüche gemacht, ohne dass dies die Qualität der Mucke mindert. Man sieht es richtig, dass die Band Spaß an dem hat, was sie da oben macht.

Heute ist auch unser alter Freund Volker von den Rockfreaks Siegen anwesend. Den habe ich gestern schon vermisst. Das sage ich ihm auch. Er war gestern wohl in Aschaffenburg bei seiner Lieblingsband My Sleeping Karma. Ach ja, die sind ja heute auch hier, so sind halt Die-Hard-Fans. An beiden Festivaltagen moderieren hier erneut Katharina Heldt und Carsten Krohn (Sängerin und Schlagzeuger der Kölner Galactic Superlords) wie im letzten Jahr auch, wobei Katharina auffällig die Oberhand dieses Jahr hat!

Als Nächstes kommt eine kleine Rocksensation mit Splinter. Nicht die Splinter aus Essen (die mein Kumpel Rene erwartet) oder gar das ehemalige englische Duo Splinter aus den Siebzigern, welches den Beatles sehr nahestand. Nein, es sind Splinter aus den Niederlanden. Noch nie gehört!? Ich auch nicht zuvor. Als ich aber die Jungs sehe, fällt es mir wie die Schuppen aus den Haaren. Splinter sind so was wie eine niederländische Supergroup, denn Splinter bestehen aus ehemaligen Mitgliedern von Death Alley, Birth Of Joy und Vanderbuyst. Wow!!!

Death Alley und Birth Of Joy hatten ihre jeweiligen Abschiedsshows am 3. Januar 2019 im Paradiso in Amsterdam. Kumpels von mir waren dabei. Ich habe beide Bands kurz zuvor noch live erleben dürfen. Birth Of Joys Gertjan Gutman an der schweren Hammondorgel fällt mir natürlich sofort auf. Diesen markanten Act hat er früher bei Birth Of Joy auch abgeliefert. Da kommt schon etwas Wehmut auf. Ich bin froh, Birth Of Joy noch live erlebt zu haben. Sänger Douwe Truijens und Gitarrist Sander Bus haben nach dem zu Grabe tragen von Death Alley also direkt weitergemacht. Dazu gesellt sich am Schlagzeug noch Barry van Esbroek von Vanderbuyst.

Die Jungs reißen hier eine heiße Show ab und das am frühen Nachmittag und bei dieser Hitze hier! Im Vordergrund dabei steht eindeutig Sänger Douwe Truijens. Der bewegt sich und tänzelt mit der Musik, er ist praktisch in den Songs. Eine perfekte Show aus Garage Rock und Punk ’n‘ Roll, so würde ich es mal beschreiben. Am Merchstand gratuliere ich Douwe Truijens für diese Performance. Ein Album würde ich gerne mitnehmen, das kommt jedoch erst am Ende des Jahres raus. Dafür haben sie aber schon drei Vinylsingles mit Songs dabei, die auch auf dem Album sein werden. Für mich natürlich ein Must-Have. Meine Frau muss sich noch das geile Shirt der Band mitnehmen. Auf das fahren einige Mädels ab.

Es folgen nun die Mailänder Giöbia. Eigentlich etwas früh, denn die würden noch besser passen, wenn die Dunkelheit eingebrochen ist. So jedenfalls meine Meinung. Ich habe sie bisher auch immer nur mit Lichtshows gesehen.

Bei Giöbia kann man getrost von einem Spacetrip sprechen. Earth Ship sind ja auch noch hier und ebenfalls von den Mailändern begeistert. Zumindest holen sie sich das neue Album am Merchstand. Giöbia katapultieren uns nun aus der Umlaufbahn. Das Quartett aus Mailand besteht aus der jungen Dame an der Orgel / Synths, die sich Saffo nennt. An Gitarre und sonstigen Saiteninstrumenten, dazu gehört auch eine Bouzouki, finden wir Bazu vor. Den habe ich vorhin schon freudig begrüßt. Für die Rhythmusfraktion sind die beiden Herren Detrji am Bass und Betta am Schlagzeug zuständig (so jedenfalls die Besetzung beim letzten Album  Plasmatic Idol und auf dem letzten Gig, den ich Anfang 2020 vor Corona in Siegen gesehen habe). Das erste Mal kennen und lieben gelernt habe ich die Band im Bi Nuu beim labeleigenen Heavy Psych Sounds Fest in Berlin.

Daher weiß ich, dass die Personen, die ich nun auf der Bühne sehe weder Saffo, noch Betta sind.  Die werden heute wohl durch Backups ersetzt, so denke ich jedenfalls. Eigentlich will ich Bazu nach dem Gig noch nach dem Grund des Ausfalls der beiden anderen Akteure fragen, vergesse es aber. Bazu klärt mich jedoch ein paar Tage nach Erscheinen dieses Berichtes per mail auf: Saffo und Betta haben aus persönlichen Gründen die Band vor mehr als einem Jahr verlassen. Keyboarderin und der Schlagzeuger des heutigen Abends sind Melissa Crema und Pietro D’Ambrosio. Beide sind also die neuen Bandmitglieder und keine Backups. Vielen Dank für die Information Bazu!

