Interview mit Stefan Üblacker, dem Autor von „Das Buch Ä – Die von Die Ärzte autorisierte Biografie“, vor seiner Lesetour in Kiel

„Interview mit Stefan Üblacker, dem Autor von „Das Buch Ä – Die von Die Ärzte autorisierte Biografie“, vor seiner Lesetour in Kiel“

Artist: Stefan Üblacker

Herkunft: Bonn, Deutschland

Genre: Fun-Punk, Rock, Pop-Punk, Ska-Punk, Pop-Rock

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf

Link: http://www.ueblacker.de/

Datum: 21.05.2018

Ort: Kulturzentrum Die Pumpe, Kiel

 

Time For Metal / Norbert C.

Schönen guten Abend Herr Üblacker. Vielen Dank, dass Sie sich so kurz vor Ihrem Auftritt noch die Zeit für uns nehmen. Ich muss gestehen, ich betrete etwas Neuland. Künstler aus Film und Musik zu interviewen ist ja schon aufregend genug, da fallen einem immer irgendwelche schlauen Fragen ein. Aber bitte wie interviewt man jemanden, der aus Interviews ein Buch gemacht hat…?

Stefan Üblacker

Ein gutes Interview ist im besten Fall immer ein gutes Gespräch. Von daher lassen wir uns doch einfach treiben und schauen wir mal, wo das Ganze hinführt …

Time For Metal / Norbert C.

Sie haben sich ja für Ihren heutigen Gig einen Die Ärzte-historischen Ort ausgesucht. Hier traten BelaFarinRod ja auch schon mehrfach sowohl als Die Ärzte als auch alle drei mit ihren Soloprojekten auf. Das allererste Mal bereits Weihnachten 1986 auf der boys want fun-Tour. Konnten Sie Kiel und diese Location schon ein wenig genießen?

Stefan Üblacker

Ich war schon mal in Kiel, aber bislang noch nicht hier in der Pumpe. Es ist für mich immer etwas besonderes auf einer Bühne zu stehen, wo bereits Künstler standen, die ich sehr verehre. Von daher bin ich sehr froh heute hier zu sein.

Time For Metal / Norbert C.

Ein paar neugierige Fragen brennen mir natürlich unter den Nägeln. Als Allererstes nach dem Warum. Ein Buch mit 700 Seiten fast nur Text – als Nicht-Journalist ist das doch eher ungewöhnlich. Vor allem, weil es ein sehr schönes “Bilderbuch“ über das Wirken der Die Ärzte schon einmal gab…

Stefan Üblacker

Ja, genau. Es gab dieses sehr schöne „Bilderbuch“, aber das war eben mehr Bildband als Bandbio. Beim Buch Ä liegt der Fokus eindeutig auf dem Text. Die 128 Seiten Bildteil sind da eigentlich nur schönes Beiwerk. Was den Nicht-Journalisten betrifft: An dieser Band ist nichts gewöhnlich. Warum also nicht jemanden nehmen, der so ein Mammutwerk noch nie zuvor verfasst hat? Macht doch Sinn!

Time For Metal / Norbert C.

War es hilfreich oder eher störend, dass Ihr Buch beim gleichen Verlag erschienen ist?

Stefan Üblacker

Hilfreich. Denn der Verleger ist ein sehr cooler Typ, der eben versteht, welche Bedeutung diese Band hat und was sie ausmacht.

Time For Metal / Norbert C.

Das ganze Buch zu schreiben hat laut Recherche zwei Jahre gedauert. Der Premierentermin wurde öfters geschoben. Woran lag es? Wurden Sie nicht fertig, sollte Jamel noch rein oder kamen die Korrekturleser nicht hinterher?

Stefan Üblacker

Wir haben gar nicht verschoben. Wir hatten seinerzeit einen VÖ-Termin genannt und den dann auch gehalten. Da sind wir schon ordentlich. Allerdings kamen die Geschichte über den Kurzauftritt in Jamel sowie die Widmung für den leider viel zu früh verstorbenen Ex-Bassisten Hagen Liebing tatsächlich auf den letzten Drücker noch mit rein. Auf Zweiteres hätte ich dabei gerne verzichtet.

Time For Metal / Norbert C.

Zwei Bücher von zwei Fanclubchefs. Rivalität oder konstruktive Zusammenarbeit, auch wenn 15 Jahre dazwischen lagen?

Üblacker – Logo

Stefan Üblacker

Weder noch, denn ich hatte und habe keinen Kontakt zu Markus Karg, dem Autor des „Bilderbuchs“.

Time For Metal / Norbert C.

Oft werden die beiden Bücher miteinander verglichen. Das werde ich definitiv nicht machen, da beide offensichtlich unterschiedliche Konzepte verfolgen. Mich interessiert mehr der Hintergrund. Was sagte BelaFarinRod dazu? Ohne die Unterstützung der Drei ist solch ein Projekt ja sicher kaum umsetzbar.