Trotz Umbesetzung funktioniert die volle Dröhnung Acid Rock hier perfekt. Förmlich in die Weiten des Westerwälder Weltraumabends rockt die Band hier. Giöbia spielen schweren, psychedelischen Space Rock, der keine Kompromisse eingeht. Es gibt eine Fahrt durch komplexe Soundlandschaften mit einem dicken, wabernden Teppich an Effekten. Gitarrist Bazzu experimentiert im Vordergrund mit seinen Saiteninstrumenten, während die anderen Mitspieler den langen Songs die Richtung geben. Art Rock, der dich einfach nur wegbeamt Mr. Scotty! Es sind natürlich Songs ihres letzten Werkes Plasmatic Idol mit auf der Setlist. Zudem durfte ich ein Review machen und die Platte steht bei mir ganz hoch im Kurs (hier geht es zum Review), wie die Band selbst auch.

Wir sind heute richtig gut in der Zeit und kommen auch schon zum heutigen Co-Headliner The Vintage Caravan. The Vintage Caravan aus Island ist eine Combo, die sich echt den Arsch abtourt! Mehrfach schon gesehen (unter anderem bei dem letzten stattgefundenen Freak Valley Festival in Netphen) weiß ich natürlich, dass bei dem Trio auf der Bühne echt der Punk abgeht. Wild in Bewegung bringen sie ihre eigene Mixtur aus Psychedelic Rock, Hard Rock, Classic Rock und Progressiv Rock auf die Bühne. Mittlerweile sind sie eine feste Größe im Musikzirkus und das haben sie sich echt verdient. Das Publikum dankt es ihnen und geht wild mit vor der Bühne. Immer wieder erstaunt bin ich trotzdem, dass einige Fans sie noch nicht kennen, denn von dem kleinsten Club bis zum Riesenfestival wie Wacken haben sie schon alles gespielt. Meine erste Begegnung mit ihnen war im November 2015 im Bi Nuu in Berlin, wo sie gemeinsam mit Avatarium und Honeymoon Disease gezockt haben.

Zum Abschluss kommen dann noch die Aschaffenburger My Sleeping Karma. Carsten Krohn kündigt die Band an. Nein, das stimmt so nicht, denn Carsten Krohn kündigt Volker Fröhner an. Jubel bei den Fans und Volker, Volker, Volker Rufe! Volker dürfte einer großen Stoner-Fangemeinde ja bestens bekannt sein, denn er kündigt auf dem Freak Valley in Netphen die Bands mit dem Standardsatz „Liebe Freunde“ an. Heute darf er seine Lieblingsband ansagen: „Liebe Freunde aus Aschaffenburg heute Abend My Sleeping Karma.“

Spiritualität spielt im Sound von My Sleeping Karma eine zentrale Rolle. Klar, davon kann man bei dem Bandnamen wohl auch ausgehen. Alles ist nun vor der Bühne versammelt. Spannung pur bei den Fans und vielleicht auch Anspannung bei der Band!? Das gewohnte Ritual beginnt damit, dass sich die Akteure zusammenstellen und sich umarmen. Tranceähnliche Zustände bei den Fans sind angesagt. Die passen zu dem instrumentellen Psychedelic Rock von My Spleeping Karma. Die Stimmung bei den Fans könnte nicht besser sein, denn die Band hat einen großen Fankreis. My Sleeping Karma verzücken wie gewohnt ihre Zuhörer mit langen Instrumentalstücken in tranceartige Zustände. Ihrer Musik liegt ein ureigener psychedelischer Groove zugrunde. Dem psychedelischen Groove Rock von My Sleeping Karma kann man sich nur schwer entziehen. Irgendwie entwickelt sich so was wie ein Sog. Ihre Musik saugt dich einfach auf. Dabei ist die Musik teilweise melodisch verspielt mit Synthi Passagen, aber auch richtig harte Riffs sind da. Ruhe und Gelassenheit mit harten Riffs. Der atmosphärische Sound wird natürlich durch die Keys unterstützt. My Sleeping Karma können in ihrer elfjährigen Bandgeschichte schon auf eine beachtliche Anzahl an Veröffentlichungen zurückblicken, wobei das letzte Studioalbum Moksha bereits von 2015 ist. Zwischen Band und Publikum entsteht eine Art an Energieaustausch. My Sleeping Karma spielen im zeitlichen vorgegeben Rahmen und schnell ist dann fast unbemerkt auch schon das Ende da. Das Ende des Gigs von My Sleeping Karma und auch der Hoflärm Backyard Session 2021. Beim Ausgang spenden wir noch für Bäume eines Projektes, welches in der Nähe der Aufforstung des Waldes dienen soll.

Fazit:

Caspar und Reiner Orfgen hatten bereits im letzten Jahr die geniale Idee mit der Backyard Session des Hoflärms, also eine kleinere/schmalere Version unter Corona-Bedingungen an gleicher Stelle auf die Beine zu stellen. Das hat schon sehr gut im letzten Jahr geklappt. Dieses Jahr schlägt es nun alles und das gleich über zwei volle Festivaltage mit einem unglaublichen Line-Up. Ein Erlebnis der Spitzenklasse für die Fans und auch die Bands, die endlich wieder ran durften. Die Stoner durften sich hier mal zwei Tage wieder so richtig satthören. Ach was, davon kann man nicht satt werden. Apropos satt werden: Essen und Trinken waren übrigens wieder mal vorzüglich. Von mir im Namen von Time For Metal ein großer Dank an alle Beteiligten, den Bands und vor allem natürlich an Caspar und Reiner. Die Hoflärm Backyard Session – das Highlight des Jahres. Lieben Dank für die Einladung, wir freuen uns schon auf 2022 und sind gerne wieder dabei in Marienthal.

Podcast
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