Stefan Üblacker

Zunächst einmal gibt es bei drei handelnden Personen durchaus unterschiedliche Meinungen. Das geht von „Dafür“ über „Dagegen“ bis „Vielleicht“. Als ich der Band meine Idee präsentiert habe, ging es auch gar nicht in erster Linie um mich, sondern einfach darum, dass es doch gut wäre, noch mal eine komplette Biografie vorzulegen, die von vorne bis hinten alles erzählt. Das war mein Wunsch als Fan. Ich bin immer noch perplex, dass die Band dann mich damit betraut hat. Dieser Vertrauensvorschuss hat in Folge viele Kräfte freigesetzt. Dass die Drei dann auch noch so eng mit am Buch gearbeitet haben, war dann das Sahnehäubchen. Für einen Fan ist so etwas das Größte.

Time For Metal / Norbert C.

Wie viele Stellschrauben, wie viel Vitamin B waren im Vorfeld überhaupt nötig, um solch ein Projekt zu realisieren? Allein von Sahnie ein Interview zu bekommen, hatte ja nicht einmal Ihr Vorgänger geschafft.

Stefan Üblacker

Dazu muss man wissen, dass ich mich zuvor bei der Band und ihrem Umfeld schon sehr gut ausgekannt habe. Ich kannte viele Leute eben schon, die dann wiederum Zugang zu anderen Leuten ermöglichten. Im Fall von Hans „Sahnie“ Runge war es zum Beispiel genau so. Bei all den Interviews war es mir wichtig, dass nicht nur Elogen auf die Band gesungen werden sollten, sondern eben auch gesagt werden konnte, was der- oder diejenige nicht so gut fand. Es sollten auch die zu Wort kommen, die in Unfrieden mit der Band auseinandergegangen sind, denn das gehört dazu. Ich glaube, diese offene Herangehensweise hat dazu geführt, dass viele vermeintliche Hürden automatisch gefallen sind.

Time For Metal / Norbert C.

Zugang zum Die Ärzte-Archiv. Wie muss man sich das vorstellen?

Stefan Üblacker

Ich bekam einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Sie gehörte zu einem Mann, der mir sagte, dass ich mich um 12 Uhr mit der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Hörzu an einen Tisch im Café Dornenvogel setzen sollte. Ich tat wie mir geheißen und ein Kellner, der mir seltsam bekannt vorkam, legte wortlos ein Schlüsselbund auf den Tisch. Als ich die Rechnung bekam, waren daraufhin einzelne Buchstaben sowie die Zahl „13“ markiert, was mir den Ort des geheimen Archivs der Die Ärzte verriet. Dort angekommen musste ich den Schlüssel nur noch in das Schloss einstecken, umdrehen und schon stand mir die Schatzkammer offen. Mir offenbarte sich ein überwältigender Fundus aus Bild- und Tonträgern, Unterlagen, Fotos und Memorabilia. Ich verbrachte viel Zeit dort und konnte so manchen Schatz heben.

Time For Metal / Norbert C.

Mein Exemplar ist aus der ersten, durchnummerierten Vorab-Sonderauflage. Leider langte es nur zu einer 6.000er-Nummer. Wie hoch war diese Auflage und wo liegen Sie jetzt nach eineinhalb Jahren?

Stefan Üblacker

Die limitierte und nummerierte Erstauflage lag bei 10.000 Stück, die sehr zügig vergriffen war. Daraufhin wurde dann eine zweite Auflage in Auftrag gegeben, die übrigens – Achtung Sammlerhinweis! – ein paar Fehler weniger enthält. Was die Zahlen betrifft: Das Buch hat viel verkauft. Sehr viel sogar für die heutige Zeit, denn der Branche geht’s leider nicht so gut.

Time For Metal / Norbert C.

Noch einmal zurück zur Entstehung. Zwei Jahre schreiben… inklusive Recherche oder kommt da noch Zeit drauf? Sie haben ja schließlich noch einen Job…

Stefan Üblacker

Nee, das passt schon so.

Time For Metal / Norbert C.

Ich stelle mir die Recherchearbeit schwierig vor. Schließlich wohnen ja alle Beteiligten nicht an einem Ort, sondern in der Welt verstreut.

Stefan Üblacker

Mit Hilfe modernster Telekommunikation war auch dies möglich. Und ja: Manchmal muss man eben auch beharrlich sein.

Time For Metal / Norbert C.

Wie kommt man überhaupt an die Leute? Die stehen ja nicht alle im Telefonbuch, wohnen in der Welt verteilt und sind Journalisten nicht immer wohlgesonnen.

Stefan Üblacker

Über Kontakte und gutes Zureden – was aber nicht allzu oft nötig war, denn die Meisten haben sehr gerne Auskunft gegeben.

Time For Metal / Norbert C.

Über diesen langen Zeitraum verändert sich ein Mensch. Wie schafft man es, Schreib-, Frage- oder ganze Interviewstile über solch einen Zeitraum beizubehalten?

Stefan Üblacker

Die Fehlfarben haben mal gesagt: „Keine Atempause. Geschichte wird gemacht.“ Ich habe fast jeden Tag etwas geschrieben oder gemacht für das Buch. Diese Kontinuität hat dann dazu geführt, dass ich mich nicht verliere. Auch Schreibblockaden sind gottlob ausgeblieben.

Time For Metal / Norbert C.

Nach der Auslieferung gab es sehr differenzierte Kritiken und Rezensionen. Wie geht man als Autor damit um?

Stefan Üblacker

Man muss sich einfach immer bewusst sein, dass man es nie allen Leuten recht machen kann. Das ist ja auch völlig normal. Wenn man das verinnerlicht und dann noch sachliche Kritik von unfundiertem Gemeckere unterscheiden kann, dann kann man damit sehr gut umgehen. Dazu muss ich aber sagen, dass das positive Feedback eindeutig überwogen hat, was mich natürlich sehr freut.

Time For Metal / Norbert C.

Ich bin keine Leseratte. Für mich ist es sehr anstrengend, solch einen Wälzer anzugehen. Ich habe mich während einer Reha im letzten Jahr erst daran getraut. Viele Käufer bemängeln Ihren einfachen, flapsigen Schreibstil. Mir hat es geholfen, 700 Seiten durchzuhalten. Mein Stil ist garantiert ooch nich´ viel besser. Welche Reaktionen hat man Ihnen gegenüber persönlich gezeigt?

Stefan Üblacker

Ach ja. Entweder man mag es halt oder eben nicht. Ich kann und will mich ja nicht verstellen und die Besucher meiner Lesungen haben auch oft genug gelacht – also kann es ja nicht so schlecht sein. Auch sonst ist das Buch schon sehr gut angekommen, denke ich. Viele fanden auch meine Idee gut, die Ereignisse in der Bandgeschichte in den historischen Kontext einzuordnen. Das hilft, manche Entscheidungen besser zu verstehen und außerdem ist es eine schöne Zeitreise

Time For Metal / Norbert C.

Markus Kargs Meerschwein kostet 52 €, dagegen wirken die 30 € für Ihren Wälzer sogar günstig. Wie werden solche Preise kalkuliert und bleibt da noch etwas übrig? Die Recherchen und Vorarbeiten kosten ja auch.

Stefan Üblacker

Die erste Frage kann Ihnen mein Verleger sicher gut beantworten. Zur zweiten Frage: Verhungert bin ich nicht. Für den goldenen Maybach hat es aber bislang auch noch nicht gereicht.

Time For Metal / Norbert C.

Nun muss ich doch noch ein paar Fragen zum Heute loswerden.
Ihre Lesetour begannen Sie ein Jahr nach Erscheinen. Normal finden Lesungen direkt um das Release statt, um das entsprechende Werk zu promoten. Wie kam es zu solch einer späten Zusammenarbeit? Ist das noch Punkrock?

Stefan Üblacker

Wie gesagt, warum soll man bei einer unnormalen Band normal bleiben? Die Idee zu der Lesetour entstand erst, nachdem das Buch im Druck war. Ich kann den Jungs von Reis Against The Spülmachine übrigens gar nicht genug dafür danken, dass sie sich trotzdem vor den Karren haben spannen lassen. Ich musste sie allerdings nicht groß überreden, denn sie sind große Liebhaber der Songs von Die Ärzte.

Time For Metal / Norbert C.

Konnten Sie mit den beiden von Reis Against The Spülmachine überhaupt vor der ersten Tour ein Konzept ausarbeiten und vernünftig proben? Bonn und Oldenburg sind ja auch nicht gleich ums Eck…

Stefan Üblacker

Gute Vorbereitung ist das halbe Leben. Wir haben sehr viel Zeit vorab investiert, sodass es nicht mehr viel Proben gebraucht hat. Das liegt natürlich auch daran, dass hier ausnahmslos Top-Profis am Werk waren (ähem).

Time For Metal / Norbert C.

Die Mischung aus Lesung, Klamauk und Konzert habe ich jetzt schon häufiger erlebt. Eine neue Modeerscheinung oder ein Trend, der sich durchsetzen wird?

Stefan Üblacker

Es war für mich das einzig schlüssige Konzept, wie man dieser Band gerecht werden kann. Umso mehr freut es mich, dass nun auch andere Künstler auf unseren Zug mit aufgesprungen sind.

Time For Metal / Norbert C.

Die Zeit läuft, Ihr Auftritt steht bald bevor. Drei Stunden Programm. Vielen, vielen Dank für dieses Interview so kurz vor dem Auftritt. Wie bei uns üblich gehört das letzte Wort zum Abschluss Ihnen. Möchten Sie unseren Lesern ganz frei noch etwas mitteilen?

Stefan Üblacker

Ja, gerne. Genießt das Leben, engagiert euch und lasst nicht zu, dass Idioten das Sagen über euch haben. Um es mit den Die Ärzte zu sagen: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

Time For Metal / Norbert C.

Noch einmal vielen Dank, viel Erfolg weiterhin sowie viel Spaß bei dem Gig und eine gute Heimreise!

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